PETER LAUSCH
Drumcliff & des Dichters Yeats Grab
Drumcliff, nördlich von Sligo an der in
den letzten Jahren gut ausgebauten N15 Richtung Donegal ist
bemerkenswert aus zwei Gründen: Am südlichen Ortsende ein
kunstgeschichtlich interessantes Hochkreuz und jenseits der Straße der
Stumpf eines Rundturms. Das dazugehörige Kloster, das im 6. Jahrhundert
der heilige Columba gegründet hat, befand sich unterhalb des heutigen
(kleineren) Parkplatzes zwischen Straße und Friedhof. Der heutige,
größere Parkplatz (auch für Autobusse) wäre außerhalb des Klosters und
auf geschichtslosem Boden. Als Ausgleich hat man dort ein Denkmal
errichtet, in einer Ecke, damit das Ein- und Ausparken nicht behindert
wird. Insofern wäre Drumcliff für den nicht an Hochkreuzen
interessierten Touristen nur einen Blick wert. Wer gerne Legenden
glaubt, sollte dem Rundturm aus dem 11. Jahrhundert nicht zu nahe
kommen, denn er wird, sagt eine Legende, über dem weisesten Menschen
zusammenbrechen.
In Drumcliff ist aber auch William
Butler Yeats begraben, der Dichter, der ganz wichtige Verdienste um die
Wiederbelebung der irischen Kultur erworben hat und der 1923 den
Nobelpreis für Literatur erhalten hat
(Liste seiner
Gedichte). Yeats starb am 21.1.1939 im Spital von Mentone und wurde
zunächst auf dem Friedhof von Roquebrune-St. Martin bei Nizza begraben.
Seinem Wunsch entsprechend wurden seine Gebeine im Jahr 1948 von einem
Kriegsschiff der irischen Marine nach Irland gebracht und in Drumcliff
beigesetzt.
Yeats Grab ist recht bescheiden, links von der Kirche,
wenn man den Friedhof vom Parkplatz aus betritt. Fast immer ist es von
dankbaren Lesern mit Blumen geschmückt.

Es ist leicht zu finden, meist stehen
Touristen dort und fotografieren sich oder ihre Freunde und Freundinnen
mit dem Grabstein samt schönem und von Yeats zu Lebzeiten selbst
ausgesuchten Epitaph: Cast a cold eye on life, on death. Horseman,
pass by. Über das Gedicht <Under Ben Bulben>, aus dem diese
Zeilen stammen, ließe sich
verschiedenes sagen, denn die Horsemen waren Gestalten aus den
Albträumen des Dichters. Aber das ist eine andere Geschichte der auch
Heinrich Böll, der seinerzeit das Grab seines berühmten Kollegen besuchte, nicht
nachgegangen ist - siehe Heinrich Böll, Irisches Tagebuch.
George Yeats ist übrigens seine Gattin
gewesen.
Das Pub jenseits der Straße trägt
seinen Namen: Yeats´ Tavern. Ob er selbst dort jemals Gast gewesen ist,
darf im Hinblick auf das Baujahr des Pubs bezweifelt werden. Aber man
will halt auch was abhaben vom Ruhm des großen Iren. Und im Hintergrund
erhebt sich, von Drumcliff aus besonders eindrucksvoll anzusehen, "bare
Ben Bulben´s Head", ein mehr als 600 Meter hoher Tafelberg, welcher die
Landschaft prägt. Und ein paar Kilometer weiter dann in Grange die
Seitenstraße nach Lissadell House, wo Yeats oft Gast gewesen ist.
Und warum ist Yeats ausgerechnet auf
dem Friedhof von Drumcliff, das übrigens schon auf der Weltkarte von
Ptolemäus als <Nagnata> bezeichnet wird, begraben? Weil einer
seiner Vorfahren in Drumcliff Gemeindepriester der Church of Ireland
war. Aus Sligo stammen die Familien seines Vaters und seiner Mutter,
einer geborenen Pollexfen, und in Sligo und Umgebung, im Sommer auch in
Rosses Point, wuchs er auf und verbrachte er einen Teil seiner Jugend.
In seinem Werk hat das Spuren hinterlassen. Nicht nur hat er die
Naturschönheiten
Sligos in Gedichten verherrlicht, sein Bruder Jack hat in einer Reihe
von Gemälden die Landschaft um Sligo gemalt. Und in Rosses Point liegt
am Hafen das heute verfallene Haus, das sein Onkel Henry Middleton
bewohnte, den er - natürlich - auch in einem Gedicht verewigte:
" My name is Henry Middleton,
I have a small demesne,
A small forgotten house that's set,
On a storm bitten green."
Der Tourismus Sligos verdankt W. B.
Yeats im Übrigen sehr viel, denn Yeats hat eine ganze Anzahl örtlicher
Sehenswürdigkeiten in seinen Gedichten interpretiert und viele dieser
Sehenswürdigkeiten, sofern sie leicht erreichbar sind, wurden zu
Attraktionen, zu denen Touristen aus aller Herren Länder scharenweise
angekarrt werden. Ein schönes Beispiel ist der Glencar Waterfall am
gleichnamigen See mit ausreichend großem Parkplatz, aber auch Slish Wood
und Dooney Rock sowie die schon erwähnte Insel Innisfree sind beliebt
und allesamt hübsch anzusehen. Aber auch das sind andere Geschichten.
Erstellt: 30. Juni 2011
© 2011/Peter Lausch
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