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Daseinsberechtigung
Das
Avenon taucht unter verschiedenen Namen im Handel auf: als Kobalux, als
Pasoptik, als Avenar, bei uns in Deutschland und Österreich heißt es
meistens Avenon.
Superweitwinkel mit 20 oder 21mm Brennweite sieht man
selten in den Auslagen der Fotogeschäfte und Superweitwinkel für die
LEICA noch viel seltener. Wer kauft schon ein Elmarit M 2,8/21mm ASPH
für eine M-LEICA? Wer kauft überhaupt eine LEICA? Max. 10.000 Leute im
Jahr, weltweit.
Das
Elmarit M 2,8/21mm ist ein Objektiv ausgezeichneter Qualität, aber
leider auch mit einem außergewöhnlichen Preis. Nicht jeder will oder kann
so viel Geld ausgeben für ein Superweitwinkel, das zwar schon vom
Abbildungswinkel her herausragende Bilder liefert, aber leider auch
einen Haufen Geld kostet, nämlich etwa € 3.900.-. Dazu kommt dann noch
ein Aufstecksucher um etwa € 400.-, macht stolze € 4.300.-
Avenon als
Alternative
Da bot sich das Avenon 2,8/21mm an. Preis: ca. € 700, ein
Leuchtrahmensucher dazu € 200.- sowie ein Adapterring von Gewinde M39
auf Leica-Bajonett um weitere € 80 machte weit weniger
stolze € 1.200. Das habe ich zuletzt im Juni 2001 geschrieben und
mich auf die Preise eines bekannten Versenders in Süddeutschland
bezogen - www.brennerfoto.de
Inzwischen führt Brenner das Avenon etc. nicht mehr. Man findet es dann
und wann im Gebrauchthandel.
Sollten
Sie Eigentümer einer alten Schraubleica sein und ein extremes
Weitwinkelobjektiv für Ihre alte Kamera suchen, ersparen Sie sich den
Adapterring. Sie ersparen ihn sich auch, wenn Sie keine Schraubleica
besitzen, sondern eine der vielen verschiedenen Leica-Copies vorwiegend
aus Japan, aber auch aus der Sowjetunion (alle mit Gewinde M39) und mit der alten Kamera noch
fotografieren wollen. Nur bei Sucherkameras von Canon mit M39- Gewinde
müssen Sie aufpassen: an die Serie VI und 7 passt das Avenon nicht.
Mit
Adapterring passt das Avenon
nicht nur an die LEICA M6, sondern jedenfalls auch
an die M3, M4, M4-2, M4-P etc. Nur bei der LEICA CL und bei der LEICA M5
sollten Sie vorsichtig sein, weil bei diesen Kameras der eingebaute
Belichtungsmesser auf einem beweglichen Arm im Gehäuse sitzt: peinlich,
wenn Sie durch ein Avenon Ihre Antiquität beschädigen.
Und nicht
nur an der LEICA (mit den genannten Einschränkungen) und den
eigentlichen LEICA-Copies aus Japan (von Nikon, Canon bis zu Yashica)
und der ehemaligen Sowjetunion (FED, Zorki, etc.) können Sie ein
Avenon verwenden, auch an Kameras wie der Minolta CLE, an der Konica RF
und an der Bessa R - und zwar in allen Fällen mit
Entfernungsmesserkupplung, obgleich die Entfernungseinstellung mit einem
21er nicht gerade schwierig ist. Das
ergibt dann erstaunliche Kombinationen, von denen sich die Hersteller
der Gehäuse seinerzeit nichts haben träumen lassen. Zum Beispiel eine
Minolta CLE aus dem Jahr 1981 mit einem Avenon. Und ob Sie es glauben
oder nicht, es funktioniert und die TTL-Messung funktioniert ebenfalls.
Auf die Art können Sie mit Ihrer 20 Jahre alten Kamera ganz anders
fotografieren als gewohnt.
Da Sie damit aber Zugang
zu allen Kameras mit LEICA-Bajonett haben, ergeben sich noch ganz andere
Kombinationen: Zum Beispiel ein Avenon an einer LEICA MD-2 ohne
eingebauten Sucher. Das können Sie auch an einer Bessa L, und noch dazu
mit eingebauter Belichtungsmessung, sagen Sie. Stimmt, aber wenn Sie eine LEICA haben
.........
Aber wie
schon vorher gesagt: an meinen Kameras funktioniert es, dass es auch an
Ihren Kameras funktioniert, kann ich nicht garantieren. Falls Sie es
ausprobieren wollen, tun Sie es auf eigenes Risiko.
Herkunft und
Qualität:
Das Avenon
und seine Namensvettern sind identisch. Aus Marketinggründen heißen
sie verschieden. In Deutschland gibt es meines Wissens nur das Avenon,
bei einem süddeutschen Versender.
Produzent war die weithin unbekannte Firma Y.K. Optical Co. Ltd. in Yokohama,
Japan. Scheint nicht gerade eine Großfirma zu sein, aber darauf kommt
es ja nicht unbedingt an. Wichtiger ist, welche Leistung erbringt das
Avenon?
Ich
gehöre nicht zu den Linienzählern und den Fotografen von Testtafeln.
Alles was ich sagen kann, ist einfach: Das Objektiv macht einen soliden
Eindruck, der Anschluss an Kameras mit Schraubfassung und mit
Leicabajonett funktioniert einwandfrei. Mehr noch, die Aufnahmen sind
scharf auch noch bei Vergrößerungen auf 30 x 40 cm. In Deutschland
wird keine Sonnenblende mitgeliefert; damit sie wirksam wäre, würde
Sie ihnen wahrscheinlich auch den Blick durch den Sucher einigermaßen
abdecken. Daraus ergibt sich, Sie sollten Gegenlichtaufnahmen meiden und
auch bei Seitenlicht vorsichtig sein, weil seitliche Reflexe das Bild
verschleiern können. Mag sein, dass das Avenon von der Leistung her bei
Blende 2,8 oder 4 mit dem Elmarit 2,8/21mm ASPH. neuester Fertigung nicht ganz vergleichbar ist, aber wer
fotografiert schon available light-Aufnahmen mit einem extremen
Weitwinkel? Und bei Film mit ISO 100 und schönem Wetter stellen Sie
ohnehin Bl. 5,6 oder 8 ein und bekommen tadellose Aufnahmen.
Manchmal
sind die Aufnahmen ein wenig dunkel. Das liegt aber meist nicht am
Avenon,
sondern daran, dass Sie bei der Belichtungsmessung allzu viel vom hellen
Himmel mitgemessen haben - leicht möglich bei dem großen Bildwinkel.
Also bewusst die bildwichtigen Teile des Motivs anvisieren und messen.
Die Konkurrenz:
Mitbewerber finden sich auf beiden Seiten des Spektrums Angebote: einerseits die
LEICA Camera AG mit dem Elmarit 2,8/21mm, andererseits Cosina/Voigtländer
mit dem Voigtländer-Objektiv 4/21 mm
Brennweite. Dieses Objektiv verfügt auch über eine Schraubfassung,
kostet um € 530 und ist mit Adapter um € 80 ebenfalls an Kameras von LEICA, Konica und Minolta
etc.
anschließbar.
Qual der Wahl?
Vor
den Lohn hat Gott den Schweiß gesetzt, sagt man, und Sie müssen selbst
entscheiden, was Sie wollen und was Sie sich leisten wollen.
Ich will
Sie lediglich informieren, was es auf dem Markt gibt, denn
glücklicherweise bläst dank relativ kleiner Firmen in der letzten Zeit
auf dem lange gleichsam toten Markt der Rangefinder-Kameras, wie die
Amerikaner sagen, ein wenig frischer Wind.
Neuauflage
Um 2000 gab es eine Neuauflage des Avenon. Das war ein neu gerechnetes Objektiv mit nunmehr 6 Linsen in 4 Gruppen
anstatt bisher 8 Linsen in 7 Gruppen; alle Linsen sind "multicoated"
für einen besseren Reflektionsschutz. Die Neuauflage ist leicht zu
erkennen an der schwarzen Fassung. In den USA bot sie eine Zeit lang ein
Herr Dante Stella samt Sucher, Gegenlichtblende, vorderem und hinterem
Deckel zum Preis von US$ 525.- anbieten. In der Zwischenzeit ist das
Geschichte. Die Firma produziert das Avenon in seinen diversen
Namensvarianten nicht mehr, Foto Brenner und Dante Stella verkaufen es
daher nicht mehr.
Schade.
Wie oben schon gesagt, manchmal taucht ein gebrauchtes Objektiv bei Ebay
oder sonst im Gebrauchthandel auf. Passt Ihnen der Preis, das Objektiv
ist empfehlenswert.
Wenn Sie keines finden und Ihnen das Objektiv von Leica denn doch zu
teuer ist, vielleicht findet dann das Objektiv von Voigtländer Gefallen?
Hinweis:
Sollten Sie sich informieren wollen, wie man mit einer
Minolta
CLE fotografiert, mit einer
Bessa
R von Voigtländer oder einer
Konica
Hexar RF,
von mir gibt es eine Reihe von Kurzdarstellungen. Sie brauchen bloß auf
die entsprechende Kamera zu klicken.
Sollten
Sie weitere Informationen über die Geschichte der wohl berühmtesten
Sucherkamera für Kleinbild suchen, empfehle ich - unter anderem - allgemein meine
Geschichte der LEICA.
Erstellt am
11.2.2001, zuletzt ergänzt am 9.9.2006
© Peter Lausch

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