2. Teil:
Nikon M, Nikon S, Nikon S2 sowie  Cloud camera & Unterwasserkameras

 

Nikon M


Nikon M
 

Eine Nikon M ist eine Nikon I mit einem Negativformat von 24x34 mm. Das ist der wesentliche technische Unterschied zur Nikon I für das Format 24x32 mm. Außerdem wurde in die Nikon M die Filmaufwickelspule fest eingebaut. Diese Neuerungen erfolgten im August 1949. Seit damals wird das Vormodell als Nikon I bezeichnet.  

Die Nikon M ist äußerlich nicht auf Anhieb von der Nikon I zu unterscheiden. Am Gehäuse selbst änderte sich nämlich nichts. Allerdings wurde der Gerätenummer auf dem Gehäuseoberteil ein M vorgesetzt.



Aber nicht alle Nikon M tragen ein M vor der Gerätenummer. Einerseits wurden bei der Produktionsumstellung im Werk vorhandene, noch nicht verkaufte Nikon I auf Nikon M umgebaut. Außerdem hatte Nikon zu viele Oberteile für die Nikon I auf Vorrat gefertigt, daher wurden die ersten Nikon M mit den von der Nikon I übrig gebliebenen Oberteilen versehen, die sich ja ohnehin nicht änderten. Später erst wurde in die Oberteile ein M zusätzlich eingestanzt. 

Wie üblich bei Produkten aus Japan in diesen Jahren wurde der Hinweis auf die Herstellung im von den amerikanischen Streitkräften besetzen Japan im Bodenedeckel der Kamera eingeprägt:


  
Warum hieß die Kamera überhaupt Nikon M und nicht etwa Nikon II? Das M steht für "Medium", denn das nunmehr gewählte Filmformat 24x34 stellt sozusagen ein Mittelding zwischen dem ursprünglichen Nikon-Format 24x32 und dem Leica-Format 24x36 dar. Auf solche Typenbezeichnungen kommen nur Japaner.
  
Warum ging man nicht gleich auf 24x36mm über? Weil die Neukonstruktion des Gehäuses für das größere Format zuviel Aufwand und vor allem Geld gekostet hätte, das nicht vorhanden war. Nikon half sich insofern, als man immerhin die Zwischenräume zwischen den einzelnen Negativen auf dem Film vergrößerte. Das erfolgte dadurch, dass der Film nach jeder Aufnahme um 8 Perforationslöcher weiter transportiert wurde, anstatt nur um 7 wie bei der Nikon I. Damit wurde die automatische Rahmung von Kodachrome-Dias möglich, weil die Papprähmchen einen Teil des Dias abdecken und die nutzbare Fläche des Dias ohnehin nicht 24x36mm beträgt. Somit stimmte auch die amerikanische Besatzungsmacht dem offiziellen Verkauf und Export von Nikons in die Vereinigten Staaten durch amerikanische Soldaten zu.
  
Die Nikon M war erfolgreicher als die Nikon I. Ab August 1949 wurden die vorhandenen Nikon I umgebaut und die Produktion auf die neue Kamera umgestellt. Im Oktober 1949 war es dann soweit, die Nikon M erschien auf dem Markt. Zwischen August 1949 und Jänner 1951 wurden wahrscheinlich über 3000 Stück der
Nikon M gefertigt. Wieso wahrscheinlich? Weil Nikon die Angewohnheit beibehielt, die vorhandenen Gehäuseoberteile, in die jetzt serienmäßig das M vor der Nummer eingestanzt war, für die Nachfolgekamera aufzubrauchen. So wie es daher Nikon M's gibt, denen das M auf dem Oberteil fehlt, gibt es Nikon M, die keine Nikon M's mehr sind, sondern bereits Nikon S. Das freut die Sammler ungemein, die auf diese Weise bei ihren Treffen immer dankbaren Gesprächsstoff haben.

Technische Daten Nikon M:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6, Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100, 1/200, 1/500.
Kein Blitzkontakt (siehe aber Nikon S!) und kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 2/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon M mit Nikkor 1,4/50 mm: über 3000 Euro.

 

Nikon S

  


Alle Nikon M-Kameras, die ab Jänner 1951 erzeugt wurden, haben einen Blitzanschluss. Kameras mit Blitzanschluss werden als Nikon S  bezeichnet (von Nikon), gleichgültig, ob die Kamera formal noch das M vor der Gehäusenummer aufweist oder nicht. Ab der Gehäusenummer 6094000 fehlt der Buchstabe M vor der Nummer, von da an gibt es keine Debatte mehr, dass es sich um eine Nikon S handelt. Warum die Nikon S so heißt? Wahrscheinlich steht das S für "Synchronized", denn die Kamera ist das erste Modell mit einem Blitzanschluss. Genau genommen sind es sogar zwei, und um ganz genau zu sein, die Kamera weist auf der linken Seite sogar vier Buchsen auf, je zwei vor und hinter der Trageöse. Je zwei Buchsen bilden einen nicht standardisierten Blitzanschluss, für den man heute auf dem Gebrauchtkameramarkt kaum mehr Blitzkabel bekommt. Und selbst wenn Sie eines bekämen, viel Freude hätten Sie nicht: für Elektronenblitz war die
Nikon S nämlich nicht gedacht, sondern für Birnchenblitze. Der Anschluss vor der Trageöse ist für spezielle, lang brennende Blitzbirnen und Zeiten von 1/20sec - 1/500sec ausgelegt, der hintere für die Zeiten von 1 Sekunde bis 1/8sec. Und verwenden können Sie Blitzbirnen der überaus gängigen Typen GE-5m, Sylvania SF, Press 25 und Press 40 und ähnliche. Von denen habe ich so vor 35 Jahren das letzte Mal gehört. Vergessen Sie besser das Blitzen mit der Nikon S.  

Sie würden heutzutage so wie mit Nikon I und M auch mit der Nikon S beim Fotografieren wahrscheinlich wenig Spaß haben, denn ehrlich, die Kamera ist relativ umständlich zu bedienen: kein Schnellschalthebel, keine Kurbel für die Rückspulung des Films, natürlich kein Belichtungsmesser, dafür der damals übliche winzigkleine Sucher mit starker Verkleinerung des Sucherbildes - seit einigen Jahren ist die Industrie bei den digitalen Kompaktkameras zu den winzigen Suchern zurückgekehrt - und inzwischen schon wieder davon abgekommen.

Wie viele Nikon S wurden erzeugt? Über 35.000 Stück in drei Jahren, das heißt, es gibt ca. 9x so viele Nikon S als Nikon I und M zusammengenommen. Damit ist Nikon mit dem Modell S der wirkliche Durchbruch gelungen, umso mehr, als diese Kameras jetzt auch in den USA verkauft werden durften und, auch tatsächlich verkauft wurden. Was vorher einige wenige Profis in Japan kauften, kaufte jetzt auch schon der amerikanische Amateur. Dazu trug nicht zuletzt der gute Ruf der Objektive der Nippon Kogaku K. K. bei. Bedingt durch die relativ hohe Zahl produzierter Kameras ist die Nikon S noch immer - relativ - billig zu erhalten, allerdings findet man sie selten in Europa, sondern meist in Japan und den USA. Aber so um die 1600 Euro im Zustand A/B mit Nikkor 1,4/50 mm müssen Sie schon rechnen und eine frühe Nikon S mit M-Suffix und Normalobjektiv kostet im Zustand B oder B- mindestens Euro 3000.-.
  
Das Folgende hört sich wie ein Märchen an, hat aber offenkundig den Vorzug, wahr zu sein. Zu Beginn des Koreakrieges entsandten die namhaften Illustrierten der Vereinigten Staaten Reporter und Fotografen nach Korea, welche die grandiosen Fortschritte der US Army gegen die kommunistischen Aggressoren dokumentieren sollten. Von dem nicht ganz so grandiosen "beschleunigten Rückzug" vom 38. Breitegrad  bis zum Brückenkopf Pusan im Süden der Halbinsel brachte Douglas aufwühlende Bilder von zu Tode erschöpften Marines mit. Etappenstation für diese Leute war Japan, insbesondere Tokio. Dort kam Jun Miki, einer der japanischen Mitarbeiter der Zeitschrift Life, in Verbindung mit dem berühmten Fotoreporter David Douglas Duncan und Duncan sah Fotos, die mit einem Nikkor 2,0/85mm aufgenommen waren. Duncan war von den Fotos recht angetan; da Leitz-Objektive ebenso wenig wie Objektive für die Contax in Japan zu bekommen waren, vermittelte Jun Miki den Fotografen an die Erzeugerfirma – und Duncan kaufte. Er berichtete seiner Redaktion und die prüfte – und kaufte ebenfalls. Eine amerikanische Fotozeitschrift (Popular Photography) wurde aufmerksam, prüfte – und lobte. In der New York Times erschien ein lobender Artikel. Das alles ersparte sicherlich viele Zehntausende Dollars an Werbeausgaben und viele Seiten Inserate in den Fotozeitschriften, umso mehr, als nun andere Fotografen aufmerksam wurden und ebenfalls kauften. Damals war es üblich, dass vielfach nicht nur der Name des Fotografen unterhalb des Fotos abgedruckt wurde, sondern auch ein Hinweis auf die verwendete Ausrüstung. So wurden die Nikons und die Nikkor-Objektive geradezu von selbst im größten potentiellen Absatzmarkt bekannt. Sicherlich schadete es auch nicht, dass auch die Nippon Kogaku K. K. selbst in den USA eine Vertriebsorganisation aufbaute, zunächst die Nikon Camera Corporation in San Francisco. 
  
Danach fand sich ein wahrer Fanatiker in New York, Joe Ehrenreich und mit seiner Firma Ehrenreich Photo Optical Industries wurde er zum Generalvertreter für die USA. Dadurch gewann er einen erstaunlichen Einfluss auf Nippon Kogaku K. K. und auf den Verkaufserfolg der Produkte des Unternehmens. Da er zum Beispiel die Nikon S4 nicht importieren wollte, wurde sie kommerziell ein Misserfolg - darüber später mehr.

Ab den frühen 50-er Jahren hatte sich übrigens die deutsche Kameraindustrie soweit erholt, dass ihre Produkte in größerer Zahl in Amerika verkauft wurden. Insbesondere war von da an wiederum die Leica in nennenswerter Zahl erhältlich (vor allem als modernes Modell Leica IIIf mit einer allerdings kompliziert einzustellenden Blitzsynchronisation), was das Ende der vielen japanischen Fabrikanten von <Leica Copies> einleitete, die Schraub-Leicas nachbauten. Ihr tatsächliches Ende kam mit dem Erscheinen der Leica M3 im Jahre 1954. Dass aber auch die Contax mit Bajonettanschluss wieder erhältlich war, muss die Konstrukteure bei Nikon beschäftigt haben: einerseits stiegen damit die Absatzchancen für die Nikon-Objektive mit speziellem Contax-Anschluss (notwendig für Nikkore mit Telebrennweiten), andererseits musste die konstruktiv fast 8 Jahre alte Nikon S weiterentwickelt werden.
  
Dennoch leitete der Aufstieg japanischer Firmen wie Nikon, Canon, Minolta und Pentax, um nur einige zu nennen, den Niedergang der einschlägigen deutschen Firmen wie etwa Leitz und Zeiss ein. Noch heute weisen manche Leica-Fanatiker missgünstig darauf hin, Duncan und die anderen Reporter hätten sich damals ihre Ausrüstung selbst kaufen müssen und seien daher deshalb so begehrlich hinter den im Vergleich zu Objektiven von Leitz und Zeiss viel billigeren Objektiven von Nikon hergewesen, die ja letztlich alle Kopien deutscher Objektive waren ebenso wie die Nikon eine Kopie von Leica und Contax. 
  
Das ist teilweise nicht ganz unrichtig, aber wer Jahrzehnte lang unfähig oder unwillig ist, ein einfaches System für das Einlegen eines Films in seine Schraubleicas zu entwickeln, den straft das Schicksal zu Recht. So hat sich die einstige Weltfirma in einen mittelständischen Betrieb mit ein paar hundert Arbeitnehmern reduziert. Das ist ein trauriges Kapitel, denn es trifft einen ganzen traditionsreichen Industriezweig in Deutschland.
  
Übrigens zahlte sich seine Vermittlung auch für Jun Miki aus, der seinerseits zum bekannten Fotografen wurde und schließlich 1983 zum Direktor des ersten Museums für Photographie in Japan (dem Ken Domon Museum of Photography in Sakata, Provinz Yamagata).
  
 

Technische Daten Nikon S:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x34 mm, Sucherrahmen für Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6, Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100, 1/200, 1/500.
Blitzkontakt (siehe oben),  kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 775 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S: 1.200 Euro, für frühe Modelle mit dem Suffix M vor der Nummer ca. 2.000 Euro.

Nikon S2

 

Die im Dezember 1954 vorgestellte und bis Juni 1958 erzeugte Nikon S2 unterschied sich schon äußerlich und nicht nur in – wichtigen – Details von den bisherigen Modellen I und S, sind sich doch diese in allen wesentlichen Eigenschaften ähnlich und auf den ersten Blick nur schwer zu unterscheiden. Spötter sagen, am leichtesten seien die Modelle durch ihren Preis zu unterscheiden, die Nikon I naturgemäß am teuersten, die Nikon S am - relativ gesehen - billigsten.

Wesentlich war, dass mit der Nikon S2 bisherige Mängel beseitigt wurden, die den Zeitgenossen vielleicht gar nicht als Mangel aufgefallen waren, im Nachhinein aber sehr wohl welche darstellen. Der Fairness muss man dazusagen, dass die meisten anderen Kameras dieser Epoche dieselben Mängel besaßen.

Fassen wir es positiv:

  • Die Nikon S2 hatte erstmals einen Schnellschalthebel anstelle eines Drehknopfes.
  • Die Nikon S2 besaß eine ausklappbare Kurbel zum manuellen Rückwickeln des voll geknipsten Films (motorisches Rückspulen war damals noch unbekannt).
  • Vor allem aber besaß sie einen ordentlichen Sucher, der das Aufnahmeobjekt im Maßstab 1:1 zeigte und nicht ein verkleinertes und schwer erkennbares Abbild. Tatsächlich war der kleine Sucher der Vorgängermodelle mit seiner Verkleinerung des Sucherbildes auf 0,6 des Originals von vielen Kunden bemängelt worden.
  • Dazu kam die 1/1000s als kürzeste Verschlusszeit und – Eingeständnis an die Macht des Marktes – das Format 24x36. Damit hat Nikon mit der S2 das eigentlich harmonischer wirkende "Nippon-Format" 24x32 endgültig und für immer aufgegeben.
  • Viele andere wichtige Eigenschaften der früheren Modelle blieben indessen erhalten: Bajonett und Einstellfassung für die Entfernung wurden nicht geändert; die charakteristische Gehäuseform wurde im Wesentlichen beibehalten.

Vergleicht man Nikon S und Nikon S2, ist klar erkennbar: die Nikon S2 ist eine moderne Kamera, kein Vergleich mit dem früheren Modell. Die Kamera war im wesentlichen fertig entwickelt, als die Leica M3 bei der Photokina im April 1954 vorgestellt wurde. Ihr Erscheinen hat sicherlich auch die Gestaltung der Nikon S2 beeinflusst. Nur ein Beispiel: Die Leica M3 hat eine Suchervergrößerung von o,91, die S2 hat einen 1:1-Sucher, der das Sucherbild nicht verkleinert. Beim Anvisieren kann der Fotograf beide Augen offen lassen.

Somit war die Nikon S2 eine konstruktiv neue und fortschrittliche Kamera. Die Nikon S2 unterschied sich im Erscheinungsbild erstmals deutlich von der Contax, Das erkannte auch die Konkurrenz; die Nikon S2 war die erste Nikon, deren Aussehen von anderen japanischen Firmen nachempfunden wurde, auch wenn diese noch Modelle mit Schraubfassung herstellten, die mit den Schraubleicas kompatibel waren. 

Das erkannten vor allem auch die potentiellen Käufer: über 55.000 Exemplare wurden laut Braczko verkauft, eine (relativ) schöne Leistung für die etwas mehr als drei Jahre, in denen die S2 angeboten wurde. Alles ist relativ; von der Leica M3 wurden zwischen 1954 und 1966, als die letzten ausgeliefert wurden, über 230.000 Exemplare verkauft. Die Leica AG war damals noch eine Weltfirma. 

Jedenfalls ist die Nikon S2 die zahlenmäßig und kommerziell erfolgreichste Sucherkamera von Nikon gewesen. Sie ist auch das historisch älteste Modell einer Nikon, mit der zu fotografieren heute noch Spaß macht. 

Die Nikon I und die Nikon M sind zwar ebenso wie die Nikon S - regelmäßig gewartet - immer noch zuverlässige Kameras, mit denen man fotografieren kann, aber sie sind doch umständlich zu bedienen und erstaunlich schwer – auch einer jener Punkte, in denen sich die Firma Nippon Kogaku K. K. den Wünschen der Kunden nach einem stabilem aber dennoch leichterem Modell gebeugt hat. Im übrigen wird wohl bei den heutigen Preisen, die von Sammlern vor allem für die extrem selten angebotenen Nikon M´s und Nikon I´s gezahlt werden, niemand auf die Idee kommen, mit einem solchen Goldstück Urlaubsfotos, womöglich am Sandstrand, zu machen. 

Die Nikon S2 wird relativ häufig infolge der - für Sucherkameras von Nikons relativ großen Stückzahl als Gebrauchtkamera und dank Internetauktionen auch hierzulande angeboten und ist im allgemeinen auch (relativ) preiswert. Praktisch ist jedoch nur die Chromversion auf dem Markt; die Nikon S2 gab es serienmäßig auch in einer schwarzen Ausführung, allerdings sind schwarz lackierte Kameras extrem selten. Ich zeige oben eine solche schwarz lackierte Kamera, besonders schön und besonders teuer.

Überhaupt ist auch an dieser Stelle, auf die Gefahr, mich zu wiederholen, zu sagen, dass Suchernikons in Europa sehr schwer zu finden sind, vor allem solche in wenig gebrauchtem Zustand. Das kommt daher, dass Nikon primär den japanischen und den amerikanischen Markt belieferte. Viele amerikanische Soldaten brachten ihre Nikons in die USA, wenn sie in die Staaten zurückversetzt wurden. In Österreich wurden Suchernikons überhaupt nicht offiziell importiert, selbst die spätere Nikon F jahrelang von einer Schreibmaschinenfirma in Linz mit entsprechendem Verkaufserfolg und überhaupt keiner Werbung. Aber die Nikon F sollte sich sozusagen von selbst verkaufen, wie sich zeigen wird. 

Für die Nikon S2 war auch ein Motor vorgesehen, allerdings konnte er nur an eine spezielle Sonderausführung, die S2E angeschlossen werden. Kamera und Motor dienten in erster Linie dazu, die Marktchancen einer solchen Kombination zu erproben. Daher wurde für diese motorisierte Kamera auch nicht geworben. denn inzwischen wurde primär die Nikon SP entwickelt und die bekam von Anfang an einen elektrischen Motor als Zubehör. 

Trotz ihrer Seltenheit tauchen solche S2E-Modelle ja doch gelegentlich auf Auktionen auf. Sie sind heiß begehrt bei Sammlern, mit Grund, denn die S2-E war die erste Nikon mit elektrischem Motor und gleichzeitig die erste 35mm Nachkriegskamera mit Elektromotor (schon vor der vergleichbaren Leica MP2). Das Modell wurde erstmals bei der IPEX 1957 gezeigt. Nur 4-5 Kameras (hergestellt wurden 10-15 Stück) sind noch bekannt. Die in der Abbildung unten gezeigte Ausrüstung ist überkomplett, hervorragend erhalten und besteht aus: Schwarzlack Gehäuse Nr.6194009, sehr seltenem schwarz lackierten Aluminium Nikkor-S.C 1,4/5cm Nr.365419, dem Original Motor Nr.94063 (alles mit Originalverpackungen mit passenden Nummern), samt 'sardine battery back' (das graue Teil auf der grauen Schachtel links), Papieren und Garantiekarten, allen Deckeln, grauer Relay Box, schwarzer Bereitschaftstasche in Originalverpackung und weiterem Zubehör. Nicht jedes Exemplar ist so teuer wie das nachstehende, aber kaum eine andere Ausrüstung ist so umfassend und eigentlich vollständig. Das war einem unbekannt gebliebenen Sammler Ende 2010 fast € 170.000.- wert.

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Ab September 1957 kam dann die neue Nikon SP auf den Markt, die wesentlich teurer war als die Nikon S2. Ein halbes Jahr noch blieb die S2 auf dem Markt, um potentiellen Kunden ein billigeres Modell anbieten zu können, dann wurde die Produktion eingestellt (März 1958).

Technische Daten Nikon S2:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektiven (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x36 mm, Sucherrahmen für Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6, Messsucherbasis 60 mm, infolge 1:1 Sucher  effektiv ebenfalls 60 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000.
Blitzkontakt (siehe oben),  kein Selbstauslöser,
Filmtransport mittels Schnellschalthebel; Rückspulung mittels ausklappbarer Kurbel, nach Filmwechsel manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm
Maße: 136x79x43,5, Gewicht mit Nikkor 1,4/50: 700 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S2: 1.200 Euro, fürs Gehäuse allein ca. 1.000 Euro.

 

Nikon Sky (Cloud) Camera

Dieser kleine Bericht beschränkt sich mit Absicht auf die Entwicklungsgeschichte und den Erfolg der frühen Sucherkameras und der einäugigen Spiegelreflexkameras der Nippon Kogaku K. K. für das Kleinbild 24x36mm.
   Dennoch möchte ich auf eine in diesen Rahmen nicht recht passende Kamera eingehen, nicht weil sie als Kamera selbst von Bedeutung für die Entwicklung der Nikons wäre, sondern wegen des Objektivs, des Stammvaters einer ganzen Objektivgattung, nämlich der Fisheye-Objektive, die in den 60er-Jahren durch ihre Wiedergabeart ganz Aufsehen erregende Bilder lieferten, mit einer vorher nie gesehenen Perspektive.
   Vielleicht ist sogar die Bezeichnung "Himmelskamera" die bessere, denn genau zum Fotografieren des Himmels über der Erde war diese Kamera bestimmt, die im Auftrag eines japanischen Stromversorgungsunternehmens konstruiert wurde, das auf diese Weise Blitzeinschläge in seine elektrischen Anlagen bei Gewittern dokumentieren wollte.
   Die Kamera selbst (Abbildung hier samt technischen Details, das Laden des Links dauert leider!)  ist eine Rollfilmkamera für Filme im gängigen Format 120 und produziert 12 kreisförmige Bilder mit einem Durchmesser von 5 cm pro Film. Sie weist eine Art Schnellschalthebel für den manuellen Filmtransport aus, hat aber keinen Sucher. Der ist auch nicht nötig, denn fest angeschlossen an dieses Gehäuse ist ein 1:8/16,3mm Nikkor Fisheye-Objektiv mit drei Blendeneinstellungen: 8, 11 und 16. Das Objektiv wurde ohne Entfernungseinstellung geliefert (infolge der großen Schärfentiefe ist sie auch nicht nötig, es ist ohnehin alles scharf von vorn bis hinten, um genau zu sein: von 12cm bis Unendlich bei Blende 8, entsprechend mehr bei Blende 11 und 16. Dieses Objektiv mit einem Bildwinkel von nahezu 180 Grad wirft, wie schon erwähnt, ein kreisförmiges Bild mit einem Durchmesser von 5 cm auf den Rollfilm, wobei der Zentralverschluss Zeiten von 1s-1/500s erlaubt.

Die Wolkenkamera ist die allerseltenste Nikon: es wurden, einschließlich eines Prototypen, insgesamt 30 (dreißig) Exemplare erzeugt, von denen nur 18 verkauft werden konnten. Sollte jetzt jemand davon träumen, dass in irgendeinem versperrten Raum bei Nippon Kogaku K. K. noch 12 fabrikneue Wolkenkameras lagern, so muss ich den Traum leider sogleich beenden: Das Inventar an fertigen, aber noch nicht verkauften Waren wurde in Japan in den 50er-Jahren sehr hoch besteuert, sodass alle Firmen, nicht nur in der fotografischen Industrie, bestrebt waren, bei einer Steuerprüfung einen möglichst kleinen Warenvorrat aufzuweisen. Was machte man daher in Japan, sobald sich zeigte, dass man von einem Produkt mehr erzeugt hatte, als in unmittelbarer Zukunft verkauft werden würde? Man zerstörte es und fotografierte die zerstörten Waren. Die Fotos hob man eine Zeit lang auf, falls die Finanzbehörde ein unziemliches Interesse zeigen sollte, danach warf man sie weg.

Dem Vernehmen nach wurde die Mehrzahl der Kameras nicht an den japanischen Kunden verkauft, der sich eine solche Kamera gewünscht hatte, sondern in den Vereinigten Staaten. In Japan dürfte nur ein Exemplar erhalten geblieben sein, das jetzt in einem japanischen Fotomuseum zu besichtigen ist und körperlich Beweis davon ablegt, dass es eine solche Kamera tatsächlich gegeben hat.

Der damalige Nikon-Importeur in den Vereinigten Staaten, Ehrenreich, rührte kräftig die Werbetrommel für diesen Exoten und verlieh einzelne Kameras an amerikanische Illustrierte wie Life oder das National Geographic Magazine, von denen sie, wegen ihrer neuartigen Wiedergabe der Landschaft gerne verwendet wurden – die mit der Wolkenkamera angefertigten Bilder waren richtige "eye-catcher".

Durch dieses Interesse an Fisheye-Objektiven kam die Nippon Kogaku K. K. auf die Idee, ein solches Fisheye für Kleinbildkameras zu entwerfen, wofür sich das relativ kleine und auf dem Rollfilm keineswegs formatfüllende Abbild geradezu anbot. Das in der Folge für die Nikon F entwickelte Fisheye mit den Daten 1:8/8mm, das auf dem Kleinbildfilm auch nur ein kreisförmiges Bild entwarf (aber mit weit weniger Filmverschwendung) kam 1962 auf den Markt, war sündteuer, aber dennoch der Ahnherr einer ganzen Reihe von Fisheye-Objektiven für die Nikon-Kameras. Dass das Objektiv sehr weit in das Gehäuse der Nikon F hineinragte, war konstruktionsbedingt, störte aber nicht weiter, weil der Umlenkspiegel der Nikon F ja nach oben geklappt werden konnte, um dieses und ähnliche Objektive, vor allem Weitwinkelobjektive, verwenden zu können. Im übrigen wurde die Idee von anderen Firmen aufgegriffen, sodass eine Zeitlang solche Objektive auch zu SLRs von Canon, Pentax und Olympus angeboten wurden. Schon seit längerem gibt es auch Fremdfabrikate, z. B. von Sigma für verschiedene Marken.

Das heute noch auf dem Markt befindliche Vorsatzobjektiv Kenko Fisheye (es gibt auch andere Handelsmarken) ist zwar mit dem Fisheye aus dem Jahre 1962 nicht zu vergleichen in der Qualität, aber dennoch ein preiswerter letzter Nachfahre.

Technische Daten der Sky- (Cloud-) Kamera:

Sucherlose Rollfilmkamera für Rollfilm 120, Zentralverschluss, kreisförmiges Bildformat 50 mm,  
Belichtungszeiten: B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500,  
Blitzkontakt (X und M), Selbstauslöser vorhanden,
Filmtransport mittels Schnellschalthebel im Gehäuseboden und Rückspulknopf fehlt, da Rollfilm verwendet wird,  Bildzählwerk,
Fest eingebautes Objektiv  Fisheye-Nikkor 8/16,3 mm, 
Maße: 132,5x107x130,5 (HxBxT), Gewicht mit Objektiv: 1.500 g, Gehäuse allein: 850g

Ungefähre heutige Preisbasis: Liebhaberpreis, keine Angabe möglich.

 

Exkurs: Unterwasserkamera Calypso bzw. Nikonos:

Und wenn wir schon bei Kameras angelangt sind, die nur sozusagen entfernte Cousins und Cousinen der Nikon Rangefinders dieser Jahre sind, müssen wir auch eine Kamera erwähnen, die gar keine Nikon ist und nicht von der Nippon Kogaku K. K. erzeugt wurde: die Calypso Unterwasserkamera.

Die Calypso ist das Produkt der Zusammenarbeit des belgischen Luftfahrtingenieurs Jean de Wouters und des französischen Meeresforschers Jacques-Ives Cousteau auf Grund der Erfahrungen bei einer Tauchfahrt im Roten Meer Anfang der 50er-Jahre. Was Cousteau wollte, und was es auf dem Markt nicht gab, war eine handliche Kamera, möglichst im Kleinbildformat, welche sich ohne komplizierte Gehäuse unter Wasser verwenden ließ, und zwar in jenen Tiefen, die damals ein Taucher mit Pressluftgerät, aber noch ohne Tauchanzug erreichen konnte (etwa 50m). Die Kamera musste daher ausreichend wasserdicht abgedichtet und gleichzeitig widerstandsfähig genug sein, um den Ansprüchen der beruflichen Praxis zu genügen.

Herauskam die von der französischen Firma Spiro ab 1959 gebaute Calypso, benannt nach dem Forschungsschiff Cousteaus, das wiederum seinen Namen von einer griechischen Sagenfigur ableitete. Diese Dame hielt bekanntlich Odysseus sieben Jahre lang gefangen.



Die Kamera besteht aus einem Innenkörper, der den Sucher, den Verschluss und den Filmtransport enthält – und auch den Film – sowie das auswechselbare (Normal)Objektiv, ein 1:3,5/35-50mm Som-Berthiot, und einer wasser- und in begrenztem Ausmaß druckfesten Ummantelung. Als Wechselobjektive waren ein Som Berthiot mit 28mm Brennweite und ein Teleobjektiv von Angenieux mit 80mm Brennweite erhältlich. Die Wasserdichtheit wurde durch eine Reihe von Dichtungsringen sichergestellt, die jeweils vor Gebrauch einzufetten waren, sonst war die Freude klein. An der Oberseite waren die Belichtungszeiten einstellbar, von 1/30s – 1/500s sowie B. Es sind allerdings auch Exemplare bekannt, deren Schlitzverschluss auch auf die 1/1000s als kürzeste Belichtungszeit eingestellt werden konnte. Die jüngeren Exemplare haben aber alle einen Verschluss mit 1/500s als kürzester Zeit. Entfernung und Blende wurden seitlich am Objektiv durch drehbare Griffe eingestellt. Der Filmtransporthebel war an der Unterseite angebracht und war gleichzeitig auch der Auslöser, sofern vorher der Film transportiert (und damit auch der Verschluss aufgezogen) worden war.

Diese Kamera soll in einschlägigen Kreisen ein beträchtlicher Verkaufserfolg gewesen sein,, heißt es, aber nachprüfbar ist das nicht. Denn wie viele Kameras erzeugt wurden, wussten nur die Eingeweihten und die schwiegen sich aus. Nicht nur Taucher wie Cousteaus Leute, sondern auch Archäologen und Bergbautechniker, alle, mit einem Wort, die eine Kamera benötigten, die gegen Feuchtigkeit und Nässe, aber ganz allgemein auch gegen Dreck und Staub, einigermaßen immun war, gehörten zu den Käufern. Insofern wurde die Calypso die erste Unterwasserkamera, die tatsächlich weitere Verbreitung fand und das ist verständlich, wenn man die abstrusen Unterwassergehäuse für Leicas, Rolleiflex-Kameras und dgl. sieht, die mehr oder minder in Einzelanfertigung von besseren Bastelfirmen für teures Geld gebaut wurden.

Die Nippon Kogaku K. K. wurde auf die Calypso aufmerksam. Die Calypso ist die einzige Kamera, deren Prinzip von Nikon gekauft und in der Folge weiterentwickelt wurde. Die nunmehr als Nikonos bezeichnete Kamera erhielt ein anderes Normalobjektiv, anstatt des Som-Berthiot wurde eine vorhandene Konstruktion verwendet, ein Nikkor 2,5/35, ein an sich für die Sucher-Nikons gedachtes Objektiv, in einer angepassten Fassung. Infolge des unterschiedlichen Brechungsindexes des Wassers gegenüber der Luft fungiert dieses Weitwinkelobjektiv unter Wasser als Normalobjektiv. Ein zusätzlich entwickeltes Spezialobjektiv nur für Unterwasseraufnahmen wurde ebenfalls angeboten, mit den Daten 1:3,5/28mm und ferner wurde ein über und unter Wasser verwendbares leichtes Teleobjektiv erzeugt, mit den Daten 1:4/80mm. Wichtiger war, zur Nutzung mit Taucherbrille, ein passender Rahmensucher und ein Unterwasserblitzgerät, um mit Farbfilm Bilder in natürlichen Farben zu erzielen und die Verblauung von Fischen, Pflanzen und Boden durch die Wasserschicht auszugleichen.

Schon 1958 erschien eine verbesserte Version, die in Europa auch als Calypso-Nikkor angeboten wurde (siehe die nebenstehende Abbildung).

1975 wurde mit der Nikonos III eine letzte Version mit dem klassisch gewordenen Calypso-Gehäuse auf den Markt gebracht wurde. Sie ist aus einem ganz speziellen Grund auch heute noch beliebt: Ist infolge mangelhafter Abdichtung beim Filmwechsel Wasser in die Kamera eingedrungen, besteht die Chance, die Kamera zu reparieren; die Folgemodelle kann man in einem solchen Fall wegwerfen oder in die Vitrine als Schaustücke stellen, dank Elektronik.

Ihr folgte 1980 die Nikonos IVa mit einem völlig neuen Gehäuse, das die Kamera wesentlich griffiger und damit leichter bedienbar machte. Das Gehäuse war bei diesem Modell – und ist es auch bei den Folgemodellen – aus einem Stück mit einer aufklappbaren Rückwand. Ebenso wesentlich war das moderne Innenleben: die Nikonos IVa ist die erste UW-Kamera mit elektronisch gesteuertem Verschluss. Sie ist eine Art Sucher-Nikon EM im wasserdichten Gehäuse; daher entfällt bei diesem Modell der Nikonos auch die Möglichkeit der manuellen Einstellung der Kamera. Die Nikonos IVa kennt nur die Zeitautomatik mit Zeiten von 1/30s – 1/1000s, sowie 1/90s als Synchronzeit.
   
Die  Nikonos V weist schon äußerlich nicht mehr viel Ähnlichkeit mit der Calypso auf. Die moderne Ausgabe unterscheidet sich naturgemäß auch technisch von der fast 40 Jahre alten Vorgängerin. Heute ist ein elektronisch kontrollierter und vertikal ablaufender Metall-Schlitzverschluss ebenso Standard wie TTL-Belichtungsmessung. Beides zusammen erlaubt nach Einstellung der Blende durch den Fotografen automatische Zeitenbildung mit hoher Genauigkeit. Die Belichtungszeiten reichen von 1/30s-1/1000s und B, dazu gibt es eine mechanisch gebildete Zeit, auf der Verschlusszeitenskala als M90 selbsterklärend angezeigt und eine kürzeste Synchronzeit für Elektronenblitze von 1/90s. Einen Motor sucht man vergebens, dafür gibt es einen eigenen Auslöser (siehe aber unter: Calypso) am anatomisch richtig geformten Griff am Gehäuse und einen eigenen Schnellschalthebel sowie eine ganz normale Rückspulkurbel. Der moderne High Eyepoint-Sucher ist bei einer solchen Kamera besonders wichtig, erlaubt er doch den Blick in den Sucher auch mit Taucherbrille.

Zur seit 1984 erzeugten Nikonos V gibt es allerlei Zubehör, von Wechselobjektiven über Blitzgeräte bis zu Nahaufnahmezubehör. Natürlich ist sie teurer als verschiedene einfache Kameras, mit denen der Anfänger durchaus auskommen kann – wer will schon 50 Meter tief tauchen! Von den Plastikbeuteln, in die man buchstäblich eine jede Kamera einpacken und – vielleicht mit Schnorchel ausgestattet – einige Meter unter Wasser auch noch fotografieren kann, gar nicht zu reden.

Die Nikonos V wird seit Ende 2001 nicht mehr erzeugt. Mit viel Glück findet man da oder dort noch fabrikneue Zubehörteile; dem Vernehmen nach kann man bei den Landesvertretungen von Nikon die Kamera - noch - reparieren lassen.

Mit der ab 1992 angebotenen Unterwasser-AF-SLR Nikonos RS ist Nikon buchstäblich baden gegangen. In dieses kleine orangene Ungeheuer verpackte Nikon alles, was gut und teuer und modern ist im Kamerabau: Autofokus, TTL-Belichtungsmessung per Matrix- und mittenbetonter Messung und TTL-Blitzmessung, Zeitautomatik, Motor samt motorischer Filmrückspulung, DX-Filmabtastung etc. Das ganze Ding wog mit Normalobjektiv über 2 Kilo und unter Wasser immer noch fast ein Kilo. Es war so groß, dass Unkundige sich immer wieder wunderten, dass Nikon nun auch schon Großbildkameras erzeuge.
  
Das klingt teuer und es klingt nicht nur teuer, die Nikonos RS war auch wirklich teuer. So teuer jedenfalls, dass sie bei der kleinen Zielgruppe, die jahrelang nach einer UW-SLR verlangt hatte, kein Verkaufserfolg war und nach vier glücklosen Jahren lief 1996 die Produktion aus.

Hinweis: Falls nicht anders angegeben, alle Fotos von  © Leicashop Wien.

 

 

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© 2005 Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet: 19.11.2011