PETER LAUSCH - ERINNERUNGEN AN DAS LIESERL



VORWORT


Im Tierschutzhaus ein Saal voller Katzen, die auf Vermittlung warten: weiße, schwarze, getigerte, was es so alles gibt.

Manche sind neugierig, wenn Menschen kommen, andere glechgültg, wieder andere ziehen sich in ein Eck zurück, geht man auf sie zu.

Eine jede, auf die ich zeige, hat Mängel, sagt die Betreuerin. Nicht stubenrein, verwildert, feindselig, lässt sich nicht anfassen, braucht Freigang, wird nur gemeinsam mit einer zweiten Katze abgegeben, ist krank und braucht Diätfutter,, braucht regelmäßig eine Injektion, hat nur 3 Beine, ist halb blind.

Eine faucht mich an, eine andere legt die Ohren an, als ginge sie gleich zum Angriff auf mich über.

Es ist ein Jammer, sage ich entmutigt.

Die Betreuerin will mir eine letzte Katze zeigen: in einer Ecke sitzt eine in einer Schachtel auf Holzkisten. Zaundürr, teilnahmslos. Deprimiert, ängstlich und ohne Hoffnung, dass sie jemand auswählt, denke ich.

Eine ganz liebe, sagt die Betreuerin und legt sie mir in die Arme. Ich könne sie ja zurückbringen, wenn ich sie nicht behalten wolle.

Doch das Band ist schon geknüpft zwischen dem Tier und mir, und wird ein Katzenleben lang halten. Cica heißt sie, im Juli 2003 geboren, aber ich kann sie ja nennen, wie ich will. Lisi, Lisa oder Lieserl, sage ich, so wird es auch bleiben, 12 Jahre lang.

Dies sind die Bilder eines Katzenlebens.

Peter Lausch ( Lieserls "Großer") / peter@lausch.com

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Nach 5 Tagen: Lieserl legt langsam ihre Scheu ab,
sie lebt sich ein und erkundet ihr neues Revier.
Sie fühlt sich wohl beim Großen, denkt er.




20.9.2009
Zu Füßen des Großen ausrasten



Müde sind wir, aber den Großen hat Lieserl immer im Blick.
Man weiß ja nie.



21. 9.2009
Ein jeder Tag bringt neue Überraschungen im Katzenleben.
Und alles muss von Lieserl erforscht und geprüft werden,
ob es sich wohl als Höhle für den Rückzug eignet.



21. 9.2009
Aber: was macht er denn so, der Große


Lieserl - majestätisch - nimmt ein morgendliches Sonnenbad



Sonnen kann sie sich auch anderswo, wenn sie will.


 
Ein Lieblingsplatz, den Großen immer im Visier



Katzenbetten gibt es viele. Von diesem sehe ich auf den Großen.


Und ist wo keines, ein Handtuch genügt ja auch.


Will man es dunkel, verkriecht man sich.


Am schönsten ist es doch im Bett.


Mein Lieserl, besinnlich.


2/2018
Schön ist es auch auf dem Katzensofa.
Vor dem Fenster ist Betrieb,
man sieht Menschen, und Hunde auch.


Eine Fliege, eine Fliege.

Was ist denn jetzt schon wieder, Großer?


DAS ENDE

Am 17.2.2021 hörte ich im Halbschlaf in der Nacht Lieserl schmerzlich aufschreien. Aber als ich zu ihrem Katzenbettchen kam, lag sie still und ruhig darinnen.

Am frühen Morgen stellte ich ihr ein Futterschälchen hin, wie immer, doch als ich dann nachsah, hatte sie bloß einen Bissen gefressen. Sie kam mich nicht begrüßen wie üblich, blieb liegen. Am Vormittag hinkte sie mühselig ins Zimmer, setzte die rechte Vorderpfote nicht richtig auf, hatte anscheinend Schmerzen. Ich stellte eine Schale mit Leckerbissen vor sie hin, vermischt mit einem schmerzstillenden Pulver, doch sie drehte den Kopf weg und fraß nicht und trank auch nichts mehr. Im Lauf des Tages lag sie zuerst bei mir in ihrem Körbchen auf der Heizung, dann in ihrem Katzenkörbchen mir gegenüber und zog sich dann ins Nachbarzimmer zurück. Dort schlief sie die Nacht durch.

Irgendwann am Morgen des 18. 2. muss sie ins Wohnzimmer gekommen und auf meinen Fauteuil geklettert sein, dort fand ich sie bewegungslos, aber wach, auf meinem Sitzpolster liegend, wie so oft. Als ich sie streichelte, schnurrte sie nicht mehr. Da machte ich mich zum Tierarzt auf mit ihr. Auf der Fahrt maunzte sie schmerzlich.

Die Röntgenaufnahme zeigte ein Knochenkrebsgeschwür im Gelenk der rechten Vorderpfote (beim Menschen der Ellenbogen). Der Krebs hatte den Knochen zerfressen, der zerbrochen war. Unheilbar, unbehandelbar. In ihrem Alter kein schmerzfreies Leben mehr möglich für Lieserl. Es gab nur mehr eine Lösung.


18.2.2021: Lieserl ist tot.

Der Tierarzt gab ihr die Narkosespritze und sie maunzte ein letztes Mal. Dann sank Lieserls Köpfchen langsam auf meine Handfläche, wo es so oft gelegen hatte in den vergangenen 12 Jahren.

Danach bekam sie dann die Tötungsspritze, die das Herz lähmt: Der Pulsschlag wird dadurch rasch langsamer und am 18.2.2021 um 10,38 Uhr schlug Lieserls kleines Herz ein letztes Mal.

Ihr Katzenleben war zu Ende gegangen.

Meine Tränen fielen wie Regentropfen auf ihr weißes Fell.

Ach, mein Lieserl: Kein Tag wird vergehen,
an dem ich nicht an dich denken werde,
unvergesslich mein ganzes Leben lang.


In Dankbarkeit!


Dein „Großer“