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Inhalt
Einleitung
AHNEN
URLEICA
LEICA I
Compur-
LEICA
1. Wechsel-
objektive
LEICA II
Standard-
LEICA
LEICA III,
IIIa IIIb,
IIIc,
IIId etc.
LEICA IIIf
LEICA IIIg
LEICA M2
LEICA M3
LEICA M1
LEICA M4
LEICA M5
LEICA M6
LEICA M7
Ausklang
1931 mit
der LEICA
fotogra-
fieren
Bedienung
einer Schraub-
LEICA
Kauf einer
gebrauch-
ten LEICA?
Literatur
Hochmut vor dem Fall |
Die Leica M5
In der Geschichte der
Leica-Messsucherkameras gibt es genau genommen nur
vier wirklich voneinander unterschiedliche Modelle; alle anderen sind
nur Variationen und Weiterentwicklungen. Manche sind wichtig, manche
sind nur geringfügig und im Nachhinein ohne wirkliche Bedeutung. Die
erstgenannte Gruppe besteht aus Leica I, Leica M3, Leica M5 und Leica CL
und neuerdings, denke ich, Leica M7, der ersten M-Leica mit elektronisch
gesteuertem Verschluss. Und wo bleibt das auch schon nicht mehr ganz
neue, und neben der Leica M7 derzeit lieferbare Modell der M-Leicas?
Nehmen Sie eine M6, ersetzen Sie die Rückspulkurbel durch einen
Drehknopf (zu dem Sie für teures Geld einen anschraubbaren Hebel
anbieten), beseitigen Sie nach 20 Jahren die dank konstruktiver
Änderungen häufig auftretenden Spiegelungen im Sucher, fügen Sie einige
kleine kosmetische Änderungen hinzu - und Sie haben eine Kamera, deren
Gebrauchswert nicht höher ist als bei der Leica M6. Das nenne ich nicht
<neu> und das nenne wenigstens ich auch nicht <Fortschritt>.
Blicken wir zurück:
Mit der Leica I wurde die erste Kleinbildkamera geschaffen,
die kommerziellen Erfolg hatte. Dieses Modell begründet den Vorrang der
Kleinbildfotografie und hat alle anderen Formate ins Abseits bzw. in
Nischen gedrängt.
Die Leica M3 von 1954 ist die erste Messsucherkamera mit leicht und
vor allem schnell auswechselbaren Objektiven von Leica. Sie ist nicht
die erste Messsucherkamera mit Bajonettanschluss der Objektive, denn schon
vor dem 2. Weltkrieg gab es die Contax und ab 1947 wurde die Nikon mit
ihrem nachempfundenen Bajonett verkauft.
Fügen Sie zur M-Leica die TTL-Belichtungsmessung hinzu - Sie erhalten die LEICA M5.
Naturgemäß ist die LEICA M5 nicht die erste in Serie
hergestellte Kamera mit TTL-Messung, das war die Topcon Super D schon
1963. Als die M5 auf den Markt kam (1971) hatte Nikon bereits hunderttausende
Spiegelreflexkameras Modell Nikon F mit Photomic T in verschiedenen Varianten
verkauft und war die TTL-Messung Standard bei Spiegelreflexkameras.
Leitz hatte, dies nur nebenbei, die
technischen Fortschritte beim Bau von Spiegelreflexkameras (Springblende,
Schnellrückkehrspiegel, Sucherprisma, Schnittbildentfernungsmesser,
TTL-Belichtungsmessung und, bei manchen Modellen wie der Nikon F, den
modularen Aufbau der SLRs) etliche Jahre hindurch nicht richtig
eingeschätzt, ebenso wie die Interessen und Bedürfnisse der potentiellen
Käufer. Erst 1964 kam die Leicaflex als erste Spiegelreflexkamera von
Leitz auf den Markt - ohne TTL-Belichtungsmessung. Erst die Leicaflex SL
von 1968 beseitigte dieses Manko.
Mit anderen Worten:
War Leitz führend bei den Sucherkameras, bei
den Spiegelreflexkameras war diese Führung ein- für allemal verloren.
Indessen bot niemand von der Konkurrenz
damals eine Messsucherkamera mit TTL-Messung an. Zwar gab es schon 1962 eine
weiterentwickelte Nikon SP mit Innenmessung, aber mehr als bestenfalls einige
wenige Testexemplare wurden von Nikon nicht erzeugt (wahrscheinlich nicht
wegen technischer Probleme, sondern wegen des ungeheuren Erfolgs der
Nikon F-SLR). Das änderte sich erst Jahrzehnte später mit der
Konica Hexar RF
und mit den diversen Modellen der Bessa von Voigtländer (Cosina). Und wenn
alles gut geht, wird im Herbst wohl auch die von Cosina für Zeiss gebaute
<Zeiss Ikon> auf den Markt kommen.
So ist die 1971 vorgestellte LEICA M5 tatsächlich die
erste Messsucherkamera mit TTL-Messung und so ist es Jahrzehnte lang
geblieben. Aber naturgemäß hatten
praktisch alle großen Firmen 1971 schon längst aufgehört,
Messsucherkameras mit Wechselobjektiven zu erzeugen, sodass der
vorstehende Satz in seiner Bedeutung hoffentlich richtig gesehen wird.
Das soll die Bedeutung dieser Neuentwicklung nicht schmälern, auch
wenn sie sozusagen außer Konkurrenz erfolgte.
Die LEICA M5 war eine weitgehend neu entwickelte Kamera,
die in vielen - den Anhängern des Systems liebgewordenen -
Eigenschaften mit der Tradition brach. Durch den Einbau des
Belichtungsmessers bedingt, war sie größer und eckiger und, wie manche
sagen, auch richtig hässlich geworden. Entscheidend war
aber wohl, dass der eingebaute Belichtungsmesser, die Größe der Kamera
und ihre Form im Urteil der potentiellen Käufer eine Reihe von
Nachteilen mit sich brachte, die ihre unleugbaren Vorzüge weitgehend
aufhoben. Daher war die LEICA M5 ein kommerzieller Misserfolg.
Manches an Einwänden war blanker Unsinn: ursprünglich
hatte die LEICA M5 die beiden Ösen für den Tragriemen auf der linken
Schmalseite, wurde also eigentlich senkrecht getragen. Auf Grund
allgemeinen Aufschreis brachte Leitz alsogleich ein Modell mit 3 Ösen
auf den Markt, damit die Kamera, wie man es halt von einer ordentlichen
LEICA gewohnt ist, auch waagrecht vor dem Bauch hängend mit sich getragen
werden kann. Vom heutigen Standpunkt aus erscheint die LEICA M5 natürlich
nicht kleiner als 1971, aber bei Kameras mit professionellem Anspruch
sind wir heute so große Kameras gewohnt, dass die LEICA M5 wegen ihrer
Größe heute nicht weiter auffallen würde. Denken Sie an eine Canon
Eos 1v oder eine Nikon F5, von den digitalen Profikameras erst gar nicht
zu reden.
Problematisch erwies sich allerdings tatsächlich, dass die CdS-Messzelle an einem schwenkbaren Arm angebracht war, der bei Aufzug
des Verschlusses und eingesetztem Objektiv vor den Verschluss geschwenkt
wird und das einfallende Licht misst. Durch Druck auf den Auslöser wird
unmittelbar vor der Aufnahme diese Messzelle wieder ausgeschwenkt. Die Messzelle braucht
Platz. Infolgedessen können manche ältere Objektive, deren Fassung recht weit ins Gehäuse hineinreicht, nicht
mehr verwendet werden, weil sie die Messzelle beschädigen würden.
Somit waren die älteren extremen Weitwinkelobjektive vom Typ
Super-Angulon 4/21mm, aber auch die Objektive der ersten Serie des
nachfolgenden Super-Angulon 3,4/21mm ebenso wie die älteren Jahrgänge
des Elmarit 2,8/28mm an der M5 nicht verwendbar. Die damals
noch vielfach verwendeten und beliebten versenkbaren Objektive wie Elmar
3,5/50mm oder 2,8/50mm ebenso wie das Elmar 4/90mm sind zwar verwendbar,
dürfen aber ganz nicht eingeschoben werden, weil die Objektivfassungen dann
den Schwenkarm beschädigen könnten.
Es waren daher neue Objektivkonstruktionen gefragt. Dennoch
blieb das Problem , dass die Messung bei den meisten Objektiven eine Art
Spotmessung darstellt wobei der "Spot", in dem integral
gemessen wird, recht groß geraten ist; Als Grundsatz gilt, dass für
die Belichtungsmessung als Messfeld der zum passenden Sucherrahmen
nächstkleinere Rahmen gilt, der im Sucher sichtbar ist (z. B. bei einem
Elmarit 2,8/90mm entspricht das Messfeld dem eingespiegelten Rahmen für
die Brennweite 90mm. Das ist genauso kompliziert wie es klingt. Hat man
sich das aber einmal gemerkt, lässt sich relativ genau das Messfeld
abschätzen.
Hingegen ist die Einstellung der richtigen Zeit und Blende
im Sucher recht einfach. Sichtbar ist die jeweilige Belichtungszeit
sowie eine Messleiste mit Messnadel, Nachführzeiger und Messlineal;
alles zur Deckung bringen und die Belichtung stimmt. Wie bringt man das
alles zur Deckung? Indem man am Zeitenrad dreht oder am Blendenring. Das
Zeitenrad ragt ein wenig über die Vorderseite des Gehäuses hinaus und
kann daher bequem mit dem Zeigefinger verstellt werden, während man die
Einstellung kontrolliert und abstimmt.
Dass die Belichtungsmessung laut Gebrauchsanleitung nur erfolgen soll, wenn die
Kamera im Querformat gehalten wird, mit anderen Worten, dass bei
Hochformataufnahmen die Kamera bei der Belichtungsmessung gedreht werden
muss, nur nebenbei. Das war halt eine der Folgen eines konstruktiven
Seitenweges. Wie einfach und elegant man die Belichtungsmessung in der
Filmebene auch ohne bewegliche Teile durchführen kann, hat dann unter
anderem Olympus mit der OM-2 gezeigt.
Es hat nur einige Jahre gedauert und schon 1975 wurde die
LEICA M5 nach Produktion von insgesamt knapp 27.000 Stück aufgegeben.
Einige Jahre hindurch war die Kamera aber noch vorrätig, weil sie
keiner kaufen wollte.
Lange Zeit waren die gebrauchten M5 bei den Käufern
gebrauchter LEICAs nicht beliebt; die LEICA M5 war sozusagen ein etwas
aus der Art geratenes Kind der Familie. Das hat sich in den letzten
Jahren geändert, seit vor allem japanische Sammler auf der Suche nach
Modellen, die infolge geringer Stückzahl bei steigender Sammlerzahl im
Wert steigen werden, verstärkt M5-LEICAs aufkaufen. Schöne Stücke
gibt es heutzutage zu kaufen, zu exorbitanten Preisen freilich.
Leica CL
Die ständig sinkenden Verkaufszahlen der Sucherleicas (von der LEICA M3
wurden insgesamt zwischen 1954 und 1968 über 235000 Stück erzeugt, von
der LEICA M4 in den Jahren 1967bis 1975 mehr als 80.000 Stück)
entschied man sich bei Leitz, eine Art Aufsteiger-LEICA zu produzieren;
eine Kamera, die bei gleicher Qualität Kunden ansprechen sollte, die
mehr wollten als die letztlich anspruchslosen, aber von den
Möglichkeiten her meist ausreichenden japanischen Sucherkameras vom Typ
Minolta Hi-Matic, Canon Canonet etc., denen aber andererseits eine SLR zu
groß, zu umständlich zu bedienen etc. war. Klein und handlich sollte die
Kamera sein, über ein gemäßigtes Weitwinkelobjektiv und über ein
leichtes Tele verfügen. Auch eine TTL-Belichtungsmessung sollte
eingebaut werden.
Herauskam eine recht kleine Kamera, nur 112mm war sie lang
und 75mm hoch. Nur das Auflagenmaß entsprach dem der LEICA. Allerdings
wurde lange Zeit hitzig debattiert, ob auch die entsprechenden Objektive
zur LEICA an der CL verwendet werden konnten. Die Debatte war teils
berechtigt; der Benützer einer CL muss einige Kompromisse bei der
Auswahl seiner Objektive machen. Das beginnt damit, dass Leitz davon
ausging, der typische Nutzer einer CL wolle eine leichte und kleine
Ausrüstung. Daher wurde die CL mit einem Summicron C 2/40mm geliefert.
Außerdem konnte ein Elmar C 4/90mm dazugekauft werden. Das war alles.
Natürlich konnte und kann z. B. ein Elmarit 2,8/90 oder auch ein
Summicron 2/90 an der CL montiert werden. Da die Kamera als Ganzes aber
klein ist, ist auch die Messsucherbasis klein; sie ist ausreichend für
das Elmar bei Blende 4. Sie ist daher ausreichend auch für die
lichtstärkeren Objektive der M-Leicas, wenn sie abgeblendet verwendet
werden.
Mit anderen Brennweiten ergibt sich das Problem des
fehlenden Sucherrahmens: ein 2,8/28 (von LEICA oder besser noch, weil
handlicher, von Minolta zur Minolta CLE) ist zwar verwendbar, aber leider nur
mit Aufstecksucher. Manche ältere Objektive sind auch bei Verwendung
eines Aufstecksuchers von der CL fernzuhalten, denn sie hat so wie die
LEICA M5 das Messelement auf einem beweglichen Arm im Gehäuse montiert.
Bei dieser Gelegenheit - da man schon einmal ein neues
Gehäuse konstruierte, konnte auch eine abnehmbare Rückwand eingeplant
werden, die ein wesentlich einfacheres Filmeinlegen ermöglichen sollte.
Zum üblichen Standard der japanischen Konkurrenz, der aufklappbaren
Rückwand, konnte Leitz sich nicht durchringen, aber immerhin. Herauskam
eine abnehmbare Rückwand mit einer am Gehäuseboden angelenkten
Filmandruckplatte, die man zum Filmeinlegen aufklappen konnte. Wie das
ausschaut, zeigt die folgende Abbildung.
Auf
der Basis deutscher Stundenlöhne ließ sich eine solche Kamera in Deutschland
nicht herstellen. Leitz nutzte eine Kooperation mit Minolta und Minolta
erzeugte die Kompaktleica nach Konstruktionsplänen von Leitz. Auf
manchen Märkten wurde die Kamera als LEICA CL verkauft, auf anderen als
Leitz/Minolta CL, aber es ist immer die gleiche Kamera mit den gleichen
Ausstattungsmerkmalen. Über die LEICA CL finden Sie von mir weitere
Einzelheiten
hier.
Hier nur noch so viel:
Das Problem mit der
Leica CL liegt eigentlich darin, dass Leitz die Bedürfnisse des Marktes
nicht ausreichend berücksichtigte. Wer damals eine Leica haben wollte,
der wollte eine Leica fast immer deshalb, weil er beruflich eine robuste
Sucherkamera benötigte oder aber, weil er das Prestige des Besitzers
einer Leica genießen wollte. Nur - relativ - wenige Käufer waren
Amateure, die bereit waren, für ein hochklassiges Produkt, aber
halt leider ohne das Prestige einer "echten" Leica relativ
viel Geld auszugeben.
Aus einem zeitlichen
Abstand von 30 Jahren betrachtet, war die Kamera wirklich das, als das
Leitz sie bezeichnete: Die Leica CL ist kompakt und handlich, sie ist
die leichteste Leica, die es je gab - also die ideale Kamera für
unterwegs und immer zur Hand. Sie hat die Belichtungsmessung durchs
Objektiv, sie hat den präzisen Schlitzverschluss und sie hat
Wechselobjektive. Die Leica für alle, die besser fotografieren wollen,
behauptete Leitz.
Leider, so viele
wollten nicht mit einer Leica CL besser fotografieren, weil sie die
erweiterten Möglichkeiten nicht benötigten. Wem die üblichen
Objektive der japanischen Kompaktkameras mit Brennweite 40 mm genügten,
wer keine TTL-Belichtungsmessung benötigte, weil er ohnehin auf
Farbnegativfilm fotografierte, der war simpel und schlicht mit einer
Canonet etc. um weniger Geld besser dran.
Zwischen
1973 und 1976 sollen etwa 65.000 Stück unter dem Namen LEICA CL
verkauft worden sein, wozu noch etwa 20.000 Leitz/Minolta CL kommen.
1976
ging die Produktion der Kamera zu Ende. Minolta brachte einige Jahre
später eine weiterentwickelte und von Besonderheiten bereinigte Version
als Minolta CLE auf den Markt. Aber das ist eine Geschichte, die ich
anderswo
erzähle.
Beide Kameras erzielen heute bei Sammlern recht hohe
Preise.
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