© Leicashop Wien, 2004

 

Leica Zubehör: LEICAMETER MR-4

Der hier abgebildete Leicameter Modell MR-4 wurde von der Metrawatt AG. mit Sitz in Nürnberg ab 1967 in einer hell verchromten und in einer schwarz lackierten Ausführung geliefert. In den Zubehörkatalogen findet er sich bis in die 80er-Jahre. Seine Produktion wurde erst eingestellt, nachdem die Leica M6 mit TTL-Belichtungsmessung lieferbar geworden ist.

Der Leicameter MR-4 entspricht in allen Details dem Vorgängermodell Leicameter MR, welches 1963 lieferbar wurde.

Der einzige Unterschied ist die beim MR T-förmig aus dem Gehäuse herausstehende Messtaste (siehe Abbildung), die nicht nur leicht abgebrochen wurde, sondern auch noch beim Rückspulen des Films mittels Rückspulknopf bei den Leica-Modelle M1, M2, M3, und MP im Weg ist. Daher wurde die neue Einschalttaste des MR-4 allgemein als sinnvoll und nützlich empfunden.

Sowohl Leicameter MR als auch MR-4 haben gegenüber dem ab 1956 lieferbaren Leicameter MC mit Selenzelle offenkundige Vorteile denn mit den Leicametern MR und MR-4 konnte man schneller, genauer und sicherer fotografieren und – dank gesteigerter Empfindlichkeit der CdS-Zelle sogar unter denkbar ungünstigen Lichtverhältnissen

Zwischen den Leicametern MR und MR-4 und dem Vorgängermodell MC mit Selenzelle gibt es daher zwei wichtige, wie ich denke: entscheidende, Unterschiede:

  • Die Verkleinerung des Messwinkels (rund 21° in der Horizontalen und 16° in vertikaler Richtung) ergibt sich durch Verwendung eines so genannten Kadmium-Sulfid-Fotowiderstandes gegenüber der - früher allgemein üblichen - Selenzelle mit technisch bedingtem weit größerem Messwinkel;
  • Die viel größere Empfindlichkeit, die jetzt so groß geworden ist wie die Kombination MC plus Verstärkerelement, das unförmig groß war, separat mit sich getragen werden musste und überhaupt nichts brachte, wenn es versehentlich daheim vergessen worden war.

Diese technisch bedingten Nachteile waren längst bekannt, aber erst zu Anfang der 60er-Jahre wurden die Voraussetzungen für die Verwendung von CdS-Zellen geschaffen.

Der Messwinkel des Leicameter MR ist annähernd gleich dem Aufnahmewinkel der Leica-Objektive von 90 mm Brennweite. Deshalb empfahl die Gebrauchsanweisung, man solle das Bildfeld des 90mm-Objektivs in den Sucher einspiegeln, um sicher zu sein, dass man diejenigen Bildpartien ausmesse, auf die es ankommt.

Je nach Brennweite des verwendeten Objektivs ergab sich durch den kleineren Messwinkel eine Art Selektivmessung, die bei Objektiven mit kurzer Brennweite (etwa 28 mm) natürlich deutlicher ist als etwa bei einem Normalobjektiv mit 50 mm Brennweite. Bei 90 mm Brennweite wird die Messung zu einer Ganzfeldmessung, weil Messfläche und Bildfläche sich entsprechen. Beim 135er Elmar oder Elmarit ist die Messfläche sogar größer als die Bildfläche.

Diese Einschränkungen werden technisch erst 1984 mit der Einführung der TTL-Belichtungsmessung im Modell Leica M6 beseitigt – seither entspricht bei allen Modellen der M-Leica, die seither erzeugt wurden, der Messwinkel des nunmehr eingebauten und nicht mehr aufgesetzten Belichtungsmessers konstant etwa 2/3 der Bildhöhe im entsprechenden Sucherrahmen. 

Die selektive Belichtungsmessung ermöglicht bei Objekten von größerem Helligkeitskontrast immer eine Ausmessung der bildwichtigsten Stellen - auch über größere Entfernungen hin -, so dass die umständlichere und zeitraubende Lichtmessung ganz wegfällt.

Die Benützung ist einfach:

Das Zeitenrad des Belichtungsmessers kann mit dem Zeitenrad der Kamera gekuppelt werden. Das Zeitenrad der Kamera wird auf B gestellt, aodass die Nut nach hinten zeigt. Beim Aufschieben des Belichtungsmessers wird das Einstellrad des Belichtungsmessers so gedreht, dass die Dreiecksmarke auf B zeigt. Jetzt wird das Rad an der Unterseite angehoben und durch Drehung fixiert, worauf der Belichtungsmesser bis zum Anschlag in den Sucherschuh eingeschoben wird. Dann wird das Einstellrad am Belichtungsmesser so nach Rechts gedreht, dass der Kupplungsstift in die Nut eingreift. Sodann wird die gewünschte Zeit eingestellt.  Sinngemäß gleich wird der Belichtungsmesser bei Bedarf wieder abgenommen.

In der Abbildung oben ist eine Zeit zwischen 1/250 und 1/500 Sekunde eingestellt. Leicameter MR und MR-4 haben zwei Messbereiche: Die schwarze Skala gilt für helles (Tages-) Licht, die rote bei schlechten Lichtverhältnissen. Auch bei extrem ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen (available light) erhält man noch sehr genaue Messungen.  In der Abbildung ist der rote Messbereich eingestellt. Die richtige Blende zur eingestellten Zeit erhält man auf der roten Skala, indem man dem weißen oder schwarzen Streifen, auf den der Zeiger zeigt, bis zur entsprechenden Blendenzahl verfolgt.  Im Beispiel ist der Belichtungsmesser ausgeschaltet, daher zeigt der Zeiger auf gar keinen Streifen. Mit dem kleinen Knopf auf der Oberseite wird die DIN/ASA Zahl eingesteuert, im Beispiel oben auf 21 DIN/100 ASA.

Das jeweilige Messergebnis bleibt nach Loslassen der Messtaste arretiert . Das erleichtert das schnelle Fotografieren ungemein: Bei vorgewählter Blende kann man die gefundene Belichtungszeit durch Drehen des gekuppelten Knopfes einstellen oder umgekehrt bei vorgewählter Belichtungszeit die zugehörige Blende ablesen und einstellen.  

Das Batteriefach befindet sich übrigens auf der Unterseite des Belichtungsmessers; die Batterie kann erst ausgewechselt werden, wenn der Belichtungsmesser abgenommen wurde.

Die Leicameter MR und MR-4 sind auch heute noch gesuchte Zubehörteile zu allen M-Leicas ohne eingebauten Belichtungsmesser und werden von vielen Benützern einem separaten Handbelichtungsmesser vorgezogen. Das spiegelt sich im Preis der häufig angebotenen Geräte wieder. Für einen funktionsfähigen MR-4 in schwarzer Lackierung wie den oben abgebildeten muss man in so schönem Zustand mit ca. 350 Euro rechnen.

Auf zwei Dinge sollten Interessenten aber achten:

  • altersbedingt funktionieren nicht mehr alle Leicameter im Gebrauchthandel einwandfrei – Reparaturen sind teuer und Ersatzteile gibt es bestenfalls aus ausgeschlachteten Geräten, jedoch nicht mehr von der Metrawatt AG. und
  • die Leicameter MR und MR-4 sind für den Betrieb mit einer Quecksilberbatterie PX13 mit 1,35 V konstruiert, die es dank Umweltschützern heute nicht mehr gibt. Gleichgroße Silberoxyd- bzw. Lithiumbatterien liefern jedoch 1,5 V Spannung, was zu Fehlmessungen führen kann. Adäquater Ersatz sind jedoch Zink-Luft-Batterien, die es bessere Händler im Angebot haben – wenn nicht, Foto Brenner kann sie liefern, allenfalls aber auch das Geschäft für Hörgeräte an der Ecke, denn Zink-Luft-Batterien werden in machen Hörgeräten benötigt. Sie haben jedoch eine Haltbarkeitsdauer von max. 1 Jahr. Der Batteriezustand lässt sich durch die längliche Taste auf der Vorderseite des Geräts überprüfen – die Nadel sollte bis über den weißen Punkt auf der Skala ausschlagen.

 

 

© PETER LAUSCH/2004
Erstellt am 15. November 2004

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