10. Teil: Nikon FM2. Nikon FM2n, Nikon FG, Nikon FG-20 und Nikon FA

 

Nikon FM2

Diese gegenüber der Nikon FM verbesserte Neuauflage erschien 1982. Nikon warb eifrig für die FM2 mit der kürzesten Verschlusszeit 1/4000s, ohne allerdings dazuzusagen, was man denn unbedingt mit einer Viertausendstel Sekunde fotografieren müsse. Dennoch ist diese Verschlusszeit nicht nur ein Gag. Denn bei den heute üblichen Filmen hoher Empfindlichkeit ist es manchmal nötig, mit großen Blenden zu arbeiten, um den Hintergrund in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Bei Sonnenschein, einem ISO 200 Film und Blende 2 ergibt sich bald eine Belichtungszeit kürzer als 1/1000 Sekunde. Nützlicher war da schon die kürzeste Synchronzeit von 1/200s, bei der die Belichtungsmessung jedoch nicht funktioniert. Aber zum Blitzen reicht es, denn die Belichtungssteuerung übernimmt ohnehin (TTL-Blitzbelichtungsmessung fehlt der FM2), im Normalbereich, nicht bei Nahaufnahmen etc., ausreichend genau das Automatikblitzgerät. Zum Unterschied von der Nikon FM konnten nur mehr Ai-Objektive verwendet werden, die alten Objektive mit der Belichtungsmessergabel waren Altmessing und Altglas bei dieser Kamera. Damit war der Abschied von den alten Objektiven endgültig, sofern sie nicht umgebaut wurden (bzw. werden konnten). Das übrige Zubehör wie Motor und Datenrückwand zur FM sind auch an der Nikon FM2 verwendbar.

Technische Daten Nikon FM2:

Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Nikon AI-Bajonettfassung); vertikal ablaufender Schlitzverschluss mit Verschlussvorhängen aus Titanfolie,  
Verschlusszeiten: B, 1 - 1/4000 Sekunde, mechanisch gesteuert, Synchronzeit: 1/200 Sekunde, Blitzkontakt mit und ohne Kabel (Hot Shoe),
mechanischer Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit, 
fest eingebauter Prismensucher (93% des Negativformats sichtbar),
Sucheranzeigen für Zeit, Blende, mit Leuchtdioden für Belichtungsabgleich,
Einstellscheiben wechselbar, Standardscheibe mit Schnittbildindikator, Mikroprismenfeld und Mattscheibe
Kein arretierbarer Rückschwingspiegel,
Mehrfachbelichtungen möglich,
Belichtungsmesser: mittenbetontes TTL-System mit Offenblendemessung,
Stromversorgung wahlweise mittels 3V Lithiumbatterie, 2 Stück 1,55V Silberoxyd- oder 2 Stück Alkali-Mangan-Batterien
Schnellschalthebel, automatisch auf Null stellendes Bildzählwerk, 
Zubehör u. a.: Datenrückwand MF-12, Motor MD-12 (bis 3,5 Bilder/Sek.)
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2/50 mm,
Gehäuseabmessungen: 142x89,5x60,5 mm,
Gewicht des Gehäuses: 540 g.
Durchschnittspreis für das Gehäuse bei durchschnittlich guter Erhaltung: ca. 400 Euro


Nikon FM2n

Ab 1983 wurde eine verbesserte Version erzeugt, die Nikon FM2n. Äußerlich ist sie von der FM2 nicht zu unterscheiden. Sie enthielt eine superhelle Mattscheibe und eine Synchronzeit von 1/250s. Eine TTL-Blitzbelichtungsmessung wurde leider nach wie vor nicht eingebaut. 1989 erhielt die FM2n dann einen neuen Verschluss, senkrecht ablaufend und völlig glatt, anstelle der Titanlamellen mit Wabenmuster auf Aluminiumfolie. Die äußerlich nicht als FM-2n bezeichnete Kamera wurde viele Jahre erzeugt und erst danach durch die heutige FM3A abgelöst. Falls Sie heute noch wo eine "neue" FM2n in einem Geschäft finden sollten, ist sie - vom kommerziellen Standpunkt aus - ein Ladenhüter. Handeln Sie um den Preis - und kaufen Sie. Sie bekommen dann eine schöne, mechanische Kamera, wenn auch ohne AF und ohne die modernste Belichtungstechnik.

FM-2/T

Ab Jänner 1994 war eine Titanversion lieferbar. Oberteil, Rückwand und Bodenplatte sind aus Titan, das eigentliche Gehäuse dazwischen ist aus Aluminium. Mechanisch entspricht die FM-2/T  der vorgenannten FM2n, sodass auch alle zur FM2n passenden Zubehörteile an der Titanversion verwendet werden können. Von dieser unterscheidet sie sich äußerlich durch ein matt-graues (titanfarbenes) Gehäuse.

Von dieser FM2/T gab es 1994 anlässlich des "Jahr des Hundes" für den japanischen Markt in nur etwa 300 Stück eine spezielle Ausführung mit neben der Typenbezeichnung aufgeprägtem Hundkopf der japanischen Rasse Chen-ten. Die Kamera ist damit seltener als die Nikon I! Es dauerte bis 1996, ehe ihre Existenz in den USA bekannt wurde. Diese Type werden Sie kaum kaufen können, leider!

Wahrscheinlich werden Sie leider auch die Millennium Edition der Nikon FM2 nicht kaufen können. Mit 2000 Exemplaren feiert Nikon nicht nur das neue Jahrtausend, sondern auch das Jahr des Drachen. Es handelt sich an sich um eine serienmäßige FM2, die jedoch oberhalb des Selbstauslösers auf der Vorderseite ein aufgeklebtes Drachensymbol zeigt. Außerdem besitzen, so wie seinerzeit bei der Gold-FM Gehäuse und Objektiv 1,4/50mm passende Nummern nach dem Schema "Year 2000 xxxx/2000" auf der Rückseite des Gehäuses unter dem Schnellschalthebel und "xxxx/2000" auf der Vorderseite der Objektivfassung. Die Verchromung der Kamera ähnelt farblich der FM2/T, besteht jedoch nicht aus Titan.

Sollten Sie so glücklich sein, eine zu finden und kaufen zu können, achten Sie darauf, dass sie auch die spezielle goldfarbene Schachtel mit rotem Samtfutter erhalten und das spezielle Zertifikat, mit dem Nikon einem jedem bestätigt, dass nur 2000 Stück erzeugt wurden. Erhalten Sie alles, steigert das den Wert, denn mit dieser Kamera werden Sie wohl nicht fotografieren, sondern Sie als Schmuckstück in ihrer Sammlung zeigen wollen. Preis ist Verhandlungssache.

Technische Daten Nikon FM2/T:

Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Nikon AI-Bajonettfassung); vertikal ablaufender Schlitzverschluss mit Verschlussvorhängen aus Titanfolie,  
Verschlusszeiten: B, 1 - 1/4000 Sekunde, mechanisch gesteuert, Synchronzeit: 1/250 Sekunde, Blitzkontakt mit und ohne Kabel (Hot Shoe),
mechanischer Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit, 
fest eingebauter Prismensucher (93% des Negativformats sichtbar),
Sucheranzeigen für Zeit, Blende, mit Leuchtdioden für Belichtungsabgleich,
Einstellscheiben wechselbar, Standardscheibe mit Schnittbildindikator, Mikroprismenfeld und Mattscheibe
Kein arretierbarer Rückschwingspiegel,
Mehrfachbelichtungen möglich,
Belichtungsmesser: mittenbetontes TTL-System mit Offenblendemessung,
Stromversorgung wahlweise mittels 3V Lithiumbatterie, 2 Stück 1,55V Silberoxyd- oder 2 Stück Alkali-Mangan-Batterien
Schnellschalthebel, automatisch auf Null stellendes Bildzählwerk, 
Zubehör u. a.: Datenrückwand MF-12, Motor MD-12 (bis 3,5 Bilder/Sek.)
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2/50 mm,
Gehäuseabmessungen: 142x89,5x60,5 mm,
Gewicht des Gehäuses: 540 g.
Durchschnittspreis für das Gehäuse bei durchschnittlich guter Erhaltung: ca. 600 Euro
 

Nikon FG

Nicht nur die FM2 als Weiterentwicklung der FM erschien 1982 neu auf dem Markt, die Nippon Kogaku K. K. brachte auch eine völlig neu entwickelte Kamera heraus: die Nikon FG  . Gedacht als Nachfolgemodell der Nikon EM von 1979 besitzt sie einige damals bedeutende neue Merkmale, die sie zu einer wichtigen Kamera in der Geschichte der Nikons machen.

Die Nikon FG ist die erste Nikon mit Programmautomatik, das heißt, auf Grund der vom Belichtungssystem gemessenen Helligkeit, der größten Blende des jeweils angesetzten Objektivs und der Filmempfindlichkeit errechnet die Kamera an Hand eines vorgegebenen Programms die passende Belichtungszeit und die passende Blende. Mit welcher Belichtungszeit die Aufnahme erfolgt, wird mit Hilfe einer Reihe von Leuchtdioden rechts im Sucherbild erkennbar. Zusätzlich zur Programmautomatik kann auch Zeitautomatik eingestellt werden, das heißt, zu einer vorgewählten Blende am Objektiv stellt die Kamera die passende Verschlusszeit ein, wie vorher schon bei der Nikon EM eingeführt. Außerdem ist eine rein manuelle Belichtungsmessung ebenfalls möglich.

Für die Weiterentwicklung der SLRs von Nikon war die FG wichtig, weil sie als erste SLR der Firma über eine Programmautomatik verfügte.  Die setzt zweierlei voraus: zum einen muss die vom Belichtungsmesser ermittelte Blende auf das Objektiv übertragen werden, weil ja bei Programmautomatik sowohl Zeit als auch Blende - in definierten Paaren einander zugeordnet - von der Kamera gesteuert werden; zum anderen muss die Kamera die Anfangsöffnung des Objektivs erkennen, die bei der Steuerung der Blende als Bezugspunkt zielt.

An sich verfügte schon die Nikon EM, obgleich bloß Zeitautomat, über einen kleinen Hebel im Spiegelkasten, über den die Kamera die Anfangsöffnung des Objektivs erfährt. Die AI-Objektive ihrerseits haben eine Art <Nase> als Gegenstück.  Diese und der genannte Hebel machten es möglich, in die Kamera eine Blendenautomatik oder aber auch (allenfalls zusätzlich) eine Programmautomatik einzubauen. Bei der EM wurde diese Möglichkeit nicht wirklich genutzt, dafür waren offenkundig kommerzielle Überlegungen ausschlaggebend - man wollte ja nicht unbedingt in das damals billigste lieferbare Modell eine Eigenschaft einbauen, die andere, teurere Modelle nicht besaßen. So wurde mit Nase und Hebel bei der EM lediglich das kameraspezifische Blitzgerät SB-E gesteuert.

Wichtig ist die Nikon FG auch deshalb, weil sie die erste Nikon mit Blitz-Innenmessung mit speziellen, abgestimmten Blitzgeräten von Nikon und anderen Fabrikanten (etwa im SCA-System) ist. Das wird erreicht durch eine zweite Photodiode an der Unterseite des Spiegelkastens. Mit dieser Diode wird das Licht gemessen, das während der Belichtung auf den Film fällt. Dazu wurde allerdings ein eigenes Blitzgerät notwendig. Nippon Kogaku K. K. erzeugte für die FG neu das SB-15, das auch an älteren Kameras verwendet werden kann, dann aber nicht mit Innenmessung. Naturgemäß lassen sich auch spätere Blitzgeräte von Nikon (und mit entsprechenden Adaptern auch Blitzgeräte von anderen Herstellern verwenden.
 
Mit der Blitzinnenmessung der Nikon FG konnten nicht nur zwei oder 3 Blenden (je nach Filmempfindlichkeit etwa 4 und 8, wie bei  "Computerblitzgeräten" ohne TTL-Blitzbelichtungsmessung üblich) verwendet werden, sondern jede, je nach Bedarf und Reichweite des Blitzgerätes. Auch wurde mit dieser Methode eine genauere Belichtung des Motivs bei Blitzaufnahmen möglich.

In der Praxis viel wichtiger ist diese Art der Belichtungsmessung beim Blitzen indessen bei Nahaufnahmen; mittels Verbindungskabel SC-17 lässt sich das Blitzgerät von der Kamera getrennt verwenden und kann auf diese Weise eine plastische Beleuchtung kleiner Gegenstände erreicht werden - unter Wegfall mühseliger Berechnung des Lichtverlustes bei Nahaufnahmen, etwa bei Verwendung von Zwischenringen oder eines Balgengerätes.

Nun mag ja sein, dass der angepeilte Käuferkreis der FG weder Zwischenringe noch Balgengeräte verwendete, aber die Vorteile der TTL-Blitzbelichtungsmessung sind so offenkundig, dass heute eigentlich - ausgenommen die allerbilligsten Modelle - jede SLR über eine solche verfügt.

Nicht verschwiegen werden soll, dass diese Methode der Belichtungsmessung auf Patenten von Minolta beruht. Minolta überließ gegen Lizenzgebühren seine Rechte nur an Olympus, die diese Möglichkeit an der OM-2 perfektionierte. Jahre später besann sich auch Minolta auf sein Patent und nützte es selbst an der Minolta CLE, der gleichsam modernsten Leica (nicht von Leitz) dank elektronischen Verschlusses mit Zeitautomatik und Blitz-Innenmessung (soweit ist die heutige Leica AG mit der Leica M6TTL noch nicht, die beharrlich weiterhin einen konstruktiv mehrere Jahrzehnte alten Tuchschlitzverschluss verwendet). In solchen Fällen einigt man sich in Japan stillschweigend, ohne gleich zum Kadi zu laufen. Das wäre für den Ruf nicht günstig.

Auch die Nikon FG besitzt noch eine Gegenlichttaste, die gleich wie bei der Nikon EM funktioniert. Zusätzlich ist mit Hilfe einer Markierung um den Rückspulknopf eine manuelle Korrektur der Belichtung um plus oder minus 2 Blenden möglich. Damals in Fachzeitschriften viel beredet: die Abblendtaste fehlt, man kann auch keine Doppelbelichtungen machen. Frage: wann haben Sie diese schönen Möglichkeiten bei Ihren Aufnahmen zum letzten Mal benutzt? Sehen Sie!

Äußerlich fällt, im Vergleich zu den anderen Nikons dieser Zeit, die kleine Ausbuchtung rechts vorne am Kameragehäuse auf, die einen rudimentären Handgriff aus Plastik darstellen soll.

Wie ebenfalls bei anderen Nikons dieser Zeit bereits üblich, war auch zur Nikon FG ein Motor lieferbar, natürlich ein neuer. Der MD-14 lieferte bis zu 3,2 Bilder/s, sofern die Verschlusszeit kurz genug war. Die ebenfalls neue Datenrückwand hieß MF-15. Da die Nikon FG die gleichen Außenmaße wie die Nikon EM aufweist und auch die gleiche Anordnung der Bodenkontakte, ist außerdem auch noch der Winder MD-E verwendbar.

Die Nikon FG wurde nur bis 1985 gebaut, also nicht einmal drei ganze Jahre. Durch das Aufkommen der AF-SLRs sank das Käuferinteresse rapid. Können oder wollen Sie auf AF verzichten, war und ist die FG mit ihrer Blitzbelichtungsmessung eine durchaus empfehlenswerte kleine und handliche Kamera, die meist recht günstig gebraucht zu kaufen ist.

 

Technische Daten Nikon FG:

Spiegelreflexkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektive (Nikon AIS-Bajonettfassung); Elektronisch gesteuerter, vertikal ablaufender Metallschlitzverschluss  
Verschlusszeiten: B, 1 - 1/1000 Sekunde bei Zeit- und Programmautomatik, 11 - 1/1000 Sekunden bei Handeinstellung, mechanische Zeit (bei Batterieausfall nützlich) 1/90 Sekunde, mechanisch, sonst alle Zeiten quartzgesteuert, Synchronzeit: 1/90 Sekunde, die unabhängig von der Einstellung an der Kamera bei den Blitzgeräten SB-E, SB-10 und SB-15 (und den späteren!) bei Blitzbereitschaft automatisch eingestellt wird, Hot Shoe (kein Kabelanschluss mehr),
mechanischer Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit, 
fest eingebauter Prismensucher (93% des Negativformats sichtbar),
Sucheranzeigen für Zeit, Blende, mit Leuchtdioden für Belichtungsabgleich,
Einstellscheiben wechselbar, Standardscheibe mit Schnittbildindikator, Mikroprismenfeld und Mattscheibe
Kein arretierbarer Rückschwingspiegel,
Mehrfachbelichtungen möglich,
Belichtungsmesser: mittenbetontes TTL-System mit Offenblendemessung,
Stromversorgung wahlweise mittels 3V Lithiumbatterie, 2 Stück 1,55V Silberoxyd- oder 2 Stück Alkali-Mangan-Batterien
Schnellschalthebel, automatisch auf Null stellendes Bildzählwerk, 
Zubehör u. a.: Datenrückwand MF-12, Motor MD-12 (bis 3,5 Bilder/Sek.)
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2/50 mm,
Zubehör: u. a. Motorantriebe MD-E und MD-14, Datenrückwand MF-15,
Gehäuseabmessungen: 136x87,5x54 mm,
Gewicht des Gehäuses: 490 g.
Durchschnittspreis für das Gehäuse bei durchschnittlich guter Erhaltung: ca. 100 Euro, Tendenz sinkend!

Nikon FG-20

Die Nikon FG  wurde 1984 durch ein Sparmodell ergänzt: die Nikon FG-20, wobei ich nicht feststellen konnte, was der Zwanziger heißen soll. Abgemagert war die Kamera um die Programmautomatik und die Leuchtdioden im Sucher; statt derer kamen wieder die guten alten Zeiger zum Einsatz, da billiger. Auch die Belichtungskorrekturskala um den Rückspulknopf fehlte, der Benützer musste sich mit der Gegenlichttaste der Nikon EM zufrieden geben. Fotografiert wurde wohl hauptsächlich mit Zeitautomatik und weniger mit manueller Einstellung der Belichtungszeit, obgleich ebenfalls möglich.

Da es sich um ein Sparmodell handelt, wurde auch die Blitz-Innenmessung eingespart. Über zusätzliche Kontakte im Sucherschuh wurde jedoch an ein spezielles Blitzgerät SB-19 jeweils Filmempfindlichkeit und eingestellte Blende übermittelt, gleichzeitig wurde die Synchronisationszeit von 1/90s eingestellt. Reicht das Licht bei der eingestellten Blende aus, leuchtet ein rotes Lämpchen konstant, blinkt es, muss eine andere Blende eingestellt werden.

Übrigens hat Nikon die FG-20 natürlich nicht als Sparmodell bezeichnet, sondern als verbesserte EM. So kann man es auch sehen.

Wer "es schnell" wollte, montierte den Winder MD-E (ursprünglich zur Nikon EM, max. 2 Bilder/s), oder den Motor MD-14 für max. 3,2 Bilder/s.

Die Produktion wurde schon 1986, also nach nicht einmal ganz zwei Jahren, eingestellt. Die neuen Massenmodelle F-301 bzw. die erste Autofocus-Kamera F-404 von Nikon boten einfach mehr Möglichkeiten und die Anforderungen der Kundschaft hatten sich inzwischen gewandelt.

Technische Daten:

Elektronisch gesteuerte SLR für Kleinbild, ohne AF, mit Zeitautomatik nach Blendenvorwahl und manueller Einstellung von Zeit und Blende, elektronisch gesteuerte, vertikal ablaufender Metallschlitzverschluss mit Zeiten von B, 1 - 1/1000 Sekunde, automatischer Einstellung der Synchronzeit wie bei der Nikon FG, Belichtungs-Korrekturtaste, Stromversorgung wahlweise mittels 3V Lithiumbatterie, 2 Stück 1,55V Silberoxyd- oder 2 Stück Alkali-Mangan-Batterien.
Größe: 136x89x54 mm, Gewicht des Gehäuses: 440 g.
Durchschnittspreis für das Gehäuse bei durchschnittlich guter Erhaltung: ca. 60 Euro, Tendenz: sinkend!

Nikon FA

 

Erinnern wir uns zurück: die mittenbetonte TTL-Messung ist von Nikon erstmalig 1967 eingeführt worden und wurde, geringfügig modifiziert, bislang beibehalten. Diese Messmethode, die auf der an sich einfachen Überlegung beruht, jeder Fotograf werde wohl den für ihn wichtigsten Teil des Motivs in der Mitte des Sucherbildes platzieren, bewährte sich hervorragend. Ein großer Teil der Motive, die mit dieser Meßmethode ausgemessen wurden, ist auf dem Film (sei es Farbe oder SW, Negativ- oder Diafilm) richtig belichtet worden. Dennoch gab es Situationen, in denen sich auch mit der mittenbetonten Belichtungsmessung keine einwandfrei belichteten Filme ergaben. Besonders deutlich zeigte sich das bei Diafilmen, wie sie früher noch viel häufiger als heute auch von Berufsfotografen benutzt wurden, haben diese Filme doch einen wesentlich geringeren Belichtungsspielraum als Negativfilme. Natürlich merkte sich ein jeder Nutzer mit der Zeit, in welchen Situationen er der Kamera auf die Sprünge helfen musste, wo er also seine Erfahrungen, so vorhanden, bewusst zur Korrektur der Belichtungsmessung, wie sie durch die Kamera vorgenommen wurde, einsetzte.

Das war nur möglich, wenn der Fotograf im vorhinein die kritische Situation erkannte und wenn er ferner gegenzusteuern wusste – keine ideale Situation für einen Erzeuger, der sich der gleichsam automatisch guten Qualität der mit seinen Produkten aufgenommen Bilder rühmte.

Die Techniker von Nippon Kogaku K. K. analysierten die möglichen Fehlerquellen der mittenbetonten Messung und entwickelten in der Folge an Hand der Ergebnisse von Tausenden Musterfotos Standardsituationen für die Helligkeitsunterschiede in einem Motiv. An Hand dieser Unterlagen teilten sie das Sucherfeld in insgesamt 5 Felder. 

Jedes dieser Felder wurde bei der Belichtungsmessung gesondert gemessen. An Hand der unterschiedlichen Helligkeitsverteilung dieser 5 Felder errechnet sodann eine elektronische Recheneinheit (gegen die damals gerne verwendete Bezeichnung "Computer" sträubt sich 2001 die Feder, sozusagen!) an Hand der gespeicherten Belichtungsdaten der Musterfotos die im konkreten Fall korrekte Belichtung. Dazu bedarf es aber außerdem natürlich auch noch der Berücksichtigung der Filmempfindlichkeit, der Lichtstärke des verwendeten Objektivs, der Brennweite etc. Funktioniert das alles, wird die optimale Belichtung gewährleistet. Auch die AMP-Messung ist streng genommen nicht <narrensicher>, aber sie erbringt einen viel höheren Prozentsatz sozusagen <automatisch> richtig belichteter Bilder als die mittenbetonte Messung, vor allem unter schwierigen Verhältnissen, wie etwa hohem Kontrast und bei Gegenlichtaufnahmen.

Nach ausführlichen Tests dieses Systems wurde die entsprechende Kamera rund um die elektronischen Bauteile gebaut und das Ergebnis wurde 1983 von Nippon Kogaku K. K. der mehr oder minder staunenden Öffentlichkeit unter dem Namen Nikon FA präsentiert.

Die Nikon FA ist eine äußerlich der Nikon FM-2 sehr ähnliche Kamera, ist jedoch in ihren Eigenschaften mit dieser nur mehr sehr beschränkt vergleichbar.

Wesentliche Neuheit ist – neben der eben erwähnten neuartigen Belichtungsmessung (von Nikon AMP-Messung genannt, für Automatic Multi Pattern Metering) – die erstmalige Vorstellung einer Blendenautomatik, nachdem bisherige Kameras jeweils bestenfalls mit Zeitautomatik geliefert worden waren.

Genau genommen gibt es 2 Programmautomatiken. Eine davon wählt grundsätzlich kürzere Belichtungszeiten. Welche Version gewählt wird, hängt von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Alle AF-, AI-S- und Serie E-Objektive mit Brennweiten ab 135 mm sowie Zoomobjektive mit einem Brennweitenbereich bis über 135 mm haben eine kleine Kerbe in der Objektivfassung, mittels derer die Kamera feststellt, dass die Kurzzeit-Automatik gewählt werden muss. An sich können jedoch an der FA auch die bisherigen Objektive in AI-Fassung, denen diese Kerbe fehlt, verwendet werden, nur muss dann besonders auf die von der Kamera gewählte Belichtungszeit geachtet werden, falls Objektive mit Brennweite ab 135 mm verwendet werden.

Dazu kommt, nicht nur bei Blendenautomatik, eine Cybernetic Override genannte Einrichtung. Einfach ausgedrückt: würde sich trotz Einstellung der kleinsten Blende noch immer eine Überbelichtung ergeben, stellt die Kamera automatisch die nächstkürzere Verschlusszeit ein etc, solange, bis eine korrekte Belichtung möglich ist – im Sucher leuchtet ein entsprechendes Symbol auf, das den Fotografen auf diese Änderung hinweist. Gleiches gilt sinngemäß bei Unterbelichtung. Zusätzlich wird auch noch berücksichtigt, ob die eingestellte Zeit mit dem verwendeten Objektiv überhaupt eine unverwackelte Aufnahme zulässt. Bei Objektiven über 135mm Brennweite werden daher keine längere Zeit als 1/125s toleriert. Das ist zwar bei einem 400mm Objektiv noch immer viel zu lange für unverwackelte Aufnahmen aus freier Hand, aber immerhin ......

Ferner verfügte die Nikon FA auch über Zeitautomatik, bei welcher zur vorgewählten Blende automatisch die richtige Verschlusszeit von der Kamera gewählt wird, wie dies schon im Prinzip seit der Nikon EL bei Nippon Kogaku K. K. üblich war, verfeinert nur durch die AMP-Messung und Cybernetic Override.

Nicht nur Zeit-, Blenden-, Programmautomatik und manuelle Einstellung von Zeit und Blende konnten gewählt werden, dies alles wurde überlagert dadurch, dass der Fotograf wahlweise auf die AMP-Messung verzichten und statt dessen mittenbetont messen konnte.

Wenn schon so viel Elektronik, dann sollte es auch auf eine TTL-Blitzmessung nicht ankommen und tatsächlich, sie gibt es, und auch noch mit Synchronzeiten bis 1/250s, wobei die Messung direkt auf der Filmoberfläche erfolgt. Wie schon erwähnt, dieses Prinzip hatte Minolta erfunden.

Natürlich gab es für die Nikon FA auch einen – eigenen – Motor. Er hieß MD-15. Es ließen sich aber auch die Motoren anschließen, welche die Nippon Kogaku K. K. für die Nikon FM und die Nikon FE entwickelt hatte, nämlich MD-11 und MD-12. Die Entwicklung auf diesem Sektor zeigt deutlich die allmähliche Weiterentwicklung eines wichtigen Zubehörteils. Daher einige Worte zu den Motoren:

  • Schon bei der Vorgängergeneration, den Nikkormats der unterschiedlichen Baureihen, gab es 1976 einen elektrisch angetriebenen Winder, den AW-1, der tatsächlich das tat (und nicht mehr), was sein Name andeutete: er transportierte nach jeder Aufnahme den Film weiter und ersparte dem Fotografen den manuellen Transport per Hebel. Er wurde an den Kameraboden der Modelle Nikkorrmat ELW und Nikon EL-2 angeschraubt. Mit Einzelauslösung schaffte man max. 2 Bilder/Sekunde, Serienaufnahmen waren nicht möglich. Für die Nikon FM erschien eine weiterentwickelte Version, der MD-11, der bereits 3,5 Bilder/s transportieren konnte und bei dem zwischen dem Transport eines einzelnen Bildes oder kontinuierlichem Transport gewählt werden konnte; dann wurde solange Aufnahme nach Aufnahme gemacht und dazwischen der Film transportiert, solange der Fotograf den Auslöser drückte, mit kurzen Belichtungszeiten eben 3,5 Bilder in der Sekunde – gegebenenfalls bis zum Filmende. Äußerlich unterscheidet er sich schon durch den fix angebrachten Handgriff vom AW-1. Der Motor hat einen vorne, unten am Griff, angebrachten Kontakt für elektrische Steuergeräte, etwa ein Intervalometer für Zeitrafferaufnahmen. Beschränkt wird seine Einsatzdauer durch den Mangel eines Steckers für externe Stromversorgung, etwa über das Stromnetz.

  • Zur Nikon FE erschien der Motor MD-12. Gegenüber dem MD-11 weist er zwei Verbesserungen auf: Der Druck auf den Auslöser des Motors schaltet die Belichtungsmessung der Kamera ein, 1 Minute später wird die Belichtungsmessung automatisch abgeschaltet, falls keine Aufnahme erfolgt ist. Hingegen muss beim MD-11 die Belichtungsmessung sich durch Druck auf den kameraseitigen Auslöser eingeschaltet und sodann der Auslöser am Motor betätigt werden, um den Film motorisch zu transportieren. Der zweite Unterschied liegt darin, dass der modernere MD-12 den Film bei Einstellung auf Einzelbild unmittelbar nach dem Verschlussablauf weitertransportiert, beim MD-11 erst nach Loslassen des Auslösers.


Der speziell für die Nikon FA geschaffene Motor MD-15 unterscheidet sich von seinen beiden Vorgängern durch die elektrische Auslösung, während die Auslösung der Kamera von den Vorgängern mechanisch durch einen elektrisch ausgelösten Stift im Motor bewirkt wurde. Das setzt natürlich entsprechende Kontakte im Gehäuseboden voraus, die bei Nikon FE und Nikon FM noch fehlten, bei der Nikon FA jedoch vorhanden sind. Durch zusätzliche Kontakte wird überdies die Stromversorgung der Nikon FA bei angesetztem und eingeschaltetem Motor durch dessen Batterien übernommen, sodass die Kamerabatterien geschont werden. Wird die Nikon FA immer mit dem Motor gemeinsam verwendet, werden die Kamerabatterien sozusagen überflüssig. Mit anderen Worten: an der Nikon FA sind zwar die beiden älteren Motoren verwendbar, aber sie nützen nicht alle vorgegebenen Möglichkeiten an der Kamera aus. Umgekehrt kann der MD-15 an Nikon FM und Nikon FE nicht verwendet werden.

Die Nikon FA besitzt, das kann man zusammenfassend ohne Übertreibung festhalten, eine Reihe von Eigenschaften, die ihr 1983 verdientermaßen den Ruf eines, wie wir heute sagen, Technologieträgers verschaffte.

Für die Nippon Kogaku K. K. stellt die einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung der Nikons dar. Gekauft wurde sie gerne; sie war allerdings, schon auf Grund ihres Preises, nicht gerade ein Hit. Das Schicksal bescherte ihr auch keine lange Produktionszeit; schon 1987 wurde die Erzeugung eingestellt. Das verschafft heute dem Eigentümer einer Nikon FA auf dem Gebrauchtkameramarkt ein angenehmes Erlebnis, weil er seine pfleglich behandelte, von Dellen und Kratzern freie FA für etwa 400 Euro leicht privat verkaufen könnte. Nikon FAs werden einem allerdings recht selten angeboten. Ich habe leider noch keine gut erhaltene gefunden.

Noch eine Besonderheit gibt es bei der Nikon FA:

 

Nikon FA Gold

 

Die Fortschrittlichkeit der Nikon FA wurde von den Fachleuten unverzüglich erkannt. Unter anderem wurde ihr von einer Fachjury der Europäische Kamerapreis des Jahres 1984 verliehen. Das erfüllte Nikon mit derartigem Stolz, dass sie zur Feier dieser Auszeichnung eine vergoldete Version der FA auf den Markt brachten, die zweite goldene Nikon SLR nach der Nikon FM. Die FA war allerdings für betuchte Käufer auf dem freien Markt erhältlich und wurde nicht nur an wichtige Persönlichkeiten verschenkt. Seltsam ist jedoch, dass sich auf der Hinterseite des Gehäuses unterhalb des Schnellschalthebels eine Platte mit der Bezeichnung "Camera Grand Prix 1984" befindet, was auf eine eigenwillige Übersetzung hindeutet. 

2000 Stück wurden von diesem Prachtstück erzeugt. Vergoldet war nicht nur der Gehäuseoberteil, sondern auch der normaler Weise silberfarbene Teil der ansonsten schwarzen Objektivfassung (ein 1,4/50mm). Und die Belederung bestand nicht einfach aus schwarzer Lederimitation, sondern aus rotem Eidechsenleder - ein wenig kitschig, darf ich wohl sagen, aber halt japanischer Geschmack. Leider war der Goldüberzug (nicht irgendeine Legierung, sondern 24 Karat!) sehr empfindlich gegen Kratzer, daher wurde mit der Kamera auch gleich ein Poliertuch und ein Goldreiniger mitgeliefert.

Viele Fotos dürften mit diesen 2000 Kameras wohl nicht gemacht werden. Wäre ja schade um das Prachtstück. Aus mir spricht der pure Neid!

 

Wollen Sie weiterlesen? Dann klicken Sie!

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

 Zuletzt bearbeitet: 1. Februar 2010

© 2010   /   Peter Lausch

IMPRESSUMRECHTLICHESPOST