11. Teil: Nikon F-301, F-501, F-401 und  F-801

 

Nikon F-301

Blicken wir zurück: ab den 80er-Jahren begann der Aufstieg der Kompaktkameras mit Autofokus und Zentralverschluss, dafür aber ohne Wechselobjektive. Viele davon waren mit Elektronenblitzen ausgestattet, ohne dass sie wesentlich größer geworden wären. Außerdem waren die allermeisten motorisiert: zum Unterschied von den ansetzbaren Motoren, mit denen (u. a.) Nikon berühmt geworden ist, mit kleinen, in die Gehäuse eingebauten, die mit der Kamera eine Einheit bildeten und vielfach, je nach Ausstattung und Preis, auch die motorische Rückspulung des belichteten Films besorgten. Leistungsfähig waren diese Motoren nicht, eigentlich waren sie "Winder", aber bequem waren sie schon und alle diese Eigenschaften, vereint in einer handlichen Kamera, überzeugten die Kunden. 
   
Als Folge stagnierten die Umsätze bei den SLRs, nicht nur bei Nikon, sondern auch bei den anderen Produzenten. Was den SLRs fehlte, war genau das, was die Kompaktkameras besaßen: Autofokus und eingebaute Motoren oder auch bloß Winder.
   
Ganz neu waren die ins Gehäuse eingebauten Motoren (um bei diesem Ausdruck zu bleiben) auch bei den SLRs an sich ja nicht: Konica hatte schon 1979 die allererste SLR mit eingebautem Motor, die Konica FS-1, auf den Markt gebracht. 1980 folgte der Konica die Contax 137 MD Quartz: beide waren auf dem Markt erfolgreich.
   
Und seit 1982 wies Minolta mit der Minolta 7000 und den Nachfolgemodellen den Weg der weiteren Entwicklung.
   
Kein Wunder daher, dass man auch bei Nikon begann, sich Gedanken für eine neue Kamera mit derartigen Eigenschaften zu machen.
   
Mit Autofokus hatte Nippon Kogaku K. K. ja schon Erfahrungen: die Nikon F3AF gab es ja schon seit 1983, bei welcher der Einstellmotor für die Entfernung in die Objektive integriert war. Dies erwies sich freilich als Irrweg. Die damals zur Verfügung stehenden Antriebe waren groß und relativ teuer; sie machten die beiden für die Nikon F3AF geschaffenen Objektive mit den Daten 2,8/80 und 3,5/200 klobig und unhandlich. Daher fiel die Entscheidung, den AF-Motor ins Gehäuse zu integrieren, ebenso wie den Antriebsmotor für den Filmtransport.

Zunächst präsentierte Nikon die F-301 auf den Markt. Die ab 1985 erzeugte Kamera weist als absolute Neuheit für die Nippon Kogaku K. K. einen eingebauten, in das Gehäuse integrierten Motor auf, der max. 2,5 Bilder/s schafft, weit mehr, als der Amateur benötigt, aber auch mehr, als viele Profis brauchen, bloß war für sie die Kamera nicht bestimmt. Den Film rückspulen muss der Fotograf freilich selbst, ganz altmodisch mit der Rückspulkurbel. Durch Anheben eines Ringes neben dem Auslöser kann der Motor auf Einzel- oder auf Serienschaltung umgestellt werden; mit dem kleinen Hebel dahinter können Piepstöne eingeschaltet werden, ganz praktisch, weil etwa bei längeren Verschlusszeiten der Zeitautomatik der Fotograf auf die allfällige Verwacklungsgefahr hingewiesen wird. Das Piepsen kann abgeschaltet werden.
  
In die Kamera ist für Unbedarfte eine Einspulhilfe für das Filmeinlegen eingebaut. Man braucht nicht mehr den Anfang der Filmzunge in einen Schlitz stecken und hoffen, dass der Film in der Aufwickelspule hält, man zieht den Filmanfang aus der Patrone bis zu einer roten Markierung auf der rechten Seite des Gehäuses, schließt die Rückwand und transportiert den Film - hoffentlich. Wenn ja, dann sieht man das an einer Filmtransportanzeige an der Rückwand.
   
Manuell lässt sich die F-301 auf Zeiten von 1/2000s bis 1s und B einstellen; zusätzlich auf A (für Zeitautomatik) und auf P (Programm) und P Hi (Programm mit Kurzzeitpriorität). Bei Einstellung auf P oder P Hi muss zusätzlich die Blende am Objektiv auf eine orange markierte Blende 16 eingestellt sein, heute selbstverständlich, damals ungewohnt. Dann sucht die Kamera, abhängig von Filmempfindlichkeit und Lichtverhältnisses im eingespeicherten Programm nach der jeweils günstigsten Kombination von Zeit und Blende, wobei die Kamera bei P Hi keine längeren Zeiten als 1/200s belichtet. Die eingestellte Filmempfindlichkeit wird normalerweise durch Ausnutzung des DX-Codes ermittelt. Die F-301 verfügt als erste Nikon-SLR über die entsprechenden Kontakte. Eine manuelle Einstellung ist aber möglich.
   
Die kürzeste Synchronzeit beträgt 1/125s. Die F-301 ist die erste Kamera, die über eine vollautomatische Blitzautomatik (bei Einstellung auf P) verfügt. Dabei stellt die Kamera je nach eingestellter Filmempfindlichkeit selbst eine bestimmte Blende ein (bei ISO 100 etwa Blende 5,6, bei ISO 400 Blende 16). Die Belichtungszeit wird beim Einschalten des Blitzgerätes automatisch auf 1/125s gestellt. Die Belichtung selbst wird durch die Leuchtdauer des Blitzes festgelegt. Mit dem zusätzlich erhältlichen Verlängerungskabel ist entfesseltes Blitzen möglich. Gemeinsam mit einem Makroobjektiv sind auf diese Weise  Nahaufnahmen bis zum Maßstab 1:1  ganz einfach, mit Weitwinkelobjektiven samt Umkehrring sogar mit mehrfacher Vergrößerung schon auf dem Negativ. 

Gewiss, das ist nichts Neues; das kann man mit einer jeden Nikon mit TTL-Blitzmessung und mit jeder anderen Systemkamera auch. Verglichen mit der komplizierten Herumfummelei und der Rechnerei, die mit solchen Aufnahmen noch 20 Jahre vorher unvermeidlich war, zeigt sich an diesen Kleinigkeiten der technische Fortschritt. Wer je einen Schmetterling im Licht der 500 Watt starken Nitraphot-Lampe beinahe verkohlt hat, die notwendig war, um im Sucher einer Nikon F durch das am Balgengerät angebrachte Objektiv (bei Einstellung auf Blende 16 von wegen Schärfentiefe) überhaupt etwas zu sehen, weiß solche Fortschritte zu schätzen.
   
Was der F-301 fehlte, war eigentlich nur noch die automatische Scharfeinstellung. Sie wurde erst mit dem nächsten Modell, das äußerlich beinahe identisch ist mit der F-301, verwirklicht, der Nikon F-501.

 

Nikon F-501

Die Nippon Kogaku K. K. erzeugte ab 1986 die F-501 die erste AF-SLR dieser Firma für den Amateurmarkt. Mit Ausnahme des AF-Moduls ist diese Kamera weitgehend identisch mit der F-301. Man muß genau hinschauen, um äußere Unterschiede zu erkennen, von den weiß eingeprägten Buchstaben AF auf der linken Vorderseite des Gehäuses, unter der Rückspulkurbel, einmal abgesehen.


    
Zusätzlich zu den Kontakten bei Nicht-AF-Objektiven findet sich bei AF-Objektiven ein Anschluss für eine kleine Welle links unten am Objektivbajonett und am kameraseitigen Anschluss, durch welche die Entfernungseinstellung gesteuert wird. Der notwendige AF-Sensor selbst ist im Kameraboden untergebracht und besteht aus 96 Charge Coupled Devices, auf Neudeutsch abgekürzt CCDs, mit deren Hilfe scharf gestellt werden kann. 

Die Anzahl dieser CCDs zeigt besser als alles andere die Fortschritte in der AF-Einstellung. Dazu später mehr. Die dazu notwendigen mechanische Verstellung des Objektivs wird durch den unter dem Auslöser im Kameragehäuse untergebrachten Motor bewirkt und mittels der erwähnten Welle im Bajonettanschluss auf das Objektiv übertragen.
   
Schon die F-501 wies eine "Schärfenachführung" auf. Zum Unterschied von Einzel-AF stellt die Kamera - mit gewissen Einschränkungen bei schnellen Bewegungen etc. � die Schärfe ständig nach, sobald auf den Auslöser leicht gedrückt wird. Ist die Schärfe einwandfrei eingestellt, meldet dies ein grüner Kreis unterhalb des Sucherbildes. Ist eine AF-Einstellung nicht möglich (z. B. Fotografieren durch eine Glasscheibe vor dem Objektiv oder ganz einfach: Benutzung von Objektiven ohne AF-Kontakt), bietet die Kamera immerhin eine Fokussierhilfe insofern, als zwei Pfeile rechts und links von diesem dann nicht leuchtenden Kreis die Richtung anzeigen, in welche die Entfernungseinstellung am Objektiv gedreht werden muss.

Nikon F-401

Ende der 80er-Jahre machte die Entwicklung der AF-Kameras rasche Fortschritte, insbesondere durch die Einführung immer leistungsfähigerer AF-Module. Dies führte zu raschem Modellwechsel, wobei sich die Kameras vielfach überwiegend nur durch die AF-Module wesentlich voneinander unterschieden. Bei Nippon Kogaku K. K. war es nicht anders.  
   
Schon 1 Jahr nach der F-501, nämlich 1987, stellte die Nippon Kogaku K. K. die nächste Autofokus-SLR vor, ausgestattet mit einem wesentlich verbesserten AF-Modul, das einige der Schwächen der F-501 ausglich. 

Statt 96 CCDs der F-501 enthielt die neue F-401 gleich 200 CCDs, die der Einfachheit halber auf einer einzigen Platine saßen, die im Kameragehäuse gemeinsam mit der Belichtungssteuerung, mehrfach abgewinkelt, in alle möglichen Ecken und Enden ragte. Daher war die F-401 auch nicht gerade winzig. Durch einen kleinen Trick wurde mehr Platz geschaffen: an der rechten Seite befindet sich ein recht ansehnlicher Handgriff, der aber nicht nur, wie bei den Vorgängermodellen, primär der Zierde und sekundär einer ein wenig besseren Griffigkeit dient, sondern als Batteriefach genutzt wird. Stellt man eine F-301 und eine F-401 nebeneinander, wird gleich erkennbar, dass Autofokus, Belichtungsautomatiken und der eingebaute Motor ihren Platz brauchen.
   
Neu an der Kamera war neben dem verbesserten AF-Modul AM-200 vor allem die Art der Blendensteuerung. Die F-401 ist die erste Nikon, bei der die Blendeneinstellung am Objektiv eigentlich überflüssig wird: die Blende wird nicht mehr am Objektiv eingestellt, sondern an einem Rad auf der Gehäuseoberseite. Bei den Nikkoren muss die Blende auf den kleinste Blende eingestellt werden, in der Regel auf Blende 16.
   
Die Kamera selbst hat Blenden-, Zeit- und Programmautomatik und lässt auch eine manuelle Einstellung von Zeit und Blende zu. Der Verschluss lässt Zeiten von 1/2000s � 1s zu, sowie ferner B. Zusätzlich gibt es auf dem Zeitenrad noch Einstellungen für A und L (Kameraelektronik abgeschaltet), während sich auf dem Blendenrad außer den Blenden 1,2 bis 32 eine weitere Einstellung befindet, S für Blendenautomatik. Bei Einstellung auf A am Zeitenrad wird die Belichtung bei einer frei wählbaren Blende automatisch gebildet, bei Einstellung auf S auf dem Blendenrad wird bei einer bestimmten Zeiteinstellung die Blende automatisch eingestellt; sind die beiden Räder auf A und auf S gestellt, ergibt sich die Programmautomatik.
   
Warum heißt die Kamera, obgleich später herausgekommen, F-401 und nicht F-601? Weil sie zwar den besseren AF-Modul besitzt, in gewisser Weise aber eine vereinfachte Version der F-501 ist. Zum Unterschied von der fehlt der F-401 die Möglichkeit, in Abweichung von der DX-Einstellung die Filmempfindlichkeit auch manuell einzustellen (laut weinten die wenigen Fotografen, die ihre Schwarzweißfilme mit empfindlichkeitssteigernden Entwicklern behandelt wollten, während die Erzeuger solcher Filme allmählich auch SW-Filme mit der DX-Codierung versahen). Ebenso fehlt die Möglichkeit der Belichtungskorrektur durch Einstellung von Korrekturfaktoren. Und schließlich können auch die Mattscheiben nicht ausgewechselt werden wie bei der F-501, bei der es drei unterschiedliche Mattscheiben gab. Nur nebenbei: kaum jemand hatte diesen Wunsch und kaufte extra Mattscheiben.

Nikon F-801

Dieses im Frühjahr 1988 erschienene Modell ist die erste richtig erfolgreiche AF-SLR von Nikon gewesen. Entscheidend für ihren Erfolg war überraschender Weise gar nicht so sehr der verbesserte Autofokus-Modul, ein "Advanced AM 200", als andere Eigenschaften, nämlich:

  • Die Matrixmessung der Belichtung ist eine verbesserte Neuauflage der AMP-Messung, wie sie schon von der Nikon FA her bekannt ist. In der Ausführung der F-801 wird das Bildfeld in 5 Zonen eingeteilt, die jede nach Helligkeit und Kontrast beurteilt werden. Nach Auswertung dieser Einzeldaten entscheidet der eingebaute (einfache) Computer, mit welchem Messverfahren die richtige Belichtung ermittelt wird. Sollen eher die dunklen Partien (Schatten) berücksichtigt werden oder eher die hellsten Stellen, die Lichter? Soll die Belichtung statt dessen auf eine durchschnittliche Helligkeit des Sucherbildes ausgelegt werden oder eher auf die Bildmitte? Das mag kompliziert klingen, ist es ja vielleicht auch. Wichtig für die Praxis ist, dass die Matrixmessung in fast allen Fällen eine zumindest brauchbares Bild liefert, gleich, ob es sich um die Aufnahme einer Szene in einer Schneelandschaft bei Sonnenschein handelt, ob die Sonne mit aufgenommen wird oder ob es sich um ein helles Gesicht vor einem dunklen Hintergrund handelt. Auch in den derzeit neuesten Modellen von Nikon, der F100 und in der für die digitale Fotografie bestimmten D1 ist die Matrixmessung die Standardmethode.
  • Die mittenbetonte Messung  als Alternative. Sie kann manuell vom Benutzer gewählt werden, oder sie wird von der Kamera automatisch eingestellt, sobald ein Objektiv ohne CPU (etwa ein Nikkor Ai-Objektiv ohne AF-Einstellung) verwendet wird oder aber, etwa durch entsprechende Zwischenringe oder Balgengeräte, die Verbindung zur CPU nicht möglich ist.
  • Gleiches gilt sinngemäß für Aufnahmen mit systemgerechten Blitzen unter Nutzung der Blitz-Innenmessung. In der Praxis werden hierdurch nicht nur richtig belichtete Blitzaufnahmen sichergestellt, sondern auch das "Absaufen" des Hintergrundes in Schwärze verhindert. Auf diesem Gebiet ist zwar die Entwicklung in den letzten zehn Jahren weitergegangen, aber auch nach heutigem Stand der Technik liefert die F-801 einwandfrei belichtete Aufnahmen.
  • Der elektronisch gesteuerte Verschluss, für den ein eigener Motor zuständig ist, reicht von ganzen 30s bis 1/8000s und B. Wer freilich 1/8000s benötigen soll, verschweigt der Prospekt. Ich kann es Ihnen auch nicht sagen. Der Verschluss ermöglicht eine kürzeste Synchronzeit von 1/250s; er entspricht im übrigen dem seit 1985 in der FM2n eingebauten Verschluss aus einer Aluminium-Legierung.
  • Die F-801 hat Blenden- und Zeitautomatik, manuelle Einstellung sowie Programm-Automatik, also gleichsam normale Automatik und Programmautomatik mit Kurzzeit-Priorität (wie das alles auf Neudeutsch aussagekräftig heißt).
  • Die F-801 ist die erste Nikon mit großem LCD-Display auf der rechten Oberseite der Kamera, wo sich hinter einem gut geformten Griffstück auch noch das Einstellrad für die verschiedenen Funktionen befindet. Auf der linken Seite finden sich vier große Tasten wie die Blätter eines Kleeblattes: Die Mode-Taste für die Belichtungsautomatiken, die ISO-Taste, mit der manuell die Filmempfindlichkeit eingestellt wird, soweit nicht die DX-Einstellung verwendet werden kann oder soll, die Drive-Taste, mit der die Funktionsweise des Motors eingestellt wird und schließlich eine mit ME bezeichnete Taste mit Doppelfunktion: Mehrfachbelichtung oder Filmrückspulung. Wird diese Taste gedrückt und das Einstellrad rechts gedreht, kann die Zahl der Mehrfachbelichtungen eingestellt werden (max. 9 Belichtungen auf ein Stück Film � wer braucht das?). Ein Tastendruck auf ME und ein Druck auf die kleine Rückspultaste auf der rechten Oberseite direkt neben dem Sucherprisma führt hingegen zur Rückspulung des Films.

Diese Aufteilung der Funktionen hat sich bewährt und findet sich auch in späteren Modellen inklusive der F80 und F100. Sie ist wesentlich verständlicher, bequemer und damit benutzerfreundlicher als die diversen Lichtspiele einzelner späterer Modelle wie der F50 etc.
   
Daher ist die Nikon F-801 zu Recht ein bemerkenswertes Modell gewesen, das zwar nicht lange gebaut wurde (von 1988 bis 1991), das aber in einer nur geringfügig geänderten Version weiterlebte, ehe es nach Erscheinen der F90 im Jahre 1992dann 1994 endgültig eingestellt wurde.

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Zuletzt bearbeitet: 7. Juli 2005

© 2005  /   Peter Lausch
 

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