LEICA M6 und M6TTL

 

Ihnen viel über die technischen Einzelheiten der bis vor kurzem produzierten Modelle LEICA M6 und der LEICA M6 TTL  zu erzählen, halte ich nicht für sinnvoll: haben Sie Interesse und wollen sich informieren, in den Prospekten und Druckschriften der LEICA Camera AG. finden Sie alles notwendige über die Eigenschaften und technischen Daten dieser Kamera.

Erwähnenswert scheinen mir - ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit und ganz von meinem subjektiven Standpunkt aus - aber dennoch einige Aspekte, die Sie in Prospekten etc. nicht unbedingt finden werden.

Durch die technische Entwicklung bedingt, ist heute eine Belichtungsmessung ohne bewegliche Teile und ohne großen zusätzlichen Platzbedarf durch die Optik einer Kamera möglich.
   
Deshalb war es möglich,  im praktisch unveränderten Gehäuse der LEICA M4-P den Belichtungsmesser für Dauerlicht unterzubringen, ohne die Maße der LEICA M6 gegenüber der M4 merklich zu verändern. Das ist der wirkliche Fortschritt gegenüber der LEICA M5, die seinerzeit kein kommerzieller Erfolg gewesen ist. Systemimmanent (bedingt durch den mechanisch ablaufenden Schlitzverschluss) und bedingt ferner durch die Patentlage handelt es sich beim Meßsystem der LEICA M6 um ein relativ einfaches System. Kein Vergleich mit den kompliziert aufgebauten Systemen in den Nikons, Canons etc., die mit Mehrfeldmessung (Matrixmessung oder mittenbetonte Messung) arbeiten. Auf diese Weise lässt sich bei diesen Kameras aus Japan in fast allen Fällen ohne Zutun des Benutzers die Belichtung richtig einstellen - mit allen Vorteilen von Belichtungsautomatiken, die ja den Benutzer von technischen Überlegungen befreien und die Konzentration aufs Bild ermöglichen sollen.

LEICA schreibt von einer Selektivmessung. Namen sind Schall und Rauch; dahinter versteckt sich die einfache Tatsache, dass die Belichtung integral gemessen wird, zur Messung aber nicht das ganze Bildformat herangezogen wird sondern bloß ein Kreis von etwa 2/3 der Bildhöhe im jeweils passenden Sucherrahmen. Bei Weitwinkelobjektiven ergibt sich daher ein relativ großer Messwinkel, bei Brennweite 90 oder 135 ein wesentlich kleinerer. 

Das sind technische Details; Ergebnis dieses Systems ist jedoch, dass die  Meßsysteme in den Kameras der Konkurrenz unter schwierigen Lichtverhältnissen sozusagen automatisch sehr häufig besser und genauer belichtete Aufnahmen liefern. Das kann man als Benutzer der LEICA M6 und der Nachfolgemodelle ausgleichen. Was bei anderen Kameras automatisch korrigiert wird, muss bei der LEICA M6 der Fotograf mit Überlegung korrigieren. Richtig belichtete Aufnahmen sind in beiden Fällen möglich. Alle solchen Überlegungen benötigen Zeit, Zeit, in der das Baby zu Lachen aufhört und die Katze die heraus gestreckte Zunge schon wieder im Maul verstaut hat - weg ist der gelungene Schnappschuss. Primär gilt das freilich nur für Aufnahmen mit Diafilm; bei Farbnegativ- und SW-Film fallen kleine Belichtungsungenauigkeiten nicht so sehr ins Gewicht.
   
Die 1984 eingeführte M6 unterscheidet sich vom Vorgängermodell M4-2 faktisch nur durch die TTL-Belichtungsmessung. An der Stelle des bei früheren M-LEICAs (ausgenommen M1, MD, MDa, M4-2 und M4-P) vorhandenen Selbstauslösers findet sich bei M6 und den Nachfolgemodellen das Batteriefach. Flugs sagen manche, welcher LEICA-Fotograf braucht einen Selbstauslöser? Der Verschluss, das Gehäuse, der Sucher, der Entfernungsmesser wurden unverändert übernommen. Die M6 spiegelt daher bei Bedarf die Sucherrahmen für 28, 35, 50, 75, 90 und 135 mm Brennweite ein, wobei jeweils 2 Sucherrahmen sichtbar sind. 

Bei der von manchen so bezeichneten klassischen LEICA M6 mit der bis 1998 praktisch ausschließlich lieferbaren Suchervergrößerung 0,72x ist der Sucherrahmen für die Brennweite 28mm für Brillenträger notorisch schlecht zu sehen, was von den Käufern häufig bemängelt wurde. 

Zwischen 1984 und 1998 hat es eine einzige Variante der M6 mit einem anderen Sucher gegeben, die 1994 anlässlich des 40 Jahrestages der Präsentation der LEICA M3 produzierte LEICA M6J. 


Wie Sie aus dem beigeschlossenen Foto ersehen, ist die M6J ein Verschnitt zwischen M6 und M3: Das Innenleben entspricht der M6, die Deckkappe der M3 samt einschlägiger Prägung, wo bei der M6 Leere gähnt. So weist die Deckkappe auch wieder die Rahmen um die Sucherfenster auf und der Schnellschalthebel schaut aus, als stamme er von der M3. Am Wichtigsten ist freilich, dass die Suchervergrößerung von 0,85 an die von vielen Eigentümern heute noch geliebten 0,91 der M3 herankommt. 

Zum Unterschied von der LEICA M3 findet sich bei der M6J im Sucher aber auch ein Rahmen für die Brennweite 35mm, sodass an der M6J entsprechende Objektive ohne Brille verwendbar sind. Weggelassen wurde der Rahmen für die Brennweite 28mm, und, weiß Gott weshalb, der Rahmen für 75mm Brennweite. Geliefert wurden nur insgesamt 1640 Stück, 40 Stück für jedes Jahr des Jubiläums. Mit ausgeliefert wurde ein neu gerechnetes, ausziehbares Elmar 2,8/50mm mit übereinstimmender Nummer. Auf der Gehäuseoberseite finden Sie die Nummerierung nach dem Schema M6J 19xx - xx.
   
Sollten Sie eine M6J finden, schlagen Sie zu, falls Sie sich den Kauf leisten können. Achten Sie aber darauf, dass Sie auch das von der Nummer her entsprechende Original-Elmar erhalten und beachten Sie, dass diese JubiläumsLEICA  seinerzeit als Set mit Gegenlichtblende und Lederetuis für Kamera und Gegenlichtblende samt passendem Lederriemen verkauft wurde. Dieses Set kostete allerdings im Jahre 1994 knapp DM 10.000.- und war daher lange erhältlich. Dennoch haben seinerzeit wagemutige Käufer die richtige Entscheidung getroffen:  Eine - ungebrauchte - M6J mit passendem Elmar im Holzkästchen und mit den Papieren im Set wurde im März 2003 zum Preis von ca. Euro 6.500 angeboten (Journal der LHSA). 
   
Der LEICA Camera AG war das ein Fingerzeig.
   
Ab 1998 wurde die LEICA M6 wahlweise auch mit einer Suchervergrößerung von 0,85 lieferbar und seit damals hat der potentielle Käufer die Qual der Wahl. Bei ihr fehlt der Sucherrahmen für 28 mm. Dadurch wurde eine stärkere Suchervergrößerung möglich. Ich denke, die M6 0,85 sollte man kaufen, wenn man die Brennweite 28mm ohnehin nicht oder nur mit Zusatzsucher verwendet, man aber gerne mit dem Summilux 1,4/50 oder dem Summilux 1,4/75 bei schlechtem Licht und großen Blendenöffnungen fotografiert. Denn man stellt mit dieser Version einfach leichter und genauer die Schärfe ein.  Aber auch mit der Suchervergrößerung 0,72x brauchen Sie nicht zu verzweifeln, LEICA liefert eine aufsteckbare Sucherlupe, mit der Sie die höhere Einstellgenauigkeit der Variante mit Suchervergrößerung 0,85x erreichen.

Diese Version ist auch empfehlenswert, wenn man einfach und schlicht die größere Wiedergabe im Sucher bei allen Brennweiten, insbesondere aber bei 90 und 135mm bevorzugt. Ist Ihnen indes gerade Ihr Elmarit 2,8/28 oder gar das neue Summicron 2/28 ans Herz gewachsen, werden Sie wohl besser bei der LEICA M6 0,72 bleiben - oder aber gleich zur neuerdings lieferbaren Variante, der LEICA M6 TTL 0,56 wechseln. Bei dieser Version müssen Sie allerdings auf den bei 0,56 denn doch wirklich zu kleinen Rahmen für 135mm verzichten.
   
Übrigens: Wenn Sie nachrechnen wollen, die ausschließlich schwarz verchromte LEICA M6 0,85 (ohne TTL) war gerade 6 Monate auf dem Markt, als sie von der M6 TTL 0,85 ersetzt wurde. Von ihr gibt es etwas über 3.000 Exemplare. Ein zukünftiges Objekt der Begierde für Sammler? Dies umso mehr, als die neue LEICA MP auf der LEICA M6 (ohne Blitzbelichtungsmessung) beruht und außer einem leicht geänderten Aussehen faktisch keine wesentlichen Änderungen gegenüber der LEICA M6 enthält.
   
Und seit der Photokina 1998 gibt es zusätzlich die M6 TTL mit TTL-Blitzbelichtungsmessung. Schon auf den ersten Blick erkennt man sie am wesentlich größeren Drehknopf für die Einstellung der Verschlusszeiten. Die Bedienung ist ein wenig verbessert und der Zeiteinstellknopf ist vergrößert worden. Im Sucher sehen Sie nicht nur 2 Pfeilmarken für Über- und Unterbelichtung, sondern bei richtiger Einstellung dazwischen einen Leuchtpunkt und dgl. mehr. 

Eine wesentliche Verbesserung ist meiner Meinung auch darin zu sehen, dass eine Inkonsequenz bei der Bedienung der M6 beseitigt wurde: Zeigt bei der Belichtungsmessung bei der M6 der rechte Pfeil nach links, müssen Sie den Zeitenknopf nach rechts drehen um die richtige Belichtungszeit einzustellen. Nach 14 Jahren ist dies bei der M6 TTL geändert worden: Zeigt der rechte Pfeil nach links, müssen Sie den Zeitenknopf nach links drehen. Daran gewöhnt man sich wesentlich leichter und kann, auch ohne die Kamera vom Auge zu nehmen, mit dem nun größeren Zeitenknopf leichter die richtige Zeit einstellen. 

Gleichzeitig ist ein kleines Blitzgerät erschienen, das SF20. Es erfüllt seinen Zweck, hat TTL-Messung, aber der Bedienungskomfort ist an der M6  mit diesem Blitzgerät beschränkt (verglichen mit der LEICA R8). Hier zeigen sich die Besonderheiten der mechanischen Kamera ganz deutlich. Studioaufnahmen werden Sie mit dem SF20 ja ohnehin keine machen wollen; zur gelegentlichen Aufhellung ist es gut geeignet. Ist nicht ohnehin einer der großen Vorzüge der LEICA mit ihren lichtstarken Objektiven die available light - Fotografie?
   
Damit Ihnen die Wahl nicht so leicht fällt, gibt es alle Versionen der LEICA M6 TTL wahlweise schwarz verchromt und hell verchromt, die Objektive ebenso. Die Kamera selbst können Sie wahlweise mit den Suchervergrößerungen 0,58x, 0,72x und 0,85x kaufen, je nachdem, ob Sie primär mit Weitwinkelobjektiven, mit Teleobjektiven oder mit beiden fotografieren - hier gilt das schon zur M6 Geschriebene.
   
Das ist nicht alles. Namentlich von der LEICA M6, aber auch von anderen Modellen, gibt es eine größere Anzahl von Sondermodellen: mit und ohne Gold, mit und ohne Platin, mit und ohne Eidechsenleder, mit und ohne Aufdrucken, in größerer und kleinerer Stückzahl. Neuerdings gibt es auch die LEICA M6 schwarz lackiert, fürs Millennium, aber auch für die LHSA in den USA und für den japanischen Importeur. Eine - nicht vollständige - Übersicht mit Fotos finden Sie bei
Stephen Gandy. Manche Sondermodelle sind sehr hübsch, teuer sind sie alle. Wenn Sie an den Preis eines solchen Stücks denken, werden Sie bei jedem Kratzer weinen, den Sie unabsichtlich produzieren. Daher stehen die meisten Sondermodelle in Vitrinen.
   
Ich nehme an, die Produktion der Sonderausführungen ist ein schönes Geschäft, nicht nur für den Zwischenhändler, auch für den Erzeuger. Wenn's beim Überleben hilft ......
   
Gebrauchte M6 können Sie auch kaufen, es gibt genug auf dem Markt. Achten Sie auf den Erhaltungszustand und auf den Preis - und auf die Suchervergrößerung. Falls Sie es sich leisten können, kaufen Sie eine neue Kamera. Die gebrauchten M6 sind nicht sehr viel billiger, außer sie sind, wie die Amerikaner sagen, user cameras. Denn leider, man kauft auch mit den Augen, und die Käufer von gebrauchten LEICAs tun es ganz besonders.  Berücksichtigen Sie auch, dass alle mechanischen Kameras regelmäßig gewartet werden müssen - das ist nicht ganz billig und ganz natürlich, wie Sie merken, nachdem Sie sich die Kamera gebraucht gekauft haben.
   
Seit Anfang 2002 ist die neue M7 auf dem Markt, mit elektronisch gesteuertem Verschluss und zusätzlich Zeitautomatik. Meine Meinung dazu finden Sie
hier.

Und ab Frühjahr 2003 liefert LEICA die LEICA MP auf der Basis der LEICA M6 (ohne Blitzbelichtungsmessung), bei der Transporthebel, Bildfeldwähler und Rückspulknopf der LEICA M3 nachempfunden sind. Meine Meinung dazu finden Sie
hier.

Hinweis:

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Produktion der LEICA M6 TTL eingestellt worden. Ihr Fotohändler wird Ihnen das beim Kauf einer bei ihm noch lagernden (gewöhnlichen) M6 TTL möglicherweise nicht erzählen. Denken Sie aber daran bei Preisverhandlungen. Eine letzte Sonderserie mit der Gravur <LEICA> auf der Deckkappe und dem Hinweis: <1984 - 2002> wird noch angeboten. Das sagt ja viel über den Zeitpunkt der Produktionseinstellung. 

<Ersetzt> wurde die M6 TTL durch die M7 mit Zeitautomatik und in der Zwischenzeit auch durch die voll mechanische LEICA MP.

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  1.2.2010

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