Die Leica
und ihre Geschichte -
Buchauswahl

Peter LAUSCH 

 

 

 

Eine kleine - und subjektive - Auswahl einschlägiger Leicaliteratur

Die LEICA war infolge ihrer Bauart und ihres Formats eine von den Zeitgenossen wirklich als sensationell empfundene Kamera. Sie fand sogleich enthusiastische Anhänger, die sie überschwänglich lobten. In der Zeitschrift Photofreund schrieb schon 1925 ein begeisterter Journalist: "Der Kinofilm als Aufnahmematerial hat unbedingt seine Vorteile, denn er besitzt ein feineres Korn als die Platte und lässt eine sehr starke Vergrößerung zu. Wir haben bei der LEICA also als Basis den Kinofilm, und nun kommt alles darauf an, wie das Problem seiner Benutzung für fotografische Zwecke gelöst worden ist. Von der LEICA kann man mit voller Überzeugung sagen, daß sie die ideale Lösung darstellt. Das ist keine Übertreibung."
Einige Jahre später (ab 1931) gab es die erste Photozeitschrift, die speziell der Leica gewidmet war, die von Curt Emmermann herausgegebene Zeitschrift "Die Leica", die einige Jahre später auf Grund gesetzlicher Vorschriften in "Kleinfilm-Foto" umbenannt wurde und bis Ende 1942 erschien. 
   

Curt Emmermann,
"Photographieren mit der Leica",

Wilhelm Knapp Verlag, Halle an der Saale, 1930,
(Reprint bei Lindemanns Fotobuchhandlung, nach 1985) 

Das Buch war, für die Zeitläufte und die doch geringe Zahl verkaufter LEICAs, ein ungeheurer Erfolg, erschien in mehreren Auflagen, in letzter Auflage noch 1944 mit leicht geändertem Titel: "Leica-Technik", 48. - 59. Tausend.
Heute findet es sich gelegentlich in Antiquariaten und wird unter anderem nicht selten bei e-bay angeboten. Ist Ihnen der Preis zu hoch oder dauert Ihnen die Warterei zu lange, gibt es für Sie vielleicht noch eine - preiswerte - Alternative: die von den Verlagen an die Universitätsbibliotheken abzuliefernden Pflichtexemplare, die Sie im Lesesaal der nächsten Universität (so sie nicht nach 1945 neu gegründet wurde) lesen können. Bei deutschen Büchern aus den Jahren 1938 bis 1945 können wir Österreicher das auch hierzulande.
Wer sich Erleuchtungen erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch ist eine erweiterte Gebrauchsanleitung und insoferne nützlich, als es den Gebrauch altertümlichen Zubehörs erläutert. Interessant ist es vor allem wegen der Beschränkungen des Leica-Systems, die gleichsam nebenbei aufgezeigt werden: Wer als oberstes Prinzip fordert, das Motiv möglichst groß darzustellen, gibt mehr oder minder deutlich die Grobkörnigkeit und die mangelnde Vergrößerungsfähigkeit der damaligen Kleinbildfilme zu. Wer gar behauptet, dem Hektor 1,9/73 mm sei "absichtlich eine ganz schwache Weichheit der Zeichnung belassen" worden, damit der "Übergang von völliger Schärfe bis zur Unschärfe nicht krass erfolgt, sondern gemildert wird", der umschreibt beschönigend die auch damals schon so empfundene mangelnde Schärfeleistung des Objektivs.
 

Fritz Vith
Leica-Handbuch

Technisch-pädagogischer Verlag, Wetzlar
viele Auflagen

Auch für dieses Buch gilt sinngemäß das zum Buch Emmermanns Gesagte: Bedienungsanleitung und Darstellung der systemimmanenten Vorteile des Kleinbildfilms und der Kleinbildkamera an Hand der LEICA. Und ebenso wie in Emmermanns Buch wird erläutert, wie man einen Film in die Kamera einlegt, nachdem man die Meterware in passende Länge geschnitten und mit der Schneidelehre ABLON den Filmanschnitt zurechtgestutzt hat. Solche Beschreibungen gibt es zwar auch im Internet (z. B. bei mir), aber es ist ganz nützlich, nachzulesen, dass die fertig konfektionierten Filme früher einen längeren, für die LEICA passenden Filmanschnitt gehabt haben, der in den späten 50er-Jahren zum heutigen Stummel verkümmert ist (und mehr ist für moderne Kleinbildkameras auch nicht nötig). Junge Leser glauben nämlich oft, den Film müsse man wegen eines Konstruktionsfehlers der Schraubleicas so kompliziert einlegen.
 

Dr. Paul Wolff
Meine Erfahrungen mit der Leica, 

Breidenstein, Frankfurt, 1939

Wer eine erweiterte Bedienungsanleitung für seine Schraubleica sucht, ist hier fehl am Platz. Wer aber eine mit schwer übertrefflicher Prägnanz geschriebene Darstellung der Möglichkeiten der Kleinbildkamera an Hand der LEICA lesen will, für den ist der "Dr. Wolff" unverzichtbar. Da schreibt ein wahrer Begeisterter über eine Kamera, dessen bildnerische Möglichkeiten er als Erster wirklich genutzt hat. Wer den durchaus zeitbezogenen Text von Dr. Wolff liest, der versteht die wahre Faszination, die von der LEICA ausgegangen ist. Allein dieses Textes wegen sollte man das Buch gelesen haben.
Aber nicht nur des Textes wegen ist das Buch des Dr. Wolff noch heute wichtig und nützlich. Das Buch ist reich bebildert, nicht mit technischen Abbildungen von LEICAs und Zusatzgeräten, sondern mit den von Dr. Wolff aufgenommenen Reportagefotos. Denn nebenbei hat der Dr. Wolff auch gleich die Reportagefotografie zutiefst mitbeeinflusst. Ich habe zwar das Gefühl, dass durchaus nicht alles, was da so scheinbar unkompliziert aufgenommen wurde, rein zufällig gesehen und fotografiert wurde. Mir scheint, hinter vielen Bildern steckt ein gerüttelt Maß an Arrangement. 
Für    uns ist es heutzutage schwer, den Eindruck nachzuempfinden, den diese ganz neue, lebendige Art zu fotografieren bei den Zeitgenossen bewirkt hat, die bloß die statisch wirkenden Fotos mittels behäbiger Platten- und Rollfilmkameras gewöhnt waren. Auch wirkt, zumindest auf mich, nicht jedes Foto Dr. Paul Wolffs  in der Druckwiedergabe wirklich scharf, aber das sind Kleinigkeiten, die vielleicht nur ich subjektiv empfinde und die jedenfalls dem Gesamteindruck nicht schaden können.
Dr. Paul Wolff ist, zu Unrecht, wie ich meine, in den letzten Jahrzehnten ein wenig in Vergessenheit geraten, wozu sicher auch zählt, dass die Rechte an Wolffs Bildern vielfach von Agenturen aufgekauft wurden. Nicht jeder kann nach New York zur großen Ausstellung in der Leica Gallery fliegen, um dort Wolff-Bilder in großformatigen Abzügen zu sehen. Das ist schade. Aber dafür gibt es seine Bücher (auch eine Reihe von reinen Bildbänden) im Antiquariat noch zu kaufen. Bloß eine Neuausgabe in Buchform fehlt. Diverse Geschäftemacher verlangen zuviel Geld für die Rechte an den Fotos.
 

Heinrich Stöckler
Die LEICA in Beruf und Wissenschaft

Breidenstein-Verlag, z. B. Auflage 1941

Das ist kein Lehrbuch; das ist - mit Beiträgen verschiedener Autoren - eine Darstellung der Verwendbarkeit der LEICA im kriminalpolizeilichen Erkennungsdienst, in der Medizin, bei rassenkundlichen Forschungen und dergleichen. Dementsprechend sind dann auch die Abbildungen, von eklig bis schwer zu ertragen. Wer sich gerne frühe Farbfotos von Hautkrebs und Hauttuberkulose anschaut, der wird mit diesem Buch sicher glücklich werden. Ich nicht. Immerhin, Stöckler zeigt auch die Möglichkeiten für Fotoserien (etwa bei Aufnahmen von Kindern) und Reportagen, die sich mit einer handlichen und unauffälligen Kamera wie der LEICA bieten. 
Dennoch halte ich als (bescheidener) Sammler und User von LEICAs dieses Buch für das entbehrlichste von allen hier angeführten Büchern über die LEICA, wozu kommt, dass die Anbiederungen an die Nazi-Ideologie in den Auflagen während des Tausenjährigen Reiches unübersehbar sind. Emmermann zum Beispiel hat solche Anbiederungen vermieden. Aber Geschmäcker mögen verschieden sein und der Herr Stöckler hat nach 1945 eine erfolgreiche Laufbahn als langjähriger Chefredakteur der angesehenen Zeitschrift "Leica-Fotografie" absolviert, ohne dass seine Vergangenheit thematisiert worden wäre.
 

Andrew Matheson
Das ganze Leica-System,

Wilhelm Knapp-Verlag, 1956

Die deutsche Übersetzung des englischsprachigen Buches von Matheson, The Leica Way, beschreibt in aller Ausführlichkeit die Bedienung der Schraubleicas und der LEICA M 3 und gibt Hinweise auf den Einsatz des zahlreichen Zubehörs, insbesondere die Auswahl geeigneter Brennweiten für die einzelnen Aufnahmegebiete. Gäbe es das Buch von Kisselbach nicht (s. u.) wäre Mathesons Buch ein größerer Erfolg beschieden gewesen, aber immerhin ist Matheson in den USA und Kanada das, was bei uns in deutschsprachigen Ländern Kisselbach war.

Theo Kisselbach
Das Leica-Buch

Heering-Verlag, viele Auflagen, z. B. 1956 bzw. 1969

Kisselbach hat das wahrscheinlich klassische Buch über die Leica verfasst. Es ist in vielen Auflagen erschienen, zuletzt 1998 im Lindesmanns Verlag ein Reprint der Auflage von 1969 in nicht in jeder Hinsicht überzeugender Druckqualität. Aber besser als nichts!
Achten Sie bei Interesse darauf, welche Auflage Sie erstehen. Wollen Sie sich primär über die Bedienung der LEICA M 3 etc. informieren, nehmen Sie ruhig eine spätere Auflage oder den Reprint von Lindemanns. Wollen Sie sich jedoch über Schraubleicas informieren, ist die Auflage 1957 die richtige Wahl. Wollen Sie gar mit einer IIIc Blitzaufnahmen machen, bleibt Ihnen gar nichts übrig als die Auflage 1957, meines Wissens die letzte, in der die Verwendung von Blitzgeräten samt umständlichem Zubehör bei Kameras der c-Serie beschrieben wird. Mein persönlicher Rat lautet allerdings: lassen Sie das besser sein, die notwendigen Zubehörteile haben Sie wohl ohnehin nicht und das Ganze ist ja doch ein Murks. 

Theo Kisselbach
Kleines Leica-Buch

Heering-Verlag,  1951

Im handlichen Format der damaligen Foto-Dienst-Hefte, jedoch im erweiterten Umfang von ca. 180 Seiten und als Ganzleinenband, erschien das Kleine Leica-Buch. "Das Büchlein hat seit seinem Erscheinen viele Freunde gewonnen. Dazu hat seine moderne Aufmachung und die lebendige Art, einen komprimierten Leitfaden für das kleine Wunderwerk aus Wetzlar zu geben, bestimmt viel beigetragen. Es ist jeden Leica-Besitzer eine Fundgrube des Wissens um die fast unerschöpflichen Möglichkeiten seiner Kamera, ein treuer Begleiter auf seinen photographischen Streifzügen." - Originalton Photo-Magazin 1953. 
Im Wesentlichen handelt es sich um eine erweiterte Gebrauchsanleitung für die Schraubleicas, in späteren Auflagen wird dann auch die LEICA M 3 behandelt. Meine Empfehlung: Wenn schon, denn schon, haben Sie die Wahl, kaufen Sie sich besser den "grossen" Kisselbach.

Paul-Henry van Hasbroeck
Leica

Callwey München, 1987

Üppig bebilderte Darstellung aller Modelle samt Objektiven. Knapper Text und gewisse Lücken beim Zubehör. Aber immer noch ein Standardwerk, trotz der nachfolgenden Ausgabe vom selben Autor in englischer Sprache: Leica in Colour, in der das Schwergewicht auf schönen Fotos schöner Kamera samt Zubehör liegt.

Dennis Laney
Leica Collectors Guide

Hove Collectors Books, ab 1992

Kleiner im Format als "der Hasbroeck", kleinere Abbildungen, aber mehr Text und mehr Zubehör - die Wahl fällt einem schwer. Und würde sich der Herr Laney mit Herrn Hasbroeck und dem Herrn Rogliatti zusammentun - dann wäre das Standardwerk auf dem Markt.

Gianni Rogliatti
Leica - The First 70 Years

Hove Collectors Books, 1995

Viele schöne Abbildungen mit ausreichend Text und dank geringem Alter des Buches einigermaßen aktuell hinsichtlich der Beschreibung der einzelnen Modelle der Kameras und der Objektive, wenn auch naturgemäß nicht auf dem neuesten Stand. Aber über den geben ohnehin die Druckschriften der Leica Camera AG. Auskunft.

Erwin Puts
Leica History 1925 - 1965

CD im Selbstverlag

Kein Buch, aber dennoch aufgenommen: Wollen Sie nachempfinden, auf welche Weise Leitz die Leica dem Publikum präsentierte, so hat Puts für Sie eine Sammlung von Prospekten und Druckschriften der Firma Leitz und ihrer Vertretungen zusammengestellt und präsentiert sie auf dieser CD. Diese Sammlung gibt gleichsam einen ungefilterten Blick in die Vergangenheit frei. Außerdem ist die CD auch noch überaus preiswert und ganz einfach bei Puts über dessen Website zu bestellen. 
 

Erwin Puts
Leica Lens Compendium

Hove Books

Auf englisch beschreibt der Holländer Erwin Puts die optischen Leistungen aller je von Leitz und Leica auf den Markt gebrachten Objektive für die Schraub- und M-Leicas, aber auch für die SLR-Kameras der Firma. Interessieren Sie sich für die Geschichte des Objektivbaues, ist das Buch das Richtige für Sie; wollen Sie ein neues Objektiv kaufen, fasse ich das Ergebnis laut Puts in einem Satz zusammen und erspare Ihnen damit den Kauf des Buches: es gibt einfach nichts Besseres. Und das Zweitbeste? Die Vorgängerversion der heute produzierten Objektive. Danach kommt lange nix. Jetzt wissen Sie´s.


Günter Osterloh
50 Jahre Leica M
Heel-Verlag

In Deutsch und Englisch, aber entgegen dem Titel auch mit Rückblicken auf die Entwicklung der Leica ab 1914. Ausgezeichnet und kundig, wenn auch mir persönlich ein wenig zu offizieller Ton. Mir klingt es manchmal ein wenig nach Aussendung des Werkspressedienstes - oder wie immer er bei der Leica Camera AG. heißen mag. Mit Abbildungen aller Modelle der M-Leicas!

Curt Emmermann
"Die Leica" bzw. "Kleinfilm-Foto"

Zeitschrift im Eigenverlag Emmermanns, erschienen von 1931 bis 1942

Kein Buch, sondern eine Vorgängerin der heutigen Zeitschrift Leica Fotografie International. 1931 erschien, angeregt durch den großen Erfolg seines Buches die von Curt Emmermann herausgegebene Zeitschrift zur LEICA, die in den 30er-Jahren aus markenschutzrechtlichen Gründen  umbenannt werden musste. Eine fotogeschichtliche Quelle ersten Ranges, bot sie doch damals Aktuelles und Wissenswertes und gibt Einblick in die damaligen Probleme der Anwender - praxisnahe Beiträge. Interessant sind auch die Bilder, zum Teil von nachmals weltbekannt gewordenen Fotografen wie Alfred Eisenstaedt und den langjährigen Reporter der längst eingegangenen Illustrierten Quick, Hans Hubmann. Für den fotohistorisch Interessierten ist sie sicherlich auch heute noch von Interesse. Mit vielen heutigen einschlägigen Zeitschriften, die loben, was Inserate bringt, hat die Zeitschrift keine Ähnlichkeit, in der bescheidenen Machart allerdings auch nicht.
   Die Zeitschrift Emmermanns ist schwierig zu finden (außer in Bibliotheken; beinahe ebenso schwer und außerdem teuer (neu zum Preis von früher DM 350.-) der in den 80er-Jahren im Verlag Schliermann & Co, Hamburg, erschienene Reprint der Gesamtausgabe in 4 Bänden mit fast 2500 Seiten inkl. 473 Fototafeln.

Hinweis:

   Und wenn Sie eine wahre Schatztruhe an primär amerikanischer und englischer Leica-Literatur öffnen wollen, dann gehen Sie doch einmal zur Site von Alibris in den USA und geben Sie einfach das Wort Leica ein. Sie werden staunen, was es alles gibt. Und sollte Ihr Buchhändler in Buxtehude etc. dies oder jenes nicht führen, bestellen Sie übers Internet, womit ich weder für Amazon Reklame mache noch auch nur das Geringste gegen Buxtehude schreibe. Ich hätte natürlich statt Buxtehude auch Wien schreiben können.
   

Peter LAUSCH
Erstellt am 18. Juli 2001
Zuletzt geändert am 31.1.2010

Rechtliches

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