LEICA IIIg und Ig

Die LEICA IIIg 

   Die IIIg ist das letzte und (relativ) modernste Modell der SchraubLEICAs. Mit ihr geht die Ära der LEICA mit Gewinde M39 zu Ende. Sie ist daher das am weitesten entwickelte Modell der Reihe.
Sie ist auf Anhieb leicht zu erkennen. Einerseits hat sie einen vergrößerten Sucher, der das Motiv fast in halber Größe wiedergibt. Im Vergleich mit den stark verkleinernden Fernrohrsuchern der früheren Modelle ist dies ein wesentlicher Fortschritt. Andererseits werden im Sucher Leuchtrahmen für die Brennweiten 50 und 90mm eingespiegelt. Dazu wird das kleine viereckige Fenster neben dem Sucherausblick benötigt. Nicht nur das, die Leuchtrahmen sind mit der Einstellung des Entfernungsmessers gekoppelt, sodass die Parallaxe ausgeglichen wird. Nach wie vor ist aber auch der Sucher der IIIg kein Messsucher, wie ihn die LEICA M3 erstmals aufwies. Da die LEICA IIIg erst nach der M3 angeboten wurde, liegt streng genommen ein Rückschritt vor. Aber die Alternative für Leitz wäre gewesen, den ganzen Sucheraufsatz neu zu konstruieren. Herausgekommen wäre eine LEICA M3 mit Schraubgewinde. Das hat Leitz auch lange beabsichtigt, denn die M3 beruht auf dem Entwurf einer LEICA IV aus der Vorkriegszeit und man sagt, die ersten Prototypen der damals noch namenlosen M3 hätten ein Schraubgewinde gehabt.
Leitz hat sich rechtzeitig auf die bessere Lösung des Objektivwechsels mit Bajonettanschluss entschieden. Um aber die vielen Besitzer von SchraubLEICAs und Schraubobjektiven nicht zu vergrämen, hat man sich dann doch noch entschlossen, noch eine SchraubLEICA herauszubringen, eben die LEICA IIIg.
   Die Interessenten haben allerdings in der weitaus überwiegenden Mehrzahl erkannt, dass die LEICA M3 sozusagen die bessere Wahl ist.
   Zwischen 1957 und 1967 wurden insgesamt über 41.000 Stück erzeugt, wobei aber in den letzten Produktionsjahren praktisch nur mehr über Sonderbestellung erzeugt wurde, so etwa eine Auflage von 125 Stück schwarzer IIIg für die schwedische Luftwaffe. Nach 1960 erlahmte das Interesse der Käufer allmählich. Angeblich lagen noch etliche Jahre nach 1967 fabrikneue und originalverpackte LEICA IIIg bei Generalvertretungen und Händlern in den Regalen.
    Heute ist das Interesse an SchraubLEICAs wieder erwacht. Nicht zuletzt infolge des zeitlichen Abstands von 40 Jahren finden viele, dass zwar die LEICA M3 in summa die wirklich überlegene Kamera ist, dass aber andererseits man auch mit einer scheinbar so altmodischen Kamera wie der LEICA IIIg auch heute noch auf einfache Weise schöne Bilder machen kann. Auch sind infolge der neuen Objektive von Fremdherstellern für das Gewinde M39 heute Kombinationen lieferbar, von denen sich die Herren Barnack und Berek nichts haben träumen lassen.
   Im Bild oben sehen Sie etwa eine LEICA IIIg mit aufgesteckten Belichtungsmesser von Cosina/Voigtländer.

  Hier sehen Sie eine LEICA IIIg, Baujahr 1957 mit einem Heliar 4,5/15mm samt passendem Sucher. Etwas Vergleichbares gab es nicht, als die Kamera gebaut worden ist. 

LEICA Ig
 

   Mit 1. November 1957 wurde die LEICA If durch die LEICA Ig abgelöst. An sich entspricht die Ig der IIIg, aber es fehlt wie bei der If der Sucher, der gekuppelte Entfernungsmesser und sie hat auch keinen Selbstauslöser. Der Vorzug gegenüber der If besteht bei der Ig darin, dass bei ihr über den an der Vorderseite angebrachten Langzeitenknopf auch die langen Momentzeiten von 1-1/30 sec. eingestellt werden können, die damals, vor der allseits verbreiteten Blitzfotografie mit Elektronenblitzen mit ihren ultrakurzen Belichtungszeiten in der wissenschaftlichen Fotografie häufig benötigt und verwendet wurden. Infolge der engen Verwandtschaft mit der IIIg hat auch die Ig eine Filmmerkscheibe auf der Rückwand, wie sie die LEICA M3 aufweist. 

LEICA IIg

   Aus der LEICA IIg wurde nichts. Leitz plante zwar eine solche Version. Gegenüber der IIIg wäre auf die langen Belichtungszeiten verzichtet worden. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Kamera ausgesehen hätte, gibt es doch das Vorbild der LEICA IIf auf der Basis der IIIf.
   Warum wurde keine IIg erzeugt? Wahrscheinlich schätzte man bei Leitz den Bedarf an einer solchen Kamera nicht hoch ein und außerdem war man entschlossen, zugunster der LEICA M3 auf die SchraubLEICAs zu verzichten. Und ferner wäre die sicher billigere IIg eine Konkurrenz zur IIIg auf einem schrumpfenden Markt gewesen, der ohnehin von den Japanern mit einer Vielzahl von teils ausgezeichneten Modellen beherrscht wurde. Da konnte es nur eines geben: mit einem Befreiungsschlag sondergleichen die Entwicklung der LEICA M3 weitertreiben. Damit war man ja etliche Jahre lang erfolgreich; innerhalb weniger Jahre waren die meisten japanischen Konkurrenten untergegangen und waren die wenigen verbliebenen japanischen Firmen umgestiegen auf die Entwicklung von SLRs. Pech für Leitz, dass man in der Folge zu lange ausschließlich auf Sucherkameras setzte. 
   Manche sagen ohnehin, auch die LEICA IIIg sei eigentlich nur entwickelt worden, um nicht allzu deutlich den vielen Besitzern von SchraubLEICAs das Gefühl zu geben, ihr System sei überholt und sozusagen auf dem Abstellgleis.
   Wie auch immer: dass die SchraubLEICAs auch heute noch mit modernen Objektiven verwendbar sind, verdankt man dieser Entscheidung, die Kompatibilität zu wahren. Und umgekehrt lassen sich die alten und die neuerdings auf den Markt gekommenen modernen Objektive mit Schraubanschluss mittels eines passenden Bajonettadapters auch an M-LEICAs verwenden.
   Heutzutage sind die Sitten rauer in der Industrie. 

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  31.1.2010

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