Peter Lausch                                          

 

 

Leitz und Leica im Krieg

 

Über die Leica und die Herstellerin dieser Kamera gibt es buchstäblich hunderte von Fundstellen zur Geschichte und Entwicklung sowohl im Internet als auch in zahllosen Büchern. Das ist sicherlich gut und schön, schließlich war die Leica die erste erfolgreiche Kleinbildkamera in der Geschichte der Fotografie und das verdient, gewürdigt zu werden. Allerdings fällt auf, dass bestimmte Aspekte in der Geschichte der Firma von Ernst Leitz, die ja  bei weitem nicht nur Kameras herstellte, weit weniger bekannt sind, ja, in den gängigen schönen Büchern fehlen manche Kapitel sozusagen zur Gänze.

Dass die Firma Ernst Leitz GmbH (seit 1930, vorher als Ernst Leitz KG. Firmierend)  etwa zwischen 1960 und 1977 eine ganze Reihe von Schmalfilmkameras erzeugte, ehe diese, wie die anderer Produzenten auch, mangels Nachfrage „eingegangen“ sind, das wird allzu gerne vergessen.

Was die Firma Leitz etwa während des 1. und des 2. Weltkrieges erzeugte, wird mit allerlei Geschichten verbrämt. Nun, 1914-1918 gab es noch keine Leica im Handel, Leitz war ein Hersteller von Mikroskopen, Ferngläsern und optischen Geräten – zweifellos ein wichtiger und fortschrittlicher Hersteller-, aber das spielte sich sozusagen vor der Ära ab, die den an der Geschichte der Fotografie und des Kamerabaus interessierten Leser berührt. Weiß man Bescheid, ist es gut, weiß man darüber nicht Bescheid, ist nicht viel verloren, will man die Geschichte der Leica-Kameras würdigen.

Nur der Vollständigkeit halber, im 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 lieferte Leitz den deutschen Streitkräften das, was diese Firma der Art nach auch vor dem Kriegsausbruch erzeugt hatte, wenn auch mit anderer Gewichtung: Vermessungsgeräte, Entfernungsmesser (auch für Artillerie und Marine). Ferngläser aller Art und dergleichen.

Viel interessanter ist freilich, was man über die Geschäftstätigkeit dieser Firma unmittelbar vor und während des 2. Weltkriegs rieges in Form von Anekdoten oder gar nicht erfährt: Ach ja, die Firma soll nach der Machtergreifung der Nazis  jüdischen Händlern, deren jüdischen Angestellten  und ihren Angehörigen die rechtzeitige Flucht vor den Nazis in die Vereinigten Staaten  in andere Länder ermöglicht haben, schrieb vor einigen Jahren ein amerikanischer Rabbi in einem Buch. Angeblich wurde auf diese Weise  einige hundert Menschen Verfolgung und Ermordung durch die Nazis erspart. Ab den frühen 40er-Jahren war Ernst Leitz II übrigens Mitglied der NSDAP,  nach 1945 allerdings rasch „entnazifiziert“.  Ach ja, Elfe Kühn-Leitz soll Wetzlar unmittelbar vor Kriegsende vor der Zerstörung durch vorrückende amerikanische Truppen bewahrt haben; andererseits soll einer der Direktoren, Henry Dumur  als  Staatsbürger der Schweiz dieselben Einheiten verwirrt haben, indem er vor dem Firmengelände die Schweizer Fahne hisste.

Ich bin kein Historiker, ich gebe nur wieder, was man da und dort eher nebenbei darüber lesen kann.

Daher will ich mich im Folgenden mit zwei Kapiteln der Firmengeschichte beschäftigen: mit der Kameraproduktion während des 2. Weltkrieges und ferner mit der sonstigen Produktion der Firma ……

Die Kameraproduktion ab 1939 bis zum Kriegsende:

 1939 erzeugte die Ernst Leitz G.m.b.H. folgende Modelle:

Leica II (Model D) seit 1932

Leica Standard (Model E) seit 1932

Leica III (Model F) seit 1933

Leica IIIa (Model G) seit 1935                  

Leica 250 (Models FF und GG) seit 1933

Leica IIIb (Model G) seit 1938

Leica IIId seit 1939

ab 1940 wurde die Leica IIIc angeboten

Von der Leica II wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahr

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939

150

2750

1940

-

650

1941

-

-

1942

-

128

1943-1945

-

19

 

Von der Leica Standard wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahr

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939

550

3250

1940

-

1100

1941

-

3

1942

-

57

1943

-

5

1944

 

14

1945

 

6

 

Von der Leica III wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahr

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939

400

3500

 

Von der Leica IIIa wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahr

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939

10200

 

 

Von der Leica 250,  Modell FF und GG, wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahrl

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939                   

150

 

1940

50

 -

1941

100

-

1942

150

-

1943

25

-

1944

3

-

1945

19

-

 

Von der Leica IIIb wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahrl

Gehäuse schwarz

Gehäuse chrom

1939

 

14505

1940

 

 5755

1941

 

145

 

 

 


Von der Leica IIIc, wurden folgende Stückzahlen erzeugt:

Jahrl

Gehäuse schwarz*

Gehäuse chrom

1940

5070

 -

1941

13024

-

1942

6665

-

1943

1508

-

1944

693

-

1945

6788

-

*Infolge Chrommangel sind gegen Kriegsende viele IIIc in mattgrauer Farbe erzeugt worden.

 Die oben angegebenen Fertigungszahlen stammen im Wesentlichen aus dem Leica Collectors Guide von Dennis Laney, Hove-Books, 2. Auflage, 1995.

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©Peter LAUSCH
Erstellt am  14.4.2020