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2. Teil:
Nikon M, Nikon S, Nikon S2 sowie die Exoten
Nikon M
Nikon M (Photo © Leicashop Wien)
Eine Nikon M
ist eine Nikon I mit einem Negativformat von 24x34 mm.
Das ist der wesentliche technische Unterschied zur Nikon I für das
Format 24x32 mm. Außerdem
wurde in die Nikon M die Filmaufwickelspule fest eingebaut. Diese
Neuerungen erfolgten im August 1949. Seit damals wird das Vormodell als
Nikon I bezeichnet.
Die Nikon M ist
äußerlich nicht auf Anhieb von der Nikon I zu unterscheiden. Am Gehäuse selbst änderte sich
nämlich nichts. Allerdings wurde
der Gerätenummer auf dem Gehäuseoberteil ein M vorgesetzt.
Aber nicht
alle Nikon M tragen ein M vor der Gerätenummer. Einerseits wurden bei
der Produktionsumstellung im Werk vorhandene, noch nicht verkaufte Nikon
I auf Nikon M umgebaut. Außerdem hatte Nikon zu viele
Oberteile für die Nikon I auf Vorrat gefertigt, daher wurden die ersten
Nikon M mit den von der Nikon I übrig gebliebenen Oberteilen versehen,
die sich ja ohnehin nicht änderten. Später erst wurde in die Oberteile
ein M zusätzlich eingestanzt.
Warum hieß die Kamera überhaupt Nikon M
und nicht etwa Nikon II? Das M steht für "Medium", denn das
nunmehr gewählte Filmformat 24x34 stellt sozusagen ein Mittelding
zwischen dem ursprünglichen Nikon-Format 24x32 und dem Leica-Format
24x36 dar. Auf solche Typenbezeichnungen kommen nur Japaner.
Warum ging man nicht gleich auf 24x36mm über? Weil die
Neukonstruktion des Gehäuses für das größere Format zuviel Aufwand
und vor allem Geld gekostet hätte, das nicht vorhanden war. Nikon half
sich insofern, als man immerhin die Zwischenräume zwischen den
einzelnen Negativen auf dem Film vergrößerte. Das erfolgte dadurch, dass der Film
nach jeder Aufnahme um 8
Perforationslöcher weiter transportiert wurde, anstatt nur um 7 wie bei der
Nikon I. Damit wurde die automatische Rahmung von Kodachrome-Dias möglich, weil die Papprähmchen einen Teil des Dias abdecken
und die nutzbare Fläche des Dias ohnehin nicht 24x36mm beträgt. Somit stimmte auch die amerikanische Besatzungsmacht dem offiziellen Export
von Nikons in die Vereinigten Staaten durch amerikanische Soldaten zu.
Die Nikon M war erfolgreicher als die Nikon I.
Ab August 1949 wurden die vorhandenen Nikon I umgebaut und die Produktion auf
die neue Kamera umgestellt. Im Oktober 1949 war es dann soweit, die
Nikon M erschien auf dem Markt. Zwischen August 1949
und Jänner 1951 wurden wahrscheinlich über 3000 Stück der
Nikon
M gefertigt. Wieso
wahrscheinlich? Weil Nikon seine Angewohnheit beibehielt, die
vorhandenen Gehäuseoberteile, in die jetzt serienmäßig das M vor der
Nummer eingestanzt war, für die Nachfolgekamera aufzubrauchen. So wie
es daher Nikon M's gibt, denen das M auf dem Oberteil fehlt,
gibt es Nikon M, die keine Nikon M's mehr sind, sondern bereits Nikon S. Das freut die Sammler ungemein, die auf diese Weise bei ihren
Treffen immer dankbaren Gesprächsstoff haben.
Technische Daten
Nikon M:
Messsucherkamera für
Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal
ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für
Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6,
Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60,
1/100, 1/200, 1/500.
Kein Blitzkontakt (siehe aber Nikon S!) und kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel
manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 2/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.
Ungefähre heutige
Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon M mit Nikkor
1,4/50 mm: über 3000
Euro.
Nikon S
Alle Nikon
M-Kameras, die ab Jänner 1951
erzeugt wurden, haben einen Blitzanschluss. Kameras mit Blitzanschluss
werden als
Nikon S bezeichnet (von Nikon), gleichgültig, ob die Kamera
formal noch das M vor der Gehäusenummer aufweist oder nicht. Ab der
Gehäusenummer 6094000 fehlt der Buchstabe M vor der Nummer, von da an
gibt es keine Debatte mehr, dass es sich um eine Nikon S handelt. Warum
die Nikon S so heißt? Wahrscheinlich steht das S für "Synchronized",
denn die Kamera ist das erste Modell mit einem Blitzanschluss. Genau
genommen sind es sogar zwei, und um ganz genau zu sein, die Kamera weist
auf der linken Seite sogar vier Buchsen auf, je zwei vor und hinter der
Tragöse. Je zwei Buchsen bilden einen nicht standardisierten
Blitzanschluss, für den man heute auf dem Gebrauchtkameramarkt kaum
mehr Blitzkabel bekommt. Und selbst wenn Sie eines bekämen, viel Freude
hätten Sie nicht: für Elektronenblitz war die
Nikon
S
nämlich nicht gedacht,
sondern für Birnchenblitze. Der Anschluss vor der Tragöse ist für
spezielle Blitzbirnen und Zeiten von 1/20sec - 1/500sec ausgelegt, der
hintere für die Zeiten von 1 Sekunde bis 1/8sec. Und verwenden können
Sie Blitzbirnen der überaus gängigen Typen GE-5m, Sylvania SF, Press
25 und Press 40 und ähnliche. Von denen habe ich so vor 35 Jahren das
letzte Mal gehört. Die Synchronisation für die verschiedenen Typen von
Blitzbirnchen mit verschiedener Leuchtdauer wird an einem Ring unterhalb
des Zeitenringes eingestellt. Vergessen Sie besser das Blitzen mit der Nikon
S.
Sie würden mit der Nikon S beim Fotografieren wahrscheinlich wenig Spaß haben, denn ehrlich, die Kamera ist relativ umständlich zu
bedienen: kein Schnellschalthebel, keine Kurbel für die Rückspulung des
Films, natürlich kein Belichtungsmesser, dafür der damals übliche
winzigkleine Sucher mit starker Verkleinerung des Sucherbildes - seit
einigen Jahren ist die Industrie bei den neumodischen AF-Sucherkameras
zu den winzigen Suchern zurückgekehrt.
Wie viele Nikon S wurden erzeugt? Über 35.000
Stück in drei Jahren,
das heißt, es gibt ca. 9x so viele Nikon S als Nikon I und M zusammengenommen. Damit ist Nikon mit dem Modell S der wirkliche
Durchbruch gelungen, umso mehr, als diese Kameras jetzt auch in den USA
verkauft werden durften und, auch tatsächlich verkauft wurden. Was
vorher einige wenige Profis in Japan kauften, kaufte jetzt auch schon
der amerikanische Amateur. Dazu trug nicht zuletzt der gute Ruf der
Objektive der Nippon Kogaku K. K. bei. Bedingt durch die relativ hohe
Zahl produzierter Kameras ist die Nikon S noch immer - relativ - billig
zu erhalten, allerdings findet man sie selten in Europa, sondern meist
in Japan und den USA. Aber so um die 1600 Euro im Zustand A/B mit
Nikkor 1,4/50 mm müssen Sie schon rechnen und eine frühe Nikon S mit
M-Suffix und Normalobjektiv kostet im Zustand B oder B- mindestens Euro
3000.-.
Das Folgende hört sich wie ein Märchen an, hat aber offenkundig den
Vorzug, wahr zu sein. Zu Beginn des Koreakrieges entsandten die
namhaften Illustrierten der Vereinigten Staaten Reporter und Fotografen
nach Korea, welche die grandiosen Fortschritte der US Army gegen die kommunistischen Aggressoren
dokumentieren sollten. Von dem nicht ganz so grandiosen
"beschleunigten Rückzug" vom 38. Breitegrad bis zum
Brückenkopf Pusan im Süden der Halbinsel brachte Duncan aufwühlende
Bilder von zu Tode erschöpften Marines mit. Etappenstation für diese
Leute war Japan, insbesondere Tokio. Dort kam Jun Miki, einer der
japanischen Mitarbeiter der Zeitschrift Life, in Verbindung mit dem
berühmten Fotoreporter David Douglas Duncan und Douglas sah Fotos, die
mit einem Nikkor 2,0/85mm aufgenommen waren. Duncan war von den Fotos
recht angetan; da Leitz-Objektive ebenso wenig wie Objektive für die
Contax in Japan zu bekommen waren, vermittelte
Jun Miki den Fotografen an die Erzeugerfirma – und Duncan kaufte. Er
berichtete seiner Redaktion und die prüfte – und kaufte ebenfalls.
Eine amerikanische Fotozeitschrift (Popular Photography) wurde
aufmerksam, prüfte – und lobte. In der New York Times erschien ein
lobender Artikel. Das alles ersparte sicherlich viele Zehntausende
Dollars an Werbeausgaben und viele Seiten Inserate in den
Fotozeitschriften, umso mehr, als nun andere Fotografen aufmerksam wurden
und ebenfalls kauften. Damals war es üblich, dass vielfach nicht nur
der Name des Fotografen unterhalb des Fotos abgedruckt wurde, sondern
auch ein Hinweis auf die verwendete Ausrüstung. So wurden die Nikons
und die Nikkor-Objektive geradezu von selbst im größten potentiellen
Absatzmarkt bekannt. Sicherlich schadete es auch nicht, dass auch die
Nippon Kogaku K. K. selbst in den USA eine Vertriebsorganisation
aufbaute, zunächst die Nikon Camera Corporation in San Francisco.
Danach fand sich ein wahrer Fanatiker in New York, Joe Ehrenreich und
mit seiner Firma Ehrenreich Photo Optical Industries wurde er zum
Generalvertreter für die USA. Dadurch gewann er einen erstaunlichen
Einfluss auf Nippon Kogaku K. K. und auf den Verkaufserfolg der Produkte
des Unternehmens. Da er zum Beispiel die Nikon S4 nicht importieren wollte, wurde sie
kommerziell ein Misserfolg - darüber später mehr.
Ab den frühen 50-er Jahren hatte sich
übrigens die deutsche Kameraindustrie
soweit erholt, dass ihre Produkte in größerer Zahl in Amerika verkauft
wurden. Insbesondere war von da an wiederum die Leica in nennenswerter
Zahl erhältlich (vor allem als modernes Modell Leica IIIf mit einer
allerdings kompliziert einzustellenden Blitzsynchronisation), was das Ende der vielen
japanischen Fabrikanten von <Leica Copies> einleitete,
die Schraub-Leicas nachbauten. Ihr tatsächliches Ende kam mit dem
Erscheinen der Leica M3 im Jahre 1954. Dass aber auch die Contax mit
Bajonettanschluss wieder erhältlich war, muß die Konstrukteure bei
Nikon beschäftigt haben: einerseits stiegen damit die Absatzchancen
für die Nikon-Objektive mit speziellem Contax-Anschluss (notwendig für
Nikkore mit Telebrennweiten), andererseits musste die konstruktiv fast 8
Jahre alte Nikon S weiterentwickelt werden.
Dennoch leitete der Aufstieg japanischer Firmen wie Nikon, Canon, Minolta
und Pentax, um nur einige zu nennen, den Niedergang der
einschlägigen deutschen Firmen wie etwa Leitz und Zeiss ein. Noch heute weisen manche
Leica-Fanatiker
missgünstig darauf hin, Duncan und die anderen Reporter hätten sich
damals ihre Ausrüstung selbst kaufen müssen und seien daher deshalb so
begehrlich hinter den im Vergleich zu Objektiven von Leitz und Zeiss
viel billigeren Objektiven von Nikon hergewesen, die ja letztlich alle
Kopien deutscher Objektive waren ebenso wie die Nikon eine Kopie von
Leica und Contax.
Das ist teilweise nicht ganz unrichtig, aber wer Jahrzehnte lang
unfähig oder unwillig ist, ein einfaches System für das Einlegen eines Films in
seine Schraubleicas zu entwickeln, den straft das Schicksal zu Recht. So
hat sich die einstige Weltfirma in einen mittelständischen
Betrieb mit ein paar hundert Arbeitnehmern reduziert. Das ist ein
trauriges
Kapitel.
Übrigens zahlte sich seine Vermittlung auch für Jun Miki aus, der
seinerseits zum bekannten Fotografen wurde und schließlich 1983
zum Direktor des ersten Museums für Photographie in Japan (dem Ken Domon Museum of Photography in Sakata, Provinz Yamagata).
Technische Daten
Nikon S:
Messsucherkamera für
Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal
ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für
Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6,
Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60,
1/100, 1/200, 1/500.
Blitzkontakt (siehe oben), kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel
manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.
Ungefähre heutige
Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S: 1.200
Euro, für frühe Modelle mit dem Suffix M vor der Nummer ca. 2.000
Euro.
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