| Leica CL

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Leicashop Wien
Ein wenig Geschichte:
1954 erschien die LEICA M3 auf dem Markt
und wurde - gemessen an den damaligen Verhältnissen - ein großartiger
Erfolg. Im Lauf der folgenden Jahre wurden mehr als 235.000 Exemplare
erzeugt und verkauft. Aber schon die 1958 erschienene LEICA M2 verkaufte
sich bedeutend schlechter, insgesamt wurden nur noch 83.000 Stück an den
Mann/die Frau gebracht.
Dabei war die LEICA M2 zweifellos die ausgereiftere Kamera mit dem
praktischeren Sucher; konnten doch an der M2 auch Weitwinkelobjektive mit
35 mm Brennweite ohne speziellen Suchervorsatz verwendet werden, da
zusätzlich der Rahmen für diese Brennweite in den leicht geänderten Sucher
eingespiegelt wurde - allerdings sank die Suchervergrößerung auf 0,72x.
Die M2 entsprach auch der Tendenz, eher Weitwinkelobjektive einzusetzen
als Teleobjektive, abgesehen davon, dass eine Sucherkamera mit
Entfernungsmesser einfach für kurze Brennweiten prädestiniert ist.
Viel weniger Glück und Erfolg hatte die Firma mit der ab 1967
angebotenen LEICA M4 - nur noch 58.000 Stück konnten verkauft werden.
Die Ursachen dieser Entwicklung waren ganz
einfach zu erkennen; entsprechend zu handeln, viel schwieriger.
Die japanische Fotoindustrie, bestehend aus einigen größeren Firmen und
einer großen Anzahl von besseren Mechanikermeistern, begann nach 1945,
Fotoapparate zu produzieren. Teils mangels eigener Ideen, teils zur
Deckung der Nachfrage wurden vor allem die gängigen Modelle der Leica mit
Schraubgewinde kopiert und in vielen Kleinserien (von einigen hundert bis
zu einigen tausend Stück) von einer geradezu unübersehbaren Schar von
Firmen nachgebaut. Ob das rechtlich erlaubt war, wird von manchen
bestritten; allgemeine Meinung ist, es war erlaubt, weil die Alliierten
die deutschen Patente für unwirksam erklärt hatten.
Einzelne Firmen freilich kopierten nicht nur sklavisch, sondern nahmen
von allem das Beste, kombinierten es und bauten in den Folgejahren ganz
ausgezeichnete Kameras sehr preiswert. Und die besten Firmen erkannten
früh nicht nur die Beschränkungen einer jeden Suchekamera, sondern zogen
auch die Konsequenz: sie begannen, vielseitig adaptierbare einäugige
Spiegelreflexkameras mit Schlitzverschlüssen und Wechselobjektiven zu
bauen. Damit hatten sie die Zeichen an der Wand gesehen und entsprechend
gehandelt. Der Erfolg der Nikon F mit fast einer Million verkaufter
Exemplare beweist es.
Der sich daraufhin entwickelnde Verdrängungswettkampf war - für die
deutsche Kameraindustrie - mörderisch und endete mit dem Kollaps eines
ganzen Industriezweiges. Das ist bereits Geschichte.
Nicht direkt mörderisch verlief der Daseinskampf der damaligen Firma
Leitz. Denn die Produktion der Leica war für dieses optische Unternehmen
immer nur ein Randgebiet; viel Geld wurde mit Vermessungsinstrumenten und
mit Mikroskopen verdient. Zusätzlich wurde durch Konkurse und Schließungen
die Konkurrenz bei den Sucherkameras geschwächt.
Dennoch haben die schwindenden Verkaufszahlen den Verantwortlichen
offenbar zu denken gegeben.
Diversifikation ist in solchen Fällen üblicherweise das Schlagwort:
statt einem einzigen Kameramodell will man in mehreren Marktsegmenten
Produkte anbieten.
Manchmal ist das gar nicht so einfach, wie
man glaubt: in diesen Jahren hat Leitz eine Pocketkamera fast fertig
entwickelt und dann doch nicht auf den Markt gebracht. Auch an einem
Modell für das Halbformat wurde gearbeitet, war doch Olympus mit seinen "Pen"-Modellen
so erfolgreich. Auch daraus wurde nichts.
Nicht einmal auf dem angestammten Gebiet hatte man Erfolg: die LEICA M5
mit TTL-Belichtungsmessung war zwar keine schlechte oder unzuverlässige
Kamera, aber die Käufer wollten für das viele Geld lieber eine SLR mit
wesentlich mehr Möglichkeiten. Und die LEICA-Fans fanden sich mit der doch
größeren Kamera nicht ab - zu ihren Bedauern, denn für eine gut erhaltene
M5 ist heute viel Geld zu bezahlen.
Also wurde eine Kamera für den Amateurmarkt entwickelt, nachdem mit den
Leica M-Modellen als der Kamera der Berufsfotografen kein Staat mehr zu
machen war. Die Berufsfotografen kauften lieber eine Nikon F oder Canon
F1.
Die LEICA CL
Eine Kamera für den Massenmarkt konnte die
LEICA CL wohl nicht werden, dazu bot sie zu viel und dafür war sie vor
allem viel zu teuer. Wahrscheinlich glaubte man, es gebe einen ausreichend
großen Markt für eine qualitativ hervorragende und dabei kompakte
Sucherkamera mit Wechselobjektiven. Und damit sie nicht gar zu teuer
wurde, ist sie in Japan von Minolta gebaut worden. Aus diesem Grunde heißt
sie in Europa Leica CL, überall sonst auf der Welt aber Minolta CL,
bestenfalls LEITZ Minolta CL.
Die Leica CL ist klein und handlich, sie ist die leichteste Leica,
die es je gab, meinte Leitz in den einschlägigen Prospekten, also die
ideale Kamera für unterwegs und sie ist immer zur Hand. Sie hat die
selektive Belichtungsmessung mittels eines schwenkbaren Hebels, auf dem
die CdS-Messzelle sitzt, durchs Objektiv, einen präzisen
Schlitzverschluss und sie hat Wechselobjektive. Alle diese Möglichkeiten
bietet nur eine Kamera, die Leica CL nämlich, betont Leitz.
Klar erkennbar wird daher das
Marktsegment, für das die Kamera gebaut wurde: eine Kamera für den
Gelegenheitsfotografen, vor allem auf Reisen. Dafür brauchte sie nicht die
Robustheit der M-Leicas und sie brauchte nicht die Vielzahl von
lichtstarken Objektven für die available light Fotografie. Wie Leitz an
sich richtig feststellte: mit den beiden angebotenen Objektiven, dem
Summicron-C 2,0/40 mm und dem Elmar-C 4,0/90 mm konnte man im Urlaub
tatsächlich an die 90% aller Motive fotografieren, Schnappschüsse der
Familie oder im Freundeskreis ohnehin.
Und wer bereits eine M-Leica besaß
und ein Zweitgehäuse in Erwägung zog, konnte mit der Leica CL für -
relativ - wenig Geld ein solches erwerben, denn, wie Leitz hervorhob,
konnte auch eine Vielzahl von Objektiven aus dem M-Programm verwendet
werden, ja sogar Objektive mit Schraubgewinde (mit Bajonettadapter).
Alt-Leica-Benützer konnten so, wünschte sich Leitz, ihre Ausrüstung
modernisieren.
Manches in der Werbung darf man nicht
so ohne weiteres glauben.
Damals vorhandenen
Weitwinkelobjektive mit 28 oder 35 mm Brennweite ließen sich nur mit
aufsteckbarem Zusatzsucher verwenden, zusammenschiebbare Objektive nur
dann zusammenschieben, wenn sie nicht mehr als 16 mm in das Gehäuse ragen,
sonst beschädigen sie den Arm des Belichtungsmessers. Deshalb kann man
zwar das Elmar 3,5/50 oder das zusammenschiebbare Elmar 4/90 mm verwenden,
aber nicht (vollständig) zusammenschieben. Die Hinterlinsen des Hektors
2,5/50 und des Summars 2,0/50 mm wiederum sind zu groß; die Objektive
lassen sich nicht montieren.
Umgekehrt behauptete Leitz, könne man die C-Objektive nicht an den
M-Leicas verwenden, da man unter kritischen Lichtverhältnissen nicht genau
scharfstellen könne. Fotografiert man hingegen bei Bl. 5,6, 8 oder
kleiner, gibt es keinerlei diesbezügliche Probleme. Will man indessen etwa
mit einem Summicron 2,0/90 mm bei Blende 2,0 fotografieren, reicht leider
bei der Leica CL im Nahbereich um etwa 1,5 bis 1 Meter die Genauigkeit des
Entfernungsmessers wirklich nicht aus.
Was man aus den Abbildungen nicht
ersehen kann (da muss man die Kamera in die Hand nehmen): die Leica CL ist
wirklich eine handliche und kompakte Kamera. Ihre Leistungsdaten können
sich sehen lassen und machen die Kamera auch heute noch zu einem
Fotoapparat, mit dem sich hervorragende Bilder auf einfache und
unkomplizierte Weise machen lassen - falls Sie auf Autofokus verzichten
wollen und können.
Die technischen Daten sprechen für sich:
- die kleinste und leichteste Leica
überhaupt
- TTL-Belichtungsmessung bei Arbeitsblende
mit Spotmessung dank CdS-Zelle auf beweglichem Arm unmittelbar vor der
Filmebene
- ausgezeichnete Objektive: Summicron 2/40
und 4/90 Elmar, aber kein echtes Weitwinkelobjektiv
- ein prächtiger Sucher mit Rahmen für 40
und 90 mm Brennweiten, eingespiegelten Verschlußzeiten (1/2 - 1/1000sec,
B), X-Synchronisation: 1/60 sec
- abnehmbare Rückwand für bequemes
Filmeinlegen, kein Vergleich zu den Schraub-Leicas!

Wo viel Licht, ist auch viel
Schatten, sagt man. Bei der LEICA CL liegen sie in dem angeblich nicht
völlig ausgereiften Belichtungsmess-System und seiner mechanischen
Anfälligkeit durch den vor jeder Aufnahme nach oben schwenkenden Messarm,
der nach der Aufnahem wieder vor das Filmfenster der Kamera klappt. Keine
eigentliche Schwäche, sondern systembedingt ist die im Vergleich zu den
M-Leicas geringere Genauigkeit der Entfernungseinstellung (die Messbasis
zwischen Suchereinblick und dem Messkeil ist relativ klein, weil die
Kamera ja kompakt sein sollte). Infolgedessen ist bei Verwendung
lichtstarker Objektive bei größter Öffnung und bei geringer Entfernung die
genaue Einstellung der Entfernung ein kleines Glückspiel (z. B. Summicron
1,4/50 bei Blende 1,4 und einer Entfernung von 1 Meter). Bei Einstellung
von Entfernungen von mehr als etwa 3 Meter reicht auch die Genauigkeit
dieses Entfernungsmessers aus.
Mit manchen Objektiven, etwa dem Summicron 2,0/90 ergibt sich
indessen ein anderes Problem: das Objektiv ist zu groß und deckt einen
Teil des Sucherbildes ab. Es hatte schon seinen Grund, warum Leitz zur CL
das Elmar C 4,0/90 anbot.
Die LEICA CL - ein Erfolg?
Insgesamt wurden etwa 65.000 Exemplare
hergestellt, sagen meine gut informierten Gewährsleute, die freilich ihr
Wissen auch nur aus den Seriennummern ableiten. Dazu kommen die von
Minolta unter eigenem Namen vertriebenen Kameras; das dürften (abgeleitet
aus dem Verhältinis der Häufigkeit auf dem amerikanischen Markt) weitere
20.000 Stück gewesen sein.
Fragt man heute in Solms nach der LEICA CL, hört man, die Kamera sei
kein Erfolg gewesen; Produktionszahlen hört man keine. Wie Sie wissen,
sind aber von der M4, einer klassischen Leica, insgesamt nur etwa 58.000
Stück gebaut worden und zuletzt wurde 1975 eine letzte Serie von 2000
Stück M4 erzeugt; die LEICA M5 wurde 1975 eingestellt, 1976 wurde keine
einzige M-Leica erzeugt. Die Produktion von M-Leicas begann erst wieder
mit der M4-2 Ende 1977.
Bei diesen Zahlen kein Erfolg? Mag sein, dass der Gewinn aus dem
Verkauf von 85.000 Stück LEICA CL überwiegend in die Taschen von Minolta
floss. Aber von der Stückzahl her schlägt die verkaufte Zahl an LEICA CLs
die Leica M4 und M5 um Längen. Von der LEICA CL wurden während der
Produktionszeit jährlich doppelt so viele Exemplare verkauft als von der
LEICA M4 und der LEICA M5.
Erst nach der Einstellung der Produktion der LEICA CL wurden wieder
M-Leicas in größeren Stückzahlen erzeugt und verkauft. Zufall?
Fazit und Ausblick
Mit der Produktionseinstellung endete der
Versuch, eine Leica für den Amateurmarkt zu erzeugen. Im Nachhinein
wissen wir, warum dieser Versuch scheitern musste: das Kamerakonzept war
zu wenig durchdacht und wies einige systemimmanente Schwächen auf - etwa
den schwenkbaren Messarm für die Belichtungsmessung. Nur nebenbei: im
Hochformat lieferte der Belichtungsmesser falsche Werte.
Leitz hat sich in der Folge wiederum den M-Leicas zugewandt und
erst in den
letzten Jahren begonnen, Kameras für den Amateurmarkt zu erzeugen, die
aber nicht mehr können als die besseren Produkte der Konkurrenz auch. Und die
digitalen Sucherkameras werden äußerlich ein wenig umgemodelt - derzeit
bei Panasonic - zugekauft und als echte digitale Leicas teurer
verkauft als die jeweiligen Vorbilder - siehe Leica Digilux 1 und 2. Ob
das der Weg in die Zukunft ist?
Ob es nicht doch einen Zwischenweg
gibt, zwischen dem Massenmarkt und den mechanischen, aufwendig in
Handarbeit aus zugekauften Bauteilen (aus Asien und anderswo!)
herzustellenden und sündteuren Sucherkameras vom Typ LEICA M6?
Ich meine - aber was zählt schon meine Meinung - LEICA wäre gut
beraten, sich möglichst schnell einen Partner zu suchen und oberhalb der
AF-Modelle für den Massenmarkt eine attraktive, moderne Sucherkamera auf
den Markt zu bringen, die nicht das sprichwörtliche Vermögen kostet. Sonst
machen andere Vergleichbares - siehe Voigtländer/Cosina mit den diversen
Modellen der Bessa, und der darauf beruhenden digitalen Sucherkamera von
Epson.
Nach dem Ausstieg von Leitz aus der Produktion der LEICA CL hat Minolta
die Kamera im Alleingang weiterentwickelt und 1980 die
Minolta CLE auf den
Markt gebracht. Wenn Sie Näheres über diese Kamera und ihre überraschende
Vielseitigkeit wissen wollen,
klicken Sie doch.
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