Motoren der Nikon SLRs

Die Anfänge

Kameras, bei denen der Film motorisch transportiert wird, sind nichts Neues. Die erste Kleinbildkamera mit eingebautem Federwerksmotor erzeugte Robot in den 30er-Jahren. Das modernste Modell, Robot Star für das Negativformat 24x24 mm konnte bis zu 12 Bildern in der Sekunde erreichen.

Ansetzbare Motoren mit Federwerk gab es von Leitz zur Leica und von Zeiss Ikon zur Contax ebenfalls bereits vor dem 2. Weltkrieg. 

Der erste serienmäßige Motor mit Batterieantrieb wurde von Nikon als S36 zur Nikon SP angeboten. Günstig erwies sich dabei, dass die Nippon Kogaku K. K. sich bei der Gestaltung der Kameragehäuse für eine, sagen wir, nahe Verwandtschaft zur Contax entschieden hatte. Daher hatte man eine Kombination von Rückwand und Bodenplatte vorgesehen. Deshalb konnte relativ einfach ein Motor mit angebauter Rückwand statt des serienmäßigen Rück- und Bodenteils angeschlossen werden. Die Stromversorgung erfolgte über ein vom Motor getrenntes Batterieteil über Kabel; den Batterieteil steckte man mit Vorteil in die Jackentasche. 

Mit diesem Motor konnte man bis zu 2,5 Aufnahmen in der Sekunde machen, damals eine Sensation. Man musste aber teuflisch aufpassen; Motor und Kamera waren zwar mechanisch verbunden, aber nicht aufeinander abgestimmt. Mit anderen Worten: ausgelöst konnte erst wieder werden, wenn der Film mit der vorherigen Aufnahme vom Motor weitertransportiert worden war. Achtete man darauf nicht, bedeutete das vielfach das Ende von Motor oder Kamera. Und natürlich lassen sich bei einer Belichtungszeit von 1/2 Sekunde keine 2,5 Aufnahmen in der Sekunde machen. Die Auslösung der Kamera erfolgte durch einen Druckknopf auf der Rückseite des Motors.

Da die billigere Ausgabe der Nikon SP dasselbe Chassis besitzt, ist dieser Motor auch an der etwas jüngeren Nikon S3 verwendbar gewesen.

Einem Sammler war unlängst ein sehr schön erhaltener und funktionsfähiger S36-Motor bei einer Versteigerung ganze 7500 Euro wert.

Motor F36 für die Nikon F

nikonfmotor1.jpg (72853 Byte)Dieser vom S36 abgeleitete Motor schafft wahlweise 2, 2,5, 3 und 4 Bilder in der Sekunde, letzteres aber nur bei hochgeklapptem Spiegel der Kamera. Die Stromversorgung erfolgte ursprünglich auch über ein separates Batterieteil, doch wurde bald, nachdem eine kleine Werkstätte in den USA derartiges (als <Remopak>) anbot.  Hier habe ich den Remopak erwähnt und ein Foto aufgenommen. Daraufhin wurde auch von Nippon Kogaku K. K. ein unten am Boden des Motors anschraubbarer Batteriebehälter entwickelt und geliefert, der auch einen rudimentären Handgriff mit zusätzlichem Auslöser aufweist. 

Mit diesem so genannten Powerpack sieht die Kamera bereits viel handlicher aus als in der Ursprungsausführung. Damit steht seit Anfang der 60er-Jahre die klassische Bauform des Kameramotors fest. Viele Jahre später erst ist der Motorantrieb in die Kamera integriert worden, zuerst bei einer SLR von Konica, von Nikon erstmals in der F-301.(klicken Sie aufs Bild für eine größere Wiedergabe!)

Der Motor besteht aus dem eigentlichen Motorantrieb und der Kamerarückwand und bildet eine Einheit. Dies ist deshalb möglich, weil ja die Rückwand der Nikon F nicht aufgeklappt werden kann sondern samt der Bodenplatte zum Wechseln des Films abgezogen wird - so ähnlich wie bei der Contax und den Sucherkameras von Nikon, vom Modell I bis zur Nikon S4.

Jeder Motor musste einzeln an die spezifische Kamera angepasst werden, wobei auch eine besondere Motorantriebsplatte am Boden der Kamera befestigt wird. Mit ihrer Hilfe wird die Spiegel- und Verschlussbewegung mit dem Transportmotor synchronisiert. Auch mit dieser Austauschplatte kann die Kamera jederzeit ohne Motor verwendet werden. Heute sind funktionsfähige Motore eine Rarität und man bekommt sie kaum mehr ohne dazugehörige Kamera. Das ist auch gut so, denn weder gibt es heute noch die besondere <F Motor Drive Plate> zu kaufen, noch kann auch ein kompetenter Reparaturbetrieb den Motor mit der Kamera synchronisieren. Daher: Kamera + Motor als Einheit kaufen, Motor extra kaufen und in die Vitrine stellen, oder gleich eine motorisierte Nikon F2 oder F3 kaufen - siehe unten.

Alternativ gab es den Motor F250, ein Motor wie der S36, aber mit einer verlängerten Rückwand für 2 Magazine für je 250 Aufnahmen (10 Meter Film), verwendbar nur mit externem Batteriebehälter.

Motore für die Nikon F2

MD-1
Für die Nikon F2 wurde zunächst ein von der Funktionsweise ganz ähnlicher Motor gebaut: der MD-1. Er unterscheidet sich indessen vom F36 (und vom F250), weil bei der F2 ja die Rückwand seitlich anscharniert (aber abnehmbar) ist. Daher besteht der MD-1 aus dem an die Bodenplatte anschraubbaren Motor mit einem integrierten Handgriff. Die Kupplung mit dem Transportmechanismus der Kamera erfolgt an der Unterseite. Er schafft bis zu 4 Bildern/Sekunde, mit hochgeklapptem Spiegel sogar max. 5. Es gibt Einzelbild- und Serienschaltung, dabei kann die max. Aufnahmezahl per Serie vorher eingestellt werden. Motorisch ist auch die Rückspulung des belichteten Film möglich, dazu greift ein Zapfen des Motors in den Rückspulmechanismus der Kamera von unten ein. Mit Strom versorgt wurde dieser Motor durch das Batterieteil MB-1 für 10 Batterien Größe AA und alternativ dann später mit dem MB-2 mit nur 8 Stück solcher Batterien. Damit schaffte der Motor aber nur max. 2,5/sec.

MD-2
Die Kupplung von Motor und Filmtransportmechanismus der Kamera erfolgte bei MD-1 und MD-2 rein mechanisch. Daher musste man bei Einzelaufnahmen mit der nächsten Auslösung warten, bis der Motor den Film eine Aufnahme weitergespult hatte. Tat man es nicht, knirschte es hörbar im Getriebe, wie schon vorher beim Motor F36 für die Nikon F. Beim MD-2 wurde daher hinten ein rotes Lämpchen eingebaut: die nächste Aufnahme sollte erst ausgelöst werden, wenn das Lämpchen erloschen war. Dieses Lämpchen und der hintere Auslöser mit einer Griffmulde lassen den MD-2 auf Anhieb erkennen. Er ist der häufigste Motor zur F2.

MD-3
Der MD-3 war preiswerter und weniger vielseitig. Er schaffte den Einzelbild- und den Serienmodus, letzteren mit bis zu 4 Bildern/Sekunde, Serienbetrieb aber nur bei Zeiten von !/80 bis 1/2000 Sekunde. Verwendbar waren beide Batteriebehälter und erstmals hatte dieser Motor auch einen Anschluss an eine Dauerstromversorgung. In der Abbildung nebenan ist unter dem Motor ein Batteriebehälter MB-2 befestigt. Der Behälter nimmt 8 Batterien der Größe AA oder entsprechende Akkus auf. Die Kombination von MD-3 und MB-2 findet man im Gebrauchthandel am häufigsten.

MD-100
Dies ist ein speziell an eine Nikon F2 High Speed angepasster Motor, ähnlich dem MD-2, aber mit zwei Batteriebehältern ausgerüstet, die insgesamt 30 Watt liefern - genug für bis zu 10 Bilder/Sekunde. 

Motoren für die Nikon F3

MD-4
Kamera und Motor besitzen um die Rückspulachse insgesamt 6 Steuerkontakte. Dadurch wird der Filmtransport von der Kamera aus gesteuert. Die fallweise bei Nikon F und Nikon F2 auftretenden Synchronisationsprobleme sind damit beseitigt. Der Verschluss transportiert den Film nur weiter, wenn die Kamera den nötigen Kontakt schließt; das tut sie erst nach Ende des Aufnahmevorgangs. Die saubere Abstimmung bringt höheres Tempo: max. 5,5 Bilder pro Sekunde; klappt man den Spiegel hoch, max. 6 Bilder. 

Auch dieser Motor wird an die Bodenplatte angeschraubt; bei ihm ist erstmals Motor und Batteriebehälter eine Einheit. Sobald Motor und Kamera verbunden sind, übernimmt der Motor die Stromversorgung der Kamera, die allenfalls eingesetzten Batterien werden funktionslos und damit geschont. Das macht von allen Motoren, die Nikon jemals anbot, außer dem MD-4 nur noch der MD-15 zur Nikon FA. Reichen die Motorbatterien (8 Stück Größe AA) nicht aus, gibt es einen Akkublock MN-2 oder alternativ ein Netzgerät - MA-4. Durch weiteres Zubehör konnte erreicht werden, dass der Motor in Serienschaltung auch mit geringerer Geschwindigkeit transportiert und auslöst (zwischen 1 bis zu 5,5 Bildern/Sekunde).

MD-4H
Von der F3 gab es ein Sondermodell Nikon F3 HS, das mit feststehendem halbdurchlässigen Spiegel bis zu 13 Bilder/Sekunde schaffte, aber nur mit diesem speziellen Motor. Das samt Batteriefach aus einem Stück mit integriertem Handgriff bestehende Motor, der 1996 produziert wurde, ist fast so hoch wie das Gehäuse der Kamera selbst. Sie werden keinen je in Händen halten, man weiß zwar nicht, wie viele hergestellt wurden, aber es war nicht mehr als eine Handvoll.

Motoren für die Nikkormat Kameras sowie für Nikon EM, FG und FG-20:

AW-1
  Schneller Filmtransport durch einen elektrischen Motor wurde, wie Sie gesehen haben, viele Jahre hindurch nur für fotografische Ausnahmesituationen vorgesehen und genutzt. Ansonsten transportierte man den Film von Aufnahme zu Aufnahme mittels Transporthebel an der Kamera. 

In den 70er-Jahren wurden erstmals Winder angeboten, die genau das taten, was der - englische - Name andeutete: sie transportierten den Film zwischen den einzelnen Aufnahmen. 

Nikon wollte bei seinen populären Modellen nicht abseits stehen und bot erstmals 1976 zu Nikkormat ELW und dann Nikon EL-2 einen Winder an, den AW-1. Der mit 6 Batterien Größe AA angetriebene Winder schaffte max. 2 Bilder in der Sekunde. Man musste freilich jede Aufnahme einzeln auslösen, möglichst schnell hintereinander, damit man auf diese Kapazität kam. Wie damals geworben wurde, unmittelbar nach der ersten Aufnahme, wenn sich das Modell entspannt, macht man eine weitere Aufnahme und bekommt einen ungezwungeneren Gesichtsausdruck. Außerdem war der Besitz eines Winders eine Statusfrage und erfreute das Kind im Manne - bei mir wenigstens.

MD-E
Dieser Winder ist ab 1979 für die Nikon EM bestimmt gewesen, konnte aber auch an die späteren Modelle FG und FG-20 angeschraubt werden. Äußerlich ist er leicht erkennbar an seinem verkümmerten seitlichen Handgriff. In seinen Leistungen entspricht er dem AW-1.

MD-14
Wer aber zur Nikon EM, FG oder FG-20 einen "richtigen" Motor wollte, dem wurde ab 1979 von Nikon mit diesem Motor geholfen, der über eine High- und eine Low-Stellung verfügte und damit bis zu 3,2 bzw. 2 Bilder in der Sekunde auslösen konnte - solange der Fotograf den Finger auf dem Auslöser ließ bzw. der Film reichte, der Batteriestrom natürlich auch.

Motoren zur Nikon FM, FE, FM2, FE2 und FA:

MD-11
Dieser Motor wurde 1977 zur Nikon FM geschaffen, passt aber auch an die Folgemodelle einschließlich FA. Ausgerüstet mit 8 Batterien Größe AA wird er, ähnlich den anderen Motoren ab dem MD-4 zur Nikon F3, an den Gehäuseboden geschraubt und wird über 4 Kontaktstifte von der Kamera gesteuert. Spezialität ist, dass beim Einschalten des Motors das Messsystem der Kamera aktiviert wird, das den Strom aber aus den Kamerabatterien entnimmt. Wird die Kamera aber nicht ausgelöst und bleibt dann der Motor eingeschaltet, fließt dennoch  ein Kriechstrom in der Kamera und die Kamerabatterien sind irgendwann einmal leer - eher bald. Die Kamera selbst wird vom Motor mechanisch mittels eines nach oben ins Kameragehäuse eingreifenden Stiftes ausgelöst.

Der MD-11 schaffte bis zu 3,5 Bilder in der Sekunde und besaß eine Einzelbild- und eine Serienschaltung, sonst aber keine besonderen Spassettln.

MD-12
Bei diesem verbesserten Modell wurde vor allem die  geschilderte Eigenart des MD-11 beseitigt. Das Belichtungssystem der Kamera wird durch Druck auf den Auslöser eingeschaltet und ausgeschaltet automatisch eine Minute nach dem letzten Druck auf den Auslöser - damit wird unnötiger Stromverbrauch bei eingeschaltetem Motor verhindert.

MD-15
Nicht mehr durch einen aus dem Motor herausschnellenden Stift wie bei MD-11 und MD-12 wird die Kamera ausgelöst, die Auslösung erfolgt vielmehr elektrisch. Die verbesserte Synchronisation dieses Vorgangs in der Nikon FA, für die dieser Motor bestimmt war, ermöglicht bis zu 3,2 Bilder in der Sekunde. Auch übernimmt der MD-15 an der Nikon FA  wie der ältere Motor MD-4 zur Nikon F3) deren Stromversorgung, ob eingeschaltet oder nicht. Mit angeschraubtem Motor braucht die Nikon FA gar keine Batterien im Gehäuse. Dies ist eine Besonderheit, die man bei den Motoren von Nikon sonst nur noch beim MD-4 zur älteren Nikon F3 findet.

Die Abwärtskompatibilät zu FM, FM2, FE und FE2 ist nicht gegeben. Hingegen können MD-11 und MD-12 auch an der FA verwendet werden, die über die nötigen mechanischen Kupplungselemente verfügt.

Keine weiteren Motore?

Keine weiteren Motore! Denn ab 1985 mit der Nikon F-301 sind fast alle SLR von Nikon mit eingebautem Motor geliefert worden, wenngleich manche dieser Motore in ihrer Leistungsfähigkeit, wie bei der Konkurrenz auch, eher Windern ähneln.

Ausnahmen sind nur die Nikon FM10 und die FE10, Billigkameras vorwiegend für den asiatischen Markt; eine Ausnahme stellt auch die Nikon FM3A dar, an welcher bei Bedarf der (buchstäblich seit Jahrzehnten lieferbare) Motor MD-12 angeschlossen werden kann.

Nicht nur bei Nikon ist damit der Prozess, der von Konica mit dem ersten in eine Kamera eingebauten motorischen Filmaufzug begonnen wurde, zu Ende gekommen. Heutzutage haben praktisch alle Kameras einen motorischen Filmtransport; Ausnahmen bestätigen die Regel.

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 © Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet: 28.1.2010

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