Kameras, beschrieben von Peter Lausch

Peter Lausch

KIEV 5

 Kiev 5 Front

 Bild: © Leicashop Wien

 

Immer noch auf der Basis der Contax II entwickelt, ist die Kiev 5 eine eigenständige Weiterentwicklung von Arsenal in Kiew. In diese Richtung könnte allenfalls eine von Zeiss Ikon in Deutschland fortentwickelte Contax ausgesehen haben — hätte Zeiss nicht diese Systemsucherkamera zugunsten der letztlich zum Scheitern verurteilten Contarex aufgegeben.

 

Von 1967 bis 1974 produzierte Arsenal in Kiew ein gegenüber den reinen Contax-Nachbauten (siehe HIER) weiterentwickelte neue Kamera, die äußerlich weit weniger Ähnlichkeiten mit der Contax hat als die übrigen Modelle dieser Firma. Wie man durch Vergleich mit den verschiedenen Modellen der Kiev 4 sieht, entspricht dennoch Gehäuseform und Größe an sich der Kiev 4 und damit der früheren Contax.

 

Neu ist jedoch der Oberteil mit Messsucher mit Parallaxenausgleich. Der neu konstruierte eingebaute Selenbelichtungsmesser (der von außen abgelesen werden muß, keine Einspiegelung von Zeit und Blende im Sucher!). Neu ist auch der Schnellschalthebel, doch kann der Film auch traditionell mit dem Tranportknopf unterhalb der Zeitenskala transportiert werden.. Neu ist ferner der eingeblendete Sucherrahmen fürs Normalobjektiv; die späteren Kameras (ca. ab 1973) haben auch einen Sucherahmen für 85mm Brennweiten). Das ganze Sucherbild entspricht in etwa dem Bildfeld eines Objektivs mit 35mm Brennweite.

 

Neu ist auch der Objektivanschluss insofern, als die Objektive zur Kiev 5 am Außenbajonett, das dem der Contax und der übrigen Kievs entspricht, befestigt werden. Allerdings werden bei Contax und Kievs die Normalobjektive am Innenbajonett der Kamera besfestigt. Ergebnis: das Normalobjektiv musste neu gefasst werden; die Normalobjektive für Contax und die übrigen Kievs passen nicht mehr. Weggefallen ist damit auch die für die früheren Modelle typische zusätzliche Möglichkeit der Entfernungseinstellung mittels des kleinen Drehrades an der Kameravorderseite. Andererseits passen natürlich alle Contax- und Kiev-Objektive mit Außenbajonett.

 

Eine Besonderheit die Rückspulkurbel an der linken Schmalseite des Gehäuses (in Aufnahmehaltung gesehen).

Kiev 5

 

Großer Erfolg dürfte der Kamera nicht beschieden gewesen sein, auch nicht unter den Bedingungen des sowjetischen (Mangel-) Marktes: die Kamera erwies sich zwar als durchaus fortchrittlich, aber die Fertigungsqualität genügte nur selten. Reparaturen waren häufig nötig, manche Exemplare waren von der Auslieferung an mangelhaft.

 

Die Stückzahl kann nur geschätzt werden. Von 8000 bis 50000 Stück reichen die Schätzungen.

 

Im Westen wurde die Kamera nicht angeboten; einzelne Exemplare gelangten erst durch den zunehmenden Handel mit gebrauchten Kameras übers Internet nach 1990 in das kapitalistische Ausland. Sie sind daher entsprechend selten.

 

 

Technische Daten: 

Kleinbildkamera mit Selen-Belichtungsmesser und Messsucher mit Parallaxenausgleich.  Bajonettfassung,  Normalobjektiv Jupiter 8,  2/50mm, für Außenbajonett, Metall-Schlitzverschluss mit Zeiten von 1/2—1/1000 Sekunde und B, X-Synchronisation bei 1/125 Sekunde, Selbstauslöser mit 10 Sekunden Vorlaufzeit, Belichtungsmesser einstellbar von 16—250 GOST (= ISO 20  -  320, automatisches Filmzählwerk.

Gewicht: 950 g mit Jupiter 8, Maße: 141x97x94 mm. 

 

 

 Erstellt am 5.10.2003, geändert 5.10.2015

 

 

Peter Lausch

 

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