NIKON FM3A -
eine SLR ohne AF/2001

Peter LAUSCH

 

 

Nikon FM3A
die neue SLR von Nikon ohne AF

Ersatz für die Nikon FM2n:  

   Ganz überraschend hat Nikon anfangs Februar 2001 eine Nachfolgerin für die bereits in die Jahre gekommene FM2 angekündigt, die seit 1983 angeboten wurde. In unserer schnelllebigen Zeit hat die FM2n eine sehr lange Produktionsdauer erreicht.
   Mit der FM3A liefert Nikon erstmalig eine moderne Kamera mit manueller Einstellung der Schärfe UND sowohl manuellem als auch elektronisch gesteuertem Verschluss aus, im wesentlichen unter Beibehaltung aller bisherigen Vorzüge der FM2n mit mechanischem Verschluss. In der Zwischenzeit ist die Kamera bereits erhältlich und in guten Fachgeschäften zu betrachten - und zu kaufen. In Österreich kostet sie in Chromausführung um die S 12.000.- und in Schwarz um die S 12.800.- (DM 1.650.- bzw. 1.750.- in Deutschland).  

Im Einzelnen die wichtigsten Eigenschaften:

   An die in verchromter und schwarzer Ausführung lieferbare, aus einer Legierung aus Silizium und Aluminium gefertigte und in der Größe im Wesentlichen der bisher gelieferten FM2n entsprechenden Kamera können sowohl AF- als auch manuell einzustellende Objektive mit Nikon F- Bajonett angeschlossen werden. Leider lässt sich, so wie schon bei der FM2n, der Blendenmitnehmer am Gehäuse nicht hochklappen, sodaß Nicht-AI-Objektive nicht angesetzt werden können. Nicht-AI-Objektive sind die mit der bekannten Blendengabel, wie sie von Nikon bis 1977 verwendet wurde. Deshalb sind nur Objektive mit AI, AI-s, AF-D, AF-S und P-Anschlüssen verwendbar. Nicht verwendbar sind die neuen G-Nikkore ohne Blendenring am Objektiv und die Objektive für die Pronea 600i und Pronea S (APS-System). Mit anderen Worten: alle Objektive von Nikon können an der Nikon FM3A verwendet werden außer den ganz alten und einigen ganz neuen für den Amateurmarkt.
   Speziell zur Nikon FM3A gibt es ein neues, flaches Normalobjektiv ohne AF mit den Daten 2,8/45 mm und mit eingebauter CPU. Aus diesem Grunde kann es nicht nur an der FM3A verwendet werden, sondern auch an allen gängigen AF-Modellen von Nikon, wenn auch mit manueller Einstellung der Entfernung. Das ursprünglich nur in Chrom (wie abgebildet) lieferbare Objektiv wird seit einiger Zeit auch in einer schwarzen Ausführung lieferbar sein, die besser zu schwarzen Gehäuseausführungen passen soll. 
   Der senkrecht ablaufende Verschluss mit Verschlussvorhängen aus Aluminiumlegierung belichtet bei manueller Einstellung der Verschlusszeiten von 1/4000sec - 1sec +B, bei elektronischer Bildung der Verschlusszeiten nach Wahl einer bestimmten Blende aber stufenlos Zeiten von 1/4000sec - 8sec, entsprechend der mittenbetont mittels 2 SPD gemessenen Belichtungsmessung - natürlich TTL-Messung. Die Empfindlichkeit des Messsystems hält sich im Üblichen: Lichtwert 1 - 20 bei ISO 100 und Bl. 1,4 (d. h. von 1 sec. bei 1,4 bis 1/4000 sec bei Bl. 16). Druck auf den AE-L-Knopf speichert die gemessene Belichtung, falls der bildwichtige Teil des Motivs nicht in Bildmitte liegt. Ich halte das für günstiger als die früher meist übliche Speicherung durch leichten (!) Druck auf den Auslöser einer Kamera. Manuell kann die Belichtung um jeweils 2 Blendenstufen erhöht oder verringert werden, wobei die Einstellung in 1/3 Blendenstufen möglich ist. 
   Man kann somit an der Nikon FM3A wahlweise eine feste (mechanisch gebildete) Belichtungszeit am Zeitenrad einstellen und die Blende entsprechend der Anzeige des Belichtungsmessers einstellen. Mit der Nikon FM3A kann man aber auch dann fotografieren, wenn die Batterie ausgefallen oder leer ist (dann funktioniert die Belichtungsmessung allerdings nicht). Sollten Sie mit der Kamera ans Ende der Welt reisen wollen (jedenfalls dorthin, wo es keine Lithium-Batterien CR-1/3N oder Silberoxyd-Batterien SR44 bzw. Alkali-Batterien LR44 gibt), werden Sie jedenfalls fotografieren können - hoffentlich stellen Sie dann Zeit und Blende richtig ein, sonst fotografieren Sie zwar, aber die Aufnahmen sind falsch belichtet - wir haben dank moderner Technik viel verlernt in den vergangenen Jahrzehnten, ich wenigstens. Sollten Sie bei extrem niedrige Temperaturen fotografieren wollen, es gibt auch einen separaten Batteriebehälter DB-2, sodass Sie wenigstens die Batterien am Körper warm halten können. 
   Statt manueller Einstellung mit und ohne Batterie ist mit Batterien, wie gesagt, die Nutzung der Zeitautomatik möglich und dies wird wohl der Normalfall sein. Manchen Nutzern wird es aber angenehm sein, zu wissen, dass sie im Notfall auch ohne Batterie in der Kamera fotografieren können.
   Leider hat sich Nikon als Motor nicht für den seinerzeit zur Nikon FA lieferbaren Motor MD-15 entschieden; der hat eingeschaltet auch die Stromversorgung der Kamera übernommen. Statt dessen ist als Motor der  ebenfalls schon seit bald 20 Jahren bekannte Motor MD-12 (ursprünglich zur Nikon FM2 und FM2n sowie zur seltenen Nikon FM2/T mit Titangehäuse auf den Markt gebracht) vorgesehen.  Kein Wunder natürlich, denn dieser Motor wurde kontinuierlich als Zusatzteil zur FM2 in ihren verschiedenen Varianten produziert und muß nicht erst, wie der seit vielen Jahren nicht mehr erzeugte MD-15, neu in die Produktion genommen werden. Wie bei den ansetzbaren Motoren üblich, wirkt der MD-12 nicht auf die Filmrückspulung; die erfolgt mit und ohne Motor mechanisch über die Rückspulkurbel durch den Fotografen selbst. Mit Motor schafft die Kamera - bei entsprechend kurzen Belichtungszeiten natürlich - bis zu 3,2 Bildern in der Sekunde. 
   Der Motor MD-12 ist im Zubehörhandel allenfalls auch gebraucht oder als Vorführmodell erhältlich; in schönem Zustand sollten Sie einen solchen Motor um ca. ATS 4.000.- erhalten können. In Wien findet man nach einigem Suchern durchaus solche Gebrauchtmotoren. Ähnlich wird es wohl auch in größeren Städten in Deutschland und in der Schweiz sein.   
   Sollten Sie auch nachträglich wissen wollen, wann Sie die einzelnen Aufnahmen gemacht haben, Sie können auch die Datenrückwand MF-16 ansetzen, mit der sich Datum und Uhrzeit einbelichten lassen. Auch sie ist eine sozusagen alte Bekannte: Nikon bietet sie seit 1983 zur FE2, FM2, FM2n und FA an. Auch sie findet man gelegentlich im Gebrauchthandel.
   Im Sucher wird die Entfernung mittels eines Schnittbildentfernungsmessers eingestellt. Mit Normalobjektiv beträgt die Suchervergrößerung 0,80, wobei 93% des Bildes auf dem Negativ angezeigt werden. Außerdem sieht man im Sucher die gemessene oder manuell eingestellte Zeit, die passende Blende, einen Hinweis auf eine allfällige Belichtungskompensation und die Bereitschaftslampe für das Blitzgerät, die aufleuchtet, wenn das Blitzgerät voll aufgeladen ist. Diese LED blinkt, wenn eine kürzere Zeit als 1/250 sec in manuellem Modus eingestellt ist (im A-Modus wird die passende Belichtungszeit automatisch gebildet) oder aber das Blitzgerät seine volle Leistung abgegeben hat. Verwendet können folgende Blitzgeräte werden: SB-28, SB-28DX, SB-27, SB-50DX (ganz neu!), SB-22s, SB-16B oder SB-29 (ursprünglich für die Nikon D1 gedacht).
   Die Belichtungsmessung erfolgt mit der schon seit Jahrzehnten in Nikon-SLRs verwendeten mittenbetonten Messung mit einer Gewichtung von 60:40, einem durchaus praxisbezogenen Wert.
   Die Kamera verfügt über einen mechanischen Selbstauslöser mit 4 - 10 sec. Vorlaufzeit, sowie über eine heute schon seltene Abblendtaste, mit der die Bildwirkung bei der verwendeten Blende vor der Aufnahme kontrolliert werden kann.
   Gegenüber der Nikon FM2n ist noch ein Feature in die FM3A eingebaut, welchem heutzutage infolge Verbesserung der Blitztechnik mehr Bedeutung zukommt als vor 20 Jahren. Die FM3A bietet eine TTL-Blitzbelichtungsmessung; in Verbindung mit geeigneten Blitzgeräten (die gängigen von Nikon jedenfalls, ob auch Blitzgeräte von Drittherstellern mit dem SCA-System auf diese Weise verwendet werden können, ist mir im Moment nicht klar) misst der interne Blitzsensor das von der Filmoberfläche während der Belichtung reflektierte Licht und veranlasst das Schließen des Verschlusses, sobald die richtige Lichtmenge erreicht ist - das Prinzip gab es schon bei der Minolta CLE und gibt es in dieser Form bei der OM-3Ti von Olympus. Aber zweifellos ist es schön, dass es das nun auch bei einer Nikon-SLR ohne Autofokus gibt, denn so ergeben sich im Normalfall automatisch richtig belichtete Blitzaufnahmen. Haben Sie bedacht, dass damit die Berechnung von Verlängerungsfaktoren bei Aufnahmen mit Zwischenringen und Balgengeräten (im Nahbereich also) jedenfalls wegfällt, falls Sie ein passendes Blitzgerät benutzen?

Zusammenfassung:

    Die neue FM3A ist zweifellos eine Weiterentwicklung der Nikon FM2n. Sie kommt damit allen jenen Fotografen entgegen, die, aus welchen Gründen immer, eine Kamera mit manueller Scharfeinstellung und einem mechanisch gesteuerten Verschluss bevorzugen, dabei aber zumindest fallweise die Vorzüge der elektronisch gesteuerten Verschlüsse ebenso wenig missen wollen wie die moderne Belichtungstechnik vor allem beim Blitzen, bei der Nikon heute führend ist.
   
   Sollten Sie weitere Informationen über die Nikon FM2 oder die FM2n wünschen, empfehle ich - unter anderem - meine Geschichte der Nikon.

Zuletzt geändert am 30.1.2010
© Peter Lausch