PETER LAUSCH
Die Eisenbahn nach System Lartigue

 

Der französische Ingenieur Charles Lartigue entwickelte ein System für eine Einschienenbahn, nachdem er, wie man sagt, in Algerien Kamele gesehen hatten, die auf beiden Seiten ihres Rückens Lasten trugen. Er konstruierte ein ca. 1 Meter hohes A-förmiges Gleissystem, bei dem eine Schiene auf der Spitze dreieckiger Metallgestelle befestigt war. Rechts und links verliefen etwa in Hüfthöhe Stützschienen. Die Wagen rollten auf der Schiene und wurden  seitlich auf den Stützschienen gelagert. Eine solche Bahn wurde in Algerien tatsächlich gebaut, 90 Kilometer lang, mit welcher Esparto-Gras transportiert wurde. An Stelle einer Lokomotive wurden die Wagen mit ihrer nur leichten Last von Eseln gezogen, die zu beiden Seiten der A-förmigen Stützen dahintrotteten.

In den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts gelang es Charles Lartigue, den Auftrag für die Konstruktion einer solchen Einschienenbahn auf der Strecke von Listowel nach Ballybunion im County Kerry zu erhalten. Diese 14,5 km lange Bahnlinie nahm am 29. Februar 1888 ihren Betrieb auf.

Lokomotiven und Waggons waren unverwechselbar. Da sie auf der Mittelschiene rollten, war eine konventionelle Bauart undenkbar. Die Lokomotiven rollten auf 3 Rädern und wurden durch den Dampf aus je einen links und rechts der Mittelschienen angeordneten Kessel angetrieben. Der Führerstand wies zwar ein gemeinsames Dach auf, war aber ebenfalls durch die Mittelschiene getrennt, sodass der Lokomotivführer auf seiner Hälfe des Führerstandes auch den Kessel beheizen musste, während auf der anderen Seite ein eigentlicher Heizer mit dieser Aufgabe betraut war. Zwecks Erhöhung der Zugkraft waren auch die Tender angetrieben - in sie waren zwei Zylinder eingebaut, die über je einen kleinen Rauchabzug verfügten. Wie eine solche Lokomotive ausgesehen haben mag, zeigt diese Abbildung:

 

Auch die Wagen hatten ein seltsames Aussehen; die Fahrgäste saßen Rücken an Rücken; zu achten war auf eine gleichmäßige Belastung der rechten und der linken Wagenhälfte. Gleiches gilt auch für die nicht erhaltenen Güterwaggons: wurde rechts vom Gleis eine Kuh transportiert, musste links vom Gleis eine gleichschwere Last eingeladen werden.

Neben diesen leicht zu bewältigenden Problemen gab es eine systemimmanente Eigenart: die etwa einen Meter hohe dreieckige Schienkonstruktion wirkte wie ein Zaun: bei Wegquerungen musste eine Brücke über die Bahnlinie errichtet werden, niveaugleiche Bahnübergänge waren infolgedessen nicht möglich. In den Zügen wurde übrigens auch eine transportable Dreiecksleiter mitgeführt, um in Stationen den Fahrgästen das Überqueren der Schiene zu ermöglichen. Übrigens: Herkömmliche Weichen waren technisch nicht möglich, man half sich mit einer Art Drehscheibe; ein Beispiel sieht man im Original an Ort und Stelle in Listowel.

Seit etlichen Jahren betreibt eine Vereinigung von Enthusiasten  in Listowel eine 1 Kilometer lange Strecke nach diesem System und führt auf dieser Strecke auch Publikumsfahrten durch. Da Lokomotiven und Waggons dieser 1924 aufgelassenen Eisenbahngesellschaft verschrottet wurden, ist einerseits eine mit einem Dieselmotor angetriebene Replik der Lokomotive konstruiert worden (nur der Riesenscheinwerfer stört und entspricht keinesfalls dem Original, wie oben abgebildet) und hat auch die hölzernen Wagen nachbauen lassen.

So schaut die nachgebaute Lok aus:

Und so die Schiene mit den beiden Seiten des Waggons von der Schmalseite:

 

Zur Zeit der Erstellung dieser Seite  ist die Webseite www.lartiguemonorailway.com/ allerdings nicht erreichbar. Die Anlage selbst befindet sich in der John B. Keane Road in Listowel. Telefonisch erreichbar unter: 06824393 / 087 6394360, die Betriebszeiten bis 31. September 2011: Täglich von 13.oo Uhr bis 16,30 Uhr.

 
Erstellt:
26. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch

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