Die LEICA
und ihre Geschichte
Eine Schraubleica kaufen?

Peter LAUSCH 

 

Sie wollen eine Schraubleica? Sie haben schon eine? Eine echte?
Kann man denn mit einer Schraubleica überhaupt fotografieren? Und wie?

 

Variante 1:
Der Großonkel hat Ihnen eine Schachtel mit einer fabrikneuen,  in den 30er-Jahren gekauften LEICA II vererbt? Die Kamera schaut alt, aber ungebraucht aus, bloß die Linsen des Elmar sind trübe?  Der Urahn hat die Kamera in den 30er-Jahren mit seinem letzten Geld gekauft?

Glauben Sie es. Nachprüfen ist aber immer besser. Zum Beispiel hier und hier auch. 100 andere Möglichkeiten gibt es außerdem im Internet. Googeln Sie doch unter <leica fakes>. Sie werden staunen.

Variante 2:
Der Großonkel hat eine alte LEICA im Jahre 1985 auf dem Roten Platz in Moskau einem armen Russen abgekauft - für wenig Rubel? Garantiert echt, sagte der arme Russe. Er nix zu essen, er müssen verkaufen, leider. Dabei, unter Lebensgefahr deutschem Faschisten in Uniform abgenommen, 1944! Sehen eingeprägtes Hakenkreuz? Sehen Aufschrift: <Kriegberichterstatter>?

Nichts gegen den Großonkel, aber in diesem Fall ist die prächtige alte LEICA vermutlich eine verkleidete FED (eine Leica-Fälschung, siehe den Link  hier ) und nicht Hitlers Wehrmacht abgenommen worden. Tausend ähnliche Geschichten gibt es. Wer solche Geschichten unbesehen glaubt, wird selig, sagt das Sprichwort. Der Lausch sagt es auch.

Nichts gegen eine alte FED, auf LEICA umgefälscht, aber sie ist nicht mehr wert als ein paar Rubel. Sie brauchen auch keinen Großonkel. Wenn Sie sich so etwas schicken übers Internet schicken lassen wollen - USD 100.- ist ein gängiger Preis. Wie sie solch eine Fälschung erkennen? So wie oben.


Im Ernst:
Sie haben eine alte LEICA. Sie wissen nicht, welches Modell? Lesen Sie meine Geschichte der LEICA. Oder Sie prüfen die Gehäusenummer hier, klicken hier, sehen das Modell und vergleichen dann. Ihre Kamera schaut ein wenig anders aus als die abgebildete? Fälschung ist sie aber keine? Vielleicht nachträglich umgebaut? Infolge des Baukastenprinzips der LEICA konnte man fast jedes ältere Modell gegen entsprechende Aufzahlung in ein neueres Modell bei Leitz umbauen lassen.

Die Kamera schaut schön aus, der graue Belag im Objektiv stört Sie? Manchmal ist das Schimmel, meist sind die Beläge durch Zersetzung der Klebstoffe entstanden.  Ehrlich, Sie haben zwei Möglichkeiten: Sie stellen die LEICA ins Regal und freuen sich des Anblicks. Vermutlich ist nichts in Ihrer Wohnung älter als die LEICA - ein Stück deutscher Wertarbeit etc.

Sie wollen mit der alten LEICA unbedingt fotografieren?  Das wird vermutlich ins Geld gehen. Das alte Elmar muss gereinigt werden. Das machen wenige und es ist teuer. Sicher macht es der Customer Service von Leica in Wetzlar - anrufen. Oder Ihre Landesvertretung von Leica. Und wenn Sie gleich dabei sind, vermutlich wird der Verschluss der Kamera auch nicht mehr - einwandfrei - funktionieren. Die langen Zeiten sind besonders anfällig. Jedes mechanische Produkt kann gereinigt werden. Objektive können zerlegt und gereinigt werden. Manchmal ist ein Teil gebrochen. Kein Problem, wenn es eine normierte Schraube ist oder dergleichen. Kritisch, wenn es ein natürlich seit langem nicht mehr erzeugter Originalteil ist. In diesem Falle nimmt man eine andere LEICA oder ein anderes Elmar und schlachtet sie aus. Das zahlt sich aus, wenn Sie eine wirklich seltene Version Ihrer LEICA besitzen und eine ganz billige, abgestoßene LEICA als Ersatzteillager zur Verfügung steht. Es gibt auch Elmare ohne grauen Schimmelbelag gebraucht zu kaufen - das kommt vermutlich auch nicht teurer als die Objektivreparatur.

Bevor Sie so etwas in Angriff nehmen (lassen), stellen Sie mit Vorteil den Wert Ihrer LEICA fest und holen einen Kostenvoranschlag ein.  Wenden Sie sich an eine autorisierte Leica-Werkstätte.  Herumpfuschen kann bald einer, mit alten LEICAs kennen sich nicht viele Werkstätten mehr aus und leicht wird Ihr schönes Stück bei der Reparatur verkratzt etc.
  
Die Reparatur kostet mehr als die Kamera wert ist? Ab in die Vitrine!

 

Eine alte LEICA kaufen?

Sie wollen unbedingt eine Schraubleica? Ihnen kann geholfen werden. Es gibt genug davon im Handel. Die Eigentümer der alten Kameras sind auch alt und sterben, die Erben wollen die Kamera nicht. In den Großstädten gibt es auf gebrauchte Leicas spezialisierte Händler, in den Fachzeitschriften gibt es einschlägige Inserate, im Internet finden Sie Adressen ......
  
Einige Dinge sollten Sie aber schon bedenken.
  
1. Jede Schraubleica (ich schreibe immer <Schraubleica>, das ist ein üblicher Ausdruck. Offiziell ist er nicht, Leitz bzw. LEICA haben ihn nicht verwendet) ist mehr als 50 Jahre alt - oder, je nach Modell, noch älter. Die meisten Objektive auch, denn Leitz hat nach Einstellung der offiziellen Produktion der letzten Schraubleica, der IIIg (1960), bald auch die Erzeugung den Objektiven mit Schraubfassung eingestellt. Keine Regel ohne Ausnahme. 2002 hat LEICA eine kleine Zahl von modernen Objektiven (Summicron 2/50 mm und 2/35 mm) in Schraubfassung in Japan angeboten. Etliche sind auch in Europa verkauft worden. Sie sind freilich schwierig zu erlangen und meist schon im Besitz von Japanern. Bis auf den Anschluss entsprachen sie den serienmäßigen Objektiven in der Qualität, wie sie 2002 eben erzeugt wurden.

2. Bei den Objektiven gibt es solche mit Vergütung und solche ohne. Leitz hat erst nach 1945 begonnen, serienmäßig Objektive zu vergüten. Finden Sie eines ohne Vergütung, ist es daher entsprechend alt. Nicht nur sind diese Objektive dann auf dem Stand und Leistungsvermögen des Erzeugungsjahres (vor 1945). Unvergütete Objektive sind leider viel anfälliger für Überstrahlungen und Reflexionen - matte Farben und leicht verschleierte Bilder können die Folge sein. Solche Fotos können ganz nostalgisch wirken. Aber jeder Betrachter wird den Unterschied zu Fotos mit moderner Ausrüstung merken. Nicht jeder wird von den Ergebnissen begeistert oder auch nur angetan sein. Wollen Sie mit ihrer alten LEICA wirklich fotografieren, machen Sie einen Bogen um nicht vergütete Objektive. Merke: Die Bilder einer alten Leica sind so gut wie das verwendete Objektiv.

3. Überhaupt meine ich, ganz subjektiv, wenn Sie mit einer Schraubleica im Alltag fotografieren wollen, erstehen sie eine möglichst junge LEICA. Ich empfehle guten Gewissens die LEICA IIIg. Ein vernünftig großes Sucherbild, Leuchtrahmensucher mit Parallaxenausgleich, Rahmen für 50 und für 90mm Brennweite, Selbstauslöser. Recht teuer ist die IIIg freilich. Unlängst habe ich eine IIIg mit Elmar 2,8/50 im Zustand B+ um fast € 1000  gesehen, eine  mit deutlichen Gebrauchsspuren ist allerdings bedeutend billiger.
  
Wollen Sie für eine so alte Kamera nicht so viel Geld ausgeben, empfehlenswert ist das Vorgängermodell IIIf, erhältlich, im Zustand B+ mit Elmar 2,8/50 mm, um ca. 800 € im Fachhandel. Der Sucher ist kleiner, die Leuchtrahmen fehlen .... Die LEICA IIIg ist nicht doppelt so gut, aber sie ist seltener und sie ist bei Sammlern begehrter, weil sie eben das letzte Modell der Schraubleicas ist.

Natürlich können Sie auch mit älteren Modellen - vor der IIIf und der IIIg - fotografieren und lehrreich ist es allemal, denn Sie erfahren am eigenen Leib, mit welchen technischen Beschränkungen und Schwierigkeiten in den 30er- und 40er-Jahren viele prächtige Fotos entstanden sind. Je älter das Modell der LEICA ist, desto deutlicher wird naturgemäß der seither erzielte Fortschritt im Bau von Fotoapparaten. 

Bei der LEICA ist diese Entwicklung gelegentlich sprunghaft verlaufen: Die LEICA I war eine Sensation. Die LEICA II mit eingebautem Entfernungsmesser eine weitere. (Die LEICA M3 die dritte in der Reihe. Die LEICA M5 hätte eine Sensation werden können, aber aus ihr ist nicht viel geworden.)  Und die mit allerlei Mängeln behaftete digitale M8 ist ein weiterer Entwicklungssprung gewesen. Alle anderen Modelle sind Variationen dieser wegweisenden Modelle. Wenn Sie mit der zweiten Generation (LEICA II, IIIa, IIIc, IIId, IIIf, IIf und IIIg) fotografieren (von der ersten LEICA ganz zu schweigen) merken Sie die Entwicklung deutlich. Mit der ersten Generation (LEICA I) ohne eingebauten Entfernungsmesser werden Sie beim Fotografieren wenig Freude haben.

Neuerdings können Sie auch mit der LEICA 0 fotografieren, seit die LEICA Camera AG eine Replik hergestellt hat. Da stelle ich mir die Freude allerdings eher gering vor, wenn ich an die doch umständliche Bedienung denke. Tun Sie sich das besser nicht an. Man muss ein ganz bestimmter Mensch sein, um so umständlich zu fotografieren. Solche Menschen sind selten.

Den Fotos, die Sie mit den alten Kameras machen, muss man es nicht ansehen, dass die Kamera selbst schon 30, 40 oder 60 Jahre alt oder noch älter st. Schwierig wird es allerdings, wenn Sie auch noch mit alten Objektiven fotografieren. Die Fortschritte beim Bau von Objektiven sind in diesen vielen Jahren beträchtlich gewesen. Auch hier gilt, je jünger das Objektiv, desto (technisch!) besser die Aufnahme. Nur Leicafans reden bei den alten Objektiven gerne von "duftiger Schärfe".

Alternativen
Was die Gehäuse betrifft, gibt es keine. Eine Schraubleica ist eine Schraubleica und dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Fotografieren mittels Schraubleicas. Aber natürlich gibt es eine Menge von Kameras der unterschiedlichsten Marken mit dem Schraubgewinde M39, von den russischen FED und Zorki bis zur feinen Canon 7sZ. Wie es sich mit einer FED 5 fotografiert, oder einer Zorki 4k, können Sie bei mir nachlesen. Aber eine LEICA ist keine von ihnen.
  
Anders ist es bei den Objektiven. Es gibt eine wahre Unzahl von teils sehr guten, aber ebenfalls vor Jahrzehnten gebauten alten Objektiven anderer Hersteller, vom Zunow 1,1/50mm über ganze Objektivserien von Canon bis Nikon. Sollten Sie ein solches Objektiv mit Gewinde M39 haben, probieren Sie es - vorsichtig, denn ich übernehme für nichts Garantie. Und beachten Sie: Ganz alte Canon-Objektive aus der unmittelbaren Nachkriegszeit haben bekanntlich eine geringfügig andere Gewindesteigung als die Objektive von Leitz. Da kann es Probleme geben. Und bei den Russkis können Sie mit viel Glück ein ganz ausgezeichnetes Exemplar erwischen, aber auch, ohne besonders viel Pech, einen besseren Glasscherben.


Neuerdings können Sie auch neue Objektive von Cosina mit dem Gewinde M39 kaufen. Dazu gibt es auch passende Sucher. Obgleich dies eine Seite für Freunde der LEICA ist, sage ich es dennoch: damit können Sie leicht, wenn auch nicht ganz billig, ihre LEICA mit einem Weitwinkel- oder leichtem Teleobjektiv ausstatten. Ganz neue Alternativen ergeben sich: z. B. eine 50 Jahre alte LEICA mit einem extremen Weitwinkelobjektiv 4,5/15mm von dem und den damit gegebenen Möglichkeiten Barnack und Berek sicherlich nicht geträumt haben!

Probleme  beim Kauf der alten Schraubleicas:
Mannigfache Probleme können auftreten.
  
Neu gekaufte alte Kameras sind selten zu 100% in Ordnung. Sie vielleicht auch nicht, wenn Sie einmal so alt werden. Rechnen Sie bei den alten Kameras daher mit zusätzlichen Kosten für Service und Reparaturen.
  
Manche Kameras entwickeln Macken, denen schwer beizukommen ist. Ich habe eine alte Diax IIa, die - manchmal - auslöst, sobald ich den Film transportiere. Das bringt  Fachleute in Verzweiflung, denn sie finden keinen Fehler. Ähnliches gibt es bei allen Kameras, auch bei Leicas.
  
Umständlich zu bedienen sind alle alten Kameras. Nach Jahrzehnten der Vereinfachung der Bedienung sind wir an mancherlei Vereinfachungen gewöhnt. Unüberwindliche Hindernisse bei der Bedienung gibt es auch für gestresste Mitmenschen nicht. Man muss sich bloß ein wenig Zeit nehmen. 
  
Bei allen Schraubleicas könnte das Filmeinlegen viel einfacher sein. Könnte, denn die Konstrukteure haben den umständlichen Vorgang im Lauf der Jahre nicht vereinfacht. Lesen Sie meine abgekürzte Gebrauchsanleitung bezüglich der LEICA IIIg. Dann wissen Sie ungefähr, worauf Sie bei allen Schraubleicas beim Filmeinlegen achten müssen. Glauben Sie mir, haben Sie es einige Male versucht, sind alle Probleme bald vergessen und Sie wechseln Filme wie ein Alter (nämlich wie ich).

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  18. März 2015

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