Die Leica II

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse des Jahres 1932 wurde die neue LEICA II mit eingebautem und gekuppelten Entfernungsmesser vorgestellt. Die eigentliche Gehäuseform der Leica II entspricht durchaus dem Gehäuse der LEICA I, mit dem Unterschied, dass auf die bisherige Oberseite ein eigentliches zusätzliches Gehäuse für den Sucher und den davon getrennten Entfernungsmesser aufgebaut wurde. Seit damals ist für die Schraubleicas mit wenigen Ausnahmen charakteristisch, dass der rechteckige Sucher rechts und links von den beiden runden Fenstern des Entfernungsmessers umgeben ist.
   
Die Kupplung mit der Entfernungseinstellung des jeweils angesetzten Objektivs erfolgt durch eine entsprechend geformte runde Steuernocke, was bewirkt, dass durch Drehen der Entfernungseinstellung am Objektiv die beiden Teilbilder des Entfernungsmessers zur Deckung gebracht werden: die Entfernung ist richtig eingestellt. Die Genauigkeit eines solchen Entfernungsmessers hängt einerseits von der Messbasis ab, andererseits von der Suchervergrößerung, in Wahrheit Sucherverkleinerung, denn in allen Schraubleicas liefert der eingebaute Sucher ein verkleinertes Bild. Allgemein gilt, die Genauigkeit steigt bei sonst gleichen Bedingungen durch Vergrößerung der Messbasis und durch eine stärkere Vergrößerung (= geringere Verkleinerung) des Sucherbildes. Ohne jetzt mathematische Beweisführungen zu versuchen, man merkt diese Zusammenhänge am Einfachsten bei Betrachtung der verschiedenen Versionen der LEICA M6 mit ihren unterschiedlichen Suchervergrößerungen: die Variante mit Vergrößerung 0,72 misst bei Aufnahmen mit Teleobjektiven weniger genau als die Variante mit Suchervergrößerung 0,85. Noch genauer misst man mit der LEICA M3 mit Suchervergrößerung 0,91. Die neueste Variante der M6 TTL mit Suchervergrößerung 0,58 wäre daher aus diesem Grunde für die Verwendung eines Objektivs mit Brennweite 135mm durchaus nicht optimal.
   
Festzuhalten ist, dass der Entfernungsmesser der LEICA II mit allen damals lieferbaren Objektiven eine einwandfreie Entfernungseinstellung ermöglicht. Festzuhalten ist auch schon an dieser Stelle, dass naturgemäß auch mit allen heutigen Modellen der LEICA M6 mit jedem lieferbaren Objektiv eine einwandfreie Entfernungseinstellung möglich ist. Würde man ein Noctilux 1/50mm bei Blende 1 verwenden, tut man sich allerdings bei der Einstellung der Entfernung am leichtesten mit einer M6 0,85 oder mit einer LEICA M3 und nicht unbedingt mit einer LEICA M6 TTL 0,58.
   
Für die 1932 lieferbaren Objektive reichte die Genauigkeit des Entfernungsmessers leicht aus, man denke an das sogenannte
Berg-Elmar mit den optischen Daten 6,3/105 mm. Da aber auch lichtstärkere und langbrennweitigere Objektive angeboten werden sollten, wurde es notwendig, die Genauigkeit des Entfernungsmessers zu erhöhen. Leitz erreichte das bei der späteren , ab 1933 lieferbaren LEICA III ohne wesentliche Änderung am Gehäuse, einfach durch den Einbau einer Linse, die das vom Entfernungsmesser gelieferte Bild 1,5-fach vergrößert und damit die exakte Entfernungseinstellung erleichtert.
   
Die LEICA II wurde bis 1948 produziert; insgesamt wurden über 52.000 Stück erzeugt. Kaufen Sie eine LEICA II und wollen Sie mit der Kamera auch noch fotografieren, achten Sie auf das Alter. Am jüngsten sind die Kameras mit den Produktionsnummern ab 385 001, sie wurden 1948 erzeugt. Sie sind bei gleichem Erhaltungszustand naturgemäß teurer als früher erzeugte LEICA II. Die letzte LEICA II ist die Kamera mit der Nummer 385 850. 
   
Wollen Sie das ungefähre Alter einer bestimmten LEICA feststellen, im Internet gibt es eine Reihe von Sites, bei denen Sie an Hand der Seriennummer das ungefähre Produktionsdatum feststellen können – etwa auf der von mir schon erwähnten
Site des Stephen Gandy. 
   
Zusammenfassend kann man sagen, mit der LEICA II und der Einführung von Wechselobjektiven war das System ausgebaut. Bis zur LEICA M3 im Jahre 1954 gab es noch eine Vielzahl von kleineren Anpassungen und Änderungen, viele davon wichtig und nützlich, aber eben nur Systempflege, wie die langen Belichtungszeiten bei der LEICA III.
   
Mit einer Ausnahme natürlich: die ab Anfang der 30er-Jahre bis 1984 in verschiedenen Varianten lieferbaren Spiegelreflexansätze, meist als Visoflex bezeichnet. Darüber gibt im Einzelnen diese Zusammenfassung Auskunft
(.pdf-Datei)

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am  31.1.2010

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