
Die ZORKI 4k
- ein sowjetischer LEICA-Nachbau
Nur wenige sowjetische Firmen haben Sucherkameras
für Kleinbildfilm erzeugt; eine auch im Westen bekannte war seinerzeit KMZ
mit den verschiedenen Typen der Zorki.
Alle beruhen auf der (Vorkriegs-) LEICA
II
mit Schraubgewinde; die von 1972 bis 1978 erzeugte Zorki 4k ist die am
weitesten entwickelte Type dieser Kamerareihe und wurde häufig in die
kapitalistischen Staaten exportiert; sie war - zum Unterschied von der
FED - eine nicht zuletzt fürs Ausland bestimmte Devisenbringerin. Auch heute noch findet man gebrauchte Zorkis ohne Mühe, zumindest bei den einschlägigen Händlern in den
Großstädten in Deutschland und Österreich und natürlich im Intenet.
Grund genug, die durchaus
interessante Zorki 4k näher anzusehen.

Zorki 4k mit Standardobjektiv Jupiter-8
Zuerst ein
Rückblick
1925
wurde die LEICA vorgestellt; seit 1934 ist die LEICA II in der Sowjetunion nachgebaut worden.
Die Kopien
entsprachen zunächst bis zur letzten Schraube dem Vorbild. Verschieden war
allerdings die Qualität, wie nicht anders zu erwarten. Daran hat sich
während der gesamten Produktionszeit der Modellreihe wenig geändert. Es ist nicht so, dass jede russische Kamera
und jedes Objektiv Mist seien; das Problem ist die offenbar mangelhafte
Qualitätskontrolle. Man kann mit funktionierenden russischen
Sucherkameras prächtig fotografieren und sehr schöne Fotos machen, aber leider, es
funktionieren nicht alle Exemplare, die Ihnen in die Hände gelangen.
Damit müssen Sie leben.
Abhilfe gibt es nur beschränkt: Vor dem Kauf die Kamera
oder das Objektiv ausprobieren, auch immer das Gewinde der Objektive für die
Kameras in der Tradition der Schraub-LEICA, wie FED und Zorki. Eine
ausreichend lange Rückgabefrist mit dem Verkäufer vereinbaren, ist eine
andere Möglichkeit. Treten Funktionsstörungen erst ein, wenn man nicht
mehr reklamieren oder zurückgeben kann, sorgfältig überlegen, ob die
Reparatur sich bei den Lohnkosten hierzulande lohnt - und allenfalls
eine gleicheartige Kamera nachkaufen, denn russische Kameras
und Objektive sind immer billig gewesen und kommen seit 1990 verstärkt
auf den Markt, manchmal noch in der Originalverpackung samt Ledertasche und dem Namen
des früheren Besitzers.
Nachgebaut
wurde von den LEICAs mit Schraubgewinde praktisch ausschließlich die
LEICA II. Bedingt durch die Eigenart der sowjetischen Staatswirtschaft
erfolgte der Nachbau der LEICA durch einige wenige Firmen. Bekannt im
Westen ist FED geworden (benannt nach Felix Edmundowitsch
Dserschinski, dem Gründer der Geheimpolizei Tscheka) sowie die Firma KMZ
in Krasnogorsk bei Moskau mit der
Zorki.
Eigentliche
Nachbauten erfolgten streng genommen bis 1950, danach
wurden – auf der Basis der Schraub-LEICA – weiter entwickelte eigene
Modelle auf den Markt gebracht. Diese können ihre Verwandtschaft mit
den Vorbildern nicht verleugnen, weichen von ihnen jedoch soweit ab,
dass man sie – mit ein wenig gutem Willen – als Eigenentwicklungen
bezeichnen kann.
Häufig bezeichnet man auch diese weiterentwickelten Modelle der
sowjetischen Nachbauten sowie allgemein die seinerzeitigen
vergleichbaren Kameras der japanischen Konkurrenz als <Leica-Copies>,
dies auch dann, wenn es sich um Modelle mit Eigenschaften handelt,
welche die Fa. Leitz nicht einmal erträumte. Denn maßgebendes Kriterium
für eine LEiCA-Copy ist das Objektivgewinde M39 mit einer
Gewindesteigung von 0,97 mm und ein Auflagemaß von 27,8 mm. Aber
vergleichen Sie doch einmal eine Canon 7 mit einer Leica IIIf, den
Unterschied möchte ich singen können, wie man hierzulande sagt. Gleiches
gilt, weniger deutlich, aber dennoch, auch für die späten sowjetischen
Kameras in der Tradition der LEICA II.
Es ist
nicht übertrieben, zu sagen, bis zum Erscheinen der Voigtländer/Cosina
Bessa L 1999 und vor allem der Bessa R im Jahre 2000 seien Modelle wie die FED 5 oder die Zorki
4K die fortschrittlichsten Weiterentwicklungen der Schraub-LEICA (deren
Ära mit dem Auslaufen der Produktion der LEICA IIIg 1960 zu Ende ging) auf dem
Markt gewesen.
Zorki-Kameras produzierte die Firma KMZ ab 1948.
Das erste Modell entsprach vollkommen der FED, gebaut mit Teilen der FED
von ehemaligen Angestellten der Firma FED. Vorbild und Zorki sind exakte
Nachbauten der LEICA II aus den Dreissigerjahren. Schon die Zorki 3 ist
eine Weiterentwicklung und unterscheidet sich äußerlich und im Aufbau
sowohl von der LEICA II als auch den gleichzeitig produzierten Modellen
der FED. Neu ist - dazu hat es Leitz bei der Schraub-LEICA nicht gebracht
- die abnehmbare Rückwand mit Bodenteil und bei der Zorki 3M der
Zeitenknopf, mit dem sich auf der Kameraoberseite alle Zeiten einstellen
lassen und nicht mehr auf eine separate Skala für die langen
Belichtungszeiten umgeschaltet werden muss. Auch diese Möglichkeit sucht
man selbst bei der LEICA IIIg vergeblich.
Die Entwicklung geht weiter zur Zorki 4 und zu den Modellen
Zorki 5 und 6. Die Zorki 5 hat bereits einen Schnellaufzug, die von 1958
bis 1959 gefertigte Zorki 6 eine aufklappbare Rückwand, entsprechend
dem heutigen Standard.
Die - relativ - jüngste Zorki ist die Zorki 4k, wie oben
abgebildet. Ihr fehlt zwar die aufklappbare Rückwand, Filmeinlegen ist
dennoch ohne Probleme möglich, weil Rückwand samt Bodenplatte nach
unten abgezogen werden können - nicht anders als etwa bei der Nikon F.
Dadurch ist Filmeinlegen bequem und ohne lästige Fummelei möglich.

Eigenschaften und
Bedienung der Zorki 4k
Von oben
betrachtet, sehen Sie links (aber nicht auf der oberen Abbildung!) den Rückspulknopf, mit dem Sie den Film in
die Kassette zurückspulen, nachdem Sie Auslöser und Manschette um den
Auslöser niedergedrückt haben. Der kleine Hebel um den Rückspulknopf
(auch nicht zu sehen!) regelt die Verstellung
des Okulars und ermöglicht Brillenträgern das Fotografieren ohne
Brille. Rechts neben dem Sucherschuh der Einstellknopf für die
Belichtungszeiten; den äußeren geriffelten Ring drehen Sie, um die
Synchronisation (X, M) einzustellen. Rechts daneben der Auslöser mit
Drahtanschluss und Manschette drumherum. Rechts außen der
Schnellschalthebel mit manuellem Bildzählwerk, das Sie durch Druck auf
den geriffelten kleinen Ring um die zentrale Schraube auf eine
dreieckige Markierung am äußeren Ring einstellen.
Auf der Gehäusevorderseite sehen Sie (unten links vom
Objektiv) den Selbstauslöserhebel. Wenn Sie genau hinsehen, der Index
der Entfernungseinstellung am Objektiv zeigt nicht genau nach oben - das
Objektiv ist ein Objektiv zur FED 5 und diese Kleinigkeit kommt bei
Fremdobjektiven an der Zorki schon einmal vor. Ein Schönheitsfehler.
Ich erhalte dennoch tadellos scharfe Bilder.
Fotografieren mit der Zorki ist unkompliziert; die Bedienung entspricht
weitgehend der anderer Sucherkameras aus den 60er-Jahren.
So gehts:
- Entriegeln Sie den Kameraboden durch Drehen beider Knebel und
ziehen Sie die Rückwand ab. - Legen Sie die Filmpatrone ein und achten Sie darauf, dass der
Mitnehmer des Rückspulknopfes in die Ausnehmung der Patrone eingreift -
wenn nicht, können Sie die Kamera nicht schließen und den Film nicht
richtig einlegen. - Ziehen Sie den Film über das Bildfenster aus der
Patrone und stecken Sie den Anschnitt in die Aufwickelspule rechts. Achten
Sie darauf, dass das Zahnrad des Filmzählwerks in die Perforation
eingreift. Notfalls drehen Sie den Film mit dem herausgezogenen Knopf der
Rückspulung ein Stück in die Patrone zurück. Geschafft? Schließen und verriegeln Sie die Rückwand, nachdem Sie eine
Leeraufnahme gemacht und kontrolliert haben, ob der Film bei geöffneter
Kamera ordnungsgemäß transportiert wird. - Machen Sie bei geschlossener Rückwand ein oder zwei weitere Leeraufnahmen, achten Sie darauf, dass sich der Rückwickelknopf beim
Filmtransport mitdreht; stellen Sie das Zählwerk auf "1" - und
machen Sie Ihre Aufnahmen. - Transportieren Sie den Film nach jeder Aufnahme weiter und
verstellen Sie die Verschlusszeit erst, wenn Sie den Film transportiert
und den Verschluss damit aufgezogen haben - das Gegenteil hält der
Verschluss nicht aus und gibt alsbald den Geist auf. Alle Bilder gemacht? Auslöser samt Manschette drücken,
Rückspulknopf herausziehen und den Film in die Patrone zurückspulen. Das
können Sie auch mitten im Film machen, so Sie wollen. Sie hören, wenn
der Film in der Patrone ist. Sie spüren es auch, weil der Widerstand auf
einmal geringer wird. - Öffnen Sie die Kamera wie oben beschrieben und legen Sie, so
Sie wollen, einen neuen Film ein etc.
Funktioniert die Zorki 4k einwandfrei, werden Sie - technisch
- mit den Bildern zufrieden sein. Ob sie Ihnen gefallen, liegt an Ihnen,
nicht an der Kamera.
Einen Vorteil hat jede sowjetische LEICA-Copy:
dank des universell verwendeten Gewindes passen an diese Kameras
unzählige Fremdfabrikate. Man sollte die Funktionsfähigkeit im Einzelnen
ausprobieren, aber auf diese Weise ergeben sich ganz unterschiedliche
Gehäuse-/Objektivkombinationen, die funktionieren und für wenig Geld
gute Bilder auf altmodischem Film liefern.
Ein Beispiel bloß von vielen denkbaren:

Zorki 4k mit Voigtländer Color Skopar
3,5/28mm + passendem Zusatz-Sucher,
ebenfalls von Voigtländer
Fazit:
So wie bei der FED 5
und der Kiew 4 gilt auch für die Zorki 4k:
Wollen Sie nachempfinden, mit
welcher Art von Geräten und mit welchen Beschränkungen die großen
Fotografen bis zur Entwicklung der Nikon F fotografierten, werden Sie mit
der Zorki 4k zufrieden sein, wenn Ihnen eine LEICA IIIf oder IIIg zu teuer
und zu kostbar ist. Dafür ist die Zorki 4k bestens geeignet.
Wollen Sie sich oder andere davon überzeugen, dass man mit einer
altmodischen und mechanischen Kamera viele ausgezeichnete Fotos machen kann, die
auch mit der neuesten AF-SLR nicht besser werden, auch dann ist die Zorki 4k
für Sie die Richtige. Sie werden dabei wohl die selbe Erfahrung machen,
die ich gemacht habe: dass die Qualität eines Bildes primär vom
Fotografen abhängt und nicht vom Werkzeug, Spezialgebiete einmal
ausgenommen.
Wollen Sie russische Kameras sammeln - tun Sie es. Hoffen Sie
aber nicht auf Wertsteigerungen, die wird es nach menschlichem Ermessen
nicht geben.
Sollten Sie Fragen zur Geschichte der Zorkis
haben oder zur Bedienung der Kamera, suchen Sie bei Google, Sie
werden fündig werden. Und eine Bedienungsanleitung in Englisch gibt es
u. a. gratis bei
http://www.butkus.org/chinon/russian/zorki/zorki.htm .
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Erstellt
am 12.9.2000
Zuletzt geändert am 25. Juli 2009
© Peter Lausch

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