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Einleitung und  wichtige Hinweise

1. Teil
Anfänge

2. Teil
Nikon M  Nikon S, Nikon S2

3. Teil
Nikon SP

4. Teil
Nikon F

5. Teil
Nikkorex

6. Teil
Nikon F2

7. Teil
Nikkormat

8. Teil
Nikon FM

9. Teil
Nikon F3

10. Teil
Nikon FM2

11. Teil
Nikon F-301

12. Teil
Nikon F4

13. Teil
Nikon F90

14. Teil
Nikon F5

15. Teil
Nikon F100, D1 F80 und F65
 

16. Teil
Ausblick

Literatur zur Nikon

Anhang:
Nikon Digital für
Profis

Nikon 
D1X

Motoren

Belichtung
bei den SLR

 Leica-Story

 

 

 

 

6. Teil:
Von der Nikon F zur
Nikon F2

 

Die Nikon F erwies sich für die Nippon Kogaku K. K. als Goldesel. Eine Firma, die bis dahin von jedem Modell einige tausend oder zehntausend Kameras verkauft hatte, verkaufte im Lauf von fast 12 Jahren (von Frühjahr 1959 bis Ende 1974) nahezu eine Million Nikon F.

So erfolgreich die Nikon F auch erscheinen mag, der große Erfolg ließ auf sich warten. 1968 waren erst 300.000 Stück verkauft worden. Erst in den letzten Produktionsjahren ging es steil aufwärts. Das dürfte damit zusammenhängen, dass sehr viele Kunden durch den Kauf einer preisgünstigen Nikkormat auf den Geschmack kamen und auch merkten, dass die Objektive von Nikon ausgezeichnet waren.

Schon 1963 begann sich das Management bei Nikon Gedanken über ein Nachfolgemodell zu machen. Dazu kam, dass die Firma seit der Ära der Sucherkameras gewohnt war, auf die Wünsche und die Kritik der Anwender zu hören. Insbesondere der Generalvertreter in den USA, Ehrenreich, hatte dafür ein waches Ohr. Auch zeigte die tägliche Praxis einige Schwachstellen auf, die verbessert werden mussten.

Einiges ließ sich mit geringem Aufwand erreichen. Dazu gehörte der Aufzugshebel, dessen Form von den Profis als "fingerzermürbend" bezeichnet wurde. Also wurde eine späte Version der Nikon F mit einem Transporthebel versehen, der mit Plastik belegt war und den Transporthebel des Nachfolgemodells vorwegnahm.

Ein anderer Mangel war die Befestigung der Sucher am Gehäuse. Am normalen Prismensucher fiel dieser Mangel nicht auf, an den recht großen Photomic-Suchern mit der eingebauten TTL-Messung indessen schon. Es brauchte nicht viel, und die Sucher lösten sich unbeabsichtigt vom Gehäuse. Teure Reparaturen waren die Folge. 

Schon 2 Jahre nach Markteinführung des Photomic T (mit integraler Ganzfeldmessung) wurde der Befestigungsmechanismus für den damals neu eingeführten Photomic Tn (mit mittenbetonter Messung) geändert, das heißt, verbessert. Aber dieser Verbesserung traute nicht einmal die Nippon Kogaku K. K. selbst so recht, scheint mir. Denn nach wie vor scheute man sich, auf diesem Suchergehäuse einen Zubehörschuh anzubringen. Daher wurde nach wie vor ein Zubehörschuh extra gefertigt und musste von den Kunden extra gekauft und bezahlt werden, der über die Rückspulkurbel geschoben wurde. Er bot zwar tatsächlich auch schweren Blitzgeräten festen Halt und sicherte dank entsprechender Kontakte kabelloses Blitzen, musste aber jedes Mal abgenommen werden, wenn der Film rückgespult werden musste – sehr <praktisch> und einer Profikamera eigentlich nicht würdig. Aber verhunzte Konstruktionen sind nicht leicht zu verbessern. 

Denn auch die Nachfolgerin der Nikon F konnte lange Zeit mit keiner besseren Lösung aufwarten, bis nach Jahren schließlich ein Blitzschuh mit kabellosem Blitzkontakt und einer Ausnehmung angeboten wurde, dank der die Rückspulkurbel auch bei angesetztem Blitzschuh betätigt werden konnte.

Andere Firmen schliefen auch nicht; die technische Entwicklung ließ sich nicht aufhalten. Was seinerzeit als Fortschritt begrüßt wurde – und auch einer war – erwies sich als nicht ganz so fortschrittlich, dass es nicht hätte verbessert werden können. Solche Verbesserungen aber machten grundlegende Änderungen notwendig, nicht bloß letztlich kosmetische Anpassungen wie etwa einen neu geformten Transporthebel.

Dazu gehörte, dass zwischen Druck auf den Auslöser und tatsächlicher Aufnahme infolge einer unvollkommenen Synchronisation zwischen Blendenmechanismus, Betätigung des Spiegels und Verschlussauslösung zu viel Zeit verging. Gewiss, es handelte sich um Millisekunden, aber die Verzögerung war merkbar und sie wurde bemerkt. An sich ein allgemeines Problem vieler SLR (und neuerdings aus ganz anderen Gründen ein ernsthaftes Problem bei Digitalkameras), das manifest wurde, als Yashica viele Jahre später mit der Contax RTS das Schlagwort von der Real Time Auslösung prägte und damit auf diese Schwäche der Konkurrenzprodukte hinwies.   

Dazu kam, dass der Motor S 36 ebenso wie der Motor für das Magazin für 250 Aufnahmen die Berufsfotografie nachhaltig verändert hatte, waren doch ab etwa 1960 Serienaufnahmen gleichsam normal geworden. Es störte dabei weniger die – nach heutigen Begriffen – bescheidene Zahl von 4 Bildern/sec, die ohnehin in späteren Versionen der Nikon F auf bis zu 10 Bilder/sec gesteigert wurde. Was wirklich störte, war, dass nicht jeder Motor an jede Nikon F einfach angesetzt werden konnte, sondern dass Motor und Kamera jeweils im Einzelfall von der Generalvertretung oder einer Fachwerkstätte aneinander angepasst werden mussten. Mit Glück funktionierte eine Nikon F auch mit einem anderen Motor als dem, der speziell angepasst worden war, aber das Glück hatte der Fotograf nur in 50% der Fälle, zu selten, um wirklich zu befriedigen.

Profis störte auch, dass der Spiegel der Nikon F aus Platzmangel ein wenig klein geraten war. Das machte sich bei sozusagen normalen Brennweiten, wie sie der durchschnittliche Amateur verwendete (bis 200 mm Brennweite) nicht bemerkbar, bei längeren Brennweiten, wie die Nippon Kogaku K. K. sie im Programm hatte und die sich im Übrigen aus Preisgründen nur einige wenige Profis leisten konnten (und nur einige wenige brauchten solche extrem langbrennweitigen Objektive, daher waren sie so teuer), dunkelte das Sucherbild im oberen Bereich aber ab.

Nikon F2

Im September 1971 war es soweit: die neue Nikon F2 wurde vorgestellt. Ein Blick genügt, um zu sehen: das ist eine weiterentwickelte Nikon F. Alle wesentlichen Eigenschaften wurden beibehalten; die erkannten Mängel waren beseitigt. Gleich blieb daher das Grundprinzip: Das Gehäuse hat eine abnehmbare Rückwand, das Bajonett blieb unverändert, Motoren sind einfach anschließbar und die Belichtungsmessung erfolgt nicht im Gehäuse, sondern in den hierfür vorgesehenen und wechselbaren Sucheraufsätzen. Der Verschluss aus Titanfolie wurde verbessert, er sprach schneller an und er lief schneller ab. Äußerlich war das für den Anwender an zwei Eigenschaften der Kamera merkbar: die kürzeste Verschlusszeit wurde auf 1/2000 sec gesteigert; mit Elektronenblitz geblitzt werden konnte mit der F2 mit 1/80 sec., auch nicht ausreichend, wie wir heute wissen für die Verwendung von Elektronenblitzen bei Tageslicht zur Aufhellung des Motivs, aber besser als die 1/60 sec. der alten Nikon F.

Der neue Motor mit der Typenbezeichnung MD-1 konnte an alle Nikon F2 angeschraubt werden, ohne dass die Kamera in irgend einer Weise hätte angepasst oder modifiziert werden müssen. Schon darin lag ein wesentlicher Fortschritt gegenüber der Nikon F und deren Motor F-36. Wahlweise konnte der Fotograf nur eine Aufnahme pro Druck auf den Auslöser machen oder, bei entsprechender Einstellung, fortlaufend Aufnahmen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 5 Bildern/s, entsprechend kurze Belichtungszeiten natürlich vorausgesetzt. In ungefähr 7 Sekunden konnte der Motor ferner einen Film mit 36 Aufnahmen in die Kassette zurückspulen, doch war natürlich die manuelle Rückspulung mittels der Rückspulkurbel (geräuschlos!) möglich. An den Motor und an dessen Handgriff unten ansetzbar war der kabellose Batteriebehälter MB-1 für insgesamt 10 Stück Batterien der Größe AA. Wahlweise konnten auch zwei spezielle NiCd-Batterien verwendet werden. Ferner konnte ein externes Netzteil bzw. ein Netzstecker mit Trafo verwendet werden.

Siehe im Einzelnen die Seite über die Motoren von Nikon. Dieser Motor wurde später von Nippon Kogaku K. K. durch den MD-2 ersetzt, der alle Eigenschaften des MD-1 aufweist, zusätzlich aber mit der Rückwand MF-3 sicherstellt, dass der Film nicht zur Gänze in die Patrone zurückgespult wird.

Statt der serienmäßigen Rückwand oder der Rückwand MF-3 kann auch die Rückwand MF-1 für 250 Aufnahmen angesetzt werden, mit der insgesamt 250 Bilder ohne Filmwechsel möglich werden. So viele Aufnahmen in einem zu machen, setzt natürlich eine externe Stromquelle voraus, etwa den oben erwähnten MA-2. Wer damit noch nicht genug hat, der konnte statt dessen ein Rückwand mit Magazinen für 750 Bilder kaufen, doch haben das, sieht man die Angebote an Gebrauchtgeräten, nur extrem wenige Leute getan.

Später produzierte die Nippon Kogaku K. K. einen etwas kleineren und leichteren Motor mit der Typenbezeichnung MD-3, der mit dem Batterieteil MB-1 4 Bilder in der Sekunde transportierte. Wie die Kamera (eine Nikon F2S im Beispiel) mit diesem Motor aussah, zeigt die nebenstehende Abbildung. Wem das zu schwer war, konnte sich den kleineren neuen Batterieteil MD-3 für bloß 8 Batterien kaufen, dann konnte man aber nur 2,5 Bilder in der Sekunde aufnehmen, mehr Strom war nicht vorhanden. Immerhin!

Noch später kam noch ein weiterer Zubehörteil dazu, der damals ganz neuartig war, uns heute aber ganz alltäglich erscheint: eine elektrische Dateneinbelichtung auf den Film. Erstmals 1975 von Nikon als Prototyp in Deutschland vorgestellt, fertigte die Nippon Kogaku K. K. später ein eigenes Modell, die Nikon F2 Data mit einer solchen speziellen Rückwand. In die konnte ein spezielles Plättchen eingeschoben werden, auf das man Daten schreiben konnte, so man den Wunsch verspürte, z. B. "Monika". Ansonsten konnte man Zeit und/oder Aufnahmezahl einbelichten, wobei die Belichtung durch ein Elektronenblitzgerätchen erfolgte. Wofür lange Worte? Denken Sie sich eine primitive Vorläuferin heutiger Datenrückwände.

Im Lauf der Jahre (die F2 wurde erst im März 1980 durch die F3 abgelöst) wurde das Gehäuse der Kamera mehrmals geringfügig geändert. Was gravierend geändert wurde, waren einerseits die Prismensucher mit den Belichtungsmessern, andererseits der Objektivanschluss. Daraus resultiert eine Reihe von Varianten der F2, die man leicht durcheinander bringt.

Der Reihe nach:

Die Nikon F2 Eyelevel besteht aus Gehäuse und Prismensucher ohne Belichtungsmesser, wie oben bereits abgebildet.

Die Nikon F2 Photomic besteht aus Gehäuse und Prismensucher samt TTL-Belichtungsmesser (als DP-1 bezeichnet)..  Die Einstellung der richtigen Belichtung erfolgt bei ihm mittels einer Messnadel, die durch Drehen am Blendenring oder am Verschlusszeitenrad mit einer Marke zur Deckung gebracht wird. Nachteil dieses Suchers ist, dass die Nadel sehr empfindlich gegen Stoß und Schlag gegen das Gehäuse ist – im harten beruflichen Alltag waren häufige Reparaturen angesagt. Dieser Sucheraufsatz ist im Prinzip dem Photomic FTn zur alten Nikon F ähnlich, ist aber wesentlich kleiner und leichter.

Die Nikon F2S Photomic besteht aus Gehäuse und Prismensucher mit TTL-Belichtungsmesser (als DP-2 bezeichnet). Bei ihm erfolgt jedoch die Einstellung der richtigen Belichtung mittels wesentlich stoßunempfindlicherer Leuchtdioden.

Aus diesem Modell wurde die Nikon F2SB entwickelt, deren Belichtungsmesseraufsatz an Stelle von Kadmiumsulfidzellen solche aus Siliziumdioxid für die Belichtungsmessung verwendete, die vor allem bei wenig Licht eine genauere Messung ermöglichen und im übrigen schneller auf Änderungen der Lichtverhältnisse ansprechen.

Die Nikon F2SB war nur knapp ein Jahr auf dem Markt; nicht dass sie irgendwelche Mängel aufgewiesen hätte, aber 1977 hatte auch die Nippon Kogaku K. K. eingesehen, dass mit dem System des gabelförmigen Blendenmitnehmers außen auf den Objektiven nicht länger Staat zu machen war. Heute muss man sich einmal in der Praxis vergegenwärtigen: Bei der Nikon F Photomic T musste beim Objektivwechsel jedes Objektiv zuerst händisch auf Blende 16 eingestellt werden, dann am Gehäuse so angesetzt werden, dass der Blendenmitnehmer (Stift) des Photomic T von der Gabel auf dem Objektiv erfasst wurde; danach wurde das Objektiv durch eine Drehung mit dem Gehäuse fest verbunden. Nunmehr musste auf dem Belichtungsmesser durch Drehen eines Rädchens die jeweils größte Blende des eingesetzten Objektivs auf einer Skala mit der passenden Filmempfindlichkeit zur Deckung gebracht werden. Vergaß man das, wurden die Negative falsch belichtet. Beim Photomic FTn zur Nikon F und bei den Belichtungsmesseraufsätzen zur F2 hatte die Nippon Kogaku K. K. das Verfahren vereinfacht, aber umständlich war – und ist – es noch immer: Blende auf dem Objektiv auf 5,6 stellen, Objektiv ansetzen und durch Einstellung auf die größte und die kleinste Blende dem Belichtungsmesser mechanisch den Blendenbereich des Objektivs mitteilen. Diese, nach dem charakteristischen Geräusch so bezeichnete "Ritsch-Ratsch-Bewegung" funktioniert  wesentlich schneller als die altväterische Methode am Photomic T der Nikon F. Daher war die Änderung des Objektivanschlusses der Nikons unbedingt notwendig geworden.

Dieses Problem wurde mit Einführung des " Automatic Maximum Aperture Indexing"-Systems gelöst. Anstelle der außen angebrachten Belichtungsmessergabel besitzen "Ai"-Objektive eine interne Steuerkurve am Objektivanschluss, die beim Objektivwechsel mit einem Mitnehmer im Kameragehäuse kuppelt. Viele Objektive mit Belichtungsmessergabel konnten im übrigen auf Ai-Anschluss umgebaut werden.

Meine nicht, sie waren schon zu alt (Baujahr 1965). Seit damals denke ich mir meinen Teil, wenn wieder einmal einer begeistert ruft, Nikon habe seinen Objektivanschluss nie geändert, und selbst Objektive aus dem Jahre 1959 seien heute noch (auch an AF-Kameras) verwendbar, zum Unterschied von den Objektiven anderer Firmen.

Die Behauptung ist nicht ganz falsch, ansetzbar sind alle umgebauten Objektive schon an einer F100, aber dann ist eine Belichtungsmessung nicht mehr möglich, AF-Einstellung ohnehin nicht. Die Beschöniger unter den Bücherschreibern meinen, es würde ja in der Regel ohnehin keiner, der sich eine F100 kauft, ein Nikkor-S 1,4/50mm aus dem Jahre 1965 an seine schöne neue teure Kamera stecken wollen. Mag sein, aber dann soll man eine weitgehend obsolete Eigenheit nicht so besonders hervor streichen und loben. Und umgekehrt wird gejubelt, alle neuen Objektive, auch mit Autofokus, seien an einer Nikon F oder F2 etc. verwendbar. Auch da ist nämlich nicht alles Gold, was glänzt. Ansetzbar mögen sie ja sein, aber die Belichtungsmessung funktioniert nicht, weil Nikon schon seit langem seine Objektive mit der Belichtungsmessergabel versieht - manche Fremdhersteller haben das getan, solange sie Objektive ohne Autofokus im Programm hatten. Ohne Belichtungsmessergabel ist die Belichtungsmessung indessen nur nach der Stop Down-Methode mit Arbeitsblende möglich. Nicht nur das, mit den Zoomobjektiven mit veränderlicher Anfangsöffnung (z. B. AF Zoom-Nikkor 3,5-4,5/28-105 mm) müssen Sie zumindest bei Diafilmen bei der Belichtungsmessung auch noch die veränderliche Anfangsöffnung berücksichtigen. Und gar nicht verwenden können Sie in der Praxis die neuen preiswerten Objektive der G-Serie, weil diese keine Blendeneinstellung haben - die Einstellung wird elektrisch von allen in den letzten Jahren lieferbaren Kameramodellen gesteuert. Welches Objektiv an welche Kamera passt und mit welchen Einschränkung bei Belichtung etc., sehen Sie am besten hier.

Aus dem Nikon F2-Gehäuse wurde ab 1977 dank Ai-Anschluss das Nikon F2A-Gehäuse.

Mit einem Belichtungsmesseraufsatz mit Nadelanzeige heißt die Kamera nunmehr Nikon F2A Photomic, mit dem Belichtungsmesseraufsatz mit Leuchtdioden Nikon F2AS Photomic. In der Abbildung sehen Sie diese Kamera mit angesetztem Motor und Batterieteil. Und damit ein jeder weiß, womit er es zu tun hat, steht auf der Frontseite des neuen Belichtungsmesseraufsatzes zusätzlich zu Nikon ein AS und bei der F2A Photomic ein A. Dabei sind die neuen Aufsätze ohnehin leicht zu unterscheiden von den "alten": ihnen fehlt das - dank Ai-Anschlusses  entbehrliche – kleine Fenster auf der Frontseite für die Angabe der größten Öffnung. Wollen Sie Details über die Belichtungsmessmethoden wissen? Dann klicken Sie hier!

Drei Besonderheiten gibt es noch zu vermelden bei der Nikon F2:

Es gab eine so genannte automatische Blendensteuerung in Zusammenarbeit mit den Belichtungsmesseraufsätzen. Die Blendensteuerung besteht aus einem eher unförmigen Kästchen, das links vom Objektiv an den Belichtungsmesseraufsatz angesetzt wird, mit dem Objektiv kuppelt und eine elektrische Verstellung der Blende entsprechend der Belichtungseinstellung ermöglicht. Damit errang ein Fotograf sicher die allgemeine Aufmerksamkeit, ich schätze das ganze Ding eher als Gag ein. Immerhin, es gab eine Ausführung DE-1 für die F2 und eine Ausführung mit dem schönen Namen DE-12 EE für die F2A.
 

Es gab ferner eine Titan-Ausgabe der F2, bei der Gehäuseoberteil, Frontseite, Kameraboden und die Front des Belichtungsmesseraufsatzes aus Titan waren, einem besonders widerstandsfähigen Material. Gedacht für Berufsfotografen, kauften vorwiegend Sammler diese nur in wenigen tausend Exemplaren in Schwarz und in Chrom erzeugten Kameras und hüten sie nicht zuletzt ihres heutigen Preises wegen wie einen Schatz.

Schließlich stellte Nikon bei der Photokina 1984 die Nikon F2 High Speed vor und erzeugte in der Folge dieses spezielle Modell für Profis, insbesondere Sportfotografen, in ganz wenigen Exemplaren. Die Nikon F2 High Speed konnte mit angesetztem Motor bei Belichtungszeiten zwischen 1/250 und 1/1000 Sekunde bis zu 10 Bilder/sec. aufnehmen, bei 1/125 aber immer noch 7,5 Bilder/Sekunde. Vorausgesetzt werden dabei vollaufgeladene Akkus. Diese Akkus sind in einem Batteriebehälter MB-100 untergebracht, der insgesamt höher ist als das Gehäuse. Infolge der raschen Aufnahmefolge fehlt der Nikon F2 HS der kameraseitige Springblendenhebel. Infolgedessen sind zwar fast alle Objektive mit eingebauter Springblende verwendbar, aber nur mit Arbeitsblende. Wer ein helles Sucherbild sehen will, muss den <Abblendknopf> an der Gehäusevorderseite drücken, der hier die umgekehrte Funktion als üblich hat. Die F2HS besitzt keinen klappbaren Spiegel im Gehäuse, sondern einen fest angebrachten teildurchlässigen Spiegel: ein Teil des Lichtes fällt ständig auf den Verschluss bzw. während der Aufnahme auf den Film (65%), der Rest wird zur Mattscheibe abgelenkt. Dadurch ist das Bild immer sichtbar, allerdings nicht sehr hell. Obgleich nur wenige Exemplare hergestellt und offenbar in Handarbeit monitert worden sind, gibt es die Kamera doch in 2 Versionen: die erste, erkennbar an der einzeiligen Gehäusenummer, z. B. F2 78 50020 H, und mit Einstellung auf B und auf T zusätzlich zu den Zeiten 1 - 1/1000 Sekunde und die zweite Version ohne Einstellmöglichkeit auf B und T mit einer zweizeiligen Nummerierung. Bekannt ist etwa die Kamera

H-MD
F278 503 71

Trotz ihrer Seltenheit taucht die F2 High Speed gelegentlich im Gebrauchthandel auf und kostet entsprechend - knapp 6000 Euro im selten zu findenden Zustand A-.

So schaut die Nikon F2 H-MD aus, zerlegt in die Komponenten, aus:

       

 

Bescheidene Hinweise:

1. Im Jahre 1996 folgte die Nikon F3 High Speed nach, welche sage und schreibe 13 Bilder/sec. aufnehmen konnte.

2. 2010 (also 26 Jahre nach Vorstellung der F2 High Speed) wirbt Sony vollmundig bei der Alpha 55 mit ganzen 11 Bildern/sec, ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass alles schon einmal dagewesen ist, wie Gutzkow in seiner Komödie Uriel Acasta schon vor mehr als 150 Jahren seinen Ben Akiba sagen ließ.  Aber sicherlich haben die Käufer der Plastik-Alpha 55 von Gutzkow ohnehin nix gehört, von der Nikon F2 High Speed altersbedingt wahrscheinlich auch nichts.

 

Technische Daten der Nikon F2:

35 mm Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven; Nikon F Bajonettfassung, horizontal ablaufender Schlitzverschluss aus verzugsfreier Titanfolie, Verschlusszeiten: T, B, 1 - 1/2000 Sekunde, mit Selbstauslöser werden Zeiten von 2 - 10 Sekunden möglich, Mehrfachbelichtung möglich, Blitzsynchronisation bei 1/80 Sekunde oder länger für E-Blitz, für Blitzbirnchen je nach Leuchtdauer auch kürzere Zeiten; Direktkontakt für kabellose Blitzgeräte und separater Anschluss für Synchrokabel; Blitzbereitschaftslampe; Spiegel lässt sich manuell hochklappen; Photomic-Sucher mit integriertem Belichtungsmesser in verschiedenen Varianten 
Maße: 152,5x102x65 mm (LxHxB), Gehäusegewicht 620 g, Photomic-Aufsätze je nach Modell um 240 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für eine funktionsfähige Nikon F2S in schönem Zustand ca. 600 Euro.    

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 Zuletzt bearbeitet: 17. Jänner 2011

© 2005  /   Peter Lausch
 

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