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5. Teil:
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Nikkorex 35, Nikkorex 35 II, Nikkorex Zoom 35
und Nikkorex F
Statt wie benommen auf den im Vergleich zu den bisherigen Absatzzahlen
ungewohnten kommerziellen Erfolg der Nikon F zu starren, wollte man bei
Nippon Kogaku K. K. auch am Massenmarkt mitmischen. Eine preiswertere
Kamera musste her, denn, leider, billig war die Nikon F nicht.
Nikon versuchte, dieses Ziel in Zusammenarbeit mit Mamiya zu erreichen.
Im Jahr 1960 erschien das erste Produkt dieser Überlegungen auf dem
Markt.
Nikkorex 35
Blicken wir zurück: Für die Marktforscher zeichneten sich um 1960
gleich mehrere Tendenzen ab:
- Der Verkaufserfolg hochwertiger SLR-Systeme mit Wechselobjektiven
schien unaufhaltbar. Für dieses Marktsegment hatte man die Nikon F.
- Gleichzeitig sanken die Verkaufszahlen der zweiäugigen
Spiegelreflexkameras vom Typ Rolleiflex, In Japan wurden derartige
Kameras von vielen Firmen produziert, von Yashica zum Beispiel in
zahlreichen Modellen bis zur Yashicamat 124G (erzeugt bis 1985). Aber
auch Minolta erzeugte zweiäugige SLRs, um nur die beiden bekanntesten
Produzenten zu nennen. Dazu kommen noch weniger oder hierzulande gar
nicht bekannte Firmen wie Aires, deren Kameras wir in Europa, wenn
überhaupt, nur aus alten Inseraten in amerikanischen Fotozeitschriften
kennen, nicht zu vergessen die bereits erwähnte Nikkoflex.
- Im Hinblick auf Nikon F und die Konkurrenzmodelle einäugiger
Spiegelreflexkameras sanken die Verkaufszahlen von Sucherkameras der
üblichen Bauart in der Tradition der Leica-Nachbauten. Ab ca. 1960
stellte jede Firma, die solche Kameras erzeugte, entweder den Betrieb
ein oder ging gleich in Konkurs. 2 Ausnahmen gibt es: die Firma Nicca,
die von Yashica aufgekauft wurde und die Firma Canon, die noch etliche
Jahre erfolgreich Sucherkameras mit Wechselobjektiven baute. Weltgeltung
erlangte freilich auch sie erst mit ihren SLRs.
Dank Springblenden, Rapidspiegeln und Prismensuchern wurden die
Aussichten von SLR-Kameras einfacher Bauart und damit günstiger Preise als
ganz ausgezeichnet beurteilt. Zeigte nicht die deutsche Kameraindustrie
vor, wie begehrt solche Kameras bei der Kundschaft waren, die auf
Wechselobjektive und Motoren, wie die Nikon F sie bot, weniger Wert
legten? Und: gab es nicht potentielle Käufer, die einfach Bilder guter
Qualität haben wollten und die viel mehr Wert legten auf eingebaute
Belichtungsmesser und eine mehr oder weniger narrensichere Übertragung der
Messwerte auf die Kamera als auf Höchstleistungen der Kameratechnik,
welche sie gar nicht ausnutzen wollten? Schließlich: konnte man nicht in
Japan solche Kameras viel billiger bauen als in Deutschland?
Man kann, sagte sich nicht nur die heutige Nikon Corporation – und ließ
bauen. Wo? Bei Mamiya. Das Ergebnis war die 1960 auf den Markt gekommene
Nikkorex 35. Wer die
Kamera entwickelt hat, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich Mamiya und
Nikon kaufte einfach Konzept und Kamera.
Eine
Schönheit war sie nicht gerade.
Vor allem besaß sie keinen Prismensucher, obgleich es sich um eine SLR
handelt. Statt eines massiven, geschliffenen Glasklopses im entsprechend
geformten Oberteil war ein Spiegelsystem eingebaut, welches auf der
Mattscheibe ein aufrechtstehendes, seitenrichtiges Sucherbild produzierte,
das jedoch etwas dunkler war als das Bild auf der Mattscheibe einer
traditionellen SLR wie der Nikon F; allerdings wurde die Kamera durch den
Wegfall des genannten Glasklopses entsprechend leichter. Das
vergleichsweise dunkle Bild macht schon bei normalen Lichtverhältnissen
die Verwendung des eingebauten Schnittbildentfernungsmessers für die
Scharfeinstellung unbedingt nötig. Als Objektiv war ein Nikkor 2,5/50 mm
fest eingebaut. Unmittelbar oberhalb des Objektivs sitzt im viereckigen
Aufbau des Suchers die eindrucksvoll große Messzelle eines
Selenbelichtungsmessers. Mangels Wechselobjektiven ersparte man sich den
teuren Schlitzverschluss und konnte einen Zentralverschluss für Zeiten von
B, und 1 - 1/500 Sekunde ins Objektiv einbauen. So war es leicht, alle
Einstellelemente im Objektivtubus zu konzentrieren: Zeit- und
Blendeneinstellung ebenso wie die Entfernungseinstellung und ein
Messfenster für die Einstellung der Filmempfindlichkeit.
Da das Objektiv nicht ausgewechselt werden konnte, bot Nikon als eine
Art Ersatz zwei Vorsatzobjektive als kostenpflichtiges Zubehör ein. Mit
dem Weitwinkelvorsatz erzielte man einen Bildwinkel, der einem 35 mm
Objektiv entsprach, mit dem Televorsatz erzielte man eine Brennweite von
90 mm. Mit beiden Vorsätzen reduzierte sich allerdings die größte Öffnung
entsprechend: die Einstellung auf 2,5 entsprach Bl. 5,6 mit den Vorsätzen.
Ihre Verwendung reduzierte auch, angeblich nur wenig, die Bildschärfe.
Nach der Aufnahme sah man nichts im Sucher – außer Schwarz. Der Spiegel
klappte erst wieder herunter, sobald der Fotograf den Film transportierte
und den Verschluss spannte. Das ist kein Mangel der Nikkorex 35, sondern
letztlich systemimmanent für derartige Kameras mit Zentralverschluss.
Glücklich wurde die Nippon Kogaku K. K. mit dieser Kamera nicht
wirklich. Erstens gab es Mängel mit der Qualitätskontrolle, die den
Vorstellungen der Auftraggeberin nicht recht entsprach, zweitens erwies
sich der Zentralverschluss von Citizen als reparaturanfällig.
Nikkorex 35 II
1962
erschien daher die zweite, verbesserte Ausführung auf dem Markt. Der
wesentliche Unterschied lag im anderen Verschluss, diesmal von Seikosha.
Alle anderen Änderungen waren äußerlich und hatten hauptsächlich den
Zweck, der Kundschaft zu signalisieren, es handle sich um eine andere
Kamera – hoffentlich eine besser gelungene. Deshalb wurde das Oberteil der
Kamera geändert, ein anders geformter Transporthebel angesetzt, vor allem
das bisher achteckige durch ein rechteckiges Gehäuse mit gerundeten Ecken
ersetzt.
Die Kamera ist leicht zu erkennen: auf den Waben des Belichtungsmessers
prangt unübersehbar der Schriftzug Nikkorex in dicken Blockbuchstaben.
Die Kundschaft ließ sich nicht täuschen: ist der Ruf erst einmal
angepatzt, nutzt ein neuer Aufputz auch nichts mehr.
Nikkorex Zoom 35.
1963
folgte ein weiteres Modell der Nikkorex-Baureihe, das seiner Eigenschaften
wegen ein wichtiger Meilenstein im Bau japanischer Kameras ist. Sie war
die erste japanische Kamera mit einem Zoom, oder, wie man damals auf
Neudeutsch sagte, einer Gummilinse.
1959 hatte die deutsche Firma Voigtländer für ihre Bessamatic-SLR zum
ersten Mal ein Zoom angeboten, das "Voigtländer Zoomar 1:2,8 f=36mm ...
86mm" der amerikanischen Firma Zoomar Corporation.
Was ein Zoomobjektiv ist, brauche ich heutigen Lesern nicht mehr zu
erklären, Anfang der 60er-Jahre war so etwas der Traum der Fotografen –
und der Konstrukteure. Für die Fotografen erfüllte sich mit solchen
Objektiven der Traum, mit einem Objektiv ein Motiv gleichsam von
verschiedenen Standpunkten darstellen zu können, je nach dem, größer oder
kleiner abzubilden etc. Dass solche Zooms mit immanenten Nachteilen
behaftet waren, nahm man gerne in Kauf. Gerade Linien wurden speziell an
den Bildrändern teils nach innen, teils nach außen gewölbt, manchmal mehr,
manchmal weniger, abhängig von Brennweite und Fabrikat – und Preis. Was
noch erträglich war und was nicht, wurde in den Fachzeitschriften hitzig
debattiert. Über die mangelhafte Schärfeleistung wurden gleichsam ganze
Bücher geschrieben. Die Anwender nahmen alle diese angeblichen und
wirklichen Schwächen in Kauf, sie ersparten es sich, mit mehreren
Objektiven in Hosen- und Jackentaschen herumzulaufen und beim Wechsel des
Objektivs sich jedes Mal eine dritte Hand zu wünschen, die uns Gott halt
leider nicht gegönnt hat. Wie sehr dies geschätzt wurde, zeigt sich auch
darin, dass heute fast alle Kameras - verbesserte - Zoomobjektive
besitzen.
Im April 1963 erschien in der Zeitschrift "Asahi Camera" der
erste Bericht über die neue Kamera. Demnach hatte die Nippon Kogaku K. K.
an ein sonst unverändertes Gehäuse einer Nikkorex 35 II ein Zoom-Nikkor
mit den optischen Daten "43-86mm f/3,5" fest angebaut; in das Objektiv
war, wie übrigens auch bei der Bessamatic, der Zentralverschluss
eingebaut. Die Brennweitenextreme ergeben sich letztlich aus der
Überlegung, dass das Objektiv nicht zu lichtschwach sein durfte, um nicht
das Sucherbild zu sehr zu verdunkeln (die heutigen superhellen
Mattscheiben waren damals noch nicht entwickelt); ferner sollte das
Objektiv nicht zu groß werden, weil sonst potentielle Käufer abgeschreckt
worden wären. Klein war das Objektiv dennoch nicht gerade; abgebildet wird
es meist mit der Brennweiteneinstellung auf 43mm; bei der Einstellung
längerer Brennweiten geht es "ganz schön aus sich heraus". Heutzutage
hilft man sich bei AF-Sucherkameras damit, dass die Lichtstärke bei
maximaler Brennweite stark absinkt. Bei der Nikkorex Zoom 35 waren solche
variablen Blendenwerte auch deshalb nicht denkbar, weil die Kamera ja
keine TTL-Belichtungsmessung besaß.
Mit einigen Tricks schafften die Ingenieure auch den Springspiegel: er
klappte unmittelbar nach der Aufnahme aus seiner Arretierung unter dem
Sucherprisma wieder herunter. Das Hebel- und Federsystem, welches den
Zentralverschluss auslöst, ist ohne Elektromotor meistens zu schwach, um
den relativ schweren Spiegel aus der Arretierung während der Aufnahme zu
befreien. Nur am Rande: das schaffte von der deutschen
Konkurrenz der SLRs mit Zentralverschluss (Contaflex, Regula Reflex,
Paxettereflex, Bessamatic, Ultramatic) nur Voigtländer mit einem einzigen
Modell, der Ultramatic im Jahre 1962, doch schon beim Nachfolgemodell, der
Ultramatic CS aus dem Jahre 1965 wurde diese Errungenschaft wegen
Reparaturanfälligkeit wieder aufgegeben.
Leider – auch die Nikkorex Zoom 35 war kein besonderes Geschäft für den
Erzeuger. Die Kamera erwies sich als zu groß und als zu schwer; wer ein
Zoom-Objektiv haben wollte, gab mehr Geld aus, kaufte sich die
Objektivversion für die Nikon F samt Nikon F und war zufrieden. Das
beweist der lang anhaltende kommerzielle Erfolg dieses Objektivs mit
Fassung für die Nikon F (es wurde bis 1981, mehrfach verbessert, erzeugt,
zeigt aber nach heutigen Maßstäben auch in den späten Varianten deutliche
Schwächen). Im Übrigen wurde bei der Nikkorex ein Zweiringzoom eingebaut,
das heißt, Einstellung von Brennweite und Entfernung erfolgen an zwei
getrennten Ringen. Für die Nikon F wurde von Anfang an das Objektiv von
der (heute ungebräuchlichen ) Bauart Einringzoom (Schiebezoom) angeboten:
durch Verschieben eines breiten, griffigen Ringes wurde die Brennweite
verändert, durch seitliches Drehen dieses Ringes die Entfernung
eingestellt.
Nikkorex F
Die Erfahrungen mit der Nikkorex 35 bewogen Nikon, einen anderen Ansatz
beim Bau einer preiswerten Spiegelreflexkamera für den Massenmarkt zu
versuchen, nämlich einer gegenüber der Nikon F zwar vereinfachten Kamera,
jedoch mit Schlitzverschluss und Wechselobjektiven (mit dem Bajonett der
Nikon F).

Diese Kamera war die von 1962 bis 1966 gebaute Nikkorex F.
Was war neu?
- Sie war die erste Kamera mit dem Emblem der Nippon Kogaku K. K. mit
einem vertikal ablaufenden Schlitzverschluss; den entwickelte man nicht
selbst, sondern kaufte ihn von der Fa. Copal zu.
- Sie war die erste Kamera der Nippon Kogaku K. K. mit einer
aufklappbaren Rückwand.
- Sie war die erste Kamera der Nippon Kogaku K. K., mit der man auch
mit 1/125 sec. den Elektronenblitz verwenden konnte, statt wie bisher
mit max. 1/30 oder 1/60 sec.
- Sie war auch die erste Kamera der Nippon Kogaku K. K., die von einer
anderen Firma erzeugt wurde, nämlich von Mamiya.
- Sie war die erste SLR der Nippon Kogaku K. K., die größer war als
die Nikon F, nämlich ca. 9 mm höher.
Was fehlte an dieser Kamera gegenüber der Nikon F?
- Sie hatte keinen Motoranschluss.
- Sie hatte keine auswechselbaren Sucher und Mattscheiben.
- Sie hatte keine TTL-Messung, obgleich es von Anfang an einen
aufsteckbaren Zusatzbelichtungsmesser gab.
Was war die Ursache für alle diese Abweichungen?
Nun, die Produktionskapazität bei Nikon war ausgelastet, mehr Kameras
konnten nicht mehr erzeugt werden. Da schien es günstig, den Entwurf der
Firma Mamiya zu kaufen und ein wenig anzupassen. Ob der Anstoß von Nikon
ausging oder von Mamiya, ist unklar. Unterlagen fehlen. Manche sagen
daher, die Zusammenarbeit beider Firmen sei von Joseph Ehrenreich
vermittelt worden, dem Generalimporteur für Nikon-Kameras in den USA und
ganz zufällig auch von Mamiya.
Die Firma Mamiya wurde mit der Produktion für die Nippon Kogaku K. K.
betraut.
Angesichts der Herkunft der Kamera verwundert es nicht, dass die
Nikkorex F nicht nur eine vereinfachte Form der Nikon F, eine Art
Sparmodell ist, sondern dass die Kamera auch einige Ausstattungsdetails
aufweist, welche man bei anderen Modellen von Nikon nicht findet. Ich
nenne nur 3 Beispiele, ohnehin die augenfälligsten:
- Ähnlich den Leicas gibt es auch an den Mamiya-Kameras eine
Filmmerkscheibe an der Rückwand. In der 1. Version der Nikkorex F wurde
diese Filmmerkscheibe übernommen, in einer späteren Version aber bereits
weggelassen.
- Der Entriegelungsknopf für die Objektive befindet sich bei beiden
Versionen (Kamera von vorne betrachtet) nicht in Stellung 3 Uhr wie bei
Nikon SLRs bis heute üblich, sondern in Stellung 5 Uhr.
- Im Suchergehäuse ist kein Pentaprisma eingebaut, sondern ein System
von Spiegeln - das kommt billiger, doch ist das Sucherbild ein wenig
dunkler.
Übrigens war die ab 1962 gebaute Nikkorex F auch die 1. Nikon-Kamera
mit einem senkrecht ablaufenden Schlitzverschluss aus Metallfolie, der von
Copal in Zusammenarbeit u. a. mit Konica und Mamiya entwickelt worden war.
Da Mamiya die Kamera um den neuen Verschluss herum entwickelt hatte und
auch baute, wurde die Nikkorex F übrigens die erste Nikon mit dem
Metallschlitzverschluss von Copal - Nikon selbst baute diesen Verschluss
erst ab 1965 in die eigenen Nikkormat-Kameras ein.
Aus ökonomischen Gründen war auch die TTL-Belichtungsmessung, wie sie
die Nikon F mit ihren Photomic-Sucher/Belichtungsmesseraufsätzen bot,
weggelassen worden. Statt dessen gab es einen mittels des Schuhs an der
Gerätevorderseite (vor dem Auslöser) an der Kamera zu befestigenden
Selen-Belichtungsmeser. Dieser kuppelt sowohl mit dem Zeitenknopf als auch
mit dem Blendenmitnehmer der Nikkor-Objektive und entspricht damit
annähernd dem Entwicklungsstand des allerersten Photomic ohne TTL-Messung.
Wie die Kamera mit dem in den Schuh auf der Vorderseite zu befestigenden
Belichtungsmesser ausgesehen hat, zeigt
diese Website.
Bald zeigte sich, dass die an die Nikkorex F geknüpften Erwartungen
nicht erfüllt wurden und die Kunden die Geschäfte nicht stürmten, um sich
eine Nikkorex F zu kaufen. Als auch eine geringfügig geänderte Version
keinen besonderen Erfolg versprach, verlor die Nippon Kogaku K. K. das
Interesse an dieser Kamera. Die Änderungen waren ja auch wirklich
unbedeutend: die eingangs erwähnte Filmmerkscheibe auf der Rückwand fiel
weg und die Verschlusszeiten von 1/250 - 1/1000 wurden grün lackiert.
Wundern Sie sich nicht, wenn Sie einmal eine Nikkor J Kamera sehen,
welche der Nikkorex F zum Verwechseln ähnlich sieht.. Im Hinblick auf die
damaligen namensrechtlichen Streitigkeiten mit Zeiss Ikon musst die Kamera
für Deutschland einen abweichenden Namen tragen. Übrigens scheinen nur
ganz wenige Kameras nach Deutschland importiert worden zu sein, die Nikkor
J ist eine durchaus exotische Kamera.
Welche Vereinbarungen es hinsichtlich der Nikkorex F zwischen Nikon und
Mamiya gab, ist nicht bekannt geworden. Anscheinend war Mamiya berechtigt,
die technische Konstruktion (einschließlich Nikon-Bajonett) an andere zu
verkaufen. Es gibt sogar mindestens 2 Typen von Wechselobjektiven von
Mamiya für die Nikkorex F, ein 2,8/35 mm und ein 2,8/135. Beide Objektive
haben nur eine halbautomatische Springblende: nach jeder Aufnahme musste
die Blende mit einem am Objektiv angebrachten Hebel auf die größte Blende
geöffnet werden. Für welche Märkte diese als <Nikkormat lens Nr. xxxx
Sekor> bezeichneten Objektive gedacht waren, ist ebenso unbekannt
geblieben wie Stückzahl und Preis.
Mamiya selbst wusste mit der Nikkorex F bzw. der entsprechenden
Konstruktion nichts anderes anzufangen als die Rechte an eine Drittfirma,
die Fa. Ricoh, zu verkaufen, welche die Kamera unter eigenem Namen auf den
Markt brachte, als Ricoh Singlex. Die Singlex war baugleich mit der
Nikkormat F, die von Ricoh zur Singlex angebotenen Belichtungsmesser
weichen indessen in ihrer Bauart von denen zur Nikkorex F ab.
Bis dato ungeklärt ist, ob die Ricoh Singlex von Ricoh selbst oder als
Auftragsarbeit weiterhin von Mamiya hergestellt wurde.
Ricoh verkaufte die Kamera sodann auch unter Handelsnamen, z. B. als
Sears SL 11 der Fa. Sears Roebuck in den USA. Maschinen und Werkzeuge
waren ja vorhanden, Entwicklungsarbeit wurde nicht mehr investiert. Daher
passt der aufsteckbare Belichtungsmesser an der Sears SL 11 an die Ricoh Singlex,
aber nicht an die Nikkorex F.
Ebenso unverändert blieb das Nikon-Bajonett, sodass es zumindest
zeitweilig Kameras von Ricoh und Sears Roebuck mit Nikon-Bajonett gegeben
hat. Nicht nur das, Ricoh stellte auch eigene Rikenon-Objektive mit
Nikon-Bajonett her, etwa das Auto Rikenon 1,4/55 mm als Normalobjektiv für
die Sears SL 11. Unglaublich? Aber wahr.
Nippon Kogaku K. K. gab den Vertrieb der Nikkorex F 1966 auf. Ab Juli
1965 erzeugte Nikon sellbst die Nikkormat FT, mit der die Firma ebenfalls
auf den Massenmarkt zielte: diese Kamera jedoch mit TTL-Belichtungsmessung
und einer (neudeutsch) Anmutung, welche der traditionellen Qualität und
dem Feeling der Nikon F im Prinzip entsprach - siehe den
Teil 7 dieser
Geschichte.
Nikon Auto 35
Mit dieser Kamera unternahm Nikon 1964 mit einer wiederum von Mamiya
gebauten Kamera einen weiteren und endgültig letzten Versuch, eine mit
Zentralverschluss ausgestattete Kamera erfolgreich zu verkaufen -
vergeblich.
Dabei war die Kamera meiner Meinung nach schön anzusehen und ihr
Verschluss, der gleiche wie in der Nikkorex 35-II, von Seikosha durchaus
zuverlässig.
Dies war die erste Nikon mit wahlweiser Blendenautomatik. Man drehte
den Einstellring für die Blende am Objektiv (unmittelbar vor dem Gehäuse)
auf A und wählte die Zeit vor. Wahlweise konnte man die Blende aber auch
manuell einstellen.
Solche Kameras wurden freilich von vielen Produzenten erzeugt. Dass das
eingebaute Objektiv ein Nikkor 2/48 war, änderte nichts - auch andere
Mütter haben vergleichbar schöne Töchter. so wurde auch die Nikon Auto 35
kein Erfolg, ihr Bau wurde 1967 eingestellt. Sie wird aber unter
Liebhabern immer noch für 100 Euro und mehr gehandelt, wenn schön
erhalten.
Um einen weiteren neudeutschen Ausdruck zu verwenden, der Nikon Auto 35
fehlten einfach die <Alleinstellungsmerkmale>.
Die
Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Kameras dieser Baureihe
sehen Sie am deutlichsten, wenn Sie auf das nebenstehende Bild klicken.
Links oben die Nikkorerex Auto 35; Links Unten die Nikkorex Zoom 35,
rechts unten die Nikkorex 35-2 und rechts oben die ganz ähnliche Mamiya
Auto-Lux 35. Hierzulande wurde diese Kamera übrigens auch als Revue Auto
Lux von Quelle und von Porst als Autoflex angeboten. Übrigens hat Mamiya
für Canon auch die kurzlebige und weitgehend baugleiche Canonex gebaut.
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Zuletzt bearbeitet: 7.
Juli 2005
© 2005 / Peter Lausch
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