PETER LAUSCH
Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht
(Puxley Manor
Ca. 1 Kilometer westlich von Castletown
Bearhaven auf der Halbinsel Beara zweigt von der R572 ein Fahrweg zu
einem verfallenen Torhaus ab. Ein Wegweiser ist mit <Puxley Manor>
beschriftet. Dieser Fahrweg, der bei unversperrtem Schranken auch von
Touristen mit ihren Autos befahren werden darf, führt zum unfertig
gebliebenen Puxley Manor.
Früher, ach früher, war Puxley Manor
eine romantische Ruine, seit Jahrzehnten ausgebrannt, eine leere Hülle,
schön anzusehen beim richtigen Licht, ansonsten ein wenig bedrohlich:



In den 80er-Jahren war der Zutritt
ungehindert möglich; war der Eingang beim Torhaus versperrt, gab es an
der R572 einige Meter weiter einen Fahrweg, der nach einigen Kurven zu
einem Parkplatz in dichtem Wald führte, einer der Rastplätze, wie man
sie im modernen Irland leider immer seltener findet. Von dort war der
Zugang sozusagen von hinten möglich.
Die Ruine hat eine interessante
Geschichte; ein auf Kosten seiner Arbeiter, denen er Hungerlöhne für
schwere Arbeit zahlte, reich gewordener Besitzer von Kupferminen weiter
westlich auf der Halbinsel ließ um 1860 ein vorhandenes Gebäude umbauen
und beträchtlich erweitern. So entstand ein seinerzeit durchaus modernes, wenn
auch - denke ich - wie ein Gespensterschloss aussehender Protzbau. Und
weil er schon am Bauen war und Geld ja keine Rolle spielte (für seine
Arbeiter, die in den Kupferminen schufteten, indessen schon, aber
niemand fragte sie um ihre Meinung, Kapitalismus eben!) ließ er gleich
ein Hafenbecken vor dem Protzbau errichten, damit seine ihm
entsprechenden Gäste eine bequeme Anreise per Schiff hätten und auf dem
Hügel gegenüber einen Parkt mit Gartenlauben und so weiter.

Zu Anfang der 20er-Jahre des 20.
Jahrhunderts zündete den Erben die IRA den Protzbau an, der vor den Augen
tausender Zuschauer vollkommen ausbrannte. Übrig blieb nur das, was
nicht brennbar war, die Inneneinrichtung, die Holzvertäfelungen, die
Holzböden und -fenster verbrannten vollkommen. So groß war die Hitze des
Brandes, dass sich die Eisentraversen im Inneren verbogen.

Noch in den 80er-Jahren steckte
verkohltes Holz in den Pfostenlöchern und wuchsen Sträucher, ja kleine
Bäume aus Mauerritzen - siehe oben.
Die Puxleys, die längst schon
anders hießen (Lavallin), damit nicht ein jeder beim Hören ihres Namens
die Faust in der Hosentasche ballte, ließen sich von der britischen
Regierung entschädigen - und zogen fort.
Die Grundflächen wurden von jemanden
gekauft und ab 1926 landwirtschaftlich bewirtschaftet, das heißt als
Kuhweide genützt. Mit der Ruine konnte der Eigentümer nichts anfangen und ließ
sie weiter verfallen. Den Kühen gefiel die Ruine besonders gut, bot sie doch
Schutz vor der heißen Sonne und dem kalten Regen; so hielten sie sich
untertags zum Wiederkäuen im Erdgeschoß auf und erschreckten die
vereinzelten Neugierigen, die die Ruine besichtigen kamen, vor allem mit
ihren Hinterlassenschaften, in die so mancher getreten ist.
2005 indessen traten übermütige
Geldsäcke auf den Plan und hatten die glorreiche Idee, Puxley Manor
(nicht mit eigenem Geld natürlich, sondern dem von Spekulanten) zu einem
großartigen Hotel auszubauen. Ach, wie herrlich ließ sich fantasieren,
während der keltische Tiger brüllte! Für 60 Millionen Euro (mindestens!) sollte Puxley
Manor in noch viel größerem Glanz als früher erstehen; die Gäste, die
zweifellos herbeistürmen würden, könnten per Hubschrauber zum Golfplatz
in Waterville fliegen und wieder zurück.
Doch leider: das Leben spielt, zu
selten, auch Managern einen Streich: in der Finanzkrise, die ja
eigentlich in Irland begann, bekamen auch die sonst allzu sorglosen
irischen Banken kalte Füße und drehten den Kredithahn zu. Nunmehr
angestellte Berechnungen der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens ergeben,
dass unter den gegenwärtigen Umständen und in absehbarer Zukunft nicht
einmal die Zinsen der Kredite verdient würden, von der Rückzahlung des
Kapitals erst gar nicht zu reden. Das ist im irischen Hotelgewerbe zwar
auch anderweitig der Fall, aber nirgends wurde es so offenkundig wie im
Fall Puxley Manor: Anfang 2010 bereits wurden die Bauarbeiten an dem zu
90% fertig gestellten Bau vorübergehend eingestellt, hieß es, seit damals schaut
der Bau von außen so aus:

Im Juni 2011 wurde schließlich
beschlossen, den Rohbau an Interessenten zu verscherbeln, damit diese
ihr Glück versuchten. Bisher sind die Interessenten freilich
ausgeblieben. Und so wird das 6-Stern Hotel, das entstehen sollte, mit
seinen 58 Suiten in einem hinten errichteten Anbau wohl eine Weile, wenn
nicht für immer, in einen Dämmerschlaf verfallen.
Seither herrscht Schweigen in den
Zeitungen. So groß ist das Schweigen, dass die Betreiber des Projektes
nicht einmal die Jubelmeldungen im Internet abgesetzt haben: 2 Monate
nach der Einstellung des Vorhabens rühmt sich
dort immer noch die <Capella Hotels & Resorts Group>, die
´<neue
Luxusmarke der Hotelgruppe Ritz-Carlton>, welch große Leistung sie mit
der Restauration vollbracht habe.
*
Einige Erläuterungen zum
benachbarten Dunboy Castle finden Sie
hier.
Erstellt: 25. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch
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