Die NIKON
und ihre Geschichte
Womit ich alles schon fotografiert habe

Peter LAUSCH 

 

LEIDER NEIN!

 

 

Nikon SP & Nikkor 1,4/50, Copyright Leicashop Wien

Nikon SP mit Nikkor 1,4/50
© Leicashop Wien

Nein, leider, mit dieser, meiner bescheidenen Meinung nach, schönsten aller Kameras habe ich nie fotografiert. 

Als ich 1966 endlich Geld für eine Nikon hatte, habe ich anstatt der Nikon SP eine Nikon F Photomic T gekauft und auf die Nikon SP leider verzichtet. Mich lockte die Vielseitigkeit der Spiegelreflexkamera, und das mit Recht. Aber jedesmal, wenn ich eine SP sehe, denke ich, ob diese beste aller Sucherkameras von Nikon nicht eine ebenso gute Wahl gewesen wäre. Vom heutigen Wert einer gut erhaltenen SP ganz zu schweigen. Und diese Kamera hätte ich schon nicht mehr kaufen können, die Nikon M mit Nikkor 1,4/50 mm, sonst wäre ich heute um einiges Geld reicher:


© Leicashop Wien

Tatsächlich begonnen habe ich 1954 mit einer Agfa Clack, einer Boxkamera um damals ATS 130.- für Rollfilm 120 im Format 6 x 9 cm. Sie lieferte erstaunlich gute Bilder, man musste die Negative ja nicht unbedingt vergrößern. Mit einem Bildchen im Format 6 x 9 cm war man damals ja schon zufrieden, in Schwarz-Weiß natürlich. Die vielen Bilder von damals habe ich noch heute; nicht daß es Ausstellungsfotos wären, aber die Menschen, die ich damals fotografierte, leben heute zum Großteil nicht mehr (aber sie sind nicht aus Gram über die Bilder gestorben, die ich von ihnen gemacht habe) und von ihnen ist zur Erinnerung meist nichts weiter geblieben als die Fotos, die ich von ihnen machte.

1958 habe ich so ziemlich mit dem ersten Geld, das ich verdiente, eine Voigtländer Vito BL gekauft.

Das war eine massive Sucherkamera aus Leichtmetall mit einem Color-Skopar 3,5/50 und - Belichtungsmesser von Bewi, mit der damals ein jeder Amateur zufrieden war, der sich keine Leica oder Contax kaufen konnte. Mit der Vito BL habe ich glücklich vor mich hin fotografiert, aber eigentlich wollte ich eine Voigtländer Vitomatic IIa mit einem Entfernungsmesser, doch die konnte ich mir nicht leisten. Später dann, habe ich mir diesen Wunsch nachträglich erfüllt und gelernt, daß die Sehnsucht viel schöner ist als der Besitz.

1960 habe ich die Ersparnisse, die für eine Maturareise gedacht waren, zu der es nicht kam, in eine Rolleiflex T investiert und mich über die technische Qualität der Bilder, die ich machte, gefreut wie ein Schneekönig.

Bloß, Objektive konnte man keine wechseln, aber genau diese Eigenschaft habe ich erträumt. Daher habe ich sie in Zahlung gegeben.

Denn 1966 erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und kaufte mir eine Nikon F Photomic T, ein feines Stück japanischer Wertarbeit; die Kamera habe ich noch heute und sie funktioniert noch immer einwandfrei. Heute hätte ich freilich viel lieber die Nikon SP, die schönste aller Sucherkameras, aber die gab es damals nicht bei dem Büromaschinenhändler in Linz, der als Generalvertreter von Nikon fungierte. Und überhaupt: jeder wollte eine Spiegelreflexkamera. Dafür stehe ich heute noch gelegentlich vor den Auslagenscheiben von Gray´s of Westminster in London, der regelmäßig gebrauchte Nikon SP verkauft, die in England (von den USA erst gar nicht zu reden) viel häufiger angeboten werden als in Österreich.

Aber elektronisch war sie nicht, die Nikon. Daher kaufte ich mir Jahre später zusätzlich eine Canon AE1, und dann noch Spiegelreflexkameras von Nikon, Pentax und eine Cosina (die Objektive waren ja so billig) und dann noch vieles aus Plastik. Eine Zeitlang hatte ich auf diese Weise eine ganze Sammlung von Fotoapparaten, auch eine Leicas M2 besaß ich eine Weile.

Eines Tages dämmerte mir, dass ich mit all diesen vielen Kameras (samt Patent-Autofocus bei einigen) um nichts bessere Bilder machte als mit der alten Nikon F und da habe ich alles für ein Spottgeld verkauft. 

Heute habe ich nur mehr die 30 Jahre alte Nikon mit Dellen und Schürfstellen, die keiner mehr kaufen würde und eine wesentlich jüngere Leica M4 samt einigen wenigen Objektiven. Am liebsten fotografiere ich neuerdings mit einer Art Glasscherbe aus Japan mit 21 mm Brennweite, die zur Leica passt und wirklich schöne Bilder mit einem deutlichen Weitwinkeleffekt liefert. Auf diese Weise  belichte ich von Frühjahr bis Herbst eines jeden Jahres 5 oder 6 Kleinbildfilme im Monat, meist Dia-Filme. Bei Feiern und für Familienfotos verwende ich gelegentlich auch Negativfilme, meist von Fuji (viel Auswahl gibt es ja nicht mehr und viel Unterschied zwischen den Produkten der einzelnen Hersteller auch nicht.
 
Besonders gerne mache ich mit Fomapan-Filmen aus Tschechien Schwarz-Weiß-Fotos. Diese Filme kann ich nur weiterempfehlen, sie sind jedenfalls in Tschechien billig zu haben und wirklich gut.

Außerdem lese ich Fotozeitschriften und denk' mir mein Teil über das APS-System, über die Plastikkameras allgemein und den so genannten technischen Fortschritt in der Fotografie. Außerdem ist mir inzwischen die simple Tatsache bewusst geworden, dass man fast alles, was der Normalmensch so fotografiert, auch mit Kameras aufnehmen kann, die älter sind als die meisten Fotografen, ohne dass die Bilder technisch schlechter wären. Und sind nicht die schönsten und wichtigsten Aufnahmen in der Geschichte der Fotografie mit Kameras entstanden, die heute keiner mehr benutzen möchte?

So habe ich mir in den letzten Jahren einige Wünsche erfüllt und besitze auch einige wenige Kameras, die ich mir vor 20 oder 30 Jahren nicht leisten konnte. Unglücklicherweise sind die Aufnahmen, die ich mit den heutigen Elektronik-Wunderwerken mache, um nichts besser als die Aufnahmen mit den Altertümern. Doch selbst eine Mini-Sammlung befriedigt den Sammeltrieb.

    

 


Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  24. Juli 2009

Rechtliches

 
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