1936 wurden allein in Deutschland etwa 350 Millionen Negative
belichtet. Schätzungsweise 15% aller Negative waren so falsch belichtet,
dass sie unbrauchbar waren. 15% Fehlresultate ergaben ca. vier Millionen
Reichsmark Verlust. Die deutsche Fotoindustrie schrie auf: Wenn man für
dieses Geld Belichtungsmesser gekauft hätte!
Es gab damals eine Reihe halbwegs brauchbarer optischer
Belichtungsmesser wie den nebenstehend abgebildeten Drem Leicascop. Fast alle waren so gebaut, dass man durch ein mit einer
Lupe versehenes Rohr Zahlen oder Buchstaben erkannte, die auf einer
aufgedruckten Tabelle (unter Berücksichtigung von Jahres- und Tageszeit mit
bestimmter Blende entsprechende Belichtungszeiten ergaben. Dabei kam es
darauf an, welche Zahl gerade noch erkennbar war. Kaum zwei Menschen haben
die gleiche Sehleistung und kommen bei optischen Messungen zu gleichen
Ergebnissen. Diese optischen Belichtungsmesser waren besser als nichts –
eine wirklich überzeugende Lösung des Problems der richtigen Belichtung
war damit jedoch nicht gefunden.
Die
Lösung war die Erfindung des elektrischen Belichtungsmessers. Einen der
ersten - speziell für die Leica entwickelten - elektrischen
Belichtungsmesser baute die amerikanische Firma Weston in Verbindung mit
Leitz, New York. Dieses in der Hand zu haltende Gerät kam 1936 unter der
Modellbezeichnung Leicameter Mod. 650 auf den Markt. Mit seiner riesigen
Selenzelle war es sozusagen unübersehbar.
Kein Mensch will heute noch mit einem Westonmeter die Belichtung
messen; aber als erster elektrischer Belichtungsmesser zur Leica ist das
Gerät für Sammler immer noch von Interesse. Und da Sammler <schöne Sachen>
haben wollen, ist ein Gerät wie das abgebildete immer noch an die 250 Euro
wert.
Wie ging’s weiter?
Es
dauerte noch etwas, aber dann im Jahre 1939 erschien in Deutschland der
erste „richtige" Belichtungsmesser - haargenau auf den Leib der Leica
zugeschnitten. Der „Metrawatt LC 60" war der nichtssagende Name für dieses
damals so nötige Zubehör. Im Zubehörschuh befestigt, passte er sich
organisch der Form der Leica an und war kaum breiter als das
Leica-Gehäuse. Er war indessen mit dem Zeitenrad der Leica nicht gekuppelt
wie die späteren Modelle zu den M-Leicas. Das war auch nicht möglich, weil
sich bei den damaligen Leicas mit Schraubgewinde das Zeitenrad bei der
Aufnahme drehte (anders als bei modernen Kameras, aber Standard bei
Schlitzverschlusskameras vor dem Krieg).
Westonmeter gab es im Lauf der Zeit in vielen Ausführungen, vornehmlich
für den professionellen Gebrauch als Handbelichtungsmesser. Die Fa.
Metrawatt indessen wurde u. a. durch ihre speziell auf die M-Leicas
abgestimmten Belichtungsmesser Leicameter MC mit Selenzelle und Leicameter
MR und MR-4 mit CdS-Zelle bekannt – Einzelheiten
hier.