PETER LAUSCH
Das Gallarus Oratory

 

Fährt man auf der R559 den <Ring of Kerry> im Uhrzeigersinn, kommt man östlich von Ballyferriter zu einer nach Osten (nach rechts) abbiegenden schmalen Straße mit dem Wegweiser <Gallarus Oratory>. Man folgt der schmalen Straße ein Stück, vorbei an einer nach links führenden großmächtigen Einfahrt zum <Visitor Centre> bis zu einer Erweiterung der Straße mit Parkmöglichkeit für etliche PKW und parkt dort sein Gefährt. Im schlimmsten Fall ist kein Platz mehr frei, dann heißt es bis zur Einfahrt zum Visitor Centre zurückfahren, das eine Reihe von Besonderheiten hat, auf die ich unten noch komme.

Findet man indessen einen freien Parkplatz, stellt man das Auto ab und geht - erlaubt und  gratis - über eine Wiese zum Gallarus Oratory, welches dank Bauweise ohnehin nicht zu verfehlen ist.

Fachleute sagen, es erinnere in seiner Bauweise an ein umgedrehtes Boot: wie auch immer, es handelt sich um Irlands größtes Bauwerk mit Kraggewölbe. Der Bau ist fast quadratisch, 6,7 x 5,6 m groß, dank dicker Mauern ist der  - eine - Innenraum nur 4,65 x 3,1 m groß.  Betreten wird das Bauwerk durch eine ca. 2 Meter hohe Tür an der Westseite. Innen ist der Raum leer, riecht an manchen Tagen allerdings - männlich. An der Westseite befindet sich eine kleine Fensternische mit einem Rundbogen, durch welche frische Luft zirkuliert. Angeblich sieht man von der Tür aus am 17. März und 31. August durch dieses kleine Fenster die aufgehende Sonne.

Wann das Oratorium erbaut wurde, ist umstritten; manche meinen, im 7. Jahrhundert, andere wieder behaupten, das Bauwerk stamme aus dem 8. Jahrhundert. Wieder andere vermuten, es stamme aus dem 12. Jahrhundert.

Unklar ist letztlich auch, welchen Zwecken es wirklich diente, denn als Kirche für die damalige Bevölkerung wäre sie wohl zu klein einerseits und andererseits viel zu aufwendig gebaut. Übrigens befindet sich auf dem Gipfel des von hier aus sichtbaren Mt. Brandon ein vergleichbares Bauwerk, dessen Dach allerdings eingestürzt ist. Zwischen dem 8. und dem 12. Jahrhundert waren das Oratorium und das Gebäude auf dem Berggipfel die Endpunkte eines Wallfahrtsweges. Es mag sein, dass sich die Existenz des Gallarus Oratory daraus erklärt.

Die scheinbare Einfachheit und die Klarheit der Linienführung des Bauwerks täuscht nämlich über den baulichen Aufwand bei der Errichtung: so wie das Oratorium vor den Besuchern steht, steht es seit Jahrhunderten - es findet sich keine Spur einer Restaurierung. Das mörtellose Gewölbe ist auch heute noch regendicht, wie viele Besucher bereits festgestellt haben. Allerdings hat sich im Lauf der 1200 Jahre seit der Errichtung der Dachfirst etwas gesenkt.

Nordwestlich des Oratoriums findet man eine mit allerlei Ritzzeichnungen versehene, etwa einen Meter hohe Steinsäule, wie es solche aber auch anderswo zu sehen gibt. Das Oratorium freilich ist in seiner Art einzigartig und eindrucksvoll in seiner Geradlinigkeit inmitten einer kargen Landschaft.

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Das Besucherzentrum mit Parkplatz und Eintrittsgebühr ist allerdings ein schönes Beispiel dafür, dass auch anderswo die blöden Touristen nach Möglichkeit geneppt werden. Die groß angekündigten audio-visuellen Vorführungen finden in einem halbdunklen Zimmer mit Fernseher, Videogerät und unbequemen Sesseln statt; die Videofilme ihrerseits vermögen leicht retardierte europäische Volksschüler und natürlich AmerikanerInnen jeglichen Alters zu begeistern. Und dass man solcherart für das Betreten einer Art Teestube eine Eintrittsgebühr entrichten muss (der Tee kostet natürlich extra und schmeckt durchaus nicht so), ist zumindest in unseren Breiten eher selten. Ach ja, im Eintrittspreis ist natürlich auch der Besuch eines Andenkenladens mit allerlei Einschlägigem enthalten, was es ohnehin überall ohne Eintrittsgebühr auch gibt.

 

 
Erstellt:
30. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch

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