LEICA M1, MD, MDa und MD-2

LEICA M1

Wie vorher bei den SchraubLEICAs brachte Leitz auch bei den Modellen der M-Serie sehr bald ein Modell ohne Entfernungsmesser für die Verwendung in Wissenschaft und Industrie auf den Markt, die LEICA M1. Die 1959 eingeführte und bis 1964 in ca. 9.700 Exemplaren mit Chromgehäuse (mit Ausnahme von ca. 200 Stück für die Bundeswehr in Olivgrün) produzierte M1 stellt eine vereinfachte M2 dar. Weggelassen wurde im Gehäuseoberteil der Entfernungsmesser; das Fenster des Entfernungsmessers ist demgemäss abgedeckt und trägt die Typenbezeichnung M1 aufgedruckt. Im Sucher wurden die Rahmen für 35mm und 50mm eingespiegelt. Da die interne Verbindung zwischen Objektiv und Kamera für die Übertragung der eingestellten Entfernung beibehalten wurde, verfügte die M1 für diese beiden Brennweiten auch über einen automatischen Parallaxenausgleich - allerdings musste die Entfernung geschätzt werden. Die Idee hinter diesem Konzept war ganz offenkundig, dem Käufer die Möglichkeit zu geben, neben der Hauptverwendung an Mikroskopen, am Visoflex-Ansatz etc. auch mit einem Weitwinkelobjektiv und mit der Normalbrennweite zu fotografieren, wenn auch unter Verzicht auf die Entfernungsmessung. Mit der M1 ließ sich daher ohne weiteres auch bildmäßig fotografieren (Foto und Kurzbeschreibung
hier!). 
   
Wer nach Kauf der M1 merkte, auf den eingebauten Entfernungsmesser nicht verzichten zu können, konnte die Kamera auch auf eine M2 umbauen lassen. Dabei wurde der Gehäuseoberteil beibehalten, lediglich das abgedeckte kleine Fenster für den Entfernungsmesser wurde ausgefräst. Sollte Ihnen daher eine LEICA M2 unterkommen, bei der vor der Gehäusenummer die Angabe "M2" fehlt, dürfte es sich um eine nachträglich umgebaute LEICA M1 handeln. 

Ob Sie mit dieser Einschätzung richtig liegen, können Sie, wie bereits gesagt, an Hand der Produktionsnummern der LEICA sowohl in der einschlägigen Literatur als auch im Internet leicht feststellen. Übrigens können Sie den LEICAvit auch an der M1 verwenden.

LEICA MD

Mit der MD ist Leitz einen konsequenten Schritt bei der Konstruktion einer Kamera für primär wissenschaftliche Zwecke weitergegangen. Die MD verfügt über ein sucherloses Oberteil. Bei ihr ist also unter Beibehaltung der äußeren Form der M3 und der M1, nicht nur der Entfernungsmesser, sondern gleich der Sucher überhaupt weggelassen worden. Wer eine Kamera für den damaligen Spiegelreflexansatz Visoflex haben wollte, oder wer die Kamera in der Reprografie oder an einem Mikroskop verwenden will, braucht nämlich gar keinen Sucher. Die MD ist somit eine Spezialausführung für die fotografische Dokumentation im Bereich von Wissenschaft und Verwaltung. Ihre Hauptanwendungsgebiete waren Reproduktionen, Nah-, Makro- und Mikroaufnahmen, technische und medizinische Aufnahmen.
   
10 Stück davon sind absolute Raritäten, denn sie wurden 1964 grau lackiert an eine Firma in Chicago geliefert. Die graue Lackierung entspricht der Lackierung der damaligen Mikroskope von Leitz.
   
Alle anderen MDs wurden mit verchromtem Gehäuse geliefert, insgesamt zwischen 1963 und 1966 knapp 3.500 Stück, gar nicht wenig für eine so spezialisierte Kamera.

LEICA MDa

So wie bei der MD gibt es auch beim Nachfolgemodell, der MDa Versionen für die Deutsche Bundespost für ein Format 24x27, die über spezielle Bestellung angefertigt wurden.


   

 

Die zwischen 1966 und 1976 erzeugte MDa   unterscheidet sich von der MD eigentlich nur durch die angelenkte Rückspulkurbel, basiert das Gehäuse doch auf der LEICA M4. Eine Besonderheit findet man im Bodendeckel der Kamera: ein lichtdichter Schlitz ermöglicht das Einführen von beschriftbaren Registrierstreifen. Der beschriftete Streifen wird in die Kamera gesteckt und bedeckt auf der Schmalseite des Negativs ein etwa 3,5mm breites Feld, in dem nach der Aufnahme die Beschriftung erscheint (Z. B. "010200"). Kleiner Haken bei der Sache heutzutage: 1. Beschriftet kein Mensch mehr seine Negative auf diese Weise, 2. Sind die Registrierstreifen längst nicht mehr lieferbar, sodass die Einrichtung bestenfalls Zierat ist. In diesen 10 Jahren wurden über 14.000 Exemplare erzeugt.

MD-2

Auf der Basis der M4-2 schließlich beruht die in geringer Stückzahl hergestellte MD-2 (Abbildung und Daten hier). So wie die MD und die MDa sollte auch die MD-2 am Visoflex-Ansatz bzw. in der wissenschaftlichen und gewerblichen Bereich verwendet werden. Indessen kauften sich die Leute, die eine Spiegelreflexeinrichtung haben wollten, gleich eine Spiegelreflexkamera mit Springblende und TTL-Messung. Und auch die Verwendung für reprographische Zwecke fiel allmählich weg: wer Briefmarken oder Münzen fotografieren will, kauft sich eine SLR, wer eine Kamera an ein Mikroskop ansetzen will, detto. Deshalb wurden von der MD-2 nur etwa 2600 Stück in 7 Jahren gebaut. 1987 ist die Fertigung der sucherlosen LEICAs ausgelaufen, obgleich noch Jahre später neue MD-2 aus vorhandenen Vorräten gekauft werden konnten - aber nicht wurden.


  

Schön schaut sie aus, meiner bescheidenen Meinung nach. Und sie hat den Aufsteckschuh mit elektrischen Kontakten wie die LEICA M4-2, die abgewinkelte Rückspulkurbel wie die LEICA M4 und M4-2 und Sie können wie bei allen M4 und M4-2 den elektrischen Motor ansetzen, den LEICAvit natürlich auch. Und gemeinsam mit der LEICA M4-P ist sie das letzte Serienmodell mit dem geschwungenen LEICA-Schriftzug auf dem Gehäuseoberteil, sowie die Typenbezeichnung LEICA MD-2 auf der Vorderseite des Gehäuseoberteils.
   
Seinerzeit konnten, so einer wollte, die sucherlosen LEICAs in entsprechende Modelle der LEICA mit Messsucher umgebaut werden. Heute ist das schon im Hinblick auf die Kosten kaum mehr möglich. Natürlich könnte man ein Oberteil von der M4 oder M6 nehmen, die Entfernungsmessereinheit samt Sucher einbauen und gleich auch noch die Innereien für die Kupplung des Entfernungsmessers mit der Entfernungseinstellung des Objektivs: Besser kaufen Sie sich eine andere Version der M-LEICAs. Es kommt billiger.


   

 

Da praktisch auch niemand mehr mit dem vergleichsweise umständlichen Visoflex arbeiten will, ist heutzutage eine Benützung dieses schönen Modells für den seinerzeit vorgesehenen Zweck kaum mehr sinnvoll, wenn auch, mit entsprechendem Zubehör, nach wie vor möglich. 
   
Allerdings hat sich mit steigendem Wohlstand und dem größeren Anbot von an der LEICA verwendbaren Superweitwinkeln durch Dritthersteller eine neue Verwendung herausgestellt, an die Leitz seinerzeit sicher nicht gedacht hat: MD-2 + Superweitwinkel. 
   
Denn, sind Sie Besitzer einer MD-2 (oder MD bzw. MDa) und eines Elmarit 2,8/28 mm oder Elmarit 2,8/21 mm bietet sich an, eines dieser Objektive ansetzen, Spezialsucher aufstecken und fotografieren. Bei diesen Brennweiten werden Sie bei Tageslicht einen Entfernungsmesser kaum vermissen.  
   
Natürlich können Sie auch die neuerdings erhältlichen passenden Fremdobjektive (z. B.
Avenon/Kobalux 2,8/21 mm oder ein von Cosina hergestelltes Heliar  4,5/15 mm) mit entsprechenden Zusatzsuchern benützen, aber die sind eben nicht von Leitz bzw. von der LEICA Camera AG. In Prospekten etc. finden Sie Abbildungen der MD-2 manchmal mit angesetztem Noctilux 1,2/50. Mangels Entfernungsmesser sollten Sie dieses Objektiv an der MD-2 aber nicht unbedingt bei Blende 1,2 bei einer Entfernung vom Motiv von einem Meter benutzen, falls Sie das Motiv scharf abgebildet haben wollen.
   
Die Produktion der MD-2 wurde erst 1987 eingestellt - ab 1980 sind insgesamt an die 2.600 Exemplare sowohl in Wetzlar als auch in Kanada hergestellt worden. Gut erhaltene MD-2 sind nicht eben billig; so mit an die USD 1200.- müssen Sie schon rechnen. Wie die MD-2
aussieht, sehen Sie hier. Wie sie mit einem Ultron 1,7/35mm von Cosina samt passendem Sucher aussieht, sehen sie oben, wenn Sie wollen, auch in Groß.

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Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am 
12.12.2004

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