Die Leica M9 – eine ganz subjektive Bewertung

Fast alle Modelle der Leica ab der Leica II habe ich im Lauf der Jahre meines nunmehr schon langen Lebens besessen, u. a. auch fast alle Modelle der M-Leica und mit ihnen fotografiert - und das gerne. Ich erwähne dies bloß, damit ich nicht als Leicahasser gelte. Denn als das gilt bald bei anderen Eigentümern von Leicas, wer über Produkte von Leitz bzw. Leica nicht in frenetischen Jubel ausbricht, oder der gar an Leitz oder Leica Kritik übt.

Aber ich sehe meine – selbst gewählte und von niemandem bezahlte – Aufgabe nicht darin, in den Chor von Leicajubilierern einzustimmen, die für ihre Hymnen allerlei Vergünstigungen erhoffen oder die, weil sie sozusagen offiziöse Hofschreiber sind, Zugang zu Unterlagen haben, an die ich als Normalmensch nicht herankomme. Dafür aber schreiben sie auch nicht immer das, was sie denken bzw. wissen: bekanntestes Beispiel aus der letzten Zeit (2006) ist ein Amerikaner, der den Magenta-Fehler bei der ihm von Leica überlassenen Vorserien-M8 bemerkte, aber kein Wort darüber verlauten ließ in seiner Lobeshymne. Denn hatte ihm nicht irgendwer versichert, bis zur Auslieferung sei der Fehler behoben? War er mitnichten.

Anscheinend überrascht, weil der Fehler prompt im Internet aufgezeigt wurde, hieß es von Leica zunächst, dieser Fehler trete ja nur selten auf, nur dann nämlich, wenn die abgebildeten Personen dunkle Kleidung trügen, mit Beimischung von Kunstfasern. <Anscheinend überrascht> schreibe ich, weil ich selbst nach einigen wenigen Aufnahmen noch am ersten Tag mit der M8 feststellen musste, dass ich noch nie so viele Leute mit violetten Mänteln etc. fotografiert hatte.

Deshalb schreibe ich auch nicht, das Magenta-Problem bei der M8 sei ganz nebensächlich, denn ein richtiger Leica-Fotograf fotografiere ohnehin nur in Schwarz-Weiß, wie ein bekannter Jubilierer dies so trefflich ausgeführt hat. Deshalb habe ich es seinerzeit auch anderen überlassen, zu schreiben, die relativ geringe Abriebfestigkeit der schwarzen Farbe bei schwarz lackierten Leica MP zeige, dass der Fotograf <mit der Kamera viele Erlebnisse teilt>. Ich schreibe statt dessen, die Abriebfestigkeit der schwarzen Farbe sei gering.

Eine ganze Menge von blumigen Sätzen kann ich solcherart nicht schreiben – man könnte Seiten füllen, ich habe mich mit einer Beispielseite begnügt.

Wer über die Leica schreibt, der lernt sehr rasch andere Leicabesitzer kennen, die Kritik an Kameras, für die sie viel Geld ausgegeben haben, durchaus übel nehmen. Damit muss man leben, denke ich.

Dennoch: in der nachfolgenden durchaus subjektiven Darstellung werden Sie zwar Kritik lesen können, aber noch mehr: viel Lob für die Leica Camera AG und ihre Leica M9.

Denn:

Mit der Leica M9 ist der Leica Camera AG der Sprung ins digitale Zeitalter richtig gelungen. Die Leica M9 ist die digitale Mess-Sucherkamera, welche die Leica M8 hätte sein sollen.

*

Auf die Gefahr hin, dass Sie sagen, ich ließe an der Leica M8 kein gutes Haar: Man kann die M9 nicht beurteilen, ohne sie mit den Vorgängermodellen M8 und M8.2 zu vergleichen (fast alles, was ich an der M8 bemängle, gilt sinngemäß auch für die aufgemöbelte Variante M8.2). Zu vieles ist identisch und wenn es Unterschiede gibt, wie etwa bei der Ausformung der Deckkappe, so sind sie vielfach so gering, dass sie in Wahrheit der Rede nicht wert sind.

Um die wirkliche Bedeutung der M9 für die Firma und mehr noch, für die Benützer dieser Kamera und ebenso für potentielle Käufer zu verstehen, muss man, denke ich, in die Geschichte der Leica zurückblicken.

Rückblick:

Die Leica ist in ihrer Urform, nachträglich als <Urleica> bezeichnet, im wahren Sinn des Wortes die Erfindung Oskar Barnacks. Sie ist eine noch recht unvollkommene Kamera, aber man konnte mit ihr fotografieren und sowohl Bilder von Barnack als auch von Ernst Leitz II, die sie mit den 2 Exemplaren der Kamera 1914 gemacht haben, sind erhalten. In der Folge (nach Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg) weiterentwickelt, ist die endgültig Leica genannte Kamera nach etlichen Versuchsmustern 1925 auf den Markt gekommen. Die Leica ist zwar historisch gesehen, durchaus nicht die erste Kleinbildkamera, sie ist auch nicht die einzige Kamera für Kleinbildfilm, die ab 1925 zu kaufen war, aber sie ist die erste erfolgreiche Kleinbildkamera. Ohne die Leica und natürlich auch den folgenden, wesentlich weiterentwickelten Modellen wäre die <Kleinbildfotografie> nicht denkbar. Ich verweise bezüglich Einzelheiten auf meine <Leica-Story>.

Das Bessere ist der Feind des Guten, das zeigen die Modelle der Leica von der Leica II (verkauft ab 1932)bis zur Leica IIIg (verkauft ab 1957).

Allerdings war schon vor dem 2. Weltkrieg klar, dass zwar die Leica eine herausragende Leistung im Kamerabau war, dass sie aber auch ihre Schwächen hatte und verbesserungswürdig war. Man muss nur an den stark verkleinernden Sucher, den getrennten Entfernungsmessereinblick und ans eher umständliche Schraubgewinde der Wechselobjektive denken.

Ein besseres Modell der Leica, das mit diesen und einer Reihe anderer unzeitgemäß gewordenen Eigenheiten aller Leicas mit Schraubgewinde aufräumte, erschien infolge der Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit erst 1954 mit der Leica M3 auf dem Markt.

Für viele an Kameras interessierte Menschen und durchaus nicht nur für die Jubilierer ist die M3 ein Höhepunkt im Bau von Kleinbildkameras, ja, etliche meinen, von Leitz gebe es ohnehin nur 3 wesentliche Modelle: die ursprüngliche Kamera ohne eingebauten Entfernungsmesser und mit fest montiertem Objektiv, die Leica II mit Entfernungsmesser und Wechselobjektiven und eben die Leica M3.

In den folgenden Jahrzehnten hat es weitere Modelle der M-Leicas gegeben. Alle aber sind sie eigentlich nur Varianten der M3: mit mehr oder mit weniger Sucherrahmen (bzw. gar keinem eingebauten Sucher), mit TTL-Belichtungsmessung oder ohne, mit Zeitautomatik, oder ohne.

War die M3 ein Höhepunkt des Kamerabaus und brauchte keine Konkurrenz zu scheuen, änderten sich in der Folge die Verhältnisse.

Japanische Firmen begannen, modular aufgebaute Kamerasysteme in Form von Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven, Motoren, TTL-Belichtungsmessung, später dann Autofokus, anzubieten, die wesentlich vielfältiger verwendbar waren als die Leica – und, von den besseren Firmen – von vergleichbarer Qualität bei infolge Lohngefälle, Devisenkurs und vor allem infolge Großserienfertigung niedrigeren Preisen.

Die potentiellen Käufer erkannten die Vorteile derartiger Spiegelreflexkameras und kauften. Aus den Nobodys wurden Weltmarken. Bei Leitz siegte die Tradition. Spiegelreflexkameras wollte (konnte) man nicht bauen, ansetzbare Spiegelreflexeinrichtungen (Visoflex) waren zu umständlich und manche technische Entwicklungen verkannte man in ihrer Bedeutung (Stichwort: Autofokus). Als man notgedrungen SLRs bauen musste, waren sie teuer und vergleichsweise technisch rückständig – Autofokus gab es bis zum Ende nicht. Als jemand die glorreiche Idee hatte, an eine SLR für Film einen digitalen Rückteil anzusetzen (jederzeit wechselbar, sagte die Werbung und vergaß zu sagen, jeweils der Film in den Filmrückteil neu einzulegen), verweigerte die Kundschaft: etwas über 2000 Stück wurden verkauft, viel zu wenige, um die Entwicklungskosten hereinzubringen. Ohne AF waren die SLRs für Film allein nicht mehr zu verkaufen, also wurde die Produktion eingestellt und die Reste wurden billig verscherbelt. Ende der R-Leicas.

Die Verkaufszahlen der M-Leicas für Film pendelten sich nach vorübergehendem Produktionsstopp auf niedrigem Niveau ein: von der M6 wurden im letzten vollen Produktionsjahr dieses Modells ganze 3000 Stück verkauft, seither werden keine Verkaufszahlen mehr bekanntgegeben. Aus den bekannten Geschäftsdaten lässt sich aber erschließen, dass  seither Jahr für Jahr etwa 10000 Kameras für Film erzeugt wurden, viel zu wenige für einen positiven Geschäftsgang. Geldmangel, Manager aus der Möbelbranche, Eigentümerwechsel, Beinahekonkurs waren die Folge.

Mit der M8, die gegen Ende 2006 auf den Markt kam, bot man zum ersten Mal eine digitale Mess-Sucherkamera der Marke Leica an. Die ersten 1000 oder so Kameras wiesen gravierende Mängel auf, sie wurden auf Kosten von Leica nachträglich behoben. Nicht behoben, weil systemimmanent, war das Magenta-Problem (die violetten Kleider, Sie wissen schon). Die gebotene Ersatzlösung, zusätzliche Filter vor dem Objektiv, war – und ist – eine Notlösung. Im Einzelnen finden Sie – bei Interesse – meine Meinung hier.

Folge war, dass – nach Deckung des Nachholbedarfs treuer Leicafotografen - die Verkaufszahlen sanken, woran auch die oberflächlich verbesserte M8.2 nichts änderte.

Mit der M9 hat Leica versucht, die Schwächen der M8 und der M8.2 auszumerzen.

Die Leica M9

Der Sensor

Als Sensor ist in die Kamera ein CCD-Chip von Kodak mit einer nutzbaren Aufnahmefläche von 23,9 x 35,8 mm eingebaut, der Dateien mit max. 18 MP im .dng-Format liefert, bei Bedarf aber auch kleinere Dateien mit weniger Pixeln. Dieser Sensor ist nicht gänzlich neu, er ist sozusagen auf Basis des in der M8 eingebauten kleineren Chips (mit einem Crop-Faktor von 1,33) entstanden. Von diesem unterscheidet sich der neue KAF18500 einerseits durch die Größe, andererseits ist infolge technischer Änderungen die Gefahr des Magenta-Farbstiches weitgehend beseitigt worden. Über die technischen Details dieser Lösung gibt die Website von Leica entsprechend Auskunft, so dass ich hier nichts nachplappern muss.

Damit ist der Irrweg der Verwendung von entsprechenden Filtern vor den Objektiven  beseitigt worden. 

Nicht zu ändern ist das – systemimmanente – Kernproblem: infolge des geringen Auflagemaßes im Vergleich mit Spiegelreflexkameras treffen die Randstrahlen des Bildes in mehr oder minder schrägem Winkel auf den Sensor, was zu Verschlechterungen der Widergabe führt, insbesondere zu Vignettierung und gelegentlich zu Farbveränderungen. Je kürzer die Brennweite, desto anfälliger. Deshalb hat Leica schon für die M8 eine 6-bit-Codierung der Objektive eingeführt, durch die, abgestimmt auf das jeweilige Objektiv, diese Änderungen durch die Firmware der Kamera beseitigt werden können. Ohne diese Codierung muss man bei M8 und M8.2 mit diesen Veränderungen leben, die freilich tendenziell um so geringer ausfallen, je länger die Brennweite und die primär bei Weitwinkelobjektiven unter 35 mm Brennweite auftreten (sollen).

Der wesentliche Fortschritt der M9 gegenüber den Vorgängerrmodellen besteht nun darin, dass die Objektivdaten wahlweise auch manuell eingegeben werden können, jedenfalls, soweit es sich um die ab 1954 gefertigten Objektive zu M-Leicas handelt. Ausgenommen sind einige wenige Objektive – auch hier gibt Leicas Website entsprechende Auskünfte.

Verwendbar (ohne Berücksichtigung der Objektivdaten) sind allerdings nach wie vor auch die Objektive mit Schraubgewinde, mit entsprechendem Adapter, im selben Ausmaß wie an der M8 und M8.2 und mit denselben Beschränkungen (Objektive etwa, deren Tubus eingeschoben werden kann, wie bei Elmar 3,5/50 und Hektor 2,5/50) und mit einem passenden Bajonettadapter. Ob es viele Benützer geben wird, die an ihrer nigelnagelneuen M9 unbedingt ein Hektor aus den 30er-Jahren verwenden wollen, mag dahingestellt bleiben, aber möglich ist es.

Ausgeschlossen von der Anpassung ihres jeweiligen Objektivs an die Firmware der Kamera bleiben nach wie vor überhaupt alle jene, welche Fremdobjektive verwenden – es ist zwar möglich, mit jedem besserem Kugelschreiber die nach den Objektivdaten vergleichbare Codierung nachzumachen, unterscheiden sich die Fremdobjektive jedoch zu sehr in der Bauart, gibt es dennoch kein optimales Resultat. Wer weder codieren lässt noch selbst codiert, muss sehen, wie sich sein Objektiv an der Kamera verhält. Meist geht es gut, garantieren kann das niemand, doch kann man das von Leica schwerlich verlangen. Das Risiko geht der Käufer der Fremdobjektive ein.

Es gibt einige Fehler, die aber mehr oder minder bei allen digitalen Kameras auftreten, Rauschen etwa und Moiré.

Jeder Sensor rauscht bei Einstellung auf höhere ISO-Zahlen. Die Frage ist nur, wie sehr und ferner wie störend dieses Rauschen empfunden wird. Bei Kameras mit Sensoren im APS-C-Format und größer stört Rauschen erst bei vergleichsweise höheren Empfindlichkeitseinstellungen als bei digitalen Kompaktkameras mit ihren winzigen Sensoren. Und je mehr winzige Pixel auf den winzigen Sensor gepackt werden, desto merkbarer ist es auch bei niedrigen Empfindlichkeiten.

Infolgedessen sind Sensoren für das volle Kleinbildformat, wie in der M9, relativ am wenigsten anfällig für Rauschen, CCD-Sensoren wie in der M9 wiederum mehr als die CMOS-Sensoren, welche in japanischen DSLRs verwendet werden.  Wahrscheinlich wird ferner bei diesen Firmen - mit weit längerer Erfahrung in der Entwicklung digitaler Kameras und mehr Entwicklungskapazität -  das Rauschen besser in camera beseitigt, obgleich auch bei der M9 bei höheren Empfindlichkeiten Rauschunterdrückungsmaßnamen gesetzt werden dürften, auch bei Bildern im .dng Format.   

Immerhin, nach den im Web vorliegenden Erfahrungsberichten rauscht die M9 weniger als die Vorgängermodelle und tritt das Rauschen wirklich merkbar erst ab ca. ISO 1250 in Erscheinung. Diese Erfahrung - ohne dass meine Kurzzeiterfahrung von bisher 10 Tagen Maßstab sein könnte - habe auch ich gemacht. Da aber Aufnahmen im .raw-, .nef- oder eben .dng-Format ohnehin nachträglich am PC bearbeitet werden, kann man sich mit Vorteil eines der im Handel befindlichen Programme zur nachträglichen Rauschunterdrückung bedienen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem entsprechenden Plug-in von Noise-Ninja für Photoshop gemacht. Mit solchen Programmen lässt sich auch bei den Dateien der Leica M9 im .dng-Format Rauschen weitgehend entfernen. ISO 1250 werden damit zu einer wirklich klaglos nutzbaren Maximalempfindlichkeit. Bei M8 und M8.2 liegt diese Grenze etwa bei ISO 640. Aufnahmen, die mit mehr als ISO 1250 aufgenommen wurden, lassen sich nur in sehr beschränktem Umfang verbessern - aber bei solchen Aufnahmen kommt es meist primär darauf an, dass überhaupt etwas wiedergegeben wird, verrauscht oder nicht.

Dieselben Rauschunterdrückungsprogramme lassen sich selbstverständlich auch auf Dateien aus den Kameras anderer Firmen anwenden, sodass in Wahrheit die Unterschiede in der Rauschempfindlichkeit zwischen M9 und den besseren japanischen DSLRs  erhalten bleiben.

Vorteil der M9 bleibt gegenüber dSLRs mit eher lichtschwachen Zoomobjektiven die höhere Lichtstärke vieler Leica-Objektive, die es ermöglichen, mit entsprechend niedrigeren ISO-Werten zu fotografieren - außer, die Besitzer solcher SLRs verzichten auf ihre bequemen Zooms und verwenden die systemeigenen lichtstarken Festbrennweiten.

Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, man habe immer mit Kodak TRI-X fotografiert und brauche daher die höheren Empfindlichkeitseinstellungen überhaupt nicht, die mit digitalen Kameras möglich geworden sind. Da kommt man dann ans angestrebte Ziel: zwischen der M9 und der Spitzenkamera von X ist im Rauschen kein Unterschied. Der Leser solcher Elogen merkt die Absicht hinter solchen Behauptungen: <Todo por la Leica>, vergleichbar dem Wahlspruch der Guarda Civil unter Franco.

Mir scheint, sehr oft wird eine Einstellung von ISO 1250 nicht nötig werden, abhängig von dem, was man eben fotografiert. Und wir sollten der Entwicklung der Technik dankbar sein, dass man mit solchen Empfindlichkeiten heutzutage bequem Bilder von einer Qualität machen kann, von denen man zu Zeiten höchstempfindlicher Filme nur träumen konnte. Dass halt die Optimierung dieser Bilder bei einer Leica M9 ein wenig mehr Aufwand erfordert als bei Aufnahmen mit anderen Vollformatkameras, ist freilich wahr, aber ich wenigstens kann damit leben. Wenn's anders wäre, wäre es mir lieber, aber man kann ja immer noch auf die Leica M10 hoffen.

Vergleichsweise oft und deutlich neigt die M9 zu Moiré-Bildung, weil bei ihr ja das Anti-Aliasing-Filter fehlt, das andere Produzenten in ihre Kameras einbauen. Das war von Anfang an auch Leica klar, die Firma hat sich schon bei der M8 bewusst gegen den Einbau eines solchen Filters entschieden, weil sich dieser auf die Schärfe der Abbildung negativ auswirkt. Für die Konstrukteure der anderen Firmen, welche AA-Filter in ihre Kameras einbauen, heißt es daher, einen tragfähigen Kompromiss zu finden zwischen der Filterstärke und der in Kauf genommenen Verminderung der Abbildungsschärfe. Daher wird in der Praxis auch mit AA-Filter die Moirébildung nicht ausgeschlossen, sie tritt nur, wenn überhaupt, bloß nicht so deutlich in Erscheinung.


Und falls es sein muss, kann man die Leica etwas kippen, dann wird das Moiré scheinbar verringert. Ein gleichmäßiges Muster führt zu Moiré, daran führt jedoch kein Weg vorbei. Leider, denn auch bei der Bildbearbeitung kann in vielen Fällen Moiré nicht gänzlich beseitigt werden, denn Moiré ist Teil der Bildinformation. Man kann nur versuchen, diese Bildinformation mit den in der Bildbearbeitung vorhandenen Werkzeugen sozusagen zu <übermalen>. Manchmal gelingt dies unauffällig, vor allem, wenn nur kleine Teile des Bildes betroffen sind, in anderen Fällen muss man mit dieser Erscheinung leben.

Der Sensor der M9 liefert eine Dateigröße bis zu 18 MP: das reicht, um eine Seite im Format DIN A3 mit 300 dpi auszudrucken (mehr als 300 dpi leisten nur wenige Drucker für den Heimgebrauch, die meisten eher weniger).

Wofür braucht man so große Dateien? Diese Frage müssen Sie selbst beantworten. Es kommt einfach auf den Verwendungszweck Ihrer Aufnahmen an. Produzieren Sie ohnehin nur Bilder fürs Album (modisch: Fotobuch!), schießen Sie mit der M9 wahrscheinlich mit Kanonen auf Spatzen, betrachten Sie Ihre Bilder primär auf dem Monitor, brauchen Sie diese großen Dateien auch nicht. Umgekehrt können Sie eine starke Ausschnittvergrößerung am PC anfertigen und immer noch auf DIN A4 in bestmöglicher Qualität ausdrucken.

Vollformatsensor und 18 MP große Dateien allein sind daher als solches nur selten ein wirkliches Kaufargument. Nicht zuletzt im Hinblick auf den Preis des Gehäuses sollten Sie sich schon deshalb den Kauf sorgfältig überlegen, insbesondere, wenn Sie eine Leica M8 oder M8.2 besitzen und gelernt haben, mit den Schwächen dieser Kameras, insbesonders den Filtern, zurechtzukommen. Nochmals, diese Schwächen liegen in der Benützung der Kamera, an den – gelungenen – Ergebnissen ist im Rahmen des Anwendungsspektrums nichts auszusetzen.

Der Sucher

Im Sucher liegt der entscheidende Unterschied zur Spiegelreflexkamera.

Die Spiegelreflexkamera liefert ein infolge der technischen Fortschritte heutzutage sehr helles Abbild des Motivausschnitts, so wie er aufgenommen würde. Die Helligkeit hängt nicht nur von den Beleuchtungsverhältnissen allgemein, sondern auch von der Lichtstärke des Objektivs ab, auch dann, wenn man dank Springblende dieses Abbild bei ganz geöffneter Blende betrachtet. Es macht halt einfach einen Unterschied, ob Sie ein und dasselbe Motiv unter sonst gleichen Umständen durch ein Objektiv mit Blende 1,4 betrachten, oder durch eines der gängigen Zoomobjektive mit Blende 4. Vor allem aber sehen Sie durch den Prismensucher einer SLR das Bild annähernd so, wie es aufgenommen würde. Und Sie sehen den Motivausschnitt immer formatfüllend, gleich, ob Sie ein Weitwinkel mit 21 mm Brennweite oder ein langbrennweitiges Objektiv mit, sagen wir, 200 mm Brennweite verwenden.

Im Mess-Sucher einer Leica M9 sehen Sie ein relativ großes helles Bildfeld und passende Leuchtrahmen, die im Bildfeld zu schweben scheinen. Je nach angesetztem Objektiv bzw. Stellung des Bildfeldwählers links vom Objektiv sehen Sie immer 2 Rahmen (28 und 90, 35 und 135 sowie 50 und 75 mm Brennweite). Je länger die Brennweite, desto kleiner die Leuchtrahmen und desto größer das Umfeld. Sehen Sie bei Verwendung eines 28 mm Objektivs knapp mehr als das Bild im Leuchtrahmen, sehen Sie bei 135 mm nur einen kleinen Ausschnitt des Bildfeldes im Leuchtrahmen und sehr viel Umfeld. Anders ausgedrückt, je länger die Brennweite, desto genauer muss man den Motivausschnitt wählen, desto schwieriger ist es aber auch, schon bei der Aufnahme zu vermeiden, dass Störendes ins Bild hineinragt. Dass man bei Brennweiten ab 50 mm auch einen wesentlichen Teil des Umfelds im Sucher sehen kann, wird von vielen geschätzt, dass der Sucherahmen umso kleiner ist, je länger die Brennweite, weniger.

An diese Besonderheit gewöhnen sich Leica-Fotografen mit der Zeit. Gewöhnen Sie sich nicht, bleiben sie nicht lange Leica-Fotografen.

Die Leuchtrahmen selbst sind nicht genau. Sie zeigen nicht zuverlässig, was aufgenommen wird, wie dies in Prismensuchern besserer SLR zu sehen ist, die wirklich 100 % des Bildes wiedergeben, erstmals vor 50 Jahren in der Nikon F verwirklicht. Vielmehr zeigt der jeweilige Leuchtrahmen der Leica M9 das, was die Kamera aufnimmt, wenn die Entfernung auf 1 Meter eingestellt wird. (Bei der M8 wurden die Rahmen auf eine Entfernung von 0,7m abgestimmt, bei der M8.2 bereinigte Leica den Missstand der deutlich ungenauen Rahmen und berechnete die Rahmen für eine Entfernung von 2m, bei der M9 hat man einen Kompromiss gesucht, der die Benützer endlich wirklich zufriedenstellen dürfte). Bei Einstellung auf Unendlich wird weniger angezeigt als aufgenommen (nützlich, um der Erbtante nicht beim Fotografieren sozusagen den Kopf abzuschneiden). Bei einem Objektiv mit 135 mm Brennweite und Einstellung auf Unendlich beträgt der Unterschied bei der M9 ganze 18 %. Bei  der M8  sind die Unterschiede mit bis zu 23 % entsprechend größer. 

Diese Abweichungen zwischen dem Bildausschnitt, der im Sucherrahmen erfasst wird und dem, was dann auf Film aufgenommen wurde, gab es schon immer, und nicht nur bei Leicas, bloß sind sie zu Zeiten der Kameras für Film nicht weiter aufgefallen, weil der zeitliche Abstand zwischen Aufnahme und Betrachtung des Ergebnisses zu groß war. Mit der Betrachtung des eben aufgenommenen Bildes auf dem Monitor der Kamera hat sich das geändert. Mit dieser Abweichung muss der Leica-Fotograf leben – nach einer kurzen Eingewöhnung tut man das auch.

Nicht ohne Grund wird der Leica eine besondere Eignung für die Fotografie mit Weitwinkelobjektiven nachgesagt. Das stimmt so zwar offenkundig nicht, aber dahinter verbirgt sich einfach die Tatsache, dass die Kamera mit den großen Leuchtrahmen der Weitwinkelobjektive leichter zu bedienen ist – insbesondere sind solche Objektive leichter scharf zu stellen und weisen eine größere Schärfentiefe auf. Deshalb auch heißt es seit Jahrzehnten, weitaus am häufigsten würden Objektive mit Brennweiten zwischen 35 und 90 mm benützt (heutzutage wohl eher 24/28 und 90 mm). Scharfeinstellung mit 135 mm Objektiven erforderte immer schon genaues Arbeiten; infolge der geringeren Suchervergrößerung der digitalen M-Leicas von 0,68 gegenüber etwa der (sozusagen normalen) M6 oder M7 und der besonderen Einstellempfindlichkeit digitaler Sensoren im Vergleich mit Filmen empfiehlt Leica nicht ohne Grund, Objektive mit 135 mm nicht mit voller Öffnung zu verwenden, sondern um 1 oder 2 Blenden abzublenden (wodurch die Fehlerquote solcher Aufnahmen verringert wird).

Vielfach hilft es, zusätzlich eine der beiden Sucherlupen zu verwenden, welche das Sucherbild mit dem Faktor 1,25x oder 1,4x vergrößern. Der Sucherrahmen für 28 mm ist dann jedoch – jedenfalls bei der Version 1,4x - eher zu erahnen als zu sehen. Ansonsten ist vor allem diese Version der Lupe recht nützlich und angenehm im Gebrauch.

Mangels Nachfrage erzeugt Leica leider keine M9 mit abweichenden Suchervergrößerungen, wie es solche etwa bei der M7 mit 0,58x und 0,85x gegeben hat. Die Verwendung etwa eines Tele-Elmars 4/135 mm mit einer 0,85x Version des Suchers + Sucherlupe 1,4x machte solche Aufnahmen dann zu einem Vergnügen.

Die Entfernungsmessung

Die Entfernung muss mit dem eingebauten Entfernungsmesser manuell eingestellt werden, es gibt keine elektronische Einstellhilfe, geschweige denn einen Autofokus. Autofokus ist bei Leica-Fotografen, seit die Firma die Entwicklung versäumt hat, ohnehin ein Anathema (siehe Einleitung), aber er wird kommen, vielleicht noch nicht in der M10, aber dennoch. So wie, schon aus Kostengründen, ein kostengünstiger und elektronischer Sucher kommen wird – und die Leica wird immer noch eine Leica sein und die Welt sich immer noch drehen.

Der Entfernungsmesser ist im Sucher als helles Rechteck erkennbar: decken sich durch Drehen der Entfernungseinstellung am Objektiv die Konturen, ist auf diese Konturen scharf gestellt. Ob und wie unscharf die sonstigen Bildteile sind, sieht man im Sucher einer Leica nicht, das ist einer der wesentlichen Unterschiede zur SLR.

Die Messbasis des Entfernungsmessers ist grundsätzlich ausreichend, aber es ist kein Geheimnis, dass die Scharfstellung von Motiven bei Weitwinkelaufnahmen eine höhere Erfolgsquote bringt als bei langbrennweitigen Objektiven mit 135 mm. Daher auch die erwähnte Einschränkung bezüglich Brennweite 135 mm. Die Messbasis bleibt nämlich unverändert, welches Objektiv auch verwendet wird und ergibt sich aus der physikalischen Basis des Entfernungsmessers und der Suchervergrößerung des jeweiligen Kameramodells. Daher war die Entfernungseinstellung bei der M6 oder M7 mit dem 0,85x Sucher leichter vorzunehmen und deshalb ist der Sucher der M3  mit seiner noch höheren Suchervergrößerung in dieser Hinsicht nach wie vor ungeschlagen (nur zur Klarstellung: die Suchervergrößerung von 0,68 der M9 bedeutet in Wahrheit natürlich eine Verkleinerung des Sucherbildes im Sucher und ist nur eine euphemistische Umschreibung dieses Sachverhaltes).

Der Mess-Sucher ist ein kompliziert aufgebautes Stück Mechanik leicht zu verstellen und gar nicht leicht selbst zu korrigieren. 

Die Belichtungsmessung

Wie bei Leica gewohnt, eine stark mittenbetonte Messung; das Messfeld ist seit der M7 oval und erstreckt sich in Längsrichtung des Aufnahmeformats. Matrixmessung und Spotmessung sucht man vergebens; Leica-Fotografen haben 1000 Gründe, warum solch neuartiges Zeug nicht nötig ist – aber sie waren sich auch einig, dass Zeitautomatik kein wahrer Leica-Fotograf benötigt und seit der M7 haben sie die Zeitautomatik - und schweigen. Den Messergebnissen kann man trauen und ist wider Erwarten die Belichtung in seltenen Ausnahmefällen nicht optimal, man sieht ja das Bild nach der Aufnahme auf dem Monitor und kann die Aufnahme allenfalls wiederholen. Und hat man im Format .dng fotografiert, kann man vieles bei der nachträglichen <Entwicklung> des Bildes verbessern.

Die im Kameraboden sitzende Messzelle wird durch den Akku der M9 mit Strom versorgt (wie auch bei M8 und M8.2), vorbei ist die Jagd nach Batterien für den Belichtungsmesser der M7, die sich kaum ein Händler im Osten Deutschlands  auf Lager legt (ich jedenfalls habe in ganz Thüringen im Sommer 2009 keinen gefunden, im Media-Markt in Wien dagegen auf Anhieb schon).

Der Verschluss

Der Verschluss ist elektronisch gesteuert; was jahrzehntelang die Verschlusstücher waren, besteht heute aus Metall-Lamellen. Vorbei die Zeiten der flüsterleisen Verschlüsse der Leicas. Der Verschluss der M9 ist laut. Er ist nicht so störend laut wie der der M8, vor allem, wenn die Diskreteinstellung gewählt wird (es wird zunächst nur, auch nicht wirklich leise, ausgelöst, erst beim Loslassen des Auslösers wird der Verschluss – laut – aufgezogen). Der sagenhafte Richter in Florida, der angeblich die Leica als einzige Kamera im Gerichtssaal zugelassen hatte, weil sie so leise war, würde im Grab rotieren.

Ohnehin nützt aber ein leiser Verschluss heutzutage sehr wenig. Selbst in Papua-Neuguinea weiß ein jeder, was es heißt, wenn so ein Weißer eine Kamera ans Auge führt und bei den Massai hält man schon vorher die Hand auf. Mir scheint, die Art, wie Cartier-Bresson fotografierte, wäre heute nicht mehr möglich.

Man sollte über das Verschlussgeräusch nicht so viele Worte verlieren, wie es in den Kreisen der Fans geschehen ist. Der Verschluss ist lauter, dafür ist er auch genauer (bei den mechanisch gesteuerten Tuchschlitzverschlüssen waren Abweichung bis zu 30 % von der Sollbelichtungszeit ganz normal).

Das Gehäuse und die Bedienungselemente

Das Gehäuse der M9 ist, von vorn betrachtet, den M-Leicas für Film zum Verwechseln ähnlich (cum grano salis). Die Rückseite ist lobenswert einfach mit wenig Bedienungselementen, keineswegs das Chaos der japanischen SLRs, sagen die Fans.

Eh klar.

Ist kein AF eingebaut, braucht es keinen Hebel für die Messcharakteristik des AF und keine Rädchen für die Wahl der Messfelder. Fehlt Spot- und Matrixmessung, braucht es keine entsprechenden Schalter etc. Fehlt Programm- und Blendenautomatik, braucht es kein Rädchen für die Verstellung der Blende (das entsprechende Rad setzt ja eine elektrische Verbindung zum Objektiv voraus, die bei den M-Leicas fehlt).

Obgleich die M9 so einfach zu bedienen ist, die Bedienungsanleitung umfasst dennoch 89 Seiten.

Das Schutzglas über dem Monitor ist kein Saphirglas. Es kann daher zerkratzt werden. Darüber ist ebensoviel geredet worden bei M8 und M8.2 wie über den Preis, es durch Saphirglas zu ersetzen.

Jede digitale SLR von Nikon hat über dem Glas eine ansteckbare Scheibe aus klarem Kunststoff, sie verhindert solche Kratzer wirkungsvoll und sollte sie selbst einmal zerkratzt werden, die Ersatzscheibe kostet bloß einige Euro. Auf Ähnliches ist man bei der Konstruktion der digitalen M-Leicas (auch nicht bei der nun 3. Auflage) leider nicht gekommen. Schade.

Und erst bei der 3. Auflage hat man erkannt, dass man in der digitalen Fotografie die richtige Belichtung nicht nur durch Variation von Zeit und Blende einstellt, sondern auch noch, von Aufnahme zu Aufnahme, bei Bedarf eine weitere Variable berücksichtigen kann; die Empfindlichkeit in ISO. In der Kameraindustrie gehört es sozusagen zum <Industriestandard>, dass man nach Drücken eines Knopfes die Empfindlichkeit verstellt – die Leute, welche seinerzeit die M8 konzipierten, haben daran nicht gedacht, sondern die Einstellung im Menü vergraben (entsprechend der Einstellung von Zeit und Datum). War ja klar, wer sein Leben lang mit Film von 1,65 m Länge fotografierte und konstanter Empfindlichkeit für 36 Bilder, der denkt sich in die digitale Fotografie nur mit Schwierigkeiten hinein. Diesen Denkfehler haben viele Eigentümer von M8 und M8.2 bei Leica moniert, die Firma hat dazugelernt.

Seinerzeit ist viel Häme (aber nicht von mir!) über die Menschen vergossen worden, welche anstelle der Einstellung auf 1/8000 sec (die wegfiel), bei der M8.2 eine Art Schnappschusseinstellung vorgesehen haben. Unwert einer Leica, hieß es …

Übersehen wird dabei, dass auch der Leica-Fotograf nicht immer unvergängliche Kunstwerke mit seinem wertvollen Instrument erzeugen will, sondern einfach sein Kind fotografieren. Und das sollte spontan doch auch ohne viel Nachdenken über die künstlerische Gestaltung möglich sein, oder? Merke: Kein Kind lächelt ewig in Richtung Kamera.

Die Schnappschusseinstellung gibt es noch immer; damit die armen Seelen Ruhe haben, wird sie nun bei der M9 übers Menü eingestellt – und schon ist in den Benützer-Foren tatsächlich Ruhe eingekehrt.

 

Die Objektive

Leica-Objektive sind seit Jahrzehnten Spitzenklasse, zu einem Spitzenpreis, leider. Das mag an der kleinen Auflage liegen, die eine rationelle Serienfertigung nicht erlaubt, es liegt oder lag jedenfalls sicherlich auch an der Methode der Herstellung: wer wie ich vor einiger Zeit gesehen hat, wie eine Dame mit einem Pinsel die Schmalseiten von Linsen mit schwarzer Farbe bemalte, der weiß, was ich meine. Aber vielleicht gibt es heute schon eine Maschine dafür bei Leica.

Es gibt neuerdings auch Objektive von Leica, die keinen Spitzenpreis haben, sondern einfach teuer sind. Auch diesbezüglich stellt sich die Frage, ob Sie die Spitzenleistung haben müssen, oder einfach haben wollen.

Aber natürlich gibt es die Leute in den diversen Foren, die lt. eigener Aussage alles und jedes mit Bl. 1,4 fotografieren, denn sie wollen das Motiv <freistellen>. So hat es ja auch Henri Cartier-Bresson gehalten, nicht? Nicht, leider. Nur ist ihm bei den damals erhältlichen relativ gering empfindlichen Filmen vielfach nichts übrig geblieben, als mit offener Blende zu fotografieren, aber <offene Blende> war damals extrem selten Blende 1,5 (der Blendenwert 1,4 wurde überhaupt erst nach dem 2. Weltkrieg üblich), gab es solche hochlichtstarke Objektive in den 30er- und 40er-Jahren doch gar nicht in ausreichender Qualität. Über das Xenon 1,5/50 mm aus den 30er-Jahren gerät nicht einmal Erwin Puts ins Schwärmen.

Allgemein gilt, nicht nur die Leica M9 ist teuer, dazu kommen noch die Objektive; 3 Stück im Durchschnitt möchte ein jeder haben. Als Alternative bieten sich die neuerdings erhältlichen preiswerten Objektive an und natürlich gut erhaltene Objektive vom Gebrauchtmarkt. Grundsatz ist, die jeweils neueste Generation ist absolute Spitzenklasse, die Vorgängerversion aber beinahe ebenso gut – und sie kostet gebraucht viel weniger.

Fazit:

Die Leica M9 ist keine perfekte Kamera, sie ist es auch nach heutigen Maßstäben nicht. Aber sie eine vorbehaltlos empfehlenswerte Kamera für jeden, der sich einerseits mit den beschränkten Möglichkeiten einer Sucherkamera abfindet, andererseits sich für den hellen, klaren Sucher begeistert, für jeden natürlich auch, der gar nichts anderes will, als in jenen Aufnahmebereichen auf die bestmögliche Weise mit bestmöglichen Ergebnissen zu fotografieren, für welche die Leica schon immer die ideale Kamera gewesen ist..

Mikroskopaufnahmen, Aufnahmen mit Teleobjektiven von wilden Tieren während einer Safari, Serienaufnahmen und etliches andere soll man besser mit anderen Kameras machen – ohnehin besitzt ja wohl ein jeder, der mit einer M9 liebäugelt, bereits eine andere Kamera. Bei Verwendung von allerlei altertümlichem Zubehör kann man sicher auch mit einer M9 einen Löwen in der Kalahari <schießen>, aber ehrlich, mit einer Kamera von … geht es einfacher, schneller und billiger. Und mit einem Visoflex + Balgengerät + Adapter + Objektivkopf kann man auch Nahaufnahmen machen, eine Buchseite kopieren (ein Kopiergerät vereinfacht diese Aufgabe freilich bedeutend, ein Scanner erst recht) aber wie gesagt, ….

Über den Preis wollen wir nicht reden. Mit bald jedem Auto kann man von Wien nach Berlin fahren, es muss nicht unbedingt zum Beispiel ein Audi A5 Coupé quattro sein (aber es macht halt Spaß).

 

© Peter Lausch
Erstellt am 14. Dezember 2009
 

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