Olympus XA 
 


Olympus XA
Alle Abbildungen: ©Peter Lausch / 2014

Einleitung:

Olympus ist seit vielen Jahren nicht nur für qualitativ gute, sondern auch für relativ handliche Kameras bekannt, die zum Teil auf originellen Ideen beruhen, die andere Hersteller vorher nicht gehabt haben und nachträglich dann nachahmten. Insofern ist Olympus mit vielen Modellen zum Trendsetter geworden. Das ist auch beim heutigen Angebot von Digitalkameras nicht anders, aber das ist eine andere Geschichte.

Untrennbar mit der Entwicklung kleiner handlicher Kameras durch diese Firma ab den 70er Jahren ist der Name Yoshihira Maitani verbunden, einer der wenigen Kamerakonstrukteure, deren Namen allgemein bekannt geworden sind, als solcher vergleichbar mit Oskar Barnack, der die Leica entwickelte und damit sozusagen zum Vater einer ganzen Kameragattung, der „Kleinbildkamera“ wurde.

Viele der Schöpfungen Maitanis sind eigentliche klassische Kameramodelle geworden, man denke an die Halbformatsucherkameras der Pen-Reihe, an die Spiegelreflexkameras Pen F und Pen FT ebenfalls fürs Halbformat 18 x 24 mm auf Kleinbildfilm, an die Spiegelreflexkameras der OM-Reihe fürs Vollformat 24 x36 mm. Mit diesen Kameras wurden, nachdem sowohl Sucherkameras als auch Spiegelreflexkameras im Lauf der Jahre immer größer konstruiert wurden, erstmals wieder Kleinbildkameras präsentiert, die den Namen auch wirklich verdienten, so wie ihn die Leica 1925 verdiente. Viele andere Kamerafirmen haben dem Vorbild Maitanis nachgeeifert, andere, wie etwa Leica mit der R8 und R9 sind beim Gewohnten geblieben  und haben deswegen, nicht nur, aber auch, mit ihren Produkten nur recht mäßigen Erfolg gehabt.

Die XA:

Ab ca. 1975 begann bei Olympus die Entwicklung einer neuen, handlichen Sucherkamera, die 1979 als „Olympus XA“ präsentiert wurde, eine Sucherkamera mit

o   Brennweite: 35 mm

Belichtung: automatisch nach Vorwahl der Blende

o   Belichtungszeiten: ca. 10  bis 1/500 sec

o   Filmempfindlichkeit: von 25 - 800 ASA

o   Blende: von 2,8-22

o   Batterietester, Selftimer und Gegenlichtkorrektur um 1,5 Blendenstufen

o   stabilem Metallgehäuse

o   Objektivschutz durch vorschiebbare Verkleidung.

Diese Aufzählung, auch wenn sie die Eigenschaften der ab Frühjahr 1979 lieferbaren Kamera beschreibt, zeigt nicht, was die XA aus der Menge anderer kompakter Sucherkameras heraushebt.

Die Grundidee ist sicherlich die Konstruktion eines 6-linsigen kompakten Objektivs mit den Daten 2,8/35 mm, dessen Vorderglied nur 31 mm von der Filmebene entfernt ist. Insofern  ähnelt es einem wahren Teleobjektiv mit verkürzter Baulänge. Übliche Weitwinkelobjektive für Spiegelreflexkameras sind nach dem Retrofokusprinzip konstruiert, d. h., sie sind länger als von der Brennweite her notwendig (damit der Spiegel hochklappen kann, ohne die hintere Objektivfassung zu berühren).  Auf diese Weise konnte bei der XA das Objektiv im Gehäuse fest eingebaut werden, es braucht nicht zur Aufnahme aus dem Gehäuse herausgeschoben werden wie bei der Rollei 35 noch braucht es eine Klappe, die nach vorn geöffnet werden muss, damit das Objektiv in Aufnahmestellung ausfahren kann, wie bei  Minox  oder Balda CE:

                     

 

Und zum Unterschied von diesen verfügt die XA über einen eingebauten und gekuppelten Entfernungsmesser.

Die Besonderheit der Konstruktion bedingt eine Reihe von Besonderheiten bei der Bedienung der XA: die Entfernungseinstellung erfolgt über einen kleinen Hebel unterhalb des Objektivs, sichtbar bei geöffnetem Abdeckschieber, die Blende wird seitlich des Objektivs mit einem Schieber festgelegt, die Belichtungszeit (Zeitautomatik) ergibt sich aus den vom Belichtungsmesser ermittelten Helligkeit unter Berücksichtigung der an einer Skala unterhalb des Objektivs eingestellten Filmempfindlichkeit und der Blendeneinstellung. Die eingestellte Zeit ist an einer Skala links im Sucher sichtbar. Die Skala reicht von 1/500 sec bis 1 sec, die Kamera selbst bildet bei wenig Licht indessen Belichtungszeiten bis 10 sec.

Im Kameraboden befindet sich ein Hebel

o   für die Gegenlichtkorrektur von +1,5 Lichtwerten,

o   eine Einstellung für die Batterieprüfung (bei ausreichender Spannung ertönt ein Summton und die Batteriekontrollleuchte auf der Vorderseite leuchtet) und

o   für den Selbstauslöser mit einer Vorlaufzeit von 12 Sekunden.

Im Kameraboden sind auch die zwei für den Betrieb notwendigen Silberoxydbatterien des heute noch erhältlichen Typs SR 44 untergebracht (die gleich großen Alkalimanganbatterien LR44 funktionieren zwar anfangs auch, haben aber eine andere Entladungscharakteristik, sodass sie von Olympus nicht empfohlen werden).

Ach ja,  auf der linken Seite (in Aufnahmehaltung) konnte ein mit der XA mitgeliefertes Blitzerchen A11 angesteckt werden  angesteckt werden, geringe Leitzahl, aber klein. Es gab auch ein A16 mit etwas höherer Leitzahl, dafür aber bedeutend größer. Ich zeige hier ein A11. Ehrlich, tun Sie sich das nicht unbedingt an, die Kamera wird größer. Nehmen Sie einen lichtempfindlicheren Film, das ist die bessere Lösung.

 

 

Noch eine Besonderheit: Der Auslöser hat einen extrem geringen Auslöseweg, sobald man sozusagen den Finger auf die rot markierte Auslösefläche legt, löst die Kamera aus (sofern Verschluss gespannt). Daran muss und kann man sich gewöhnen.

Ein Wort auch noch zum Preis einer gebrauchten Olympus XA: bis zu € 100 verlangen manche Leute, ich habe meine oben gezeigte XA um € 7 erstanden, weil funktionsunfähig (Batterien infolge Überalterung leer).  Achten Sie beim Kauf auf die Lichtdichtheit der Rückwand, der seinerzeit zur Abdichtung gegen Streulicht verwendete Schaumgummi ist oft zerbröselt, eine neue Dichtung ist fällig (möglich, kostet aber vielleicht mehr als die Kamera!).

Haben Sie indessen eine funktionsfähige Kamera erstanden, haben Sie eine  (102x64,5x40 mm) kleine Kamera mit einem Gewicht von 225 g (ohne Film, ohne Batterien), die man jederzeit unbeschwert bei sich führen kann.

Ob Sie sich heute noch eine XA für Film kaufen, ist eine andere Frage; eine moderne digitale Kompaktkamera wie beispielsweise die Sony DCS RX 100 ist nicht größer, aber wesentlich leistungsfähiger.

Die kleinen Schwestern:

Ist eine Kamera erfolgreich, gibt es bald auch vereinfachte und billigere Versionen. So war es auch bei der XA. Die Form ist weitgehend unverändert, die Möglichkeiten aber geringer:

  • Die XA1 besitzt statt der CdS-Zelle einen Belichtungsmesser mit Selenzelle um das Objektiv, Programmautomatik und ein Fix-Fokus-Objektiv mit den Daten 4/35 mm.
  • Die XA2 hat Programmautomatik, ein 3,5/35 mm und keinen Entfernungsmesser. Dieses Modell gibt es in mehreren Farbversionen, aber auch im vertrauten Schwarz.
  • Die XA3 hat ebenfalls Programmautomatik, ein 3,5/35 mm und keinen Entfernungsmesser, dafür aber eine DX-Einstellung für die Filmempfindlichkeit. Nur in Schwarz erhältlich.
  • Die XA4macro verfügt über Programmautomatik, ein Objektiv mit 3,5/28 mm mit "Makroeinstellung" bis zu ca. 30 cm ab Filmebene. Makro ist normalerweise etwas anderes. Der Programmverschluss reicht von 1/750 sec bis 2 Sekunden, Empfindlichkeitsskala reicht bis 1600 ASA, DX-Einstellung möglich.

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© PETER LAUSCH/2014
Erstellt am 1. Dezember 2014

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