| PETER LAUSCH
Der Labby Rock
Die Portal Tombs bestehen aus einer
mehr oder minder massiven Deckplatte, die von 4 oder 5 senkrecht
stehenden Platten getragen wird. Alle sind sie, soweit man weiß, nahezu
6000 Jahre alt. Man weiß hingegen eigentlich nichts über die Abstammung und die
religiösen Vorstellungen der Erbauer der Portal Tombs, ja, es ist nicht
einmal sicher, dass sie als Grabanlagen errichtet wurden oder vielleicht
sonstigen kultischen Zwecken dienten. Da der genaue Zeitpunkt der
Errichtung nicht sicher ist, kann ihre Datierung nur unter
Berücksichtigung der datierbaren Artefakte unterhalb der Decksteine
erfolgen. Beim so genannten
Poulnabrone Dolmen etwa konnte man das
Mindestalter an Hand der dort aufgefundenen Aschen- und Knochenreste
bestimmen. Ob die Steinsetzungen indessen aus Anlass der Begräbnisse
erfolgten oder ob bereits vorhandene Steinsetzungen als Grabanlagen
benutzt wurden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Dank der
Ergebnisse der Radiokarbondatierung weiß man heute, dass demnach etliche Anlagen fast 6000 Jahre alt sind.
Der Labby Rock dürfte zwischen 3000 und
2500 vor Christus errichtet worden sein.

Beim Labby Rock versagt diese
Datierungsmethode. Einerseits ist die Anlage bisher mit modernen
Methoden nicht untersucht worden, anderseits nimmt man an, dass Mitte
des 19. Jahrhunderts bei Grabungen Asche und Knochenreste entfernt
worden sind. Auf das Alter kann man daher nur auf Grund der Bauart und
des Aussehens schließen.
Wie auch immer, diese abgelegene
Steinsetzung ist überaus beeindruckend durch ihre Lage in einer
Geländemulde und durch den ca. 4 x 3 Meter großen und fast 2 Meter dicken
Deckstein, der ein Gewicht von annähernd 70 Tonnen haben soll.
Der Legende nach sollen hier Diarmaid
und Grainne auf ihrer Flucht vor dem Riesen Fionn MacCumhaill geschlafen
haben: Grainne hatte Diarmaid den Vorzug gegeben. Der Legende nach soll
hier auch Nuada of the Silver Arm begraben sein, ein König der
sagenhaften Tuatha De Danaan - einem vorgeschichtlichen Volk, das in den
Jahrtausenden vor der Besiedlung durch keltische Stämme Irland bewohnt
haben soll. Wissenschaftlich ist die Existenz dieses Volkes nicht
bewiesen, welche geschichtlichen Wurzeln der Sagenkreis um Diarmuid und
Grainne und die Tuatha De Danaan hat, nicht bekannt. Manche meinen, alle
diese Geschichten seien frei erfunden, andere meinen wiederum, sie
hätten einen wahren Kern und seien über Jahrhunderte, ja,
Jahrtausende, mündlich weitergegeben worden.
Der Weg zum Labby Rock ist gar nicht so
schwer zu finden:
Am Nordende von Castlebaldwin biegt man
von der Hauptstraße nach Osten ab und folgt den Wegweisern zur <CROMLEACH
LODGE>. Bei einem Pub biegt man den Wegweisern folgend, nach rechts ab
und fährt schließlich nach einigen Kurven auf den oberen Parkplatz der
Lodge. Von dort führt ein mit gelben Pfeilen und Männchen markierter
Fussweg leicht bergauf
in 10 Minuten durch dichten Jungwald und bei einem Gatter auf die Wiese
um den Labby Rock. Gehzeit ca. 10 Minuten vom Parkplatz aus.

Von der Wiese aus bietet sich ein
Anblick, wie ganz oben abgebildet.

Wer keine Angst vor Rindviechern und
ihren Hinterlassenschaften hat, begibt sich auf die benachbarte Weide. Dort
stehend habe ich dieses Foto gemacht, das, denke ich, die Schauseite des Labby Rocks zeigt. Die Rindviecher haben allerdings wenig Abwechslung und sind
daher entsprechend neugierig. Das sollte man bedenken beim Übersteigen
des Mäuerchens.
Der Rückweg erfolgt auf demselben Weg
oder aber man geht hangaufwärts und auf dem zweiten Teil des Rundweges
zurück zur Lodge. Gehen Sie auf der Kuppe des Hanges abwärts, nicht nach
links, Sie geraten sonst auf einen Weitwanderweg durch eine eher
reizlose Gegend.
Wer von Steinen noch nicht genug hat,
kann beim erwähnten Pub geradeaus, dem entsprechenden Wegweiser folgend,
zum Heapstown Cairn weiterfahren, einem vorzeitlichen Grabmal in Form
eines beträchtlichen Steinhaufens. Die gängigen Reiseführer geben über
die archäologischen Details Auskunft.
Wer will, kann auch nach Castlebaldwin
zurückfahren und von dort am südwestlichen Ortsrand Castlebaldwin Manor
House besichtigen, oder das, was davon übrig geblieben ist: ein
einstöckiges schmuckloses Gebäude in L-Form mit zwei hoch aufragenden
Kaminwänden.
Castlebaldwin, errichtet nach 1650, gehört zum damals neuen Typ des
befestigten Hauses; einem Angriff durch eine Armee hätte es nicht
widerstehen können, dem Angriff irgendwelcher Räuberbanden indessen
schon. Nicht zuletzt finden sich über dem Eingang die Überreste eines
Vorbaus mit Loch im Boden. Durch dieses Loch konnte man bei Bedarf auf
unerwünschte Besucher Steine fallen lassen, sie mit Pfeilen beschießen
oder ihnen kochendes Öl auf den Kopf schütten. Heutzutage ist
dergleichen unüblich geworden, war seinerzeit aber sicherlich recht
wirksam.
Erstellt: 20. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch
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