Peter Lausch

 

 

Ein preiswertes Superweitwinkel für die LEICA

  

Daseinsberechtigung

    Das Avenon taucht unter verschiedenen Namen im Handel auf: als Kobalux, als Pasoptik, als Avenar, bei uns in Deutschland und Österreich heißt es meistens Avenon.
    Superweitwinkel mit 20 oder 21mm Brennweite sieht man selten in den Auslagen der Fotogeschäfte und Superweitwinkel für die LEICA noch viel seltener. Wer kauft schon ein Elmarit M 2,8/21mm ASPH für eine M-LEICA? Wer kauft überhaupt eine LEICA? Max. 10.000 Leute im Jahr, weltweit.
    Das Elmarit M 2,8/21mm ist ein Objektiv ausgezeichneter Qualität, aber leider auch mit einem außergewöhnlichen Preis. Nicht jeder will oder kann so viel Geld ausgeben für ein Superweitwinkel, das zwar schon vom Abbildungswinkel her herausragende Bilder liefert, aber leider auch einen Haufen Geld kostet, nämlich etwa € 3.900.-. Dazu kommt dann noch ein Aufstecksucher um etwa € 400.-, macht stolze € 4.300.-

Avenon als Alternative   
   Da bot sich das Avenon 2,8/21mm an. Preis: ca. € 700, ein Leuchtrahmensucher dazu € 200.- sowie ein Adapterring von Gewinde M39 auf Leica-Bajonett um weitere € 80 machte weit weniger stolze € 1.200. Das habe ich zuletzt im Juni 2001 geschrieben und mich auf die Preise eines bekannten Versenders in Süddeutschland bezogen - Foto Brenner  Inzwischen führt Brenner das Avenon etc. nicht mehr. Man findet es dann und wann im Gebrauchthandel. Nach Möglichkeit sollten Sie aber eines mit Gegenlichtblende wählen, die sind extra extrem selten erhältlich.
   Sollten Sie Eigentümer einer alten Schraubleica sein und ein extremes Weitwinkelobjektiv für Ihre alte Kamera suchen, ersparen Sie sich den Adapterring. Sie ersparen ihn sich auch, wenn Sie keine Schraubleica besitzen, sondern eine der vielen verschiedenen Leica-Copies vorwiegend aus Japan, aber auch aus der Sowjetunion (alle mit Gewinde M39) und mit der alten Kamera noch fotografieren wollen. Nur bei Sucherkameras von Canon mit M39- Gewinde müssen Sie aufpassen: an die Serie VI und 7 passt das Avenon nicht.
   Mit Adapterring passt das Avenon nicht nur an die LEICA M6, sondern jedenfalls auch an die M3, M4, M4-2, M4-P etc. Nur bei der LEICA CL und bei der LEICA M5 sollten Sie vorsichtig sein, weil bei diesen Kameras der eingebaute Belichtungsmesser auf einem beweglichen Arm im Gehäuse sitzt: peinlich, wenn Sie durch ein Avenon Ihre Antiquität beschädigen.
   Und nicht nur an der LEICA (mit den genannten Einschränkungen) und den eigentlichen LEICA-Copies aus Japan (von Nikon, Canon bis zu Yashica) und der ehemaligen Sowjetunion (FED, Zorki, etc.) können Sie ein Avenon verwenden, auch an Kameras wie der Minolta CLE, an der Konica RF und an der Bessa R - und zwar in allen Fällen mit Entfernungsmesserkupplung, obgleich die Entfernungseinstellung mit einem 21er nicht gerade schwierig ist. cleavegr.jpg (66779 Byte)Das ergibt dann erstaunliche Kombinationen, von denen sich die Hersteller der Gehäuse seinerzeit nichts haben träumen lassen. Zum Beispiel eine Minolta CLE aus dem Jahr 1981 mit einem Avenon. Und ob Sie es glauben oder nicht, es funktioniert und die TTL-Messung funktioniert ebenfalls. Auf die Art können Sie mit Ihrer 20 Jahre alten Kamera ganz anders fotografieren als gewohnt. 
leicavenon.jpg (49000 Byte)    Da Sie damit aber Zugang zu allen Kameras mit LEICA-Bajonett haben, ergeben sich noch ganz andere Kombinationen: Zum Beispiel ein Avenon an einer LEICA MD-2 ohne eingebauten Sucher. Das können Sie auch an einer Bessa L, und noch dazu mit eingebauter Belichtungsmessung, sagen Sie. Stimmt, aber wenn Sie eine LEICA haben .........
   Aber wie schon vorher gesagt: an meinen Kameras funktioniert es, dass es auch an Ihren Kameras funktioniert, kann ich nicht garantieren. Falls Sie es ausprobieren wollen, tun Sie es auf eigenes Risiko.

Herkunft und Qualität:
   Das Avenon und seine Namensvettern sind identisch. Aus Marketinggründen heißen sie verschieden. In Deutschland gibt es meines Wissens nur das Avenon, bei einem süddeutschen Versender.
   Produzent war die weithin unbekannte Firma Y.K. Optical Co. Ltd. in Yokohama, Japan. Scheint nicht gerade eine Großfirma zu sein, aber darauf kommt es ja nicht unbedingt an. Wichtiger ist, welche Leistung erbringt das Avenon?
   Ich gehöre nicht zu den Linienzählern und den Fotografen von Testtafeln. Alles was ich sagen kann, ist einfach: Das Objektiv macht einen soliden Eindruck, der Anschluss an Kameras mit Schraubfassung und mit Leicabajonett funktioniert einwandfrei. Mehr noch, die Aufnahmen sind scharf auch noch bei Vergrößerungen auf 30 x 40 cm. In Deutschland wird keine Sonnenblende mitgeliefert; damit sie wirksam wäre, würde Sie ihnen wahrscheinlich auch den Blick durch den Sucher einigermaßen abdecken. Daraus ergibt sich, Sie sollten Gegenlichtaufnahmen meiden und auch bei Seitenlicht vorsichtig sein, weil seitliche Reflexe das Bild verschleiern können. Mag sein, dass das Avenon von der Leistung her bei Blende 2,8 oder 4 mit dem Elmarit 2,8/21mm ASPH. neuester Fertigung nicht ganz vergleichbar ist, aber wer fotografiert schon available light-Aufnahmen mit einem extremen Weitwinkel? Und bei Film mit ISO 100 und schönem Wetter stellen Sie ohnehin Bl. 5,6 oder 8 ein und bekommen tadellose Aufnahmen.
   Manchmal sind die Aufnahmen ein wenig dunkel. Das liegt aber meist  nicht am Avenon, sondern daran, dass Sie bei der Belichtungsmessung allzu viel vom hellen Himmel mitgemessen haben - leicht möglich bei dem großen Bildwinkel. Also bewusst die bildwichtigen Teile des Motivs anvisieren und messen.

Die Konkurrenz:

   Mitbewerber finden sich auf beiden Seiten des Spektrums Angebote: einerseits die LEICA Camera AG mit dem Elmarit 2,8/21mm, andererseits Cosina/Voigtländer mit dem Voigtländer-Objektiv 4/21 mm Brennweite. 

Qual der Wahl?

   Vor den Lohn hat Gott den Schweiß gesetzt, sagt man, und Sie müssen selbst entscheiden, was Sie wollen und was Sie sich leisten wollen. 
   Ich will Sie lediglich informieren, was es auf dem Markt gibt, denn glücklicherweise bläst dank relativ kleiner Firmen in der letzten Zeit auf dem lange gleichsam toten Markt der Rangefinder-Kameras, wie die Amerikaner sagen, ein wenig frischer Wind.

Neuauflage
   Um 2000 gab es eine Neuauflage des Avenon. Das war ein neu gerechnetes Objektiv mit nunmehr 6 Linsen in 4 Gruppen anstatt bisher 8 Linsen in 7 Gruppen; alle Linsen sind "multicoated" für einen besseren Reflektionsschutz. Die Neuauflage ist leicht zu erkennen an der schwarzen Fassung. In den USA bot sie eine Zeit lang ein Herr Dante Stella samt Sucher, Gegenlichtblende, vorderem und hinterem Deckel zum Preis von US$ 525.- anbieten. In der Zwischenzeit ist das Geschichte. Die Firma produziert das Avenon in seinen diversen Namensvarianten nicht mehr, Foto Brenner und Dante Stella verkaufen es daher nicht mehr.

Schade.

Wie oben schon gesagt, manchmal taucht ein gebrauchtes Objektiv bei Ebay oder sonst im Gebrauchthandel auf. Passt Ihnen der Preis, das Objektiv ist empfehlenswert.
Wenn Sie keines finden und Ihnen das Objektiv von Leica denn doch zu teuer ist, vielleicht findet dann das Objektiv von Voigtländer Gefallen?
    

Hinweis:

Sollten Sie sich informieren wollen, wie man mit einer Minolta CLE fotografiert, mit einer Bess R von Voigtländer oder einer Konica Hexar RF, von mir gibt es eine Reihe von Kurzdarstellungen. Sie brauchen bloß auf die entsprechende Kamera zu klicken.

   Sollten Sie weitere Informationen über die Geschichte der wohl berühmtesten Sucherkamera für Kleinbild suchen, empfehle ich - unter anderem - allgemein meine Geschichte der LEICA.  

Erstellt am 11.2.2001, zuletzt ergänzt am 31.1.2010
© Peter Lausch