Peter Lausch


Nikons QV1000C
Die erste anlaloge Kamera ohne Film von Nikon


Im August 1988 brachte Nikon die erste analoge Kamera ohne Film und für Fotos auf den Markt. Der Sensor dieser Kamera speicherte jedes Bild mit 380.000 Pixel. In Japan kostete die Kamera und das dazugehörige Set anfangs mehr als 2 Millionen Yen, was damals etwa  DM 35.000 entsprach - alllerdings sank der Preis infolge der geringen Nachfrage allmählich.

Dennoch deckte dieser Verkaufspreis nicht die Kosten - die Kamera war ein Prestigeprojekt, mit dem Nikon seine Bedeutung in der anstehenden revolutionären Änderung der technischen Grundlage der Berufsfotografie (und der Fotografie überhaupt) unterstreichen wollte. Bei den analogen Kamers für Film war Nikon führender Lieferant von hochklassigen Profikameras und das schon seit vielen Jahren, praktisch seit Markteinfühung der Nikon F SLR und ihrer Nachfolgemodelle - und man wollte zeigen, dass man diesen Platz auch beibehalten wollte.

Infolgedessen zielte die Kamera nicht auf private Käufer, sie war ausschließlich für Pressefotografen und für deren Bedürfnisse bestimmt.  Nicht zuletzt daraus erklärt sich die geringe Auflage von 180 Exemplaren, was die Kamera übrigens zur seltensten aller Nikonmodelle  macht.

Der Weg eines Pressefotos von der Aufnahme bis zum Abdruck in einer Zeitung war zu Zeiten der Fotografie mit Film langwierig und teils auch kompliziert. Nicht nur musste der Fotograf die belichteten Filme entwickeln, wozu er eine entsprechende Ausfrüstung mit sich führen musste, wenn er etwa nicht direkt in Reichweite seiner Redaktion arbeiten konnte. Anschließend mussten die Bilder auch noch vergrößert und in die Redaktion gebracht werden. Wenigstens dieser Schritt konnte seit den Dreißigerjahren verkürzt werden - seit damals gab es Scanner und sogeannte Transmitter, mit denen die gescannten Aufnahmen über Telefonleitungen an die Redaktionen versandt werden konnten. Ab Beginn der 80er-Jahre konnten dann die Negative gescannt und per Telefon die gescannten Dateien versandt werden - die Notwendigkeit, die Aufnahmen zu vergrößern und Papierabzüge herzustellen, entfiel damit.
Nach einem ersten Prototypen einer Still Video Camera (kurioserweise von Panasonic entwickelt und erzeugt)  entwickelte Nikon selbst eine entsprechenden Kamera, die QV1000C:


Nikon QV1000C


Die ersten Exmemplare wurden im August 1988 in Japan einer - eingeschränkten - Öffentlichkeit gezeigt. Angeboten und verkauft wurde allerdings  die Kamera nur als  ganzes System: Zum abgebildeten Geäuse gab es 2 Wechselobjektive,  ein QV-Nikkor 10-40mm, f/1,4 und ein QV-Nikkor 11-200mm, f/2, Dazu wurde ein entsprechender Transmitter QV-1010T angeboten. Ferner nötig waren spezielle FloppyDisks und ein spezieller FloppyDisk Eraser. Das ganze System sah so aus:


Nikon QV-1000C Systen


Der Transmitter war nicht gerade klein (die Kamera mit Zoom 10-40mm war etwa so groß wie eine zeithenössische Nikon F4):


QV-1oooC System
©  nikonweb.com

Mit dieser Kamera konnten die damit ausgestatteten Fotografen sehr rasch ihre Aufnahmen von aktuellen Ereignissen an die Redaktionen senden - ihre Zeitungen erhielten dadurch einen Marktvorteil gegenüber der Konkurrenz.  Die Mehrzahl der Kamerasysteme wurde in Japan an Zeitungsverlage verkauft, in den USA nur etwa 20 Systeme, einige in England und Norwegen, das war es dann. Was aus dem Großteil der Systeme geworden ist, weiß man nicht so genau, die meisten dürften entsorgt worden sein - ein teures Spielzeug eben. Heute kennt man den Verbleib von 20 Kameras, manche unvollständig - 2014 ist das letzte vollständige System bei einer Auktion in Wien angeboten und auch verkauft worden, an einen Sammler.

Denn wie alle frühen filmlosen Kameras waren die Bilder, die sie lieferten, nur für sehr beschränkte Verwendungen tauglich, die Speichergröße reichte nur für relativ kleine Zeitungsfotos in Schwarz-Weiß aus, für die in Europa vielfach gedruckten mehrspaltigen Zeitungsfotos waren sie noch nicht gut genug.

PS: Diese kurze Beschreibung stützt sich im Wesentlichen auf eine ausführliche Darstellung bei www.nikonweb.com und die dort genannten Fundstellen. Die Abbildungen sind, mit Ausnahme des obigen Bildes, zugunsten der Leicashops in Wien urheberrechtlich geshützt, mit dessen Zustimmung ich sie verwendet habe.



©Peter Lausch
5.3.2019

Zurück zur Homepage

Zu meiner Nikon-Story