PETER LAUSCH
Dunboy Castle

Ab dem 14. Jahrhundert wurde Dunboy Castle zu einem wichtigen Stützpunkt des Clans der O'Sullivan Bere, dessen Oberhäupter sich in den Auseinandersetzungen mit den Engländern um die Vorherrschaft in Irland und die Wahrung ihrer Lebensart stets auf der Seite der Gegner der Briten fanden. So auch im Jahr 1601, als die meisten irischen Clans gemeinsame Sache gegen die Truppen von Königin Elisabeth I. machten. Den Iren kamen dabei spanische Truppen zu Hilfe, die von König Philipp III gegen seine Erzfeindin Elisabeth I. nach Irland gesandt wurden. In der Schlacht von Kinsale wurden die ursprünglich fast 4000 Spanier im Jänner 1602 vernichtend geschlagen - die Überlebenden segelten zurück nach Spanien. Da auch die irischen Aufständischen von den Briten geschlagen worden waren, wandten sich die Briten nunmehr gegen einen der Rädelsführer  Donal Cam O'Sullivan Bere und griffen Dunboy Castle an. Das Clanoberhaupt indessen zog sich rechtzeitig auf Dursey Island an der Südküste zurück und ließ 143 seiner besten Leute unter einem fähigen Kommandanten, Richard MacGeoghegan, in der als unbesiegbar geltenden Befestigung zurück.

Nach einer 10 Tage dauernden Beschießung durch britische Kanonen erkannten die Belagerten, dass der Sieg der Briten unabwendbar war. Nachdem ein Kapitulationsangebot von den Briten zurückgewiesen und der Emmissär vor den Augen der Belagerten aufgeknüpft worden war, kam es zu stundenlangen Kämpfen Mann gegen Mann und die Belagerten wurden ins Kellergeschoß zurückgedrängt.  Von den 77 Überlebenden flohen in der Nacht 22 Mann und ergaben sich den Briten. Am Morgen drangen diese ins Kellergeschoß ein. Die Engländer stürmten die Befestigung. Der schwer verletzte MacGeoghegan versuchte an diesem 13. Tag der Belagerung, dem 18. Juni 1602, die Befestigung (und sich und seine Leute) in die Luft zu sprengen, wurde jedoch von den Angreifern rechtzeitig und buchstäblich in Stücke gehackt.

58 Überlebende wurden sogleich hingerichtet; 14 ließ man zunächst am Leben, um Informationen aus ihnen herauszupressen; als sie sich weigerten, wurden auch sie in den folgenden Tagen auf dem Marktplatz von Castletown Berehaven hingerichtet.  Wie der britische Kommandant berichtete, seien von den 143 Gegner alle ausnahmslos erschlagen, hingerichtet oder von den Trümmern der Befestigung begraben worden.

Was von der Befestigung trotz ständigem Beschuss noch übrig war, wurde gesprengt. Die Überreste kann man heute noch besichtigen.

Die Engländer suchten indessen O'Sullivan auf Dursey Island. Als sie ihn und seine Verwandten dort nicht mehr antrafen, ergrimmte sie dies so, dass sie alle Männer in eine Kirche sperrten und sie darin lebendig verbrannten. Frauen und Kinder wurden nicht verschont, sondern gefesselt von den Klippen ins Meer geworfen.

Donal Cam O'Sullivan Bere führte zwar noch eine Weile eine Art Kleinkrieg gegen die Briten, aber die Lage erwies sich auf Dauer als aussichtslos. So entschloss er sich, Dursey Island und seine übrigen Ländereien aufzugeben und  mit den ihm verbliebenen Truppen  quer durch Irland bis in den Norden Irlands zu fliehen, wo er auf Unterstützung durch noch nicht von den Briten besiegte Clanherren hoffte. Im extrem kalten Winter des Jahres 1602 machten sich fast eintausend Menschen auf den Weg, Soldaten sowie Frauen und Kinder und zogen kämpfend, hungernd und frierend unter den größten Entbehrungen zu ihrem Ziel. In der heutigen Grafschaft Leitrim langten schließlich von den ursprünglich 1000 Leuten (davon nur 400 Soldaten) nur 35 Menschen ein. Nicht alle waren umgekommen, manche blieben absichtlich zurück und versuchten, sich auf eigene Faust zu retten. Verwundete und Kranke wurden einfach zurückgelassen.  Soweit sie überlebt haben, nennt man ihre Nachkommen <die Bere's>.

Diese Flucht gilt in Irland als heroisch. Wir sind über die Ereignisse recht gut informiert, nicht zuletzt infolge einer Art Tagebuch, das ein halbwüchsiger Junge während des Marsches regelmäßig ergänzt hat.

Von Leitrim aus flüchtete Donal Cam O'Sullivan nach Spanien; in der spanischen Armee brachte er es bis zum General, wurde jedoch im Jahr 1613 in Madrid von einem Engländer angegriffen und getötet. Er wurde 52 Jahre alt.

Bei Interesse verweise ich auf das Buch von Dermot Somers, Endurance, O'Brien Press, Dublin, 2006, Preis ca. 18 Euro bei Eason. Es enthält eine ausführliche Darstellung dieses Marsches.

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Von Dunboy Castle ist nicht mehr viel übrig. Und so wenig dieser Geschichte ist Teil der Allgemeinbildung geworden, dass die Bezeichnung Dunboy Castle vielfach auf Puxley Manor angewandt wird, ein - pseudogotischer? - Protzbau eines in Geld schwimmenden Kapitalisten, den die IRA in ihrem Kampf um die vollständige Unabhängigkeit Irlands 1921 den Nachkommen sozusagen unter dem H.  angezündet hat.

Details darüber hier.

 

 
Erstellt:
25. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch

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