Exa II b
  

   2 ungeschriebene Gesetze gab es in Österreich, solange der Osten des Landes von sowjetischen Truppen besetzt war (sie zogen, wie die Truppen der anderen Siegermächte des 2. Weltkrieges, erst 1955 ab):

Nur ja keine Geschäfte mit den Kommunisten machen!
Alles, was von den Kommunisten kommt, ist ohnehin Mist!

   Dass in der DDR Kameras der Marke Exakta erzeugt wurden, die vielversprechende Eigenschaften besaßen, konnte daran nichts ändern. Und dass seit 1952 auch eine preiswertere Ausgabe der Exakta erzeugt wurde, die Exa, auch nicht.
   
   Andere haben nicht so gedacht und gekauft.
   
   Daher gibt es viele gebrauchte Exas zu kaufen. Zwischen 1952 und dem Ende der 80er-Jahre,, als mit der Exa I c die Produktion eingestellt wurde, gab es insgesamt 15 Modelle bzw. Varianten (die Fachleute sind sich nicht ganz einig). 

   Zu den am besten gelungenen Varianten gehört die Exa II b.

   Im folgenden beziehen sich ALLE AUSFÜHRUNGEN auf dieses Modell.


  
Warum ist die Exa II b eine interessante Kamera?

1. Sie ist Teil des ersten erfolgreichen SLR-Systems für Kleinbildfilm, der Exakta-Reihe.

2. Die Exa unterscheidet sich in so vielen Eigenschaften von heute gängigen und den Jüngeren unter Ihnen vertrauten Kameras, dass es sich durchaus lohnt, sich mit dieser interessanten Kamerareihe zu beschäftigen. Man kann sogar, und gar nicht schlecht, mit diesen Kameras fotografieren. Dabei werden Sie feststellen, welche Fortschritte uns seit den 60er-Jahren geradezu selbstverständlich geworden sind. Sie werden aber auch bemerken, dass es sehr häufig nicht auf technische Finessen ankommt, sondern simpel auf das Auge des Menschen hinter der Kamera: das Motiv, das Sie nicht als solches erkennen, halten Sie nicht fest, heute nicht und 1965 hätten Sie es auch nicht getan.

   Als Beispiel für eine ganz einfach aufgebaute, aber vielseitig verwendbare SLR der 60er-Jahre soll die Exa IIb dienen - mit Hinweisen auf die anderen Modelle dieser Reihe.

Rückblick:
   
 
Die Exa-Reihe ist eine vereinfachte Ausgabe der Exakta. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich jedoch teils im Verschluss, teils im Suchersystem. Sie konnte daher auch billiger angeboten werden. Das erklärt ihren Markterfolg. 

Gespart wurde primär am Verschluss. Die große Schwester Exakta hat einen Schlitzverschluss mit Belichtungszeiten von 12 Sekunden bis 1/1000 Sekunde, die Exa  einen Schlitzverschluss mit Belichtungszeiten von 1/25 - 1/150 Sekunde, spätere Modelle, wie die die hier besprochene Exa IIb, einen von 1/2 - 1/250 Sekunde, in allen Modellen auch noch B für Zeitaufnahmen. Nur das letzte Modell dieser Baureihe hat als kürzeste Verschlusszeit 1/500 Sekunde und heißt daher - Exa 500.
   
Mit der Exakta gemein hat die Exa die bauchige Gehäuseform (doch ist das Gehäuse kleiner als bei der Exakta), den Auslöser auf der linken Seite (in Aufnahmehaltung) und einen im Gehäuse fehlenden Springblendenmechanismus.

So wie bei der Exakta nur einige spätere Modelle haben auch nur einige Modelle der Exa einen Spiegel, der nach der Aufnahme wieder in seine Ausgangsstellung herunterklappt, wie wir das bei modernen SLRs gewöhnt sind. Die Exa IIb von 1965 ist das zeitlich erste Modell der Reihe mit Rapidspiegel.

Vor der Aufnahme verdunkelt sich das ohnehin nicht gerade helle Mattscheibenbild noch weiter, wenn nicht mit der größten Blende fotografiert wird, außer das Objektiv hat einen "Auswuchs" auf der linken Seite mit einem eigenen Auslöser. Das nennt sich Druckblende: durch Druck auf den Auslöser am Objektiv schließt sich die Blende auf die Aufnahmeblende, drückt man weiter, wird der Auslöser der Kamera betätigt. Lässt man diesen Auslöser nach der Aufnahme los, öffnet sich wieder die Blende. Fehlt der Auswuchs, müssen Sie entweder auf der relativ dunklen Mattscheibe bei der gewählten (Arbeits-) Blende scharf stellen, oder aber statt dessen vor der Aufnahme die voll geöffnete Blende am Objektiv auf die von Ihnen gewählte Aufnahmeblende schließen. Das klingt genauso umständlich, wie es ist. 

Mein Rat: kaufen Sie sich nach Möglichkeit nur Objektive mit Druckblende (das heißt, mit Auswuchs). Es gibt welche für alle gängigen Brennweiten bis 180 mm. 

War bei der Exa und den einzelnen Modellen der Exa I (bis zur Exa Ib, 1977) ein Lichtschachtsucher serienmäßig, der gegen ein Sucherprisma ausgetauscht werden konnte, war bei den einzelnen Exa II-Modellen ein Sucherprisma fest eingebaut. Bedingt durch den Wegfall der Halterung konnte die Modellreihe Exa II billiger erzeugt und verkauft werden.

Bedienung der Exa IIb:

Von oben betrachtet, erkennt man auf der linken Seite um die Kurbel für die Rückspulung des belichteten Films die Verschlusszeitenskala, die bei dem abgebildeten Modell einer Exa IIb von 1/2 - 1/250 Sekunde reicht. Sie ist vorsichtig einzustellen, denn sie ist nicht gerastet und verstellt sich leicht. 

Will man blitzen (Anschluss rechts vorne neben dem Objektiv), stellt man bei Elektronenblitz den roten Punkt zwischen der Einstellung auf 1/15 und 1/30 Sekunde dem Symbol für den Elektronenblitz gegenüber. Sollten Sie irgendwo 30 Jahre alte Blitzlampen samt Blitzgerät aufgefunden haben, wäre das Birnchensymbol entscheidend. 

Rechts neben dem Sucherprisma finden Sie den Knopf für die Rückspulung und den Schnellschalthebel mit rückwärts laufenden Zählwerk samt Filmmerkscheibe. Das Zählwerk ist nach dem Filmeinlegen manuell auf 36 oder 20 einzustellen, abhängig von der Aufnahmezahl des eingelegten Films. Natürlich kann man heute auch bei entsprechenden Filmen auf 24 stellen.
  

Haben Sie die Belichtungszeit am Gehäuse und die Blende am Objektiv eingestellt, zusätzlich auch die Entfernung, lösen Sie am Druckknopf des Objektivs aus, nachdem Sie den Bildausschnitt auf der Mattscheibe festgelegt haben. Sehen Sie beim Blick auf die Mattscheibe einen roten Hebel, müssen Sie vorher noch den Film transportieren. Können Sie nicht auslösen, obgleich Sie den Auslöser fest drücken, dann steht der kleine Hebel neben dem Suchereinblick wahrscheinlich in waagrechter Stellung und Sie sehen einen roten Punkt auf dem Gehäuse. Drehen Sie den Hebel auf den roten Punkt, damit lösen Sie die Auslösesperre. So etwas finden Sie bei modernen Kameras nicht mehr, ist aber doch ganz praktisch, oder?

Haben Sie den ganzen Film belichtet, drücken Sie den Knopf zwischen Prisma und Filmtransporthebel einmal und spulen anschließend den Film in die Kassette zurück. 

Den Drehknopf für die Entriegelung der abziehbaren Rückwand finden Sie am Gehäuseboden um dem Stativanschluss. Sollten Sie sich fragen, warum sich die Aufwickelspule aus der Kamera herausnehmen lässt, so sage ich Ihnen, Sie können statt auf diese Spule den Filmanschnitt beim Einlegen auch in eine leere Kassette einspulen und ersparen sich so das Rückspulen. Das macht heutzutage kein Mensch mehr, also machen Sie es auch nicht.
   
Sollten Sie ein noch funktionierendes Exemplar der Exa erstanden haben und benützen wollen, wird man den Aufnahmen das Alter der Kamera nicht ansehen. Leider funktionieren heutzutage durchaus nicht mehr alle Exas, die Sie kaufen können, gleichgültig, welches Modell Sie erstanden haben. Seien Sie vorsichtig.
   

Objektive:

Zur Exakta und damit auch zur Exa gibt es eine Vielzahl gebrauchter Objektive im Handel. Berühmte Namen finden Sie: Zeiss, Schneider-Kreuznach, Steinheil, Angenieux, sogar Nippon Kogaku, Tokyo (heute: Nikon). Auch weniger berühmte Erzeuger findet man, etwa Isco Göttingen, Enna (aus München), Meyer, Görlitz und gar nicht berühmte Marken wie Komura, Japan. Insgesamt gibt es über 1800 verschiedene Objektivtypen, manchmal die selben unter verschiedenen Namen. Kaufen Sie nach Möglichkeit nur Objektive mit Druckblende, oder wollen Sie sich mit den anderen herumärgern?

Was an Objektiven an die Exakta passt, passt an sich auch an die Exa IIb. Bloß ist bei der Exa IIb der Spiegel ein wenig klein geraten: bei Objektiven mit mehr als 200mm Brennweite wird das Bild auf der Mattscheibe teilweise abgedunkelt - die Aufnahme selbst wird einwandfrei. Seien Sie auch hier vorsichtig: An die Exa- und Exa I-Modelle können Sie nur Objektive bis 135 mm Brennweite verwenden, sonst wird die Aufnahme auf dem Film vignettiert.

Es gibt auch heute noch Leute, die ganz ernsthaft mit Kameras der Exa-Modellreihe fotografieren und es gibt viele Sammler von Kameras der Typen Exakta und Exa. Geben Sie in eine Suchmaschine die Namen ein und Sie werden fündig werden, falls Sie weitere Details wissen wollen. Dennoch ist das Sammlerinteresse an diesen beiden Kamerareihen relativ gering, daher sind die Preise erträglich. Die Exas werden noch häufig angeboten - kein Wunder, wurden doch allein von der Exa IIb an die 70.000 Stück erzeugt. Hoffen Sie daher nicht auf eine Wertsteigerung Ihrer Exa im Lauf der Jahre.

 

© Peter Lausch
Erstellt am 20. November 2000
Zuletzt geändert am 10.3.2014