PETER LAUSCH
Temple Cronan oder Teampull Chronain
bei Carran

Etwa 500 Meter nördlich der Ortschaft
Carran im Burren (County Clare) biegt von der in nord-südlicher Richtung
verlaufenden Nebenstraße ein Fahrweg nach Nordwesten ab; der
entsprechende Wegweiser verkündet <Temple Cronan> bzw. auf irisch <Teampull
Chronain>. Bei einer Abzweigung (nach ca. 1 km) neben einem Gehöft gibt
es eine Parkmöglichkeit, von hier aus führt ein bezeichneter Fußweg zu
der in einer Mulde liegenden Kirchenruine.
Sie ist in keiner Urkunde aus dem
Mittelalter erwähnt. Der Bauart nach zu schließen, stammt sie aus dem
12. Jahrhundert, ist aber nachträglich, wohl im 15. Jahrhundert umgebaut
worden. Dies zeigt der vermauerte Eingang an der Westseite - siehe Bild
unten, sowie der heutige Eingang an der Nordseite.

Zwei Kragsteine, der besser erhaltene
ist unten abgebildet, in romanischem Stil deuten allerdings auf eine
Errichtung vor dem 12. Jahrhundert. Auch dürfte es sich nicht um die
erste Kirche an dieser Stelle handeln.
Die erste Kirche dürfte schon vor
der Ankunft des Hl. Patrick in Irland errichtet worden sein, denn die
Fachleute sind sich weitgehend einig, dass es Christen schon vor der
Ankunft Patricks in Irland gab.
Die Kirche selbst besteht nur
mehr aus vier Mauern aus Stein.
Neben der Kirche befindet sich ein
Steinsarkophag mit keilförmigen Dach. Dort soll der Hl. Chrònáin
begraben sein.

Neben der Ruine der Kirche befindet
sich zeltförmiger, etwa brusthoher Schrein aus Granitplatten. Diese
Platten stammen übrigens von einem benachbarten Steinbruch, den man aber
nur mit einiger Mühe findet.
Dieser Schrein hat seinerzeit der Überlieferung nach die Gebeine des Hl.
Cronan enthalten; heute ist er zum Teil mit allerlei Gerümpel und mit
Knochen gefüllt, die ein Witzbold hier deponiert hat.
Da der Heilige um 626 n. Chr. gestorben
ist, wird daraus der oben erwähnte Schluss über die Existenz eines
Vorgängerbaus der heutigen Ruine gezogen.
Es gibt noch einen zweiten, weniger gut
erhaltenen Schrein auf vier senkrechten Steinplatten hinter der Kirche.
Außerdem findet, wer sucht, die Grundmauern mehrerer kleiner Gebäude
außerhalb der Umfriedung, über deren Zweck nur spekuliert werden kann.
In Richtung des Bauernhauses befindet sich auch der Schaft eines
Kreuzes, das ohne Bedeutung ist, aber die Grenze des einstigen
Kirchenlandes bezeichnet haben soll.
Angesichts der geringen Größe der Ruine
von etwa 7 x 4 Metern meinen manche, es habe sich um keine Kirche,
sondern um das von Einsiedlern benutztes Bethaus gehandelt. Dagegen
könnten die benachbarten Hausruinen sprechen - mangels einer
archäologischen Untersuchung lässt sich nichts Bestimmtes über die
Zweckwidmung sagen.
Besuchenswert ist diese kleine,
abgelegene und scheinbar unbedeutende Ruine einer - sagen wir - Kirche
somit nicht wegen ihrer kunsthistorischen Bedeutung, sondern vor allem
ihrer Bescheidenheit: denkt man an barocke Protzkirchen, deren Inneres
förmlich in Gold ertrinkt, wird manchem vielleicht beim Anblick von
Temple Cronan der Unterschied bewusst zwischen dem christlichen
Glauben der Erbauer und Benützer dieser Ruine und den späteren
Repräsentanten der Amtskirche in Irland und anderswo.
Erstellt: 30. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch
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