16. Teil: Die Zukunft

Ich bin ein schlechter Prophet.

Doch im Sinne eines von mir verwurstelten schönen Satzes von Schopenhauer könnte man sagen: Willst Du in die Zukunft sehen, blick' in der Gegenwart nach allen Seiten.

Nehmen wir doch auf eine Nikon F5 oder F6 und vergleichen wir ihr Innenleben mit dem einer, sagen wir, Nikon F. aus dem Jahre 1959. Damals bestand eine Spitzenkamera aus einer mehr oder minder großen Anzahl von mechanischen Bestandteilen, Hebeln, Zahnrädern, Schrauben; bei der Nikon F (ohne Photomic) waren es an die eintausend Teile. Bei der - späteren - Nikkormat FTn waren es bloß 750, aber auch nur, weil der Verschluss von Copal als fertige Einheit zugekauft wurde. Bei der Nikon F 2 waren es schon an die 1500 Bestandteile, die man sozusagen nebeneinander auf einen Tisch legen konnte und die, richtig zusammengesetzt, eine funktionsfähige Kamera ergaben.

So wie bei Nikon war es auch bei anderen Firmen: eine Alpa 11si bestand aus beinahe 900 voneinander verschiedenen Bauteilen - man sagt, keine der verwendeten Schrauben war gleich. 

Bis 2004 waren F5 und F100 die Spitzenmodelle unter den Film-SLRs von Nikon; Inzwischen ist die F5 durch die Nikon F6 ersetzt worden.

Auch 2009 wird somit das Bild in einer F6 (und allen anderen hochwertigen und weniger hochwertigen Film-SLRs verschiedenster Hersteller und einer geradezu unübersehbaren Zahl von AF-Kompaktkameras etc.) noch immer auf einen fotochemischen Film aufgezeichnet. Schaut man nicht genau, schaut die F6 nicht so viel anders aus als die Nikon F von 1959 (und auch dies gilt sinngemäß für die meisten anderen SLRs für Silberhalogenid-Film).

Das Innenleben einer F6 oder einer anderen vergleichbaren SLR für Film   besteht jedoch aus so vielen elektronischen Bauteilen, dass es nicht ganz falsch wäre, zu sagen, solche Kameras (und die vergleichbaren Kameras der Konkurrenz natürlich auch) seien spezialisierte Computer, mit denen man ausschließlich Bilder aufzeichnet, bei ihnen noch auf (altmodischem?) Film, bei digitalen SLRs  auf einen Chip.

Der nächste Schritt, die digitale Bildaufzeichnung, zeichnete sich ab den späten 90er-Jahren als unausweichlich ab.   Fraglich schien schon damals nur, wie lange Kameras für Film ein Nischendasein führen werden. Abhängig ist dies unter anderem davon, dass mit Herstellung und Vertrieb von Filmmaterial genug Geld verdienet wird, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Dass Kodak einzelne Filme seines Sortiments aufgegeben hat oder in nächster Zukunft aufgeben wird (z. B. den Kodachrome Dia-Film), ist charakteristisch für diese Entwicklung. Dass Ilford vor einigen Jahren nur knapp dem Konkurs entgangen ist und Agfa nur mehr als Markenname existiert, zeigt deutlich die dramatischen Veränderungen des Marktes. Adox, Ferrania und viele andere einst wohlbekannte Namen existieren heute nur mehr als Markennamen, hinter denen manche stehen, nur nicht die damaligen Firmen. Und bei anderen, wie bei Rollei, ist es schwierig, die vielen Verschachtelungen von Unternehmensbeteiligungen, Gründungen und Umgründungen nachzuvollziehen, die diesen einst großen Namen (bzw. die Firma, die den Namen nutzt) zum Nischenanbieter chinesischer Kameras gemacht haben. Andere schließlich, wie Franke & Heidecke, als Erzeuger der Rolleiflex berühmt geworden, sind zu Kleinunternehmen geworden, die eine Zeit lang als Auftragsarbeit mit gemieteten Maschinen in gemieteten Räumlichkeiten und 130 Angestellten an einer Profikamera werkelten, ehe sie nunmehr in Konkurs gegangen sind.

Manche hoffen, dass andere, kleinere Hersteller auch weiterhin Filme anbieten werden, wenn sich die Großen anderen Betätigungsfeldern mit höheren Gewinnaussichten zuwenden. Ob es so kommt, steht in den Sternen.

Die Verhältnisse ändern sich. Eine Zeit lang merkt man diese Änderungen nicht, in einer Wirtschaftsflaute wie dieser nun folgt Schlag auf Schlag.

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Scheinbar sind die Hebel und Einstellräder an einer modernen SLR für Kleinbildfilm nicht wirklich verschieden von den Bedienungselementen einer Nikon F; was aber bei der Nikon F mechanische Bauteile bewegte, schaltet heutzutage Schaltkreise ein und aus. Sensoren und Prozessoren haben in modernen Kameras eine unverzichtbare Rolle übernommen. Sie scheinen, im Vergleich mit dem Personalcomputer, der auf unseren Schreibtischen steht, nicht sehr eindrucksvoll: Bei der Nikon F100 (ein Spitzenmodell, als die Kamera auf dem Markt eingeführt wurde) ein 16-bit Prozessor mit 20 MHz, 128 KB ROM und 4 KB RAM. Einen zweiten Prozessor gibt es auch in der F100: auch dessen Daten sind nicht eindrucksvoll: 8-bit Prozessor mit 4 MHz Taktfrequenz, 16 KB ROM und 512 Byte RAM.

In meinem und in Ihrem PC dienen Prozessor und Speicherchips allen möglichen Zwecken: von der Bildbearbeitung bis zur Verwaltung Ihrer Schallplattensammlung; ach ja, Tabellen wollen Sie ja auch entwerfen, Briefe schreiben, das Internet nutzen, Musik auf CD brennen. Der PC muss alles können und seine vielfältigen Möglichkeiten werden meist nicht ausgereizt. 

Die kleinen, vergleichsweise leistungsschwachen Prozessoren   in den Kameras sind hingegen auf ganz bestimmte Aufgaben getrimmt; nur diese beherrschen sie, andere brauchen sie aber gar nicht zu beherrschen, denn andere Aufgabenkommen nicht vor.

Und: Ihre Kamera ist wesentlich kleiner als Ihr PC. In allen modernen Kameras (von den rein mechanischen abgesehen) muss daher von den Konstrukteuren vorerst einmal das Platzproblem gelöst werden. Sehen Sie sich doch die Schnittzeichnungen einer heutigen SLR an, und Sie werden sehen, dass sozusagen in jeden noch so kleinen Hohlraum elektronische Bestandteile eingepfercht sind. Dazu braucht es hochflexible Platinen, die bei der Montage vielfach gefaltet werden müssen, um auch die kleinste Lücke nützen zu können. Und selbst bei scheinbar typischen mechanischen Kameras ohne AF, ohne spezielle Belichtungsprogramme und ohne eingebauten Motor ist es nicht anders: Sehen Sie sich doch die Leica M6 an: wer eine mechanische Kamera mit der Elektronik für die TTL-Messung füllen will, dem bleibt kein Platz mehr für den altmodischen mechanischen Selbstauslöser. Daher hat die Leica seit Jahrzehnten keinen Selbstauslöser (Brauchen Sie ja auch wirklich nicht. Wollen Sie selbst auch mit aufs Bild, geben Sie einem Passanten Ihre teure Kamera und bitten Sie ihn, Sie zu knipsen – sinnvoller Weise aber nicht in Bogota, Mexico City etc.).

Alles mögliche schalten wir ein, sobald wir auf den Auslöser der Kamera drücken – auch der ist bei modernen Kameras ein elektrischer Schalter und nicht mehr ein Stift, der einen Hebel bewegt. Es beginnt ein komplexer Vorgang: elektrischer Strom fließt, Schaltelemente messen das durchs Objektiv fallende Licht, Schaltungen leiten elektrische Ströme verschiedener Stärke weiter, ein Sensor oder mehrere misst Helligkeitskontraste und verstellt mittels kleiner Steuermotoren in der Kamera oder im Objektiv selbst das Objektiv, bis die Sensoren korrekte Werte messen, aber nicht bloß einmal, sondern zwischen leichtem Druck auf den Auslöser und verstärktem Druck kontinuierlich (Schärfenachführung), bis die Aufnahme erfolgt. Aber nicht nur die Schärfe wird mittels Schaltkreisen eingestellt, auch die Belichtung, wobei gelegentlich in die Speicher die Ergebnisse von Tausenden Bildern eingespeichert sind, um die unterschiedliche Helligkeitsverteilung im Motiv zu berücksichtigen (der Himmel ist meist heller als der Vordergrund, der Himmel ist bei Querformataufnahmen oben und nicht unten etc.). Und wenn der Fotograf den Schalter in die Endstellung bringt, was besorgt da nicht die Elektronik alles! Der Spiegel klappt nach oben, gesteuert von einer Elektronik, die ihn vor dem Anschlag abbremst, um das Verwackeln der Aufnahme durch den Spiegelschlag zu verhindern. Die Blende schließt sich auf den vorgegebenen Wert, das Messsystem für die Belichtung misst das einfallende Licht und schließt den Verschluss, nachdem der Sollwert erreicht ist, die Blende öffnet sich wiederum, der Spiegel klappt hoch, der Film wird transportiert – x-mal in der Sekunde.

Und wenn ich Sie langweilen wollte, all diese Vorgänge bei einer einzigen Aufnahme könnten man in noch viel mehr Einzelschritte zerlegen.

Gewiss, die Leistungsdaten der Bauteile in einer modernen digitalen SLR sind im Jahre 2009 wesentlich eindrucksvoller als bei der erwähnten F100, aber grundsätzlich verschieden sind die Bauteile nicht.

Mit anderen Worten: wir haben weithin perfekte Aufnahmegeräte; Fehler passieren immer noch, unscharfe und verwackelte Bilder sind nicht ausgeschlossen, leider. Aber heutzutage sind die meisten falsch belichteten Bilder nicht deswegen falsch belichtet, weil die Kamera überfordert war (sehen wir von den Einwegkameras etc. einmal ab), sondern weil der Fotograf seinen Kamera-Computer übertölpeln wollte, statt die Belichtungsdaten zu akzeptieren, das der Computer von sich aus anbot. Manch einer soll auch schon schief in den Sucher geblickt haben und dann fehlte beim gotischen Dom die Kirchturmspitze oder bei der Tante Uschi die Haarpracht, auf die sie doch so viel Geld verwendet hatte.

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Was soll man da verbessern?

Ich denke seit Jahren, der Siegeszug der digitalen Bildaufzeichnung ist nicht aufzuhalten. Ich habe das auch schon gedacht, als die Mehrheit anderer Meinung war. Meine erste digitale Kamera war die Casio QV-10 im Jahre 1995.

Die Firmen hängten es bloß nicht an die große Glocke, aber mindestens schon seit 2003 waren Nikon (und Canon) primär Produzenten digitaler Kameras. Mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze machte jede der beiden Firmen mit Digitalkameras, seien es digitale Sucherkameras, seien es digitale SLR. Nikon hat 2005  - übers ganze Jahr gerechnet - etwa 1/4 weniger Film-SLRs verkauft als im Vorjahr (das Tempo dieses Schrumpfungsprozesses hat sich in den Folgejahren so beschleunigt, dass Nikon nun schon seit Jahren faktisch keine SLRs für Filme mehr herstellt - einige Sondermodelle und die wohl nur mehr, wenn überhaupt noch, in Kleinstserie produzierte F6 als Flaggschiff einmal ausgenommen.).

2005 habe ich an dieser Stelle geschrieben.

Man braucht wirklich kein Prophet zu sein, um heute schon zu sagen, dass in absehbarer Zeit z. B. Nikon (und eine Anzahl anderer Produzenten auch) die Weiterentwicklung von Film-Kameras einstellen wird (und bald danach die Erzeugung). Schon heute sieht man kaum mehr neue Modelle von AF-Sucherkameras in den Auslagen - und wenn, dann hat man an vorhandenen Modellen kosmetische Änderungen vorgenommen und neue Modellbezeichnungen erfunden. Das hochgejubelte APS-Format ist überhaupt gestorben, ehe es richtig zum Leben erwachte.

Was ich vor bloß wenigen Jahren als wahrscheinliches Szenario beschrieben habe (und nicht nur ich!) ist inzwischen eingetreten.

Digitale Kameras haben die Kameras für Film weitestgehend abgelöst. Die Zahlen zeigen dies deutlich: 2007  wurden in Deutschland 8,8 Mio Kameras verkauft, davon 8,55 Mio Digitalkameras. Der eher kümmerliche Restanteil an Kameras für Film besteht überwiegend aus Einwegkameras. An der Entwicklung hin zur digitalen Bildaufzeichnung hat sich seither nichts geändert, dies umso weniger, als ja mit den <besseren> Kameramodellen der Branchengrößen digital erzeugte Bilder durchaus mit Vergrößerungen von Aufnahmen auf Silberhalogenidfilm mithalten können.

Und das alles, obgleich die Aufnahmen mit einer einfachen Sucherkamera für Film, die vielleicht ein Drittel oder die Hälfte einer mittelprächtigen Digital-Sucherkamera kostet,  auch heute klaglos auf 40x50 cm vergrößert werden können, mehr jedenfalls, als der durchschnittliche Anwender brauchen kann.

Vergleichsweise teuer sind sie halt, die Digitalkameras, viel teurer als die gängigen AF-Sucherkameras und die SLRs für herkömmlichen Film. Aber das ändert sich - die neuen Modelle mit mehr Möglichkeiten und besseren Ergebnissen werden preiswerter oder wenigstens nicht teurer. 

Bei den digitalen SLRs war Nikon einige Zeit Marktführerin.   Canon hat allerdings rasch aufgeholt und hat im Herbst 2004 Nikon mit der Eos 300D sozusagen auf dem falschen Fuß erwischt. 

So ist es  weitergegangen. Damit einhergegangen ist eine tiefgreifende Änderung der Marktanteile. Einzelne, traditionelle Kamerafirmen gibt es entweder nicht mehr, wie etwa Minolta, andere haben neue Eigentümer, führen aber die eingeführten Markennamen weiter, Panasonic mit den Hasselblad-Kameras etwa. Nicht allen ist es gelungen, das Niveau zu halten, manche bestellen in China Massenware und lassen eingesessene Markennamen einprägen oder erfinden neue. Wie auch immer, Canon  hat heute einen Marktanteil von ca. 18%, Sony  nicht viel  weniger, Nikon einen Anteil von 8%. Ohnehin verkaufen heute insgesamt fünf Firmen 70% aller Digitalkameras, nämlich Canon, Sony, Olympus, Panasonic und Fuji. Alle anderen sind nur mehr Mitläufer, die in einem expandierenden Markt gerade noch überleben können. Dass darunter so angesehene Firmen sind wie Sanyo, Pentax und Leica, oder Firmen mit klangvollen Namen wie Rollei, nur am Rande. 

Alle anderen als die genannten Fünf fallen unter <Ferner liefen ....> und manchen muss man viel Glück wünschen unter den gegenwärtigen Marktbedingungen. 

Von anderswoher irgendetwas zuzukaufen, das Gehäuse ein wenig zu ändern oder einen roten Punkt draufzukleben, dafür aber teurer zu verkaufen, wird spätestens dann nicht mehr reichen, wenn der Markt nicht mehr so rasant wächst wie etwa von 2003 auf 2004, sondern zumindest in unseren Gefilden Marktsättigung eintritt, ganz unabhängig von der vorhandenen Kaufkraft und den derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnissen.

Bloß: den Markt der Bildaufzeichnungsgeräte werden sich die Kameraerzeuger mit Firmen teilen müssen, die aus anderen Bereichen der Unterhaltungselektronik auf diesen Markt drängen, wie etwa Sony und die anderen Erzeuger von Kamerahandys. Natürlich sind auch Neuheiten denkbar: Kodak hat die ersten digitalen SLRs im Wesentlichen unter Verwendung von Film-SLR-Gehäusen und den Anbau einer elektronischen Bildspeicherung erzeugt, ehe die Firma dann mit ihrer letzten digitalen SLR eigene Wege ging - und Schiffbruch erlitt. Und die großen Hersteller haben auch nicht viel anders gehandelt, weil sie ja die große Zahl von Eigentümern von Objektiven nicht vor den Kopf stoßen wollten: daher ist von ihnen das Prinzip der Film-SLR ins digitale Zeitalter übertragen worden. Anders ein Hersteller, der wenig zu verlieren hatte, wie etwa Panasonic: diese Firma hat in jüngster Zeit eine Reihe von digitalen Kameras mit Wechselobjektiven auf den Markt gebracht, assistiert von Olympus, bei denen das herkömmliche Spiegelreflexsystem ersetzt wird durch einen elektronischen Sucher. In Japan haben beide Firmen Erfolg, ob die Vorteile (und die Nachteile) anderswo Käufer animieren, wird sich weisen. Ein Anfangserfolg ist nicht zu leugnen.

So wie es aber immer noch Leute gibt, die sich mit ihren Füßen fortbewegen oder auf dem Rücken von Pferden, wird es auch in absehbarer Zukunft Leute geben, die mit einem Stück Feinmechanik aus Messing, Aluminium, Stahl und seltenen Erden auf fotochemischen Film Aufnahmen machen wollen. Leute auch, die auf diese Weise beweisen wollen, dass ja nicht das Stück Mechanik oder die elektronisch gesteuerte Kamera ein gutes Bild erzeugen, sondern der Mensch, der durch den Sucher der Kamera blickt und im richtigen Augenblick den Auslöser drückt.

Und auch in Zukunft wird es schließlich Leute geben, denen in Wahrheit ja nicht die Aufnahme etwas bedeutet, sondern das klaglose Funktionieren ihres teuren Stücks Feinmechanik.

Wenn Sie mir bis hierher gefolgt sind, frage ich Sie: tun wir das - mehr oder minder - nicht auch schon heute? Warum sollten wir denn sonst unbedingt mit einer dreißig oder vierzig Jahre alten Kamera wie der Nikon F recht unbequem, seien wir ehrlich, eine Aufnahme machen wollen, die wir mit einer AF-Sucherkamera aus Plastik (pfui!) oder mit einer hochmodernen Digitalkamera schneller und ohne Nachdenken auch machen könnten?

Ich jedenfalls erfreue mich (ganz offen gesagt) auch am bloßen Funktionieren meiner alten Nikon F. Sie hoffentlich auch an ihrer F, F2 etc. Sollten Sie aber eine gut erhaltene Nikon SP besitzen, ganz ehrlich: ich beneide Sie von Herzen.

Noch ist nicht aller Tage Abend: Manche möchten eine Renaissance der Sucherkamera mit Wechselobjektiv herbeireden und manche Firmen machen mit solchen auch Geschäfte. Ob   Cosina (Letztere unter dem Label Voigtländer)  viel Geld verdient, bleibe dahingestellt, aber der Entwicklungsaufwand für diese Nischenmodelle ist ja letztlich nicht sehr hoch. Konica jedenfalls ist mit der (längst nicht mehr erzeugten) Hexar RF  auf die sprichwörtliche Nase gefallen und jene Firma, der wir recht eigentlich das Kleinbildformat verdanken, ist nur knapp am Konkurs vorübergeschrammt.

Eine Nikon F6 für Kleinbildfilm wird es daher nicht mehr geben, habe ich hier zuletzt noch im Dezember 2003 geschrieben. Es ist ein Jammer mit den Propheten - nicht zuletzt deshalb sind ihre Jeremiaden seit den Zeiten des Alten Testaments so beliebt.

Ende September 2004 wurde bekannt, dass Nikon eine solche F6 tatsächlich auf den Markt bringt. Offenbar sah man bei Nikon die Möglichkeit, auch weiterhin mit einer Profikamera für Silberhalogenidfilm Geld verdienen zu können oder wenigstens Prestige zu sammeln. 

Dazu kommt aber, dass der Entwicklungsaufwand für diese neue Kamera so groß nicht gewesen sein dürfte. Denn im Hause Nikon sind ja alle die Neuerungen, die in die F6 eingebaut werden sollen, ja ohnehin vorhanden, nicht zuletzt wurden sie für die Nikon D2X entwickelt, vom noch genaueren Verschluss über die bessere Belichtungs- und Entfernungsmessung bis zum verbesserten System für die Blitzbelichtungsmessung. Insofern war die Nikon F5 nicht mehr ein absolutes Spitzenprodukt. Nunmehr produziert Nikon wiederum ein entsprechendes Spitzenmodell. Das Bessere ist der Feind des Guten.

Fraglich ist Mitte 2009, ob die Nikon F6 überhaupt noch erzeugt wird, geschweige denn, ob die Erzeugung in nennenswerten Stückzahlen erfolgt. Aber immerhin, man kann eine Nikon F6 als eine der letzten hochwertigen Profikameras für Film auch heute noch neu in den Geschäften kaufen - auch wenn sie extra für den einen Käufer irgendwo in Europa bestellt werden muss.

Mit der Nikon F6 geht die Zeit der analogen SLRs für Film zu Ende. Was noch kommen wird, sind digitale SLRs. Es führt kein Weg zurück.

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Wollen Sie weiterlesen? Leider, außer dem Anhang über digitale Kameras von Nikon und solche von Kodak auf der Basis von Nikons F4, F90 bzw. F5 gibt es von mir nichts mehr über Nikon auf diesem Gebiet.

Über einzelne Kameras von Nikon und von anderen Firmen habe ich ausführliche bewertende Beschreibungen produziert; was es gibt, finden Sie auf einer anderen Website von mir.

Aber vielleicht sind Sie schon jetzt auf den Geschmack gekommen und ich habe in Ihnen das Interesse an der Geschichte der Fotografie und der Apparate geweckt, mit denen die Fotos gemacht werden.

So interessant wie die Geschichte der Nikon Corp. ist sicherlich auch die Geschichte der heutigen Leica AG und der übrigen Firmen des Weltmarktes. In der Art der Nikon-Story gibt es von mir auch eine Leica-Story. Und demnächst vielleicht auch eine - ausführliche -  Contax-Story (Kurzfassung schon jetzt!).

Noch interessanter als die Geschichte der großen Firmen ist vielleicht die Geschichte der kleinen Kamerabauer, die irgendwann gescheitert sind und deren Produkte dennoch auch heute noch gebraucht in den Auslagen der Geschäfte zu sehen sind. Viele dieser Geschichten sind noch nicht geschrieben, andere existieren, nur nicht im Internet.  Im Internet finden Sie alles Mögliche, nur müssen Sie suchen. Probieren Sie es doch. Ich habe es auf meinem beschränkten Gebiet auch getan, der vorstehende Bericht und die Links zeugen davon.

Viel Glück bei der Suche und: Gut Licht!

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Zuletzt bearbeitet: 3. Jänner 2009
© 2009 / Peter Lausch
 

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