PETER LAUSCH

Viltrox PFU RBMH 20mm f/1,8 Asph für Nikon Z6 + Z7
 
Nikon Z6 mit Viltrox 20mm f/1,8

Seit dem Aufkommen der spiegellosen Systemkameras hat sich die Zahl der an einer bestimmten derartigen Kamera einer Firma verwendbaren Wechselobjektive vervielfacht: durch den Wegfall des Spiegels (in Spiegelreflexkameras) sind die Gehäuse bedeutend dünner geworden. Dadurch kann mit passenden Adaptern auch ein älteres Objektiv eines anderen Erzeugers einfach an die spiegellose Kamera angesetzt werden. Die Firma Novoflex etwa bietet ein großes Sortiment passender Adapter an, allerdings zu einem relativ hohen Preis.

Auftritt einer großen Zahl von Erzeugern bedeutend billigerer, technisch aber vergleichbarer Adapter vorwiegend aus China, wobei nicht immer klar ist, ob nicht nur die Aufschrift auf dem Zwischenring eine andere ist, der Erzeuger aber derselbe. Natürlich gibt es auch Qualitätsunterschiede: manche Adapter sitzen an Kamera und/oder Objektiv eher streng, sprich, sie lassen sich nur mit einem gewissen Kraftaufwand ansetzen, andere wieder sitzen nicht exakt im Bajonett der Kamera und "haben Spiel". Auf die Funktionsfähigkeit hat das meist keinen Einfluss, der Adapter ist ja lediglich ein Rohr einer bestimmten Länge, das zwischen Kamera und Objektiv gesetzt wird. Abhängig von der Dicke der Kamera, für welche ein Objektiv bestimmt ist, lassen sich nicht nur teils Jahrzehnte alte Objektive für Sucherkameras und SLRs an moderne Spiegellose ansetzen, sondern auch etliche moderne Objektive für die Digitalkamera einer Firma an die Digitalkamera einer anderen Firma, falls es einen passenden Adapter gibt.

Typisch für solche Adaptionen ist der Komfortverlust bei der Verwendung solcher alten Objektive: meist funktioniert der Autofokus nicht, selten werden mittels Adapters auch die Objektivdaten übertragen, etc. Auch haben manche dieser  alten Objektive optische Fehler, die u. U. den Reiz der damit gemachten Fotos ausmachen. Aber:: besitzt man so ein Altertum, erspart man sich den Ankauf eines neuen Objektivs und kauft für vergleichsweise wenig Geld einen Adapter.

Dennoch lässt sich mit diesen Adaptern + Objektiven an modernen Digitalkamers relativ komfortabel fotografieren: Allerdings, ein wenig Umgewöhnung braucht es schon.

Man stellt das Belichtungsprogramm auf A (Zeitautomatik) und wählt, meist am Objektiv, die gewünschte Blende.. Danach erfolgt die Belichtungsmessung wie gewohnt. Nicht wie gewohnt erfolgt die Entfernungseinstellung, denn der Autofokus funktioniert in aller Regel mangels entsprechender Steuerungseinrichtung auch dann nicht, wenn es sich beim Fremdobjektiv an sich um ein Objektiv mit AF-Steuerung handelt. Bei vielen der alten Objektiven stellt sich das Problem ohnehin nicht, weil die Objektive aus Zeiten stammen, in denen man keinen Autofokus kannte. Daher heißt es die Entfernung manuell einzustellen: das gelingt durch Blick durch den Sucher oder auf den Kameramonitor. Viele Kameras haben eine Sucherlupe und/oder sind für Focus Peaking eingerichtet (jene Objekte, auf die das Objektiv scharf gestellt wird, sind dann mit einer (meist roten) Kontur umgeben.

Nikon hat für die Nikon Z6 und Z7 die Steuerungselektronik  nicht freigegeben. Das bedeutet, Firmen, die Objektive für diese Kameras anbieten, müssten mittels „reverse engineering“ eine eigene AF-Steuerung samt Vibrationsausgleich ausarbeiten; dies übersteigt die Möglichkeiten vieler kleiner Produzenten von Fremdobjektiven. Nikon sichert auf diese Weise den Verkauf der eigenen (teuren) Objektive.

Im Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels gibt es daher eine beträchtliche Zahl an Fremdobjektiven, die sich mittels des FTZ-Adapters von Nikon oder mittels eines anderen Adapters an den Kameras der Z-Serie anbringen lassen und mit denen man einwandfrei fotografieren kann. Dennoch sind sie, wie etwa manche Objektive von Tokina und anderen Firmen vielfach mit der Steuerungselektronik von Nikon Z6 und Z7  nicht voll kompatibel, teils müssen sie,  wie etwa manche Objetive von Tokina,  – meist durch die jeweilige Auslandsvertretung – umgebaut werden, damit sie an den Z-Kameras so funktionieren wie an den SLRs mit F-Bajonett.

Meines Wissens gibt es zur Zeit nur ein Fremdobjektiv (von Viltrox), das kameraseitig das passende Bajonett für Z-Kameras aufweist und damit ohne Adapter direkt ans Gehäuse angeschlossen werden kann. Dieses Objektiv mit der oben genannten ellenlangen Bezeichnung will ich in der Folge beschreiben.

Die in Shenzhen in China angesiedelte Shenzhen Film Technology Co. , Ltd liefert neben Adaptern und Zischenringen neuerdings auch Objektive unter dem Markennamen Viltrox. Seit Oktober 2018 wird auch ein extremes Weitwinkelobjektiv für die Kameras der Z Serie von Nikon angeboten. Im stationären Handel ist es in vielen Ländern (darunter Österreich, wohl aber auch Schweiz und Deutschland) gar nicht erhältlich, sondern nur über die Firma Am... im Internet und kostet derzeit um € 400, also nicht einmal die Hälfte des  Originalobjektivs von Nikon zu den Z-Modellen. Auf die Unterschiede komme ich am Ende zurück.
Es handelt sich laut Beschreibung auf der Webseite des Anbieters um ein "voll manuelles Objektiv". Damit ist gemeint: es gibt keine elektrische Verbindung zwischen Objektiv und Kamera (erkennbar am Fehlen der Kontakte an der hinteren Fassung des Objektivs).

Infolgedessen erfolgt mangels eingebauter CPU auch keine elektronische Verbesserung der aufgenommenen Bilder in der Kamera. Es fehlt eine automatische Entfernungseinstellung im Objektiv, es werden auch die EXIF-Daten nicht übertragen.

Wie bediehnt man die Kamera mit angesetztem Viltrox? Man fotografiert mit Zeitautomatik (Einstellung auf A an der Kamera), wer will auch mit Einstellung auf M. Bei Zeitautomatik wird die Blende am Objektiv eingestellt, bei Druck auf den Kameraauslöser bildet die Kamera (abhängig von der ISO-Einstellung) die passende Belichtungszeit, die mittels der an der Kamera eingestellten Messmethode ermittelt wird, etwa Matrixmessung. Die im Gehäuse eingebaute Vibrationsreduzierung  funktioniert auch hier, allerdings muss im Systemteil des Menüs bei Daten für Objektive ohne CPU Blende und Brennweite einmal manuell eingegeben und gespeichert werden - siehe dort. Außerdem wählen Sie die Individualfunktion d10 im Kameramenü und ein passendes Ausmaß für die Breite der Kennzeichnung und Farbe bei Fokus Peaking. Das war's dann auch schon.

Nach diesen - einmaligen - Vorarbeiten können Sie das Objektiv optimal verwenden.

Im Sucher oder auf dem Monitor sehen Sie nach Druck auf den Auslöser die von der Kamera gebildete Zeit und mit Fokus Peaking farbig  (zB. rot) umrandet den Bereich des Bildes, auf den Sie mit der Entfernungseinstellung am Objektiv scharfgestellt haben. Diesen Bereich können Sie aber bei kleineren Blenden bei einem 20mm-Objektiv auch mittels der Schärfentiefeskala am Objektiv leicht schätzen.
Für ein KB-Objektiv mit 20mm Brennweite ist die Verzerrung gerader Linien sehr gering, wenn Sie nicht gerade Klinkermauern fotografieren, werden Sie sie gar nicht merken, behaupte ich mal. Was Sie freilich merken werden, ist die relativ starke Vignettierung. Vignettierung tritt zwar bei allen Objektive auf, in modernen Digitalkameras wird sie kameraseitig bei der Aufnahme möglichst ausgeglichen. Mangels elektrischer Verbindung zwischen Kamera und Objektiv ist dies beim Viltrox nicht möglich. Bei der Nachbearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm ist diese Anpassung indessen recht einfach möglich. So wie bei jedem Objektiv ist die Schärfe bei größter Blende (kleinster Blendenzahl) am geringsten. Bei Blende 1,8 liefert das Viltrox in Bildmitte die relativ größte Auflösung, die zu den Ecken hin deutlich abfällt, bei Blende 5,6 bis Bl. 8 liefert das Objektiv die beste und dann tadellose Leistung. Auch in diesem Zusammenhang: Aufnahmen von Klinkermauern und dergleichen und Astroaufnahmen sollten Sie nach Möglichkeit somit nicht bei Bl. 1,8 machen. Aber das gilt auch für alle anderen Objektive, egal welchen Erzeugers.

Alternativen zum Viltrox 20mm f/1,8 von Nikon:
a) Seit anfangs 2020 bietet auch Nikon sein Z 20mm f/1,8 S an. Anders als das Viltrox handelt es sich um ein Autofokusobjektiv, das gegen Feuchtigkeit durch Gummidichtungen geschützt ist. Es ist mit 85x109mm zwar ähnlich groß wie das Viltrox, ist aber mit 505g Gewicht um ein Drittel leichter als das Viltrox. Dafür kostet es an die € 1000.
b) Bei Verwendung des FTZ-Adapters bietet sich zum Beispiel auch das schon ältere AF-Nikkor 20mm f/2,8 D an, vor allem, wenn Sie es zu vorhandenen Nikon F- bzw. D-Modellen vielleicht ohnehin schon besitzen oder preiswert gebraucht kaufen können. Die Blende stellen Sie allerdings in diesem Fall nicht am Objektiv, sondern am Einstellrad der Kamera selbst ein.
Alternativen von anderen Erzeugern:
Mit passenden Adaptern lassen sich auch 20mm-Objektive anderer Produzenten an die Nikon Z6 bzw. Z7 anpassen.

Überlegungen zum Kauf:
Weite Landschaften, schmale Straßen in Städten, beengte Innenräume, das sínd ideale Anwendungsbereiche solcher Weitwinkelobjektive. Dank der großen Lichtstärke auch Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen (Geschäftsstraßen am Abend u. dgl). Brauchen Sie die Blende 1,8 nicht, bietet sich als Alternative auch ein Objektiv mit Blende 2,8. Eine größere Vielseitigkeit (mit meist noch geringerer Lichtstärke bieten entsprechende Weitwinkelzooms.

Wollen Sie die Entfernung partout nicht manuell einstellen, kommt das Viltrox für Sie nicht in Betracht, da bleibt dann nur das Originalobjektiv von Nikon mit dem üblichen Bedienungsstandard der Z-Objektive.

Hinweis:
Ich bekomme nichts von Viltrox oder Am.. für diesen Beitrag.


 
20.7.2020
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