PETER LAUSCH
Martello Tower und Mount Vernon House
auf der Halbinsel Finvarra

 

Zwischen Kinvara und Ballyvaughan biegt die Straße nach New Quai von der N67 nach Norden ab (Wegweiser) Danach geht es Richtung Finvarra und von dort aus auf schmaler Straße immer nach Westen auf die Halbinsel Rine, an deren Spitze sich der Rine Martello Tower befindet.

Martello Türme wie dieser wurden während der Bedrohung durch Napoleon an  den   Küsten Irlands zahlreich errichtet. Sie dienten als Beobachtungsposten. Diese Aufgabe hatte auch der Turm auf der Halbinsel Rine, der sich als leere Hülle darstellt. Im einstigen Obergeschoß war mindestens ein Geschütz untergebracht, vermutlich westlich des Turm eine ganze Geschützbatterie, mit der feindliche Schiffe bekämpft werden sollten, die Richtung Galway fuhren. Dazu ist es nicht gekommen.

Der aus Granitblöcken errichtete Turm ist funktionslos geblieben. Das Bild oben zeigt rechts den Eingang in den Turm, der über eine steile Stiege erreicht werden konnte, die sich nicht erhalten hat.

Bei gutem Wetter hat man einen schönen Blick auf Ballyvaughan und Black Head und im Norden auf die Berge von Connemara.

Ansonsten gibt es auf der Halbinsel Finvarra nicht viel zu sehen; dennoch ist dies ein historischer Ort, denn bis vor 500 Jahren war auf dieser Halbinsel in Gebäuden, die längst schon verfallen sind, eine Schule der Barden untergebracht, der keltischen Dichter und Geschichtenerzähler, die ihre Geschichten teils neu erfanden, teils mündlich von den Vorvätern selbst vorgetragen erhielten und möglichst unverändert weitergaben. So ist auf diese Weise sehr altes Erzählgut bis beinahe in unsere Zeit erhalten geblieben.

In den 30erJahren haben kluge Leute im Regierungsauftrag die alten Geschichtenerzähler im Westen aufgesucht und haben eifrig mitgeschrieben, was diese ihnen erzählten.

Lady Augusta Gregory aus Coole Park bei Gort hat dies angeregt und sich selbst eifrig beteiligt. Der große Dichter Raftery (1779 - 1835), den Yeats so bewunderte, hat in dieser Gegend gelebt. Von ihm ist am bekanntesten ein Gedicht über seine Blindheit, die Folge einer Pockeninfektion, die er als das einzige von 9 Geschwistern überlebte; dennoch sei sein Leben schön, voll Hoffnung und voll Liebe, sagte er.  Übrigens ist keines seiner Gedichte in irischer Sprache  jemals in Druck erschienen oder schriftlich von ihm festgehalten worden. Doch wurden sie von jenen, denen er sie vortrug, niedergeschrieben - u. a. von  Douglas Hyde, Lady Gregory und anderen, die sie nach seinem Tod veröffentlichten. So haben sie sich erhalten. 


Wer hier wandert, versteht leicht, was er meinte. Man kann nur beim Anblick de sich meergleich im Wind wiegenden Glockenblumen entlang der sonnenbeglänzten Felsplatten am Ufer der See hoffen, dass es gelingt, die Unversehrtheit dieses Landstrichs zu erhalten.

Nicht weit außerhalb New Quais liegt Mount Vernon, ein Herrenhaus, das einst der Sommersitz der eben erwähnten Lady Gregory aus Gort war, der Förderin des Dichters Yeats und darüber hinaus alles Irischen.

Seltsam ist der Name des Hauses, so eigentlich unpassend in der Landschaft Clares und der hier üblichen Namen: Cappanawalla, Poulnabrone, Bealaclugga, Ballyvelaghan.

Gebaut wurde es 1788 von einem Oberst William Persse nach dessen Rückkehr aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in Verehrung von George Washington. Im <Walled Garden> stehen noch immer die Zypressen, deren Samen Persse von George Washington erhalten haben soll. Im Erbweg war das Haus ins Eigentum von Lady Gregory gekommen, die es um ca. 1910 ihrem Sohn weitergab, der im 1. Weltkrieg als Pilot durch <friendly fire> ums Leben kam.  Vor und um die vorletzte Jahrhundertwende versammelte sich in diesem von außen durchaus bescheiden wirkenden Haus die Elite der irischen Dichtung der Zeit: Yeats, Shaw, Sean O´Casey und John Millington Synge, der Journalist aus Dublin mit literarischen Neigungen und der Liebe zur irischen Sprache. Und der Maler Augustus John malte hier nicht nur, sondern entwarf und baute gemeinsam mit seinen Freunden auch die Kamine in den beiden großen Zimmern im Erdgeschoß, in denen man, barmherzig eingeladen so wie ich, als verirrter Besucher schon am Morgen sitzen kann, Tee oder Kaffee samt Scones verspeisend (wer würde in solchen Räumen sagend: essend?. Denn heute wird das Haus als Fremdenpension betrieben. 

 

Erstellt:
27. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch

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