| 14.
Teil: Nikon F5, FM-10, FE-10, Pronea 600i, Pronea S und F60
Nikon F5
Die Entwicklung der Fototechnik schreitet sozusagen schnell voran. 1996
wurde die in die Jahre gekommene F4 durch die
neue F5
ersetzt, womit Nikon wiederum der Sprung an die Spitze gelang - allzu
viele Fotografen waren zur Konkurrenz von Canon hinübergewechselt. Es war
Zeit für ein neues Modell.
Die F5 weist neben vielen Verbesserungen und Anpassungen an die inzwischen
möglichen Fortschritte zwei wesentliche
Eigenschaften
auf, die ein neues Modell rechtfertigen:
- Das neue Autofokus-System und
- Die neue Art der Belichtungsmessung.
Blickt man in den Sucher, sieht man einen 12mm großen Kreis, der den
Messschwerpunkt bei mittenbetonter Messung der Belichtung anzeigt.
Außerdem sieht man 5 AF-Messfelder. Die drei waagrecht angeordneten
Messfelder sind Kreuzsensoren, d. h., sie sprechen sowohl auf waagrechte
wie auf senkrechte Strukturen an. Dafür sind die beiden äußeren der drei
Sensoren leicht nach innen geneigt und messen auf diese Weise auch
diagonale Strukturen einwandfrei. Hingegen sind die beiden oberen bzw.
unten am Messkreis angebrachten Sensoren sind Liniensensoren. Insgesamt
umfasst daher das Messfeld der Sensoren fast ein Drittel des Bildformats.
Entscheidender Vorzug dieses neuen AF-Moduls CAM 1300 ist einerseits, dass
er auch mit lichtschwachen Nikkoren einsatzfähig bleibt und die
leistungsfähige Elektronik, die in der Praxis eine wirklich "springende
Schärfe" ergibt, und das ist dann nicht nur ein Werbesager. Andererseits
ist damit die Verfolgung sich bewegender Motive sehr viel einfacher
geworden.
Zweite Neuheit ist die neue 3D-Color-Matrixmessung. Neben der bereits
bekannten Berücksichtigung der Entfernung bei der Belichtungsmessung
(besonders praktisch bei der TTL-Belichtungsmessung von geblitzten
Aufnahmen) wird nunmehr auch die Farbe des Motivs berücksichtigt. Dazu
muss jedoch der serienmäßige Prismenaufsatz DP-30 angesetzt sein. Dann
berücksichtigt die Belichtungsmessung, ob die Dame im Bildzentrum ein
leuchtend gelbes Kleid trägt oder ein violettes. Je nachdem wird eine
kleine, feine Korrektur der Belichtung vorgenommen. Damit das möglich
wird, wurde in den Prismenaufsatz ein eigener CCD-Chip eingebaut.
Elektronik macht vieles möglich. Deshalb können eine Vielzahl von
individuellen Funktionen an der Kamera eingestellt werden, wenn der
Fotograf sie haben möchte, etwa, dass der Filmanfang beim Rückspulen nicht
ganz in die Patrone zurückgespult wird. Zumindest schreibt das der Herr
Halstead in seiner Besprechung der
F5. Ob das auch Ihre Landesvertretung macht, müssten Sie erfragen - Nikon
Österreich hüllt sich diesbezüglich beharrlich in Schweigen.
Dass in diese Kamera Dinge eingebaut sind, von der sich die Benutzer einer
Nikon F vor 40 Jahren nichts haben träumen lassen, nur nebenbei. Und nur
nebenbei erwähnt sei daher der raffinierte Massenausgleich des Spiegels,
der das gefürchtete Nachschwingen des Spiegels nach der Aufnahme ebenso
wirksam verhindert wie das Verwackeln einer Aufnahme durch den
Spiegelschlag vor der Aufnahme. Dass wir damit dem Wunschtraum der Real
Time-Fotografie wieder ein Stück näher gekommen sind, nur nebenbei.
Seitenweise könnte ich über die technischen
Eigenschaften der Nikon F5 schwärmen, aber ich tue es nicht und verweise
statt dessen bei dieser Kamera auf die überall erhältlichen ausführlichen
Prospekte der jeweiligen
Nikon-Vertretung.
Die Nikon F5 ist schon ein wenig in die Jahre gekommen.
2004 wurde bekannt, dass die Kamera durch die Nikon F6 ersetzt wird. Das
ist für Anhänger des Silberhalogenidfilms sicherlich schön, wenn eine
Firma so deutlich gegen den Trend schwimmt. Nikon rechnet sich offenbar
noch immer Verkaufschancen für herkömmliche SLRs bei den Profis aus.
Allerdings weiß man dem Vernehmen nach
auch bei Nikon, dass die Profis weitgehend zu digitalen Kameras
übergegangen sind und ein Bedarf an einer neuen Profikamera für
traditionellem KB-Film außer für Spezialanwendungen nicht mehr besteht.
Die Entwicklung bei den Digitalkameras schreitet schnell voran. Derzeit
sind zu hohem Preis bereits digitale SLRs von Nikon erhältlich, die auf
vielen Einsatzgebieten, in der Pressefotografie etwa, gemeinsam mit
gleichartigen Kameras der Konkurrenz herkömmliche Kameras verdrängt haben,
auch die F5.
Nikon FM-10
1997 habe ich in Zürich die erste Nikon FM-10 gesehen. Nachfragen in
Wien führte zu Antworten unterschiedlichen Inhaltes, Kernpunkt war, Nikon
wolle diese primär für den asiatischen und südamerikanischen Markt
bestimmte einfache Kamera eigentlich gar nicht einführen, aber ....
Ein Renommierstück moderner Kameratechnik ist die
FM-10 wahrlich nicht; sie ist die
typische Brot- und Butter-Kamera für Leute, die wenig Geld haben, aber
auch etwas von Nikon haben wollen. Dazu kommt, dass sie gar nicht von
Nikon Corp. Japan selbst hergestellt wird, sondern dem Vernehmen nach von
Cosina in Korea. Und billig ist sie; es ist zwar alles relativ, aber was
will der Mensch für 300.- Euro?
Man bekommt dafür aber eigentlich eine ganze Menge und noch vor 15 Jahren
wäre die Kamera Stand der Technik gewesen. Auch mit den damaligen Kameras
konnte man fotografieren und die damals aufgenommenen Bilder brauchen sich
nicht zu verstecken. Auch sie sind technisch einwandfrei, nur musste der
Fotograf von den Zusammenhängen von Zeit und Blende und Brennweite ein
wenig mehr verstehen als heute im Zeitalter der Vollautomaten. Wer mit
diesen Einschränkungen leben will, der ist mit der FM-10 durchaus gut
beraten gewesen.
Zunächst fällt auf, dass die Nikon FM-10 leicht ist. Sie wurde unter
vielfältiger Verwendung von Kunststoffen gebaut und nichts Negatives. So
werden heute alle modernen Kameras gebaut, von Ausnahmen abgesehen. Manche
Kunststoffe sind im übrigen schwerer zu verbeulen und zu zerkratzen als
schwarzer Lack auf Messing oder Aluminium.
Die Verschlusszeiten lassen sich in ganzen Stufen von 1/2000s bis 1s
verstellen, eine Einstellung auf B ist möglich, die Synchronzeit beträgt
1/125s und über den auf dem Prismengehäuse angebrachten Blitzschuh lässt
sich eine Vielzahl von Nikon-Blitzgeräten bzw. von Fremdblitzen anbringen.
Die funktionieren alle bei manueller Einstellung der Blende, entweder
unter Berücksichtigung von Leitzahl und Entfernung oder, sofern vorhanden,
als <Computerblitz> - die Gebrauchsanleitungen geben darüber Auskunft.
Wie das Bild auf Dia oder Negativ
aussehen wird, sehen Sie, wenn sie den Knopf rechts neben der
Objektivfassung drücken; dann schließt sich die Blende auf den gewählten
Wert, das Bild auf der Mattscheibe verdunkelt sich mehr oder minder und
sie können die Schärfentiefe auf der Mattscheibe beurteilen, heutzutage
eine schon selten gewordenes Ausstattungsdetail. Und wer unbedingt will,
kann mehrere Aufnahmen auf ein Filmstück machen, wie es im Prospekt hübsch
heißt, das heißt, man kann die üblicher Weise so genannte
Doppelbelichtungssperre auch manuell ausschalten. Aus dieser Beschreibung
können Sie leicht erschließen, was die Kamera alles nicht kann: Sie ist
keine Autofokus-Kamera, sie verfügt über keine TTL-Blitzmessung, sie
verfügt über keinen Motoranschluss, das Geräusch des Spiegels und des
Verschlussablaufes ist mit den gleichartigen Geräuschen einer echten Nikon
nicht zu vergleichen.
Falls Sie mit diesen Eigenschaften leben können, dann ist die Nikon FM-10
ein empfehlenswerter Kauf. Das gilt im übrigen auch für das normalerweise
(zumindest in der Schweiz und Österreich mit dem Gehäuse angebotene)
Objektiv, ein Zoom mit den Daten: 3,5-4,8/35 bis 70 mm. Dabei handelt es
sich um ein echtes Objektiv von Cosina, für Nikon mit einem Metallbajonett
versehen anstelle der Plastikfassung des Cosina-Originals. Es liefert
einwandfreie Bildqualität; die Qualität der Fassung reicht vielleicht
nicht für die Ansprüche eines Profis im beruflichen Alltag, aber für die
angestrebte Zielgruppe allemal.
Nikon FE-10
1997 eingeführt, wurde 1998 in Österreich auch die FE-10 angeboten, die
sich bei fast identischem Gehäuse im Innenleben durch einen elektronischen
Verschluss unterscheidet. Der wiederum macht aus der Kamera, falls
gewünscht, einen Halbautomaten: Sie stellen am Objektiv die gewünschte
Blende ein, schalten den Belichtungsmesser (TTL, mittenbetont) ein und die
Kamera stellt die passende Belichtungszeit ein; welche das ist, sehen Sie
im Sucher eingespiegelt. Bei Automatik sind Zeiten zwischen 8s-1/2000s
möglich, bei manueller Einstellung 1s � 1/2000s sowie B. Einen
Belichtungswert können Sie bei halb gedrücktem Auslöser auch speichern,
wenn der für die Belichtung wichtige Bereich nicht in der Mitte des
Sucherbildes liegen sollte � das nennt man auf Neudeutsch: AE-L oder noch
schöner: Automatic Exposure Lock, wie Sie wissen. Wie von Nikon in den
Prospekten extra hervorgehoben wird, Sie können diese Automatik auch
abschalten und rein manuell die Belichtung einstellen, falls Sie der
Automatik nicht trauen. Der Einbau einer Batterie oder zweier, je nach
Typ, in den Kameraboden ermöglicht auch einen elektronischen
Selbstauslöser statt des mechanischen in der FM-10, und ebenso können Sie
Doppelbelichtungen anfertigen und Blitzgeräte verwenden � hier gilt das
für die FM-10 Gesagte ebenfalls.
Wieso die Kameras Nikon FM-10 und FE10 zu ihrer Typenbezeichnung kommen?
Der Japaner Gedankenreichtum ist für uns Langnasen unerforschlich,
jedenfalls gibt es keine FE3, keine FE9 etc. Allerdings hat die Firma
Olympus im Jahre 1979 eine OM-10 herausgebracht und auch damals gab es
keine OM-9 etc. Sollte diese Namensgebung die Konkurrenz derart
beeindruckt haben?
Nikon Pronea 600i
Heutzutage verpackt keine Firma mehr in eine Kamera, was gut und teuer
ist. Heutzutage werden Kameras genau auf Zielgruppen und deren Bedürfnisse
ausgerichtet. Das geht, mit ausreichender Marktforschung, meistens gut,
kann aber auch ins Auge gehen.
Das von den Kamera- und Filmherstellern einträchtig entwickelte APS-Format
ist ein schönes Beispiel für ein Produkt, das sicherlich mit viel
Marktforschung auf die Bedürfnisse der Konsumenten abgestimmt wurde. Bloß,
wer falsch fragt, bekommt auch keine richtigen Antworten.
Wer glaubt, dass ein Mensch, der im
Alltag mit Fernbedienungen aller Art, mit dem Lenken von Autos, mit der
Arbeit am Computer vertraut ist, keinen Film in einen Schlitz stecken und
danach einen Deckel schließen kann, der geht in die Irre. Ich will ja
nicht schon wieder auf der armen Firma Leica AG. herumreiten, die aus
vielen Gründen nicht in der Lage ist, ein übliches Rückteil zu ihrer Leica
M6 zu bauen, aber auch diese Firma ist in diesem Zusammenhang ein
leuchtendes Beispiel.
Und wer wie die Filmhersteller und
-verarbeiter dann auch noch mehr Geld für das angeblich einfachere System
verlangt, und dabei geflissentlich übersieht, das das Bildformat um 40%
kleiner ist (mit kleineren Formaten als 24x36mm sind schon mehrere Firmen
baden gegangen), dem ist nicht zu helfen.
Nikons erste SLR für das APS-System weist im Großen und Ganzen in ihrem
Plastikgehäuse alle Eigenschaften moderner, leistungsfähiger SLR-Kameras
auf, wie sie ähnlich bei der F70 zu finden waren. Beim Autofokus bietet
sie einen Kreuzsensor. Man kann Einzel-AF oder kontinuierlichen AF
auswählen, kann auf ein großes und ein kleines Messfeld einstellen. Die
Scharfstellung erfolgt schnell und präzise, der eingebaute Motor schafft
bis zu 3,5 Bilder/s.
Die Elektronik ermöglicht Programmautomatik samt Motivprogrammen, aber
wahlweise auch Zeit- und Blendenautomatik und die gute alte manuelle
Einstellung von Zeit und Blende. Der Sucher ist ein High-Eyepoint-Sucher,
Brillenträger wissen das zu schätzen. Wahlweise Spot-, mittenbetonte oder
3D-Matrix-Messung ermöglichen in der Praxis eine vielen unterschiedlichen
Bedürfnissen angepasste Arbeitsweise. Das eingebaute Miniblitzerchen
arbeitet mit Leitzahl 14 bei ISO 100. Nicht nur TTL-Belichtungsmessung ist
möglich, auch matrixgesteuertes Aufhellblitzen, was von der recht kurzen
Synchronzeit von 1/180s erleichtert wird.
Fazit: Von den Eigenschaften und von der
Qualität her eine durchaus empfehlenswerte Kamera. Die Leichtbauweise mit
Plastik ist ja heutzutage im Kamerabau bei Massenkameras durchaus üblich.
Die Zeiten der Bakelit-Kameras nach dem 2. Weltkrieg sind schon längst
vorbei, "Plastik" kann heute mit allen möglichen Eigenschaften
ausgestattet sein, die Materialien wie Aluminium oder Messing nicht bieten
können (z. B. eine größerer Schutz vor Beulen und Dellen, falls die Kamera
aus der Hand fällt, was ja schon vorgekommen sein soll). Und dass solides
Metall, grobschlächtig verarbeitet, auch nicht der Weisheit letzter
Schluss ist, zeigt in schöner Deutlichkeit die rein manuelle Kiev 19M für
maximal 150 Euro samt Objektiv 2,0/50mm, die - Patente hin, Patente her -
Ai-Objektive aufnimmt und mit der man tatsächlich fotografieren kann
und nicht nur scharfe, sondern auch richtig belichtete Bilder bekommt.
Herz, willst du mehr?
Eine ganze Menge.
Zunächst einmal ist nochmals darauf hinzuweisen, dass es schön von der
Nikon Corp. ist, dass sie das Kamerabajonett seit der allerersten Nikon F
an sich nicht geändert hat, sodass sich, zumindest an manchen, wenn auch
wirklich nicht allen, auch alle
alten Objektive verwenden lassen. Dass kein Mensch mehr ein altes Nikkor-H
mit den Daten 2,0/50mm an einer Nikon F5 anschließen will, steht auf einem
anderen Blatt; dass er, selbst wenn er wollte, damit nur wenig Freude
hätte, denn alle die schönen Automatiken für Entfernungsmessung,
Belichtungsmessung funktionieren nicht und für die Belichtungsmessung darf
er sein schönes altes Objektiv mit Springblende auf Gebrauchsblende
abblenden und damit das Sucherbild verfinstern, steht auch auf einem
anderen Blatt. Aber immerhin, es ist eine schöne Eigenschaft und macht
sich in der Werbung gut.
Dass man ein neues kleineres Filmformat einführt, für das Objektive mit
kleinerem Bildkreisdurchmesser benötigt werden, man aber, wie Nikon, der
lieben Kompatibilität beim alten Bajonett und beim alten Auflagemaß
bleibt, ist weniger schön. Dadurch verschenkt Nikon die Chance, eine
wirklich kleinere SLR im Vergleich mit einer Kleinbildkamera wie etwa der
F60 mit vergleichbaren Eigenschaften zu bauen. Heraus kommt eine SLR, die
mit angesetztem Objektiv nur unwesentlich kleiner ist als ihr Gegenstück
für KB. Das nennt sich dann Fortschritt. Man braucht sich freilich keine
neuen, kleineren Objektive für das APS-Format zu kaufen, die alten großen
passen ja. Gescheit, nicht?
Aber schon die allzu geringe Verkleinerung des Gehäuses hat Folgen: die
Bedienungselemente werden so klein bzw. müssen die verschiedenen Menüs so
ineinander verschachtelt sein, dass auch Menschen, die gewohnt sind, ein
Auto mit handgeschaltetem Fünfganggetriebe im Stadtverkehr einwandfrei zu
bewegen, an der Bedienung leicht scheitern. Ein Videorecorder zum
Fotografieren, könnte man sagen, was die einfache und übersichtliche
Bedienung betrifft, sinnvollerweise in zwei Ebenen, für Anfänger in der
Bedienungskunst und für Fortgeschrittene. Fehlt noch die grüne Taste, mit
der man den Normalzustand wieder herstellen kann.
Ein Beispiel für einfache Bedienung: um etwa die Kamera auf
Panoramaaufnahmen umzustellen, darf man auf der Hinterseite des Gehäuses
mit der linken Hand auf die richtige kleine Taste (von insgesamt sieben)
drücken und muss gleichzeitig mit der rechten Hand das Einstellrad auf der
Gehäuseoberkante drehen. Natürlich darf man nicht die ganze Hand nehmen,
bloß einen Finger, sonst drückt man immer mehrere Tasten gleichzeitig. Die
Konkurrenz schafft das bei einer Anfängerkamera (Canon Ixus L1) mit einem
einzigen kleinen Hebel.
Bisher hat das APS-Format lediglich bei
den AF-Sucherkameras einen wesentlichen Marktanteil erlangt. Somit stellt
sich die Frage nach der Daseinsberechtigung von APS-SLR nicht nur bei der
Nikon Pronea 600i, sondern ebenso bei den Kameras der Konkurrenz. Dazu
kommt, dass sowohl die Filme als auch die Bilder im Vergleich wesentlich
teurer, aber kaum je sichtbar besser sind als beim guten alten
Kleinbildformat.
Liegt darin der Grund, dass die Nikon Pronea 600i ab 1999 billiger
angeboten wurde und schon längst nicht mehr erzeugt wird?
Nikon Pronea S
Was soll ich sagen? Schön ist sie. Billiger ist sie, als die große
APS-Schwester. Sie ist sogar viel billiger als diese war, kostete lange
Zeit im Set knapp 370 Euro.
Gespart worden ist an einigem: Der AF-Sensor ist kein Kreuzsensor, die
mittenbetonte Belichtungsmessung bzw. Spotmessung ist eingespart worden
(dafür wurde die ohnehin exzellente 3D-Matrixmessung aber beibehalten),
anstatt des Jahrzehnte lang selbstverständlichen Stahlbajonetts hat jetzt
auch Nikon ein Kunststoffbajonett eingeführt, weilŽs halt billiger ist und
sich nicht auswirkt, wenn die Objektive eh nicht oft gewechselt werden,
was bei dem angepeilten Benutzerkreis wohl nicht vorkommen wird.
Mehrfachbelichtung ist auch nicht mehr möglich, sie fiel dem Sparstift zum
Opfer, doch wer hat sie je vermisst und wenn sie, wie bei der Pronea 600i,
vorhanden war, wer hat sie je benützt? Insgesamt 19 Aufnahmen auf einem
Filmstück waren möglich, ich frage, wer braucht das? Wer will das?
Beibehalten wurde die Programmautomatik, die Zeit- und Blendenautomatik
sowie ferner die Möglichkeit, Motivprogramme einzustellen.
Seitenweise könnte ich den Prospekt abschreiben, das will ich nicht. Den
Prospekt können Sie sich ja selbst besorgen. Mit Stand Ende April 2003 ist
auch sie nicht mehr im Lieferprogramm, hergestellt wird sie schon geraume
Zeit nicht mehr. Für Pronea
S-Kameras, die Sie bei einem Händler finden, sollten Sie daher einen
gehörigen Preisnachlass fordern! Sie kaufen ihm einen Ladenhüter ab.
Ich denke, wer unbedingt meint, er brauche eine SLR für Filme im
APS-Format, ist mit der Pronea S sicher weit besser bedient als mit ihrer
Vorgängerin. Vor allem hat Nikon den einen von zwei Fehlern erkannt, den
die Firma bei der Vorgängerin gemacht hat
und hat ihn ausgemerzt: die vielschichtige
Menüeinstellung ist weggefallen und das Wahlrad auf der Gehäuserückseite
ist einfach und, nach Einarbeitung, irrtumsfrei und ohne Frustrationen zu
bedienen. Den zweiten Fehler wird sie noch eine Weile mitschleppen: das
Nikon F �Bajonett, das die Kameras größer macht als sie sein müssten. Da
die Objektive mit diesem Bajonett im Vergleich mit der Pronea S so groß
sind, ragen sie teilweise in den Leuchtwinkel des eingebauten Blitzgerätes
(ein anderes kann nicht verwendet werden, die Kamera hat keinen Blitzschuh
und keinen Kabelkontakt), was die Verwendung mancher einschränkt. Mein
Nikkor AF 3,5-4,5/28-70mm kann ich bei 28mm nur ohne Sonnenblende
verwenden etc.
Dieser Text wurde zuletzt 2002 von mir
überarbeitet. Inzwischen ist viel Wasser die Donau hinabgeflossen.
Das APS-System ist tot. Gestorben, ehe es
so richtig zum Leben erwachte, denn all die kuriosen Vorstellungen von dem
zu erwartenden Marktanteil haben sich, nicht wirklich überraschend, als
falsch erwiesen. Filme gibt es noch, Kameras faktisch keine mehr, außer
Sie finden noch einen Händler, der einen Ladenhüter übrig hat. Das gilt
nicht nur für die beiden APS-SLR von Nikon, sondern für alle APS-Kameras.
Beide Kameras sind gebraucht sehr billig
zu erhalten. Wenn Sie nicht gerade Fehlentwicklungen sammeln, kaufen Sie
sich lieber keine. Haben Sie eine, benützen Sie sie weiter oder stellen
Sie sie in den Schrank, verschenken Sie sie nicht, denn der Beschenkte
wird Ihnen nicht dankbar sein.
Nikon F60
Als Ersatz für die F50 brachte Nikon 1998 die
F60
auf den Markt, die keine wesentlichen Neuerungen gegenüber der F50
enthält, wohl aber auf einem anderen Bedienungskonzept beruht. Von der
Konkurrenz weitgehend übernommen wurde die Bedienung der Kamera durch
einen Betriebsartenwahlschalter auf der Gehäuseoberseite links vom Sucher,
einem LCD-Display rechts vom Sucher mit den wesentlichsten Angaben und
einem Einstellrad darunter, mit welchem etwa bei der Einstellung auf P
Blende oder Verschlusszeit verändert werden können (Shift). Weggefallen
ist die seltsame Unterscheidung zwischen Grundeinstellungen und
Advanced-Einstellungen, als wäre die Einstellung des Landschaftsprogramms
eine besondere Leistung nur für Eingeweihte. Übrigens ist die F60
gegenüber der F50 diesbezüglich ein wenig abgespeckt worden: das
Bewegungsprogramm ist ebenso wie das
Silhouettenprogramm weggelassen worden, ohne dass die beiden Programme
jemanden wohl wirklich abgehen.
Technisch wurde die Kamera insofern verbessert, als die Blitzfunktionen
weiter ausgebaut wurden durch die Möglichkeit einer nahezu perfekt
gelungenen Langzeitsynchronisation und der Einrichtung zur Verringerung
roter Augen. Mit ersterer wird bei Aufnahmen in der Dämmerung und
überhaupt bei Kunstlicht (in Räumen) eine längere Belichtungszeit als
1/125s festgelegt; infolgedessen wird das natürliche Licht bei der
Belichtung mitberücksichtigt und der Hintergrund verschwimmt nicht in
Dunkel � wenn man Glück hat und die Verhältnisse günstig sind. Und die
Einrichtung zur Verringerung roter Augen (die Kamera sendet einen dünnen
Strahl weißen Lichts vor der Aufnahme aus, sodass sich die Pupillen der
angeleuchteten Person schließen und der rote Sehfleck im Auge im Schatten
liegt, sobald der Blitz aufleuchtet.
Vor einiger Zeit ist die Produktion eingestellt worden; noch sind im
Handel - verbilligte - Exemplare ebenso vorhanden wie Prospektmaterial.
Daher will ich Sie mit Einzelheiten nicht mehr belästigen als ich es
bisher getan habe. Alles andere können Sie im Prospektmaterial durchlesen
oder an der Kamera selbst ausprobieren.
Die Nikon F60 wird von Fuji gemeinsam mit Nikon als Basis für die
Digital-SLR Finepix S1 Pro verwendet.
Ein wenig
mehr hier.
Wollen Sie weiterlesen?
Klicken Sie!
Zuletzt bearbeitet: 7.
Juli 2005
© 2005 Peter Lausch
IMPRESSUM
|
RECHTLICHES |
POST
|