PETER LAUSCH
Der Wegweiser in Ballyvaughan

 

Autofahrer, fährst du von Osten (aus Kinvara mit dem Dunguaire Castle etwa) auf der N67 nach Ballvaughan, an der Kreuzung bei Hylands Burren Hotel sahst du einen Wegweiser, der es <in sich> hatte, oder eher <an sich>:


Zustand im Juni 2008

Solch ein Wegweiser stellte manchen Autofahrer vor Probleme, weil er vor lauter Zusatztafeln die eigentlich wichtigen Informationen nicht gleich fand: Dabei wäre es so einfach gewesen: An dieser T-förmigen Kreuzung biegt die N67 nach links und es zweigt nach rechts die R479 ab, die entlang der zerklüfteten Küste in vielen Kurven und mit vielen Ausblicken nach Fanore und dann weiter nach Lisdoonvarna führt. Noch viel früher gab es daher rechts vom grünen Wegweiser einen nach links weisenden, auch nach Lisdoonvarna, aber mit dem kleinen Zusatz <Coast Road>. Das war aber denn doch zu viel der Zumutungen für Touristen und wurde in obiges Prunkstück umgeändert. Findige Zeitgenossen haben den Wegweiser gleich für ihre Zwecke benutzt: B&B Houses, ein Pub, eine Art Teehaus, die Vermarkter einer - sehenswerten - Höhle im Kalkstein etc. Ach ja, ein Hinweis auf die Autofähre von Killimer aufs Südufer des Shannon durfte da nicht fehlen - weit und breit die einzige solche Hinweistafel und praktischer Weise ohne Entfernungsangabe - Fremder, Irland ist schön und irgendwann wirst du schon nach Killimer gelangen.

Und neuerdings die Untat sondergleichen: Ende Mai, anfangs Juni 2011 wurde der Wegweiser durch die zuständige Behörde entrümpelt, ein wenig überladen ist er aber immer noch:


Zustand im Juni 2011

Aufs Cappabhaile House, gegen das ich nichts habe, wurde beim Entfernen anscheinend vergessen, auf die durchaus besuchenswerte Burren Perfumery ebenfalls.

Der örtliche Parlamentsabgeordnete, von dem man sonst nichts hört, pudelt sich gewaltig auf! Und der Inhaber des Teehauses: 29 Jahre sei dieses Schild am Wegweiser befestigt gewesen - und nun das. Was wohl aus seinem Geschäft mit 16 Angestellten werde, wenn es den Hinweis auf dem Wegweiser nun nicht mehr gebe? Und wer, fragt er, was wohl aus den Arbeitsplätzen werde, wenn alle Wegweiser bis auf einen nun nur mehr nach links zeigten? Ob die Interessen des Tourismus nichts zählten? Und ein Herr Patrick O'Donohugue meint, der verstümmelte Wegweiser sei (unverstümmelt, meint er offenbar) ein Symbol für die Landschaft des Burren gewesen (wieso das, sagt er nicht). Angeblich, sagen sie alle, seien die Menschen in Ballyvaughan über die obrigkeitliche Freveltat total empört.

Ach ja, ein Sprecher der zuständige Straßenbehörde sagt auch etwas: Wegweiser sollten Wegweiser sein und keine Reklametafeln (wäre er konsequent, wären die braunen Tafeln allesamt zu entfernen; in Wahrheit hat man jene Tafeln entfernt, welche die entsprechenden Herren und Damen in Eigenregie und ohne Entgelt für die Behörde angebracht haben).

Die Details über diese Realsatire finden sich in der Irish Times vom 15. Juni 2011.

 
Erstellt:
30. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch

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