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Einleitung und  wichtige Hinweise

1. Teil
Anfänge

2. Teil
Nikon M  Nikon S, Nikon S2

3. Teil
Nikon SP

4. Teil
Nikon F

5. Teil
Nikkorex

6. Teil
Nikon F2

7. Teil
Nikkormat

8. Teil
Nikon FM

9. Teil
Nikon F3

10. Teil
Nikon FM2

11. Teil
Nikon F-301

12. Teil
Nikon F4

13. Teil
Nikon F90

14. Teil
Nikon F5

15. Teil
Nikon F100, D1 F80 und F65
 

16. Teil
Ausblick

Literatur zur Nikon

Anhang:
Nikon Digital für
Profis

Nikon 
D1X

Motoren

Belichtung
bei den SLR

 Leica-Story

 

 

2. Teil:
Nikon M, Nikon S, Nikon S2 sowie die Exoten 

 

Nikon M


Nikon M (Photo © Leicashop Wien)
 

Eine Nikon M ist eine Nikon I mit einem Negativformat von 24x34 mm. Das ist der wesentliche technische Unterschied zur Nikon I für das Format 24x32 mm. Außerdem wurde in die Nikon M die Filmaufwickelspule fest eingebaut. Diese Neuerungen erfolgten im August 1949. Seit damals wird das Vormodell als Nikon I bezeichnet.  

Die Nikon M ist äußerlich nicht auf Anhieb von der Nikon I zu unterscheiden. Am Gehäuse selbst änderte sich nämlich nichts. Allerdings wurde der Gerätenummer auf dem Gehäuseoberteil ein M vorgesetzt.

Aber nicht alle Nikon M tragen ein M vor der Gerätenummer. Einerseits wurden bei der Produktionsumstellung im Werk vorhandene, noch nicht verkaufte Nikon I auf Nikon M umgebaut. Außerdem hatte Nikon zu viele Oberteile für die Nikon I auf Vorrat gefertigt, daher wurden die ersten Nikon M mit den von der Nikon I übrig gebliebenen Oberteilen versehen, die sich ja ohnehin nicht änderten. Später erst wurde in die Oberteile ein M zusätzlich eingestanzt. 
  
Warum hieß die Kamera überhaupt Nikon M und nicht etwa Nikon II? Das M steht für "Medium", denn das nunmehr gewählte Filmformat 24x34 stellt sozusagen ein Mittelding zwischen dem ursprünglichen Nikon-Format 24x32 und dem Leica-Format 24x36 dar. Auf solche Typenbezeichnungen kommen nur Japaner.
  
Warum ging man nicht gleich auf 24x36mm über? Weil die Neukonstruktion des Gehäuses für das größere Format zuviel Aufwand und vor allem Geld gekostet hätte, das nicht vorhanden war. Nikon half sich insofern, als man immerhin die Zwischenräume zwischen den einzelnen Negativen auf dem Film vergrößerte. Das erfolgte dadurch, dass der Film nach jeder Aufnahme um 8 Perforationslöcher weiter transportiert wurde, anstatt nur um 7 wie bei der Nikon I. Damit wurde die automatische Rahmung von Kodachrome-Dias möglich, weil die Papprähmchen einen Teil des Dias abdecken und die nutzbare Fläche des Dias ohnehin nicht 24x36mm beträgt. Somit stimmte auch die amerikanische Besatzungsmacht dem offiziellen Export von Nikons in die Vereinigten Staaten durch amerikanische Soldaten zu.
  
Die Nikon M war erfolgreicher als die Nikon I. Ab August 1949 wurden die vorhandenen Nikon I umgebaut und die Produktion auf die neue Kamera umgestellt. Im Oktober 1949 war es dann soweit, die Nikon M erschien auf dem Markt. Zwischen August 1949 und Jänner 1951 wurden wahrscheinlich über 3000 Stück der
Nikon M gefertigt. Wieso wahrscheinlich? Weil Nikon seine Angewohnheit beibehielt, die vorhandenen Gehäuseoberteile, in die jetzt serienmäßig das M vor der Nummer eingestanzt war, für die Nachfolgekamera aufzubrauchen. So wie es daher Nikon M's gibt, denen das M auf dem Oberteil fehlt, gibt es Nikon M, die keine Nikon M's mehr sind, sondern bereits Nikon S. Das freut die Sammler ungemein, die auf diese Weise bei ihren Treffen immer dankbaren Gesprächsstoff haben.

Technische Daten Nikon M:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6, Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100, 1/200, 1/500.
Kein Blitzkontakt (siehe aber Nikon S!) und kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 2/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon M mit Nikkor 1,4/50 mm: über 3000 Euro.

 

Nikon S

  
Alle Nikon M-Kameras, die ab Jänner 1951 erzeugt wurden, haben einen Blitzanschluss. Kameras mit Blitzanschluss werden als Nikon S  bezeichnet (von Nikon), gleichgültig, ob die Kamera formal noch das M vor der Gehäusenummer aufweist oder nicht. Ab der Gehäusenummer 6094000 fehlt der Buchstabe M vor der Nummer, von da an gibt es keine Debatte mehr, dass es sich um eine Nikon S handelt. Warum die Nikon S so heißt? Wahrscheinlich steht das S für "Synchronized", denn die Kamera ist das erste Modell mit einem Blitzanschluss. Genau genommen sind es sogar zwei, und um ganz genau zu sein, die Kamera weist auf der linken Seite sogar vier Buchsen auf, je zwei vor und hinter der Tragöse. Je zwei Buchsen bilden einen nicht standardisierten Blitzanschluss, für den man heute auf dem Gebrauchtkameramarkt kaum mehr Blitzkabel bekommt. Und selbst wenn Sie eines bekämen, viel Freude hätten Sie nicht: für Elektronenblitz war die
Nikon S nämlich nicht gedacht, sondern für Birnchenblitze. Der Anschluss vor der Tragöse ist für spezielle Blitzbirnen und Zeiten von 1/20sec - 1/500sec ausgelegt, der hintere für die Zeiten von 1 Sekunde bis 1/8sec. Und verwenden können Sie Blitzbirnen der überaus gängigen Typen GE-5m, Sylvania SF, Press 25 und Press 40 und ähnliche. Von denen habe ich so vor 35 Jahren das letzte Mal gehört. Die Synchronisation für die verschiedenen Typen von Blitzbirnchen mit verschiedener Leuchtdauer wird an einem Ring unterhalb des Zeitenringes eingestellt. Vergessen Sie besser das Blitzen mit der Nikon S.  
  
Sie würden mit der Nikon S beim Fotografieren wahrscheinlich wenig Spaß haben, denn ehrlich, die Kamera ist relativ umständlich zu bedienen: kein Schnellschalthebel, keine Kurbel für die Rückspulung des Films, natürlich kein Belichtungsmesser, dafür der damals übliche winzigkleine Sucher mit starker Verkleinerung des Sucherbildes - seit einigen Jahren ist die Industrie bei den neumodischen AF-Sucherkameras zu den winzigen Suchern zurückgekehrt.
  

Wie viele Nikon S wurden erzeugt? Über 35.000 Stück in drei Jahren, das heißt, es gibt ca. 9x so viele Nikon S als Nikon I und M zusammengenommen. Damit ist Nikon mit dem Modell S der wirkliche Durchbruch gelungen, umso mehr, als diese Kameras jetzt auch in den USA verkauft werden durften und, auch tatsächlich verkauft wurden. Was vorher einige wenige Profis in Japan kauften, kaufte jetzt auch schon der amerikanische Amateur. Dazu trug nicht zuletzt der gute Ruf der Objektive der Nippon Kogaku K. K. bei. Bedingt durch die relativ hohe Zahl produzierter Kameras ist die Nikon S noch immer - relativ - billig zu erhalten, allerdings findet man sie selten in Europa, sondern meist in Japan und den USA. Aber so um die 1600 Euro im Zustand A/B mit Nikkor 1,4/50 mm müssen Sie schon rechnen und eine frühe Nikon S mit M-Suffix und Normalobjektiv kostet im Zustand B oder B- mindestens Euro 3000.-.
  
Das Folgende hört sich wie ein Märchen an, hat aber offenkundig den Vorzug, wahr zu sein. Zu Beginn des Koreakrieges entsandten die namhaften Illustrierten der Vereinigten Staaten Reporter und Fotografen nach Korea, welche die grandiosen Fortschritte der US Army gegen die kommunistischen Aggressoren dokumentieren sollten. Von dem nicht ganz so grandiosen "beschleunigten Rückzug" vom 38. Breitegrad  bis zum Brückenkopf Pusan im Süden der Halbinsel brachte Duncan aufwühlende Bilder von zu Tode erschöpften Marines mit. Etappenstation für diese Leute war Japan, insbesondere Tokio. Dort kam Jun Miki, einer der japanischen Mitarbeiter der Zeitschrift Life, in Verbindung mit dem berühmten Fotoreporter David Douglas Duncan und Douglas sah Fotos, die mit einem Nikkor 2,0/85mm aufgenommen waren. Duncan war von den Fotos recht angetan; da Leitz-Objektive ebenso wenig wie Objektive für die Contax in Japan zu bekommen waren, vermittelte Jun Miki den Fotografen an die Erzeugerfirma – und Duncan kaufte. Er berichtete seiner Redaktion und die prüfte – und kaufte ebenfalls. Eine amerikanische Fotozeitschrift (Popular Photography) wurde aufmerksam, prüfte – und lobte. In der New York Times erschien ein lobender Artikel. Das alles ersparte sicherlich viele Zehntausende Dollars an Werbeausgaben und viele Seiten Inserate in den Fotozeitschriften, umso mehr, als nun andere Fotografen aufmerksam wurden und ebenfalls kauften. Damals war es üblich, dass vielfach nicht nur der Name des Fotografen unterhalb des Fotos abgedruckt wurde, sondern auch ein Hinweis auf die verwendete Ausrüstung. So wurden die Nikons und die Nikkor-Objektive geradezu von selbst im größten potentiellen Absatzmarkt bekannt. Sicherlich schadete es auch nicht, dass auch die Nippon Kogaku K. K. selbst in den USA eine Vertriebsorganisation aufbaute, zunächst die Nikon Camera Corporation in San Francisco. 
  
Danach fand sich ein wahrer Fanatiker in New York, Joe Ehrenreich und mit seiner Firma Ehrenreich Photo Optical Industries wurde er zum Generalvertreter für die USA. Dadurch gewann er einen erstaunlichen Einfluss auf Nippon Kogaku K. K. und auf den Verkaufserfolg der Produkte des Unternehmens. Da er zum Beispiel die Nikon S4 nicht importieren wollte, wurde sie kommerziell ein Misserfolg - darüber später mehr.

Ab den frühen 50-er Jahren hatte sich übrigens die deutsche Kameraindustrie soweit erholt, dass ihre Produkte in größerer Zahl in Amerika verkauft wurden. Insbesondere war von da an wiederum die Leica in nennenswerter Zahl erhältlich (vor allem als modernes Modell Leica IIIf mit einer allerdings kompliziert einzustellenden Blitzsynchronisation), was das Ende der vielen japanischen Fabrikanten von <Leica Copies> einleitete, die Schraub-Leicas nachbauten. Ihr tatsächliches Ende kam mit dem Erscheinen der Leica M3 im Jahre 1954. Dass aber auch die Contax mit Bajonettanschluss wieder erhältlich war, muß die Konstrukteure bei Nikon beschäftigt haben: einerseits stiegen damit die Absatzchancen für die Nikon-Objektive mit speziellem Contax-Anschluss (notwendig für Nikkore mit Telebrennweiten), andererseits musste die konstruktiv fast 8 Jahre alte Nikon S weiterentwickelt werden.
  
Dennoch leitete der Aufstieg japanischer Firmen wie Nikon, Canon, Minolta und Pentax, um nur einige zu nennen, den Niedergang der einschlägigen deutschen Firmen wie etwa Leitz und Zeiss ein. Noch heute weisen manche Leica-Fanatiker missgünstig darauf hin, Duncan und die anderen Reporter hätten sich damals ihre Ausrüstung selbst kaufen müssen und seien daher deshalb so begehrlich hinter den im Vergleich zu Objektiven von Leitz und Zeiss viel billigeren Objektiven von Nikon hergewesen, die ja letztlich alle Kopien deutscher Objektive waren ebenso wie die Nikon eine Kopie von Leica und Contax. 
  
Das ist teilweise nicht ganz unrichtig, aber wer Jahrzehnte lang unfähig oder unwillig ist, ein einfaches System für das Einlegen eines Films in seine Schraubleicas zu entwickeln, den straft das Schicksal zu Recht. So hat sich die einstige Weltfirma in einen mittelständischen Betrieb mit ein paar hundert Arbeitnehmern reduziert. Das ist ein trauriges Kapitel.
  
Übrigens zahlte sich seine Vermittlung auch für Jun Miki aus, der seinerseits zum bekannten Fotografen wurde und schließlich 1983 zum Direktor des ersten Museums für Photographie in Japan (dem Ken Domon Museum of Photography in Sakata, Provinz Yamagata).
  
 

Technische Daten Nikon S:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6, Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100, 1/200, 1/500.
Blitzkontakt (siehe oben),  kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S: 1.200 Euro, für frühe Modelle mit dem Suffix M vor der Nummer ca. 2.000 Euro.

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