14. Teil: Nikon F5, FM-10, FE-10, Pronea 600i, Pronea S und F60

Nikon F5

Die Entwicklung der Fototechnik schreitet sozusagen schnell voran. 1996 wurde die in die Jahre gekommene F4 durch die neue F5 ersetzt, womit Nikon wiederum der Sprung an die Spitze gelang - allzu viele Fotografen waren zur Konkurrenz von Canon hinübergewechselt. Es war Zeit für ein neues Modell.
   
Die F5 weist neben vielen Verbesserungen und Anpassungen an die inzwischen möglichen Fortschritte zwei wesentliche
Eigenschaften auf, die ein neues Modell rechtfertigen:

  • Das neue Autofokus-System und
  • Die neue Art der Belichtungsmessung.

Blickt man in den Sucher, sieht man einen 12mm großen Kreis, der den Messschwerpunkt bei mittenbetonter Messung der Belichtung anzeigt. Außerdem sieht man 5 AF-Messfelder. Die drei waagrecht angeordneten Messfelder sind Kreuzsensoren, d. h., sie sprechen sowohl auf waagrechte wie auf senkrechte Strukturen an. Dafür sind die beiden äußeren der drei Sensoren leicht nach innen geneigt und messen auf diese Weise auch diagonale Strukturen einwandfrei. Hingegen sind die beiden oberen bzw. unten am Messkreis angebrachten Sensoren sind Liniensensoren. Insgesamt umfasst daher das Messfeld der Sensoren fast ein Drittel des Bildformats.
   
Entscheidender Vorzug dieses neuen AF-Moduls CAM 1300 ist einerseits, dass er auch mit lichtschwachen Nikkoren einsatzfähig bleibt und die leistungsfähige Elektronik, die in der Praxis eine wirklich "springende Schärfe" ergibt, und das ist dann nicht nur ein Werbesager. Andererseits ist damit die Verfolgung sich bewegender Motive sehr viel einfacher geworden.
   
Zweite Neuheit ist die neue 3D-Color-Matrixmessung. Neben der bereits bekannten Berücksichtigung der Entfernung bei der Belichtungsmessung (besonders praktisch bei der TTL-Belichtungsmessung von geblitzten Aufnahmen) wird nunmehr auch die Farbe des Motivs berücksichtigt. Dazu muss jedoch der serienmäßige Prismenaufsatz DP-30 angesetzt sein. Dann berücksichtigt die Belichtungsmessung, ob die Dame im Bildzentrum ein leuchtend gelbes Kleid trägt oder ein violettes. Je nachdem wird eine kleine, feine Korrektur der Belichtung vorgenommen. Damit das möglich wird, wurde in den Prismenaufsatz ein eigener CCD-Chip eingebaut.
   
Elektronik macht vieles möglich. Deshalb können eine Vielzahl von individuellen Funktionen an der Kamera eingestellt werden, wenn der Fotograf sie haben möchte, etwa, dass der Filmanfang beim Rückspulen nicht ganz in die Patrone zurückgespult wird. Zumindest schreibt das der Herr Halstead in seiner Besprechung der F5. Ob das auch Ihre Landesvertretung macht, müssten Sie erfragen - Nikon Österreich hüllt sich diesbezüglich beharrlich in Schweigen.

Dass in diese Kamera Dinge eingebaut sind, von der sich die Benutzer einer Nikon F vor 40 Jahren nichts haben träumen lassen, nur nebenbei. Und nur nebenbei erwähnt sei daher der raffinierte Massenausgleich des Spiegels, der das gefürchtete Nachschwingen des Spiegels nach der Aufnahme ebenso wirksam verhindert wie das Verwackeln einer Aufnahme durch den Spiegelschlag vor der Aufnahme. Dass wir damit dem Wunschtraum der Real Time-Fotografie wieder ein Stück näher gekommen sind, nur nebenbei.  
   
Seitenweise könnte ich über die technischen Eigenschaften der Nikon F5 schwärmen, aber ich tue es nicht und verweise statt dessen bei dieser Kamera auf die überall erhältlichen ausführlichen Prospekte der jeweiligen Nikon-Vertretung.
   
Die Nikon F5 ist schon ein wenig in die Jahre gekommen. 
   
2004 wurde bekannt, dass die Kamera durch die Nikon F6 ersetzt wird. Das ist für Anhänger des Silberhalogenidfilms sicherlich schön, wenn eine Firma so deutlich gegen den Trend schwimmt. Nikon rechnet sich offenbar noch immer Verkaufschancen für herkömmliche SLRs bei den Profis aus.

Allerdings weiß man dem Vernehmen nach auch bei Nikon, dass die Profis weitgehend zu digitalen Kameras übergegangen sind und ein Bedarf an einer neuen Profikamera für traditionellem KB-Film außer für Spezialanwendungen nicht mehr besteht. 

Die Entwicklung bei den Digitalkameras schreitet schnell voran. Derzeit sind zu hohem Preis bereits digitale SLRs von Nikon erhältlich, die auf vielen Einsatzgebieten, in der Pressefotografie etwa, gemeinsam mit gleichartigen Kameras der Konkurrenz herkömmliche Kameras verdrängt haben, auch die F5.

Nikon FM-10

1997 habe ich in Zürich die erste Nikon FM-10 gesehen. Nachfragen in Wien führte zu Antworten unterschiedlichen Inhaltes, Kernpunkt war, Nikon wolle diese primär für den asiatischen und südamerikanischen Markt bestimmte einfache Kamera eigentlich gar nicht einführen, aber ....
   
Ein Renommierstück moderner Kameratechnik ist die FM-10 wahrlich nicht; sie ist die typische Brot- und Butter-Kamera für Leute, die wenig Geld haben, aber auch etwas von Nikon haben wollen. Dazu kommt, dass sie gar nicht von Nikon Corp. Japan selbst hergestellt wird, sondern dem Vernehmen nach von Cosina in Korea. Und billig ist sie; es ist zwar alles relativ, aber was will der Mensch für 300.- Euro?
   
Man bekommt dafür aber eigentlich eine ganze Menge und noch vor 15 Jahren wäre die Kamera Stand der Technik gewesen. Auch mit den damaligen Kameras konnte man fotografieren und die damals aufgenommenen Bilder brauchen sich nicht zu verstecken. Auch sie sind technisch einwandfrei, nur musste der Fotograf von den Zusammenhängen von Zeit und Blende und Brennweite ein wenig mehr verstehen als heute im Zeitalter der Vollautomaten. Wer mit diesen Einschränkungen leben will, der ist mit der FM-10 durchaus gut beraten gewesen. 
   
Zunächst fällt auf, dass die Nikon FM-10 leicht ist. Sie wurde unter vielfältiger Verwendung von Kunststoffen gebaut und nichts Negatives. So werden heute alle modernen Kameras gebaut, von Ausnahmen abgesehen. Manche Kunststoffe sind im übrigen schwerer zu verbeulen und zu zerkratzen als schwarzer Lack auf Messing oder Aluminium.
   
Die Verschlusszeiten lassen sich in ganzen Stufen von 1/2000s bis 1s verstellen, eine Einstellung auf B ist möglich, die Synchronzeit beträgt 1/125s und über den auf dem Prismengehäuse angebrachten Blitzschuh lässt sich eine Vielzahl von Nikon-Blitzgeräten bzw. von Fremdblitzen anbringen. Die funktionieren alle bei manueller Einstellung der Blende, entweder unter Berücksichtigung von Leitzahl und Entfernung oder, sofern vorhanden, als <Computerblitz> - die Gebrauchsanleitungen geben darüber Auskunft. 

Wie das Bild auf Dia oder Negativ aussehen wird, sehen Sie, wenn sie den Knopf rechts neben der Objektivfassung drücken; dann schließt sich die Blende auf den gewählten Wert, das Bild auf der Mattscheibe verdunkelt sich mehr oder minder und sie können die Schärfentiefe auf der Mattscheibe beurteilen, heutzutage eine schon selten gewordenes Ausstattungsdetail. Und wer unbedingt will, kann mehrere Aufnahmen auf ein Filmstück machen, wie es im Prospekt hübsch heißt, das heißt, man kann die üblicher Weise so genannte Doppelbelichtungssperre auch manuell ausschalten. Aus dieser Beschreibung können Sie leicht erschließen, was die Kamera alles nicht kann: Sie ist keine Autofokus-Kamera, sie verfügt über keine TTL-Blitzmessung, sie verfügt über keinen Motoranschluss, das Geräusch des Spiegels und des Verschlussablaufes ist mit den gleichartigen Geräuschen einer echten Nikon nicht zu vergleichen.
   
Falls Sie mit diesen Eigenschaften leben können, dann ist die Nikon FM-10 ein empfehlenswerter Kauf. Das gilt im übrigen auch für das normalerweise (zumindest in der Schweiz und Österreich mit dem Gehäuse angebotene) Objektiv, ein Zoom mit den Daten: 3,5-4,8/35 bis 70 mm. Dabei handelt es sich um ein echtes Objektiv von Cosina, für Nikon mit einem Metallbajonett versehen anstelle der Plastikfassung des Cosina-Originals. Es liefert einwandfreie Bildqualität; die Qualität der Fassung reicht vielleicht nicht für die Ansprüche eines Profis im beruflichen Alltag, aber für die angestrebte Zielgruppe allemal.

Nikon FE-10

1997 eingeführt, wurde 1998 in Österreich auch die FE-10 angeboten, die sich bei fast identischem Gehäuse im Innenleben durch einen elektronischen Verschluss unterscheidet. Der wiederum macht aus der Kamera, falls gewünscht, einen Halbautomaten: Sie stellen am Objektiv die gewünschte Blende ein, schalten den Belichtungsmesser (TTL, mittenbetont) ein und die Kamera stellt die passende Belichtungszeit ein; welche das ist, sehen Sie im Sucher eingespiegelt. Bei Automatik sind Zeiten zwischen 8s-1/2000s möglich, bei manueller Einstellung 1s � 1/2000s sowie B. Einen Belichtungswert können Sie bei halb gedrücktem Auslöser auch speichern, wenn der für die Belichtung wichtige Bereich nicht in der Mitte des Sucherbildes liegen sollte � das nennt man auf Neudeutsch: AE-L oder noch schöner: Automatic Exposure Lock, wie Sie wissen. Wie von Nikon in den Prospekten extra hervorgehoben wird, Sie können diese Automatik auch abschalten und rein manuell die Belichtung einstellen, falls Sie der Automatik nicht trauen. Der Einbau einer Batterie oder zweier, je nach Typ, in den Kameraboden ermöglicht auch einen elektronischen Selbstauslöser statt des mechanischen in der FM-10, und ebenso können Sie Doppelbelichtungen anfertigen und Blitzgeräte verwenden � hier gilt das für die FM-10 Gesagte ebenfalls.
   
Wieso die Kameras Nikon FM-10 und FE10 zu ihrer Typenbezeichnung kommen? Der Japaner Gedankenreichtum ist für uns Langnasen unerforschlich, jedenfalls gibt es keine FE3, keine FE9 etc. Allerdings hat die Firma Olympus im Jahre 1979 eine OM-10 herausgebracht und auch damals gab es keine OM-9 etc. Sollte diese Namensgebung die Konkurrenz derart beeindruckt haben?

Nikon Pronea 600i

Heutzutage verpackt keine Firma mehr in eine Kamera, was gut und teuer ist. Heutzutage werden Kameras genau auf Zielgruppen und deren Bedürfnisse ausgerichtet. Das geht, mit ausreichender Marktforschung, meistens gut, kann aber auch ins Auge gehen.
   
Das von den Kamera- und Filmherstellern einträchtig entwickelte APS-Format ist ein schönes Beispiel für ein Produkt, das sicherlich mit viel Marktforschung auf die Bedürfnisse der Konsumenten abgestimmt wurde. Bloß, wer falsch fragt, bekommt auch keine richtigen Antworten.

Wer glaubt, dass ein Mensch, der im Alltag mit Fernbedienungen aller Art, mit dem Lenken von Autos, mit der Arbeit am Computer vertraut ist, keinen Film in einen Schlitz stecken und danach einen Deckel schließen kann, der geht in die Irre. Ich will ja nicht schon wieder auf der armen Firma Leica AG. herumreiten, die aus vielen Gründen nicht in der Lage ist, ein übliches Rückteil zu ihrer Leica M6 zu bauen, aber auch diese Firma ist in diesem Zusammenhang ein leuchtendes Beispiel.

Und wer wie die Filmhersteller und -verarbeiter dann auch noch mehr Geld für das angeblich einfachere System verlangt, und dabei geflissentlich übersieht, das das Bildformat um 40% kleiner ist (mit kleineren Formaten als 24x36mm sind schon mehrere Firmen baden gegangen), dem ist nicht zu helfen.
   
Nikons erste SLR für das APS-System weist im Großen und Ganzen in ihrem Plastikgehäuse alle Eigenschaften moderner, leistungsfähiger SLR-Kameras auf, wie sie ähnlich bei der F70 zu finden waren. Beim Autofokus bietet sie einen Kreuzsensor. Man kann Einzel-AF oder kontinuierlichen AF auswählen, kann auf ein großes und ein kleines Messfeld einstellen. Die Scharfstellung erfolgt schnell und präzise, der eingebaute Motor schafft bis zu 3,5 Bilder/s.
   
Die Elektronik ermöglicht Programmautomatik samt Motivprogrammen, aber wahlweise auch Zeit- und Blendenautomatik und die gute alte manuelle Einstellung von Zeit und Blende. Der Sucher ist ein High-Eyepoint-Sucher, Brillenträger wissen das zu schätzen. Wahlweise Spot-, mittenbetonte oder 3D-Matrix-Messung ermöglichen in der Praxis eine vielen unterschiedlichen Bedürfnissen angepasste Arbeitsweise. Das eingebaute Miniblitzerchen arbeitet mit Leitzahl 14 bei ISO 100. Nicht nur TTL-Belichtungsmessung ist möglich, auch matrixgesteuertes Aufhellblitzen, was von der recht kurzen Synchronzeit von 1/180s erleichtert wird.
   
Fazit: Von den Eigenschaften und von der Qualität her eine durchaus empfehlenswerte Kamera. Die Leichtbauweise mit Plastik ist ja heutzutage im Kamerabau bei Massenkameras durchaus üblich. Die Zeiten der Bakelit-Kameras nach dem 2. Weltkrieg sind schon längst vorbei, "Plastik" kann heute mit allen möglichen Eigenschaften ausgestattet sein, die Materialien wie Aluminium oder Messing nicht bieten können (z. B. eine größerer Schutz vor Beulen und Dellen, falls die Kamera aus der Hand fällt, was ja schon vorgekommen sein soll). Und dass solides Metall, grobschlächtig verarbeitet, auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt in schöner Deutlichkeit die rein manuelle Kiev 19M für maximal 150 Euro samt Objektiv 2,0/50mm, die - Patente hin, Patente her - Ai-Objektive  aufnimmt und mit der man tatsächlich fotografieren kann und nicht nur scharfe, sondern auch richtig belichtete Bilder bekommt. Herz, willst du mehr?
   
Eine ganze Menge.
   
Zunächst einmal ist nochmals darauf hinzuweisen, dass es schön von der Nikon Corp. ist, dass sie das Kamerabajonett seit der allerersten Nikon F an sich nicht geändert hat, sodass sich, zumindest an manchen, wenn auch wirklich nicht allen, auch alle
  alten Objektive verwenden lassen. Dass kein Mensch mehr ein altes Nikkor-H mit den Daten 2,0/50mm an einer Nikon F5 anschließen will, steht auf einem anderen Blatt; dass er, selbst wenn er wollte, damit nur wenig Freude hätte, denn alle die schönen Automatiken für Entfernungsmessung, Belichtungsmessung funktionieren nicht und für die Belichtungsmessung darf er sein schönes altes Objektiv mit Springblende auf Gebrauchsblende abblenden und damit das Sucherbild verfinstern, steht auch auf einem anderen Blatt. Aber immerhin, es ist eine schöne Eigenschaft und macht sich in der Werbung gut.
   
Dass man ein neues kleineres Filmformat einführt, für das Objektive mit kleinerem Bildkreisdurchmesser benötigt werden, man aber, wie Nikon, der lieben Kompatibilität beim alten Bajonett und beim alten Auflagemaß bleibt, ist weniger schön. Dadurch verschenkt Nikon die Chance, eine wirklich kleinere SLR im Vergleich mit einer Kleinbildkamera wie etwa der F60 mit vergleichbaren Eigenschaften zu bauen. Heraus kommt eine SLR, die mit angesetztem Objektiv nur unwesentlich kleiner ist als ihr Gegenstück für KB. Das nennt sich dann Fortschritt. Man braucht sich freilich keine neuen, kleineren Objektive für das APS-Format zu kaufen, die alten großen passen ja. Gescheit, nicht?
   
Aber schon die allzu geringe Verkleinerung des Gehäuses hat Folgen: die Bedienungselemente werden so klein bzw. müssen die verschiedenen Menüs so ineinander verschachtelt sein, dass auch Menschen, die gewohnt sind, ein Auto mit handgeschaltetem Fünfganggetriebe im Stadtverkehr einwandfrei zu bewegen, an der Bedienung leicht scheitern. Ein Videorecorder zum Fotografieren, könnte man sagen, was die einfache und übersichtliche Bedienung betrifft, sinnvollerweise in zwei Ebenen, für Anfänger in der Bedienungskunst und für Fortgeschrittene. Fehlt noch die grüne Taste, mit der man den Normalzustand wieder herstellen kann.
   
Ein Beispiel für einfache Bedienung: um etwa die Kamera auf Panoramaaufnahmen umzustellen, darf man auf der Hinterseite des Gehäuses mit der linken Hand auf die richtige kleine Taste (von insgesamt sieben) drücken und muss gleichzeitig mit der rechten Hand das Einstellrad auf der Gehäuseoberkante drehen. Natürlich darf man nicht die ganze Hand nehmen, bloß einen Finger, sonst drückt man immer mehrere Tasten gleichzeitig. Die Konkurrenz schafft das bei einer Anfängerkamera (Canon Ixus L1) mit einem einzigen kleinen Hebel.
   
Bisher hat das APS-Format  lediglich   bei den AF-Sucherkameras einen wesentlichen Marktanteil erlangt. Somit stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung von APS-SLR nicht nur bei der Nikon Pronea 600i, sondern ebenso bei den Kameras der Konkurrenz. Dazu kommt, dass sowohl die Filme als auch die Bilder im Vergleich wesentlich teurer, aber kaum je sichtbar besser sind als beim guten alten Kleinbildformat. 

Liegt darin der Grund, dass die Nikon Pronea 600i ab 1999 billiger angeboten wurde und schon längst nicht mehr erzeugt wird?

Nikon Pronea S

Was soll ich sagen? Schön ist sie. Billiger ist sie, als die große APS-Schwester. Sie ist sogar viel billiger als diese war, kostete lange Zeit im Set knapp 370 Euro.
   
Gespart worden ist an einigem: Der AF-Sensor ist kein Kreuzsensor, die mittenbetonte Belichtungsmessung bzw. Spotmessung ist eingespart worden (dafür wurde die ohnehin exzellente 3D-Matrixmessung aber beibehalten), anstatt des Jahrzehnte lang selbstverständlichen Stahlbajonetts hat jetzt auch Nikon ein Kunststoffbajonett eingeführt, weilŽs halt billiger ist und sich nicht auswirkt, wenn die Objektive eh nicht oft gewechselt werden, was bei dem angepeilten Benutzerkreis wohl nicht vorkommen wird. Mehrfachbelichtung ist auch nicht mehr möglich, sie fiel dem Sparstift zum Opfer, doch wer hat sie je vermisst und wenn sie, wie bei der Pronea 600i, vorhanden war, wer hat sie je benützt? Insgesamt 19 Aufnahmen auf einem Filmstück waren möglich, ich frage, wer braucht das? Wer will das?
   
Beibehalten wurde die Programmautomatik, die Zeit- und Blendenautomatik sowie ferner die Möglichkeit, Motivprogramme einzustellen.
   
Seitenweise könnte ich den Prospekt abschreiben, das will ich nicht. Den Prospekt können Sie sich ja selbst besorgen. Mit Stand Ende April 2003 ist auch sie nicht mehr im Lieferprogramm, hergestellt wird sie schon geraume Zeit nicht mehr. Für Pronea S-Kameras, die Sie bei einem Händler finden, sollten Sie daher einen gehörigen Preisnachlass fordern! Sie kaufen ihm einen Ladenhüter ab.
   
Ich denke, wer unbedingt meint, er brauche eine SLR für Filme im APS-Format, ist mit der Pronea S sicher weit besser bedient als mit ihrer Vorgängerin. Vor allem hat Nikon den einen von zwei Fehlern erkannt, den die Firma bei der Vorgängerin gemacht hat
und hat ihn ausgemerzt: die vielschichtige Menüeinstellung ist weggefallen und das Wahlrad auf der Gehäuserückseite ist einfach und, nach Einarbeitung, irrtumsfrei und ohne Frustrationen zu bedienen. Den zweiten Fehler wird sie noch eine Weile mitschleppen: das Nikon F -Bajonett, das die Kameras größer macht als sie sein müssten. Da die Objektive mit diesem Bajonett im Vergleich mit der Pronea S so groß sind, ragen sie teilweise in den Leuchtwinkel des eingebauten Blitzgerätes (ein anderes kann nicht verwendet werden, die Kamera hat keinen Blitzschuh und keinen Kabelkontakt), was die Verwendung mancher einschränkt. Mein Nikkor AF 3,5-4,5/28-70mm kann ich bei 28mm nur ohne Sonnenblende verwenden etc.

Dieser Text wurde zuletzt 2002 von mir überarbeitet. Inzwischen ist viel Wasser die Donau hinabgeflossen.

Das APS-System ist tot. Gestorben, ehe es so richtig zum Leben erwachte, denn all die kuriosen Vorstellungen von dem zu erwartenden Marktanteil haben sich, nicht wirklich überraschend, als falsch erwiesen. Filme gibt es noch, Neukameras faktisch keine mehr, außer Sie finden noch einen Händler, der einen Ladenhüter übrig hat. Das gilt nicht nur für die beiden APS-SLR von Nikon, sondern für alle APS-Kameras.

Beide Kameras sind gebraucht sehr billig zu erhalten. Wenn Sie nicht gerade Fehlentwicklungen sammeln, kaufen Sie sich lieber keine, ich denke, Sie werden nicht mehr lange Filme erhalten und die Labore werden die Verarbeitung wohl demnächst mangels Nachfrage einstellen. Haben Sie eine, benützen Sie sie weiter oder stellen Sie sie in den Schrank, verschenken Sie sie nicht, denn der Beschenkte wird Ihnen wahrscheinlich nicht dankbar sein. Denn beide Kameras liefern richtig belichtete Fotos, ob Ihnen die Ergebnisse gefallen, hängt ausschließlich davon ab, was Sie wie fotografiert haben.

Nikon F60

Als Ersatz für die F50 brachte Nikon 1998 die F60 auf den Markt, die keine wesentlichen Neuerungen gegenüber der F50 enthält, wohl aber auf einem anderen Bedienungskonzept beruht. Von der Konkurrenz weitgehend übernommen wurde die Bedienung der Kamera durch einen Betriebsartenwahlschalter auf der Gehäuseoberseite links vom Sucher, einem LCD-Display rechts vom Sucher mit den wesentlichsten Angaben und einem Einstellrad darunter, mit welchem etwa bei der Einstellung auf P Blende oder Verschlusszeit verändert werden können (Shift). Weggefallen ist die seltsame Unterscheidung zwischen Grundeinstellungen und Advanced-Einstellungen, als wäre die Einstellung des Landschaftsprogramms eine besondere Leistung nur für Eingeweihte. Übrigens ist die F60 gegenüber der F50 diesbezüglich ein wenig abgespeckt worden: das Bewegungsprogramm ist ebenso wie das Silhouettenprogramm weggelassen worden, ohne dass die beiden Programme jemanden wohl wirklich abgehen.
   
Technisch wurde die Kamera insofern verbessert, als die Blitzfunktionen weiter ausgebaut wurden durch die Möglichkeit einer nahezu perfekt gelungenen Langzeitsynchronisation und der Einrichtung zur Verringerung roter Augen. Mit ersterer wird bei Aufnahmen in der Dämmerung und überhaupt bei Kunstlicht (in Räumen) eine längere Belichtungszeit als 1/125s festgelegt; infolgedessen wird das natürliche Licht bei der Belichtung mitberücksichtigt und der Hintergrund verschwimmt nicht in Dunkel � wenn man Glück hat und die Verhältnisse günstig sind. Und die Einrichtung zur Verringerung roter Augen (die Kamera sendet einen dünnen Strahl weißen Lichts vor der Aufnahme aus, sodass sich die Pupillen der angeleuchteten Person schließen und der rote Sehfleck im Auge im Schatten liegt, sobald der Blitz aufleuchtet.
   
Vor einiger Zeit ist die Produktion eingestellt worden; noch sind im Handel - verbilligte - Exemplare ebenso vorhanden wie Prospektmaterial. Daher will ich Sie mit Einzelheiten nicht mehr belästigen als ich es bisher getan habe. Alles andere können Sie im Prospektmaterial durchlesen oder an der Kamera selbst ausprobieren.
   
Die Nikon F60 wurde von Fuji gemeinsam mit Nikon als Basis für die Digital-SLR Finepix S1 Pro verwendet, aber das ist bereits Vergangenheit. Ein wenig mehr hier.

 

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Zuletzt bearbeitet: 29.1.2010

© 2005 Peter Lausch
 

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