PETER LAUSCH
KILDAVNET CASTLE & GRAVEYARD

 

KILDAVNET GRAVEYARD:

Nach Überquerung der (fast) neuen Brücke über den Achill Sound knapp außerhalb des Ortes  Achill Sound zweigt auf Achill Island eine Küstenstraße nach Süden ab  (auf einem Wegweiser ist die Straße deutlich als <Atlantic Drive> bezeichnet). Ganz im Süden von Achill Island, kurz vor dem Ort Cloghmore liegt links zwischen Straße und Meer die Ruine der Kirche von Kildavnet mit einem alten Friedhof.

Die Kirche selbst wurde im 7. Jahrhundert von der Hl. Dympna errichtet. Wirklich eindrucksvoll ist an der Ruine der dachlosen Kirche, von der nur die Mauern stehen, eigentlich primär die wunderschöne Lage am Achill Sound mit bei schönem Wetter weitem Blick auf den Achill Sound und die Clew Bay und die Insel Clare. Die Kirche selbst dürfte nur mehr im Kern mit jener identisch sein, die im 7. Jahrhundert errichtet wurde, seither wurde sie offenkundig öfters repariert und restauriert. Im 19. Jahrhundert diente sie als katholische Kirche.

Um die Kirche liegt der Friedhof von Kildavnet: Teile davon sehen aus wie eine steinige Wiese, doch die Steine, die Sie sehen können, sind die Grabsteine, als die Hinterbliebenen kein Geld für teure Steinmetzarbeiten hatten und die Gräber mit solchen Steinen markierten. Erst die jüngeren Gräber weisen die uns vertraute Form von Grabstellen auf.

Am Abhang vor der Kirche, ziemlich am Ufer des Achill Sound, befinden sich die Gräber der anonymen Opfer der Großen Hungersnot der Jahre 1845 - 1848 aus den umliegenden Siedlungen.


Das Denkmal links im Bild ist für jemanden anderen.
Auf die Toten der Hungersnot verweist der blaue Pfeil, den ich eingefügt habe.

An der Friedhofsmauer in Richtung Straße eine deutlich gekennzeichnete Grabstelle für die Opfer eines tragischen Schiffsunglücks im Jahre 1894: damals fuhren, wie jedes Jahr, über hundert junge Menschen als Erntearbeiter nach Schottland. Mangels anderer Verkehrverbindungen benützten sie üblicherweise Segelboote, die sie bis Westport brachten. So auch 1894. Als sie bei der Ankunft in Westport den Dampfer auf der Reede sahen, der auf das Einsetzen der Flut zwecks Einfahrt in den Hafen wartete, waren sie so neugierig, dass viele an die Reeling stürzten. Bedingt durch die Gewichtsverlagerung und einen plötzlichen Windstoß kenterte das Boot; manche der Passagiere konnten nicht schwimmen, andere verfingen sich in dem aufs Wasser aufklatschendem Segel, andere ertranken im Unterdeck durch eindringendes Wasser. Über 30 junge Menschen starben vor den Augen ihrer Kameraden. Damals wurde entschieden, die Opfer mit der - damals noch nicht ganz fertig gestellten - Bahn nach Achill zu transportieren.

So erfüllte sich der erste Teil der Prophezeiung des so genannten <Sehers von Erris>, Brian Rua O'Cearbhain, der im 17. Jahrhundert prophezeit hatte,  dass <Wagen mit eisernen Rädern auf ihrer ersten und ihrer letzten Fahrt Leichen nach Achill Island bringen würden>. Auch der zweite Teil der Prophezeiung ging in Erfüllung: auf der letzten Fahrt auf der Strecke von Westport nach Achill transportierte ein Zug die Leichen zehn junger Menschen, die beim Brand ihrer Unterkunft in Kirkintilloch in Schottland ums Leben gekommen waren. Ihre Leichen allerdings wurden den Angehörigen überlassen und nicht gemeinsam bestattet.

Der geweihte Brunnen (Holy Well) von dem die Verfasser guter Reiseführer schreiben, ist zwar auf dem Friedhofsgelände als weiterer Steinhaufen vorhanden, aber leider ausgetrocknet.

KILDAVNET TOWER:

Ein paar hundert Meter weiter westlich an der Straße befindet sich dieses Turmhaus aus dem 15. Jahrhundert. Der dreistöckige Turm ist gut erhalten und ca. 12 Meter hoch. Man nimmt an, dass er vom O'Malley-Clan erbaut wurde, der damals die Macht in dieser Gegend ausübte. Wie alle vergleichbaren Türme wurde auch seine Lage im Gelände unter militärischen Gesichtpunkten ausgewählt: vom Turm aus lassen sich die Gewässer des schmalen, nach Norden führenden Achill Sounds und der Clew Bay im Süden leicht überwachen. Andere vergleichbare Türme, etwa auf Clare Island und, weiter in Richtung Newport hin, das so genannte Rockfleet Castle, dienten der selben Familie zum selben Zweck. In der mündlichen Überlieferung wird der Turm von Kildavnet als die Heimstätte des wohl berühmtesten Mitglieds der Familie bezeichnet, Grace O'Malley (Granuaille): Eine interessante Persönlichkeit, die noch kurz vor ihrem Tod Königin Elisabeth I in London die Aufwartung machte (machen musste), dort durchaus <ihre Frau stand> und danach glücklich und sicher wieder heimkehren durfte. Gestorben dürfte sie allerdings nicht hier sein, sondern im Rockfleet Castle 

Mit Glück, wenn geöffnet, kann man das Innere des Turms besichtigen; haben Sie kein Glück, macht es nicht viel aus, denn man lernt bei einer solchen Besichtigung nur eines: das Leben eines Clanoberhaupts war damals durchaus nicht gemütlich, geschweige denn bequem. Aber vielleicht ist es Ihnen ja bei einem Besuch des Rockfleet Castle gelungen, einen Blick ins Innere zu werfen - das wird allerdings im Frühsommer 2011, wie ich leider weiß, renoviert, ist von Baugerüsten umgeben und von außen kein Foto wert. Ich nehme an, so wird es bis zum Herbst dort aussehen.

Begnügen Sie sich daher gegebenenfalls mit einer virtuellen Besichtigung des Rockfleet Castle, kann ich nur auf diese Webseite mit etlichen Fotos des Inneren verweisen. Das Innere des Turms in Kildavnet schaut so ähnlich aus, das müssen Sie mir eben glauben.


Erstellt:
30. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch

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