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Sie wollen eine
Schraubleica? Sie haben eine? Eine echte?
Kann man denn mit einer Schraubleica fotografieren? Und wie?
Variante 1:
Die Großtante hat Ihnen eine Schachtel mit einer fabrikneuen, in
den 30er-Jahren vom Urahn gekauften LEICA II geschenkt? Die Kamera
schaut alt, aber ungebraucht aus, bloß die Linsen des Elmar sind trübe?
Die Großtante ist wirklich eine und eine Dame noch dazu? Nie würde sie
lügen? Der Urahn sagt sie, hat die Kamera in den 30er-Jahren mit seinem
letzten Geld gekauft? Sie weiß es von Kindheit an?
Glauben Sie ihr. Nachprüfen ist besser.
Zum Beispiel hier
und hier auch. 100
andere Möglichkeiten gibt es außerdem im Internet. Googeln Sie doch
unter <leica fakes>. Sie werden staunen.
Variante 2:
Der Großonkel hat eine alte LEICA im Jahre 1985 auf dem Roten Platz in
Moskau einem armen Russen abgekauft - für wenig Rubel? Garantiert echt,
sagte der arme Russe. Er nix zu essen, er müssen verkaufen, leider.
Dabei, unter Lebensgefahr deutschem Faschisten in Uniform abgenommen,
1944! Sehen eingeprägtes Hakenkreuz? Sehen Aufschrift:
<Kriegberichterstatter>?
Nichts gegen den Großonkel, aber in
diesem Fall ist die prächtige alte LEICA vermutlich eine verkleidete FED
und nicht Hitlers Wehrmacht abgenommen worden. Wer so etwas glaubt, wird
selig, sagt das Sprichwort. Der Lausch sagt es auch.
Nichts gegen eine alte FED, auf LEICA
umgefälscht, aber sie ist nicht mehr wert als ein paar Rubel. Wenn Sie
sich so etwas schicken lassen wollen - USD 100.- ist ein gängiger Preis.
Dazu brauchen Sie keine Großtante und keinen Großonkel. Wie sie solch
eine Fälschung erkennen? So wie
oben.
Im Ernst:
Sie haben eine alte LEICA. Sie wissen nicht,
welches Modell? Lesen Sie meine Geschichte der LEICA oder klicken Sie
zum Beispiel wiederum
hier.
Die Kamera schaut schön aus, der graue
Belag im Objektiv stört Sie? Ehrlich, Sie haben zwei
Möglichkeiten: Sie stellen die LEICA ins Regal und freuen sich des
Anblicks. Vermutlich ist nichts in Ihrer Wohnung älter als die LEICA -
ein Stück deutscher Wertarbeit etc.
Sie wollen mit der alten LEICA fotografieren? Das wird vermutlich
ins Geld gehen. Das alte Elmar muss gereinigt werden. Das machen wenige
und es ist teuer. Und wenn Sie gleich
dabei sind, vermutlich wird der Verschluss auch nicht mehr
- einwandfrei - funktionieren. Die langen Zeiten sind besonders
anfällig. Jedes mechanische Produkt kann gereinigt werden. Objektive
können zerlegt und gereinigt werden. Manchmal ist ein Teil gebrochen.
Kein Problem, wenn es eine normierte Schraube ist oder dergleichen.
Kritisch, wenn es ein natürlich seit langem nicht mehr erzeugter
Originalteil ist. In diesem Falle nimmt man eine andere LEICA oder ein
anderes Elmar und schlachtet sie aus. Das zahlt sich aus, wenn Sie eine
wirklich seltene Version Ihrer LEICA besitzen und eine ganz billige,
abgestoßene LEICA als Ersatzteillager zur Verfügung steht. Es gibt auch
Elmare ohne grauen Schimmelbelag gebraucht zu kaufen - das kommt
vermutlich auch nicht teurer als die Objektivreparatur.
Bevor Sie so etwas in Angriff nehmen (lassen), stellen Sie
mit Vorteil den Wert Ihrer LEICA fest und holen einen Kostenvoranschlag
ein. Wo? Fragen Sie bei der LEICA-Vertretung Ihres Landes. Herumpfuschen
kann bald einer, mit alten LEICAs kennen sich nicht viele Werkstätten
mehr aus und leicht wird Ihr schönes Stück bei der Reparatur verkratzt
etc.
Die Reparatur kostet mehr als die Kamera wert ist? Ab in
die Vitrine!
Eine
alte LEICA kaufen?
Sie wollen unbedingt eine Schraubleica?
Ihnen kann geholfen werden. Es gibt genug davon im Handel. In den
Großstädten gibt es auf gebrauchte Kameras spezialisierte Händler, in
den Fachzeitschriften gibt es einschlägige Inserate, im Internet finden
Sie Adressen ......
Einige Dinge sollten Sie aber schon bedenken.
Jede Schraubleica (ich schreibe immer <Schraubleica>, das ist ein
üblicher Ausdruck. Offiziell ist er nicht, Leitz bzw. LEICA haben ihn
nicht verwendet) ist ca. 40 Jahre alt - oder, je nach Modell, noch
älter. Die meisten Objektive auch, denn Leitz hat nach Einstellung der
Produktion der letzten Schraubleica, der IIIg, bald auch die Erzeugung
den Objektiven mit Schraubfassung eingestellt. Keine Regel ohne
Ausnahme. 2000 hat LEICA eine kleine Zahl von modernen Objektiven in
Schraubfassung in Japan angeboten. Sie sind freilich schwierig zu
erlangen und meist schon im Besitz von Japanern. Bis auf den Anschluss
entsprachen sie den serienmäßigen Objektiven in der Qualität, wie sie
2000 eben erzeugt wurden.
Bei den Objektiven gibt es solche mit Vergütung und solche ohne. Leitz
hat erst nach 1945 begonnen, serienmäßig Objektive zu vergüten. Finden
Sie eines ohne Vergütung, ist es daher bald 70 Jahre alt. Nicht nur sind
diese Objektive dann auf dem Stand und Leistungsvermögen des Jahres 1935
oder 1940. Unvergütete Objektive sind leider viel anfälliger für
Überstrahlungen und Reflexionen - matte Farben und leicht verschleierte
Bilder werden die Folge sein. Solche Fotos können, auf modernen Filmen
aufgenommen, ganz nostalgisch wirken. Aber jeder Betrachter wird den
Unterschied zu Fotos mit moderner Ausrüstung merken. Nicht jeder wird
von den Ergebnissen begeistert oder auch nur angetan sein. Wollen Sie
mit ihrer alten LEICA wirklich fotografieren, machen Sie einen Bogen um
nicht vergütete Objektive.
Überhaupt meine ich, ganz subjektiv, wenn Sie schon fotografieren
wollen, erstehen sie eine möglichst junge LEICA. Ich empfehle guten
Gewissens die LEICA IIIg. Ein vernünftig großes Sucherbild,
Leuchtrahmensucher mit Parallaxenausgleich, Rahmen für 50 und für 90mm
Brennweite, Selbstauslöser. Recht teuer ist die IIIg - leider. Unlängst
habe ich eine IIIg im Bestzustand um DM 4.600.- gesehen, eine im Zustand
B (mit deutlichen Gebrauchsspuren) um DM 3.000.-.
Wollen Sie für eine so alte Kamera nicht so viel Geld ausgeben,
empfehlenswert ist das Vorgängermodell IIIf erhältlich, im Zustand B+
mit Elmar um ca. 800 € im Fachhandel, im Internet preiswerter. Der
Sucher ist kleiner, die Leuchtrahmen fehlen .... Die LEICA IIIg ist
nicht doppelt so gut, aber sie ist seltener und sie ist bei Sammlern
begehrter, weil sie eben das letzte Modell der Schraubleicas ist.
Die LEICA IIIg ist das technisch am weitesten entwickelte Modell.
Natürlich können Sie auch mit älteren Modellen - vor der IIIf und der
IIIg - fotografieren und lehrreich ist es allemal, denn Sie erfahren am
eigenen Leib, mit welchen technischen Beschränkungen und Schwierigkeiten
in den 30er- und 40er-Jahren viele prächtige Fotos entstanden sind. Je
älter das Modell der LEICA ist, desto deutlicher wird naturgemäß der
seither erzielte Fortschritt im Bau von Fotoapparaten.
Bei der LEICA ist diese Entwicklung gelegentlich sprunghaft verlaufen:
Die LEICA I war eine Sensation. Die LEICA II mit eingebautem
Entfernungsmesser eine weitere. Die LEICA M3 die dritte in der Reihe.
Die LEICA M5 hätte eine Sensation werden können, aber aus ihr ist nicht
viel geworden. Alle anderen Modelle sind Variationen dieser 3
wegweisenden Modelle. Wenn Sie mit der zweiten Generation (LEICA II, IIIa, IIIc, IIId, IIIf, IIf und IIIg) fotografieren (von der ersten
LEICA ganz zu schweigen) merken Sie die Entwicklung deutlich. Mit der
ersten Generation (LEICA I, Compur-LEICA) ohne eingebauten
Entfernungsmesser werden Sie beim Fotografieren wenig Freude haben.
Neuerdings können Sie auch mit der LEICA 0 fotografieren, seit die LEICA
Camera AG eine Replik verkauft. Da stelle ich mir die Freude allerdings
eher gering vor, wenn ich an die doch umständliche Bedienung denke. Tun
Sie sich das besser nicht an. Man muss ein ganz bestimmter Mensch sein,
um so umständlich zu fotografieren. Solche Menschen sind selten.
Den Fotos, die Sie mit den alten Kameras machen, muss man
es nicht ansehen, dass die Kamera selbst schon 30, 40 oder 60 Jahre alt
oder noch älter st.
Schwierig wird es allerdings, wenn Sie auch noch mit Objektiven
fotografieren, die 50 oder 60 Jahre alt sind. Die Fortschritte beim Bau
von Objektiven sind in diesen vielen Jahren gewaltig gewesen. Auch hier
gilt, je jünger (bei annähernd vergleichbarer Qualitätsstufe)das
Objektiv, desto (technisch!) besser die Aufnahme.
Alternativen
Was die Gehäuse betrifft, gibt
es keine. Eine Schraubleica ist eine Schraubleica und dieser Artikel
beschäftigt sich mit dem Fotografieren mittels Schraubleicas. Aber
natürlich gibt es eine Menge von Kameras der unterschiedlichsten Marken
mit dem Schraubgewinde M39, von den russischen FED und Zorki bis zur
feinen Canon 7sZ. Wie es sich mit einer
FED 5 fotografiert, oder
einer Zorki 4k, können
Sie bei mir nachlesen. Aber eine LEICA ist keine von ihnen.
Anders ist es bei den Objektiven. Es gibt eine wahre Unzahl von teils
sehr guten, aber ebenfalls 30 oder 40 Jahre alten Objektiven anderer
Hersteller, vom Zunow 1,1/50mm über ganze Objektivserien von Canon bis
Nikon. Sollten Sie ein solches Objektiv mit Gewinde M39 haben, probieren
Sie es - vorsichtig, denn ich übernehme für nichts Garantie. Und
beachten Sie: Alte Canon-Objektive haben bekanntlich eine geringfügig
andere Gewindesteigung als die Objektive von Leitz. Da kann es Probleme
geben. Und bei den Russkis können Sie mit viel Glück ein ganz
ausgezeichnetes Exemplar erwischen, aber auch ohne besonders viel Pech,
einen besseren Glasscherben.

Neuerdings können Sie auch neu aufgelegte Objektive von Cosina mit dem
Gewinde M39 kaufen. Dazu gibt es auch passende Sucher. Obgleich dies
eine Seite für Freunde der LEICA ist, sage ich es dennoch: damit können
Sie leicht, wenn auch nicht ganz billig, ihre LEICA mit einem
Weitwinkel- oder leichtem Teleobjektiv ausstatten. Ganz neue
Alternativen ergeben sich: z. B. eine 50 Jahre alte LEICA mit einem
extremen Weitwinkelobjektiv 4,5/15mm von dem und den damit gegebenen
Möglichkeiten Barnack und Berek sicherlich nicht geträumt haben!
Probleme
Mannigfache Probleme können auftreten.
Neu gekaufte alte Kameras sind selten zu 100% in Ordnung.
Sie vielleicht auch nicht, wenn Sie einmal so alt werden. Rechnen Sie
bei den alten Kameras daher mit zusätzlichen Kosten für Service und
Reparaturen.
Manche Kameras entwickeln Macken, denen schwer beizukommen ist. Ich habe
eine alte Diax IIa, die - manchmal - auslöst, sobald ich den Film
transportiere. Das bringt Scharen von Fachleuten in Verzweiflung, denn
sie finden keinen Fehler.
Umständlich zu bedienen sind alle alten Kameras. Nach
Jahrzehnten der Vereinfachung der Bedienung sind wir an mancherlei
Vereinfachungen gewöhnt. Unüberwindliche Hindernisse bei der Bedienung
gibt es auch für gestresste Mitmenschen nicht. Man muss sich bloß ein
wenig Zeit nehmen.
Bei allen Schraubleicas könnte das Filmeinlegen viel
einfacher sein. Könnte, denn die Konstrukteure haben den umständlichen
Vorgang im Lauf der Jahre nicht vereinfacht. Lesen Sie meine abgekürzte
Gebrauchsanleitung bezüglich der LEICA IIIg. Dann wissen Sie ungefähr,
worauf Sie bei allen Schraubleicas beim
Filmeinlegen
achten müssen. Glauben Sie mir, haben Sie es einige Male versucht, sind
alle Probleme bald vergessen und Sie wechseln Filme wie ein Alter
(nämlich wie ich).
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Peter
LAUSCH
Zuletzt geändert am 18. März 2003
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