PETER LAUSCH
Hotelbuchungen übers Internet
Wer im Internet ein Hotel oder ein B&B
in Irland sucht, wird geradezu mit Angeboten von Zimmervermittlern
überschwemmt.
Alle, alle überschlagen sie sich
sozusagen mit ihren sagenhaft billigen Angeboten. Nirgends, wirklich
nirgends gibt es Zimmer in den angezeigten Hotels zu niedrigeren, was
sage ich, zu vergleichbaren Preisen. XX ist unübertrefflich. Und billig
sind diese Zimmervermittler auch noch! Was heißt billig, sie sind
GRATIS! Sie verlangen GANZ UND GAR NICHTS! Manche wollen zwar Ihre Kreditkartennummer,
manche auch noch samt 3-stelliger Codezahl. Die Firma ist ja doch
vertrauenswürdig! Was, Sie trauen irgendwelchen Firmen mit dem
Firmensitz irgendwo im nahen oder fernen Ausland nicht? Selber schuld,
wenn Sie auf ihre - unvergleichlichen - Dienst, gratis auch noch,
verzichten müssen.
Sie indessen vertrauen solchen Firmen, die
gleich alles mögliche von Ihnen wissen wollen, damit sie ein Zimmer
reservieren? Und dann entdecken Sie Abbuchungen von Ihrer Kreditkarte,
die Sie sich nicht erklären können? Macht ja nix, eine Mail an die Firma
(Sitz in Georgien, den Bahamas, oder sonstwo!) und alles ist wieder gut.
Denkste.
Freilich, das sage sogar ich: nur ganz
wenige sind Betrüger. Geschäftemacher sind sie indessen alle. Für Gottes
Lohn oder sonst was Vergleichbares vermittelt Ihnen keiner ein Zimmer
irgendwo, weder in Irland noch sonst wo. Früher, ach früher, als die Branche
noch nicht erblüht war, so anfangs 2000, da verlangte man noch ein paar
Euro per Buchung von Ihnen. Immerhin, Sie haben sich wie ich einen Anruf in
Meppen (Emsland, glaube ich) im Hotel xx erspart, der hätte ja auch was
gekostet. So viel aber auch wieder nicht. Das ärgerte.
Daher die neue Masche: Alles ist
gratis. Mitnichten. Doch nicht für Gottes Lohn arbeiten die
Herrschaften. Sie als Kunde zahlen selbst scheinbar nichts, wenigstens wird von
Ihnen nichts verlangt. Die Kosten zahlt der Zimmervermieter, Hotelier,
oder wie er oder sie sich sonst nennt. Und wem wird diese
Vermittlungsprovision über den Zimmerpreis verrechnet? Erraten: Ihnen.
Auf diese Weise dürften sich einige
Herrschaften, die sich alle hinter klangvollen Firmennamen verbergen, goldene
Löffel zuhauf verdienen. Das ist schön, daher gibt es im Internet immer mehr Damen
und Herren, die am Kuchen mitnaschen wollen.
1. Beispiel:

Im Ort Leenane gibt es ein B&B namens
Killary House. Geben Sie doch in Google etc. ein: <"Killary
House" Leenane> und Sie erhalten mehr als 10 Ergebnisseiten mit diesen
Begriffen. Zwar gibt es auch in Westport ein gleichnamiges, sogar recht
gutes, B&B, aber diese Ergebnisse lassen Sie aus. Und ich wenigstens
habe auch gleich Hotels in Killarney angezeigt erhalten. Ist zwar ein
wenig weit weg von Leenane, macht aber nix. Diese Ergebnisse lassen wir auch weg.
Bleiben dennoch fast 10 Seiten, alle mit Internetadressen von Firmen,
die Ihnen dort ein Zimmer vermitteln wollen. Und alle wollen sie
verdienen.
Kleiner Haken: das B&B gehört einem ca.
75 Jahre alten Herrn und seiner annähernd gleich alten Gattin. Ob es
dort einen PC gibt, der auch eingeschaltet wird, weiß ich nicht. Auf
Grund eigener Anschauung kann ich es mir nicht vorstellen. Macht nichts. Personal gibt es auch nicht,
außer der Tochter, die am Morgen vor ihrem Job aushilft und das
Frühstück serviert. Im Hochsommer gibt es manchmal eine Ausländerin, die
in den Ferien ein wenig Berufsalltag erschnuppern soll, ehe sie wieder
in die heimatliche Hotelfachschule zurückkehrt. Ich habe dort junge
Mädchen aus Brasilien, Tschechien und aus Österreich erlebt:
Englischkenntnisse unterschiedlich, aber vielleicht haben die Damen dort
was dazugelernt.
Man kann dort übernachten und bekommt
ein Frühstück. Es gibt schönere Zimmer anderswo in anderen B&Bs (so
heißen dortzulande die Frühstückspensionen), aber
was soll's.
Nur: das alles interessiert die
Zimmervermittler im Internet nicht. Sie wollen Geschäfte machen. Im
nachgeprüften Fall rauben Sie Ihnen nur die Zeit.
2. Beispiel:
In Ballyvaughan gibt es seit einigen
Jahren ein neues Hotel: das Burren Coast Hotel. Hat eine eigene Website:
www.burrencoast.ie. Dort
können Sie auch Zimmer reservieren (und über die Fundstellen bei Google
auf 10 weiteren Seiten natürlich auch). Leider gibt es zu dem von Ihnen
gewählten Zeitpunkt keine freien Zimmer. Sie können auch einen anderen
Zeitraum wählen, es gibt NIE freie Zimmer, das Hotel dürfte nämlich
inzwischen eingegangen sein, oder nicht rentiert haben und daher
geschlossen worden sein. So war's im Juni, als ich durch fröhlich sprießendes
Unkraut zur Eingangstür ging, so ist es offenbar auch jetzt noch. Ich
lasse mich gerne vom Gegenteil belehren. Die Lage am Hafen ist nämlich
wunderschön, das Hotel von außen auch ansehnlich - innen war ich nicht,
siehe oben.
Nur einige wenige Fundstellen bemerken verschämt, dass sie <derzeit
keine Reservierungen durchführen können>.
*
Die Zimmervermittler im Internet wollen
mit Ihnen Geschäfte machen - und Arbeitsplätze sichern, wie sie sich
beeilen werden, bei Kritik zu erklären. Wetten?
Aber einige Besonderheiten gibt es
dennoch zu beachten. Einige von denen zeige ich auf, so, wie ich sie bei
etlichen Reisen in Irland erlebt habe.
1.
Nach meiner Erfahrung ist es immer
günstig, direkt beim Vermieter zu buchen. Damit fällt die Provision weg.
Viele Hotels, (Frühstückspensionen, B&Bs also nur selten), habe eigene Buchungsseiten: Sie geben
im PC das
Datum ein und erhalten umgehend die Mitteilung, ob ein Zimmer frei ist.
Manche verlangen bei der nachfolgenden Bestellung die Daten Ihrer Kreditkarte: achten Sie darauf, dass
Sie diese Daten über eine SICHERE Verbindung übermitteln.
Noch besser ist es, wo immer möglich,
in der Rezeption anzurufen: die Hotelbranche ist <am Sand>, wie man in
Wien sagt, viele Hotels sind überschuldet und sind bereit, mit den
Preisen herunterzugehen, wenn Sie einen günstigen Preis verlangen.
Ich habe schon einen <Beamtenrabatt> erhalten, als ich einen verlangte,
was immer das auch sein mag. Fragen Sie immer, ob das Zimmer so ausschaut, wie auf allfälligen Abbildungen:
Sie landen sonst allenfalls in irgendwelchen Kämmerchen mit einem Bett
drinnen.
So etwas trauen Sie einem Hotelier
nicht zu? Gibt es, ich weiß es. Ich habe über DER gebucht, das Zimmer hatte
zwar zwei Fenster, das schon, jedes ging auf einen anderen kleinen und mit
Unkraut überwachsenen Lichthof und das Zimmer kostete 85 Euro/Nacht. Auf der Rückreise
an Ort und Stelle gebucht, Zimmer mit 2 Fenstern in Standardqualität,
dafür ohne Aussicht auf Unkraut, 75 Euro. Wo?
Oakwood Arms Hotel, Shannon.
Ergebnis heute für den 13. August 2011 (Hochsaison in Irland) in einem <Twin
Room>: € 80 samt Frühstück.
In Frühstückspensionen braucht man
eigentlich gar nicht vorausbuchen, weder telefonisch noch schriftlich
noch übers Internet: man kommt hin und es ist ein Zimmer frei. Wenn
nicht, daneben gibt es ein weiteres B&B. Nur wenn Sie sich aus
bestimmten Gründen auf ein ganz bestimmtes B&B zu einem bestimmten
Termin kaprizieren, lohnt sich
eine Vorbestellung. Manche Vermieter machen Sie jedoch mit einer von
Ihnen abgesandten Mail mit der Anfrage um ein freies Zimmer unsicher,
am Ende verlangen die Verunsicherten eine Kaution von Ihnen. Wie überweist man so etwas ohne
Probleme nach. sagen wir, Leenane, wenn man im erwähnten Meppen wohnt
und die Bankangestellte von nichts eine Ahnung hat?
Sagen Sie jetzt nicht, ich übertreibe.
In Wien habe ich, als es das noch gab, irische Puntin Schilling
wechseln wollen. Die Dame an der Kasse rief durch die Filiale: <Da ist einer,
der sagt. er hat irische Pfunde. Nehmen wir die?> Anschließend musste
sie in einem Buch mit Abbildungen von Banknoten in allen möglichen
Währungen nachsehen und fand <Irland> nicht - hieß dort nämlich <Republic of Ireland>.
2.
Manche Leute lassen sich bei der
Hotelsuche auch von Seiten wie
www.tripadvisor.com leiten, auf denen sich Bewertungen von
Besuchern finden. Nur, was machen Sie, wenn die Bewertungen so sehr
differieren wie im Fall des schon erwähnten Killary House in Leenane:
"I at least expected a
friendly greeting and this didn't happen. We weren't shown to our room,
rather told "its up there at the end of the passage" as the owner
shuffled off into the kitchen. The bedroom had a double and a single bed
literally wedged into it so there was little or no room to move about.
The ensuite barely accomodated a full grown adult and the toilet seat
was loose and the only glass given for drinking water was filthy. The
dining room for breakfast was poor at best. The chairs had little or no
upholstery and no support or springs whatsoever. As we didn't want a
cooked breakfast we were loaded up with cheap white slice pan that was
hardly even toasted. I would have expected a choice of fruit or yoghurt
or brown bread at least.
The only thing this house has going for it is the superb view of the
harbour so nature has given them a helping hand at least in this way.",
schreibt jemand am 12. August 2011. Es
gibt noch weitere 4 mehr oder minder kritische Bewertungen.
Ein Gast lobt im Gegensatz dazu im
September 2010: " ... I found the owners very friendly
when I saw them. I got lots of information about where to go and what to
do (always useful when you are a lone traveller) I had a room with a
fantastic view of Killary Harbour which was just wonderful to wake up to
each morning. Its location suited me as its only a few minutes walk to
the village. Having read the previous reviews I would just like to say
that I had no issues with hot water etc and even with my various
requests for hot water for a late night drink and sandwiches for lunch I
experienced no difficulty."
Ich würde meinen, bei solchen
Internetseiten sollte man sich an die Mehrheitsmeinung halten. Was soll
ein 75 Jahre alter Mann mit starker Arthritis tun, wenn er die in
irischen Häusern üblichen steilen Treppen mit hohen und schmalen Stufen
nicht mehr emporkommt? Dass die schwerhörige Gattin im September 2010
einen Gast sehr freundlich begrüßte, nimmt mich freilich Wunder. Und mit
den <lots of information> sind wahrscheinlich die zahlreich ausliegenden
Prospekte gemeint. Und das warme Wasser gibt es tatsächlich, später am
Abend und später am Morgen, wenn der Boiler sich eingeschaltet hat und
man das Wasser eine Weile laufen ließ. An kühlen Abenden wird
sogar geheizt. Die Sessel im Frühstückszimmer sind meines Wissens alle
gepolstert, auch wenn ein jeder etwas anders ausschaut, aber sitzen kann
man.
Das Haus ist kein Palast; es ist schön
gelegen, die Zimmer zur Straßenseite bieten eine schöne Aussicht, nichts
ist freilich neuwertig und Luxus gibt es keinen, aber das ist oft so in
irischen Frühstückspensionen - man muss sich bloß die diversen
Reiseberichte durchlesen.

Lassen Sie sich also in diesem Fall
ebenso wie in anderen nicht von solchen Bewertungen abschrecken, schauen
Sie sich die Zimmer an - gefallen sie Ihnen nicht, ziehen Sie weiter.
Kein Problem mit dem Mietwagen.
Erstellt: 13. August 2011
© 2011/Peter Lausch
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