PETER LAUSCH
Leamanegh Castle

Die Ruine des Leamanegh Castle
liegt auf dem Gelände eines Bauernhofes, dessen Eigentümer noch nicht
entdeckt hat, dass Tourismus auch eine Einnahmequelle sein kann. Daher
kann das Grundstück mit der Ruine nicht betreten werden - der Herr
Eigentümer reagiert muffig, wenn er gefragt wird. So sehen denn alle
Abbildungen der Ruine gleich aus, weil sie vom selben Standpunkt gemacht
wurden, entweder direkt an der Kreuzung von R476 und R480, oder eben 10
Meter weiter rechts entlang der Begrenzungsmauer.
Trotz dieser Umstände lohnt sich ein
Halt, denn Leamanegh Castle hat eine interessante Geschichte:
Klar erkennbar stammt das Gebäude aus
zwei verschiedenen Epochen: Rechts ein mittelalterlicher Wohnturm, der
um 1420 errichtet worden sein dürfte, links an den Wohnturm angebaut ein
Wohnhaus, das aus dem 17. Jahrhundert stammt.
Von der wohl bekanntesten Bewohnerin
des Hauses gibt es eine Menge Geschichten bzw. Legenden:
Die
gute Máire Rhua O'Brian lebte einst hier, der man, 1651 war’s, den toten
Ehemann Conor O'Brien aus einer Schlacht mit Cromwells Soldaten
zurückbrachte, doch wollte sie die Leiche nicht, denn was sollte sie
damit, wird ihr Ausspruch bei diesem Anlass überliefert. Stattdessen
nahm sie in der Folge einen
Cornet
(gemeint wohl: Captain)
John Cooper aus der siegreichen Armee zum Gatten. Auf diese
Weise sicherte sie für sich das Eigentum an der Burg und am
Grundbesitz. Der gute Offizier starb unerwartet nach einiger Zeit, als
Máire beim Rasieren des Gatten die Hand mit dem Rasiermesser
ausrutschte, sagen manche Legenden. Manche sagen, sie habe ihm einen
Tritt in den Bauch versetzt, von dessen Nachwirkungen er sich nicht mehr
erholte. Andere wieder wissen, dass er – leider – zwei Jahre nach
der Eheschließung, als er mit der holden Gattin auf dem
Dach spazieren ging, ausrutschte, wie sie sagte, und zu Tode
stürzte. Nach anderen Quellen soll er von den Klippen ins
Meer gefallen sein, als sich unerklärlicherweise Máires Pferd, das er
zufällig ritt, bei den Klippen aufbäumte und seinen Reiter abwarf.
Danach soll sie dann keinen Gatten mehr (gesucht?) bekommen haben. Dabei
dürfte es sich freilich um Legenden handeln, die es auch sonst zahlreich
über die Dame gibt.
Der historischen Wahrheit näher kommen
dürften die vereinzelten Unterlagen, wonach die Eheleute mehrere Kinder
hatten und Cooper recht alt geworden ist. Die Ehe, die ja von Anfang an
keine Liebesheirat war, dürfte mit der Zeit nur mehr auf dem Papier
bestanden haben, denn einer ihrer Söhne aus der Ehe mit Conor O'Brian
nahm seine alte Mutter nach Dromoland Castle mit - er galt weithin als
der reichste Bürger in Irland.
Was immer auch wahr sein mag, Maire
Rhua war sicherlich eine bemerkenswerte Frau, die trotz mancher
Schicksalsschläge ihren Weg gegangen ist.
Übrigens: Sowohl bei der Schreibweise
des Namens der Ruine als auch bei der von Maire Rhua, (was auf Deutsch
heißt: die rote Marie) ist man sich nicht einig, es gibt von beiden
leicht abweichende Bezeichnungen (z. B.: Leamaneagh Castle bzw. Maire
Rhuadh). Hier wird bei Ortsnamen die Schreibweise in den Landkarten des
Ordnance Survey verwendete Schreibweise verwendet.
Erstellt: 2. August 2011
© 2011/Peter Lausch
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