KATZE SCHNURRLI L. IST TOT!

  

Meine Katze Schnurrli L. ist heute (10. Oktober 2008) im 20. Lebensjahr sanft entschlafen, nachdem sich ihr Verhalten am Samstag mit einem Schlag verändert hatte: seit damals fraß sie nichts, trank sie nichts, sie hatte Schwierigkeiten beim Gehen, hechelte mit offenem Mund und bewegte sich nur mehr von einem Liegeplatz zum nächsten, einige Meter entfernten. Auch gab sie keinen Ton mehr von sich, ein Wunder für diese ausgesprochene Plaudertasche.

Als ich sie heute morgens dort vorfand, wo sie sich gestern Abend  hingeworfen hatte (auch in der Nacht hatte sie sich, wie ich mehrfach bei Kontrollen feststellte, nicht fortbewegt) brachte ich sie   zum Tierarzt. Da sie, die Kämpferin, sich widerstandslos in den Transportkorb heben ließ und auch nicht versuchte, aus diesem zu entkommen, habe ich mir spätestens von diesem Moment an keine Hoffnungen mehr gemacht.

Der Tierarzt, zu dem ich volles Vertrauen habe, konstatierte einen Schlaganfall – das gibt es auch bei Katzen, überwiegend aber nur bei sehr alten Tieren, wie die Katze Schnurrli eines war.

Ich habe ihr den Kopf gehalten, als er ihr die Betäubungsspritze gab; vorher hatte sie reflexhaft noch meine Finger mit ihrer Zunge berührt. Die eigentliche Tötungsspritze hat sie offenbar nicht mehr gespürt, ich jedenfalls konnte keine Reaktion des Tieres erkennen.

Dem Tierarzt, dessen Namen ich nicht nennen will, danke ich bei dieser Gelegenheit für seine verständnisvollen Worte. Ich weiß, es ist sein Geschäft, notfalls auch Tiere zu töten, aber Verständnis für die Kümmernisse der Tierhalter ist nicht sein Geschäft – dafür wird er nicht bezahlt. Das ist eine Zusatzleistung, für die ich dankbar bin.

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Ich weiß, ein Tier ist nichts als ein Tier, man soll Tiere nicht vermenschlichen. Sie lieben einem nicht, wie ein Mensch einen anderen liebt.  Als Mensch soll man Tiere nicht lieben als seien sie  - beinahe – ein Mensch. Alles am Verhalten einer Katze, was Menschen gerne als Beweis der Liebe nehmen, erklären Tierpsychologen mit durch Instinkt gelenktem kindlichem Verhalten einer Katze zu ihrer Katzenmutter. In uns, den <Großen> sieht die Hauskatze, die ihr kindliches Verhalten beibehält, ihre Mutter. So behandelt sie uns auch. <Liebe> ist das nicht.

Dennoch: in den fast 20 Jahren, während der die Katze Schnurrli bei mir lebte, ist sie Teil meines Lebens geworden. Nun ist sie fort, im Katzenhimmel oder sonst wo. Sie wird mir fehlen. Mein Leben ist ein wenig ärmer geworden.

Es ist in Wahrheit nicht so viel anders als bei Mann und Frau, scheint mir: als Mann lernt man immer wieder andere, neue Frauen kennen, aber keine kann die ersetzen, die man einst verloren hat, denn keine ist wie jene. Damit muss man sich abfinden, so ist das Leben.

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Aber natürlich war meine Katze Schnurrli L. eine ganz besondere Katze, mit anderen Katzen in keiner Weise zu vergleichen. Welche Katze diktiert schon ihrem Großen die Lebensgeschichte? Meine hat es getan – Sie können nachlesen, was sie für erinnerungswert gehalten hat. Wo? Hier.

Warum sie Schnurrli Lausch hieß? Weil sie schnurrte, als sie sich zum ersten Mal zu mir setzte und weil der Mensch in der Katzenpension, bei dem ich mich um meine Katze erkundigte, seine Frau fragte: Da ist einer, der will wissen, wie es dem Lausch Schnurrl geht.

Peter Lausch
Erstellt am 10. Oktober 2008