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1. Teil
Von den
Anfängen bis zur Nikon (I)
Die Firma Nippon Kogaku K. K. wurde 1917
durch Zusammenschluss mehrerer kleiner Firmen gegründet, die optische
Geräte aller Art hergestellt hatten. Ohne deutsche Optiker, die dank
Zeiss, Voigtländer etc. einen hervorragenden Ruf in Japan hatten,
schien die weitere Entwicklung nicht gesichert. Anfang 1921 kamen daher 8 deutsche Optiker und Techniker
nach Japan, die im Hinblick auf die Wirtschaftslage
nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland den Sprung ins ferne Japan wagten.
Gemeinsam mit rund 200 japanischen Arbeitern und Angestellten begann die
Firma, getreu ihrem Namen, der nichts anderes bedeutet als
"Japanische Optische Gesellschaft" Ferngläser und Mikroskope
herzustellen, sowie ferner optische Messgeräte und Entfernungsmesser.
Im Zuge einer gewissen Diversifizierung entwickelte die Firma ab 1932 auch
Objektive für Platten- und Rollfilmkameras. Sie kamen unter dem Namen
"Nikkor" in den Handel, abgeleitet von "Nikko", dem
Markennamen der Mikroskope.
Auf Grund des Erfolges des Kleinbildformats
in Europa und den USA begannen auch die Japaner, Kleinbildkameras (nach-) zu bauen. Besonders beliebt
waren Nachbauten der Leica, die Contax wurde hingegen nur mit wenig Erfolg kopiert.
Eine dieser Firmen, die solche Nachbauten erzeugten, war die nachmalige Firma Canon, die eine Leica
zerlegte und dann nachzubauen begann. Für den Nachbau eines Objektivs
reichten Kenntnisse und Fähigkeiten nicht, so sah man sich nach
Lieferanten solcher Objektive um und stieß auf die Nikon Kogaku K. K.
Die hatte Kleinbildobjektive parat und konnte liefern. Canons Problem
war der Aufbau eines Vertriebssystems, daher überließ man 1937 einer
anderen Firma unter dem Markennamen Hansa-Canon den Vertrieb der
Leica-Imitation mit dem Objektiv von Nikon Kogaku K. K. Darüber sind
schon Bücher geschrieben worden, die Fa.
Canon
hat im Internet eine sehr schöne Firmengeschichte veröffentlicht.
Der 2. Weltkrieg bescherte der Fa.
Nippon Kogaku K. K. einen ungeahnten Aufschwung. Sie war nicht die
einzige Firma aus der Branche, bei der Fa. Asahi (heute Pentax) war es
nicht anders. Die Nippon Kogaku K. K. wurde zur größten Lieferantin
von optischen Geräten für die japanischen Streitkräfte und lieferte
buchstäblich alles mögliche vom Feldstecher bis zu den
Entfernungsmessern für die Schlachtschiffe Japans. Aus den 200
Mitarbeitern des Jahres 1921 waren bei Kriegsende 23.ooo geworden.
Mit der Kapitulation Japans im August
1945 war es aus mit dieser Herrlichkeit und mit den 19 Fabriken. Die
amerikanische Besatzungsmacht zerschlug den Firmenkomplex, zwang die
Firma, sich mit ihrem angestammten Produktionsgebiet zu begnügen; ihr
blieb das Stammwerk in Ohi bei Tokio mit ca. 1400 Beschäftigten. Aus Lagerbeständen und
Ersatzteilen begann man, Messgeräte und Mikroskope herzustellen, aber
damit konnte man auf Dauer keine 1400 Leute (manche sagen: an die 2000)
beschäftigen.
Vom Oberkommandierenden der
amerikanischen Besatzungsmacht in Japan, General McArthur, wird
erzählt, er habe die Firmen, die vor dem Kriege mit der Produktion
optischer Geräte befasst waren, ermutigt, Kameras zu bauen, "damit
die GIs Kameras kaufen und nicht ihr ganzes Geld in Sake und Huren
anlegen".
Wie auch immer, im
Oktober 1945 wurde von einem Komitee aus Technikern und Kaufleuten der Nippon Kogaku KK. der Entschluss gefasst, nicht nur
neuerlich Objektive zu bauen, sondern auch die passenden Kameras zu
entwickeln. Zwar soll die Firma schon im II. Weltkrieg Kameras für die
japanische Armee gebaut haben, nämlich eine Luftbildkamera mit einem
Nikkor 20cm/f5,6, und eine Plattenkamera im Format 8,5x10cm für die
Artillerie, doch ist das umstritten; manche glauben, Nikon habe bloß
die Objektive geliefert und die Kameras seien in ihrem Auftrag von einer
anderen Firma erzeugt worden.
Getreu der
Kopistentradition beschloss das Komitee zunächst, eine Rolleiflex-Kopie
zu bauen, für
die auch schon der Name festgelegt wurde: "Nikoflex". Der
Auftrag zur Entwicklung dieser 6x6cm-Kamera wurde Anfang 1946
erteilt und trägt die Auftragsnummer 5FD. Nippon Kogaku K. K. hatte allerdings
keinerlei Erfahrung im Bau von Zentralverschlüssen und so arbeitete man
mit der Firma Kobayashi Seiki Co. Ltd zusammen. Die Entwicklung dieses
Verschlusses ging schief. Man hatte nicht nur keine Erfahrung, man
hatte auch nicht die notwendigen Legierungen für die Verschlusslamellen
und für die kleinen Federn, die die Bewegung der Verschlusslamellen
steuern sollten. Aus Deutschland konnte man nichts zukaufen, dort wurde
nichts erzeugt. Daher wurde noch 1946 die Weiterentwicklung der Nikoflex
aufgeschoben. Im September 1948 wurde schließlich die Entwicklung dieser Kamera
endgültig aufgegeben. als der Verkauf der Kleinbildkamera (schleppend)
anlief und die geringe Produktions- und Entwicklungskapazität vollauf
ausgelastet war.
Nur nebenbei: die Firma Kobayashi Seiki
Co. Ltd. gab nicht auf; aus ihr wurde eine erfolgreiche Firma und ihre
Copal-Verschlüsse finden sich auch heutzutage in vielen Kameras. Leider
scheinen keine Fotos von Prototypen der Nikoflex zu existieren, falls
sie nicht noch unveröffentlicht in den Archiven der Nippon Kogaku KK.
lagern.
Gelegentlich wird übrigens behauptet, eine andere Firma habe
eine gleichartige Kamera mit ähnlichem Namen erzeugt und Nikon habe
sein Produkt deshalb aufgegeben. Da mischt sich Wahrheit mit Fantasie.
In Wahrheit kündigte 1950 eine Firma Nihon Optical Research Co. (auf
Englisch: Nippon Koken Camera Works) die
Eigenentwicklung einer 6x6-TLR (ein konstruktiv stark vereinfachter
Nachbau der Rolleiflex für Rollfilm 120) mit dem Namen Nikkoflex an und die Nippon
Kogaku KK. drohte wegen Verletzung des Namensrechtes mit dem Kadi. Die
Nihon Optical Research Co. taufte ihr Produkt eilends um in Nikkenflex.
Von dieser umbenannten Kamera wurden wahrscheinlich 2000 Stück hergestellt;
die Namensänderung erfolgte allerdings erst nach der Produktion von
1.000 bis 1.500 Nikkoflexen. Natürlich sind diese Kameras heutzutage
sehr selten; bei Sammlern von Nikon-Kameras sorgen sie gelegentlich für
einige Missverständnisse, bei den Lesern dieses Berichtes allerdings
nicht mehr. Sie müssen bloß eine derartige Nikkoflex-TLR finden, was in
Europa nicht einfach sein dürfte. Und haben Sie doch eine gefunden,
mussten Sie etwa 200 - 300 US$ bezahlen, je nach Erhaltungszustand.
Nur wenig später nach der
Auftragserteilung für die zweiäugige Nikoflex am 14.1.1946 entschloss
sich das Management am 15. April 1946 mit dem Entwicklungsauftrag 6FT-1,
zusätzlich auch eine Kleinbildkamera in der Art der Leica oder Contax zu
entwickeln, mit Entfernungsmesser und Wechselobjektiven. Als Produktname
wurde ursprünglich "Nikkorette" vorgeschlagen, ein Kunstwort
aus Nippon Kogaku und dem Diminutiv "-ette", als Hinweis auf
die Handlichkeit der Kamera im Vergleich mit üblichen Rollfilmkameras.
Rechtzeitig entschied man sich aber für den Namen Nikon, wiederum
ausgehend von Nikko und unter Anfügung eines "n". Offenbar
klang das in den Ohren der Verantwortlichen wesentlich besser als
Nikkorette. Zumindest erklärt das so der in der Einleitung erwähnte Herr Archivar
Mikio Itoh.
Mit dieser quasi offiziellen Erklärung wird wohl auch
die Jahrzehnte dauernde Diskussion über die
Herkunft des Namens Nikon zu Ende gehen.
Viele Sammler neigten nämlich zu einer Kombination von
Nippon Kogaku K. K., ich neigte eher zu einer Kombination von Nippon und Ikon
wie in Zeiss-Ikon. Vom Herrn
Nikon
von Moskau (1605-1681) leitet sich der Name also nicht ab.
Auf Namen kommt es eigentlich nicht an, sollte man meinen. Aber dem
ist nicht so. Nicht nur stritt Nippon Kogaku K. K. mit der Nihon Optical,
infolge der Namensähnlichkeit tobte bis Anfang der
60er-Jahre ein Streit wegen der Namensrechte in Deutschland zwischen Nippon
Kogaku K. K. und Zeiss Ikon. Daher durften die Nikons in Deutschland nicht als
Nikons bezeichnet werden, sondern wurden Nikkor
genannt. Sobald Zeiss Ikon keine Kameras mehr baute, erübrigte sich der
Streit und seither heißen die Kameras von Nikon auch in deutschen Landen
Nikon.
Als Vorbild
nahm man sich bei Nikon, wie nicht anders zu erwarten, die zwei deutschen
Kleinbildkameras von Weltruf: die Leica und die Contax. Wer je eine
Nikon-Sucherkamera, wie zum Beispiel die
Nikon I, gesehen hat (oder auch die Nikon F) und eine
Contax,
dem fällt die Ähnlichkeit der Gehäuseform auf: nicht gerundet, wie
bei den Leicas, sondern kantig achteckig. Noch andere Eigenschaften der
Contax wurden bei Nikon für gut befunden: der Aufbau der Deckplatte mit Auslöser
und Zeiteinstellknopf obenauf, die Frontplatte der Contax sowie das
rechts neben dem Entfernungsmesser angebrachte Rädchen für die
Entfernungseinstellung von Weitwinkel- und Normalobjektiven. Übernommen
wurde auch die aus einem Stück bestehende Bodenplatte mit angesetzter
Rückwand, wie er für die Contax II charakteristisch ist.
Mehr als
tausend Worte überzeugt das Foto der
Urmutter aller
Nikons,
des allerersten Prototyps der nachmaligen Nikon.
Nikon (I)
Wie das Serienmodell Nikon (I) ausschaut, sehen Sie
hier.
Den römischen Einser setze ich deshalb in Klammern, weil dieses erste
Modell einfach als Nikon bezeichnet wurde.
Den römischen Einser
haben erst die Sammler eingeführt, er findet sich auf keiner Kamera, in
keinem Prospekt der damaligen Zeit und in keiner Gebrauchsanleitung der
Nikon. Im übrigen ist nicht einmal unbestritten, was das I eigentlich
wirklich heißt; die einen sagen, es sei eben ein römischer Einser, die
anderen halten dagegen, es gebe keine Nikon II, sondern das
Nachfolgemodell heiße Nikon M und meinen, der römische Einser sei gar
keiner, sondern ein Versal-I, für "Industrial", und
schließen das daraus, dass die ersten Versuchsexemplare mit Leica
Gewinde, intern als L-Nikons bezeichnet wurden.
Der Auftrag zur
Entwicklung der Nikon I wurde am 15. April 1946 erteilt, die ersten 20 Exemplare
waren im September 1946 fertig gestellt und trugen die Nummern 6091 – 60920.
Dabei steht die 6 für 1946 und 09 für September. Ab Oktober 1947 wurde die neue
Kamera beworben, natürlich nur in Japan.
Die Nippon Kogaku K. K. entschied sich
nach verschiedenen Versuchen mit
Prototypen (auch
mit
Leica-Gewinde) also im wesentlichen für ein in der äußeren Form der Contax II nachempfundenes Gehäuse mit dem gleichen Bajonettanschluss wie in der
Contax und einer vergleichbaren Methode der Entfernungseinstellung. Mit ihr war es
bei Normalobjektiven möglich, die Entfernung sowohl mit
einem kleinen Rädchen an der Vorderseite der Kamera einzustellen als
auch durch Drehung am Ring der Entfernungseinstellung am Objektiv.
Daraus resultiert einerseits das ähnliche Erscheinungsbild und
andererseits eine besonders schnelle Bedienung, wenn es darauf ankommt.
Schließlich unterschied sich die Nikon von der Contax aber darin, dass
der Entfernungsmesser selbst wesentlich einfacher und weniger
störanfällig konstruiert war wie bei der Contax. Ebenso einfacher und
weniger störungsanfällig war der Schlitzverschluss. Besteht er in der
Contax aus mehreren, vertikal ablaufenden Metallplättchen, die sich
heutzutage gerne miteinander verklemmen, besteht er in der Nikon aus einem
waagrecht ablaufenden Verschlusstuch.
Nicht übernommen wurde der
komplizierte Schlitzverschluss der Contax und deren ebenso komplizierter
Entfernungsmesser. Diese beiden Teile entwickelte Nikon selbst - mit
gedanklichen Anleihen insbesondere bei der Leica. Hingegen
ist das Bajonett der Nikon identisch mit dem Bajonett der Contax, nur
die Gewindesteigung der Entfernungseinstellung stimmt nicht völlig
überein. Infolgedessen konnten Normal- und Weitwinkelobjektive in
Nikon-Fassung unverändert an der Contax verwendet werden, nur die
Teleobjektive mussten bei Verwendung an der Contax die Contax-Fassung
aufweisen – solche Objektive wurden von der Nippon Kogaku K. K. extra
erzeugt und sind an einem <C> auf der Fassung erkennbar. Die Kupplung der Entfernungseinstellung der Objektive mit dem
eingebauten Entfernungsmesser der Kamera wiederum wurde von der Leica
übernommen. Die Kombination von Suchereinblick und Einblicköffnung des
Entfernungsmessers (Messsucher) stammt jedoch wiederum von der Contax;
bei der Leica gab es einen Messsucher erst ab dem Erscheinen der Leica
M3 im Jahre 1954.
Sollte jetzt jemand denken, durften sie
denn das, es gab ja schließlich Patente: Nikon durfte nach herrschender
Meinung. Durch die
Gesetzgebung der Siegermächte des II. Weltkrieges waren alle Patente
deutscher Firmen im Ausland für ungültig erklärt worden und für
jedermann frei verwertbar. Die herrschende Meinung ist nicht
unbestritten und die Argumente sind auf Anhieb
nicht
von der Hand zu weisen. Die herrschende Meinung ist im übrigen der Grund, dass bis zum
Erscheinen der Leica M3 in Japan eine unübersehbare Zahl von kleinen
und kleinsten Firmen eine ebenso unübersehbare Zahl von
Leica-Nachbauten produzierte, abgesehen davon, dass das M39-Gewinde der
damaligen Leicas ohnehin nicht patentfähig war – das war erst das
Bajonett der M-Leicas. Übrigens ist dieses Patent der Leica AG. im November 1998 abgelaufen. Auf der
freien Verwendbarkeit des M-Bajonetts beruht letztlich auch die ab Mai 2000 lieferbare
(inzwischen nicht mehr erzeugte) Hexar RF mit Leica-Bajonett. Aber das ist
eine andere Geschichte
Ebenso besitzen diesen Anschluss die
Cosina/Voigtländer Bessa R2 und die Modelle R2A und R3A dieser Firma. Und
im Frühjahr 2005 soll die Zeiss Ikon Kamera von Zeiss dazukommen.
In einer weiteren Eigenschaft ging Nikon ebenfalls eigene Wege: im
Filmformat 24x32 mm.
Dieses Filmformat ist weniger abstrus als man glauben
möchte: erstens war Nikon damit nicht allein, so produzierte etwa auch
Minolta Kameras für dieses Format. Auch in Europa versuchte man sich mit
diesem Format. so liefert auch die ungarische Gamma Duflex aus dem Jahre
1949 Aufnahmen im Format 24x32 mm. Maßgebend für Nikon soll gewesen sein,
dass auf diese Weise mehr als 36 Aufnahmen mit einem KB-Film gemacht
werden konnten. Auch erscheint ein Seitenverhältnis von 3 zu 4 vielen
Menschen harmonischer als das seinerzeit von Barnack für die Leica
gewählte und noch heute übliche Aufnahmeformat von 24x36 mm.
Die Serienproduktion der Nikon lief von März 1948 bis August 1949,
insgesamt wurden nur 738 Exemplare der Nikon I erzeugt (+ die 20
Prototypen). Im übrigen ist 1998 einer Schar von begeisterten Sammlern
der allererste Entwurf in mehreren Varianten und damit erste Prototyp
der späteren Nikon in Tokio auf Fotos gezeigt worden. Die Fotos darf ich aus
urheberrechtlichen Gründen hier nicht zeigen, solange Nikon es mir
nicht erlaubt. Erhalten hat sich auch
die erste Nikon (I) mit der Seriennummer 6091, aber die freilich ihrer Innereien beraubte Kamera schaut
schon so aus wie die Serienmodelle, von der Anordnung der Schräubchen
auf der Frontplatte einmal abgesehen. Erhalten ist nachweislich auch der
dritte Prototyp (Nr. 6094), weil es ein Foto von ihm gibt.
Jeder, der mit einer Nikon I fotografiert
hat, schwärmt von ihrer Qualität und ihrer uhrwerkhaften Präzision.
738 Fotoapparate in einem Jahr sind
nicht viel, die Nikon I war kein wirklicher kommerzieller Erfolg.
Hauptursache war das Filmformat, das die Rahmung von Kodachrome-Dias
erschwerte. Die amerikanische Besatzungsmacht verbot daher den Export
der Kamera.
In Wirklichkeit wurden offenkundig
nicht einmal 738 Nikon I verkauft. 738 Kameras wurden erzeugt, ungefähr
90 Stück wiesen aber Mängel auf und wurden nicht zum Verkauf
bereitgestellt. Aber auch vom verbleibenden Rest muss noch einiges
abgezogen werden. Denn als das Nachfolgemodell Nikon M eingeführt
wurde, welches ein größeres Filmformat von 24x34 aufwies, wurden die
ca. 230 vorhandenen Nikon I in der Fabrik auf Nikon M umgebaut. Rechnet
man alle diese Kameras von der erzeugten Anzahl ab, bleibt ein Rest von
ca. 400 Nikon I, der tatsächlich verkauft werden konnte. Wahrlich keine
großartige Leistung.
Trotz dieser Schwierigkeiten überlebte die Nippon Kogaku K. K., weil
sie, neben Mikroskopen etc., seit Kriegsende zum Teil schon
vor dem Krieg fertig entwickelte Kleinbildobjektive in Fassungen für Canon und vor allem für die Leica
erzeugte.
Damit hat
sich Nikon in den folgenden Jahren mit der Produktion von Objektiven mit
Fassungen für Leicas und für die Contax einen weiteren Erwerbszweig
aufgebaut; sogar für die Exakta wurde in geringer
Stückzahl ein Teleobjektiv erzeugt. Das war ein sicherer Erwerbszweig,
denn infolge der Kriegszerstörungen und den damit
verbundenen Schwierigkeiten waren kaum neue Leicas bzw. Wechselobjektive für die
vorhandenen Leicas zu erhalten.
Für die von der japanischen "Industrie"
(vielfach kleine Werkstätten mit nur wenigen Beschäftigten) ab
1945 erzeugten zahlreichen und qualitativ ganz unterschiedlichen Nachbauten der Leicas
wurden Objektive benötigt. Diese von Nikon erzeugten Gewindeobjektive wurden
für die Nikon I auf Bajonettanschluss umkonstruiert und waren daher,
wie oben erwähnt, von Anfang an zur Nikon I erhältlich. Zusätzlich
zum Normalobjektiv Nikkor 2/50 mm wurde ein Weitwinkel-Nikkor 3,5/35 mm
und ein langbrennweitiges Nikkor 4/135 mm angeboten.
Technische Daten
Nikon I:
Messsucherkamera für
Kleinbildfilm und Wechselobjektiven (Contax-Fassung); horizontal
ablaufender Tuchschlitzverschluss, Filmformat: 24x32
mm! Sucherrahmen für
Standardobjektiv 50 mm Brennweite, Suchervergrößerung 0,6,
Messsucherbasis 60 mm, infolge Suchervergrößerung effektiv nur 36 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/20, 1/30, 1/40, 1/60,
1/100, 1/200, 1/500.
Kein Blitzkontakt (erst ab Nikon S!) und kein Selbstauslöser,
Filmtransport und Rückspulung mittels Drehknöpfen, nach Filmwechsel
manuell auf Null zu stellendes Bildzählwerk,
Standardobjektiv: Nikkor 2/50 mm
Maße: 136x78x42, Gewicht mit Standardobjektiv: 765 g.
Ungefähre heutige
Preisbasis für eine funktionsfähige Nikon I mit Original-Nikkor 2/50
mm: ca. 15000 - 30000 Euro, je nach Erhaltungszustand.
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©
2005 Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet: 13.
August 2007
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