3. Teil: Nikon SP, S4, S3, S3H
 

Nikon SP

In jeder Familie gibt es ein paar Generationen hintereinander soziale Aufsteiger, dann kommt nicht mehr viel Besseres nach. In der Familiengeschichte der Sucherkameras von Nippon Kogaku K. K. ist es nicht anders: die ab September 1957 verkaufte Nikon SP ist einer der Höhepunkte im Bau von Kleinbildsucherkameras überhaupt und zweifellos die Beste aller Sucherkameras von Nippon Kogaku K. K. Die Nikon SP gehört zu den von Sammlern in aller Welt am meisten begehrten Kameramodellen. Das schlägt sich leider auch im heutigen Preis nieder.

1954 wurde die Leica M3 vorgestellt. Seit der Lieferbarkeit großer Stückzahlen, mit denen die Fa. Leitz den Bedarf an hochwertigen Sucherkameras abdecken konnte, war klar, dass diese Kamera das Potential zum Marktführer besaß. 

Um es auch an dieser Stelle festzuhalten: zu diesem Zeitpunkt gab es in Japan eine Unzahl von kleinen und kleinsten Erzeugern, welche allesamt Kleinbildkameras mit Wechselobjektiven erzeugten, die den Schraubleicas verblüffend ähnlich sahen. Sie waren auch tatsächlich ähnlich, weil die Japaner nicht nur das Erscheinungsbild kopiert hatten, sondern auch die Innereien. Darüber sind schon Bücher geschrieben worden. 

Allen diesen Firmen ging es ab 1954 an den Kragen und in wenigen Jahren waren fast alle vom Markt gedrängt worden. Dabei hatten einige von ihnen sozusagen als Abgesang noch (geringfügig weiterentwickelte) schöne und auch gute Kameras auf den Markt gebracht (die Tanaka Optical. Co, Ltd etwa die der Leica M3 ähnlich sehende V3, nachdem sie mit dem Modell SD Anleihen bei der Nikon S2 genommen hatte, oder die Fa. Yashica mit der YF, die wiederum der Leica M3 sehr ähnlich sieht, die Melcon II der Meguro Kogaku Kogyo Co. Ltd nicht zu vergessen, ein Verschnitt aus Leica M3 und Nikon S2). 

Als Ergebnis dieses Verdrängungsprozesses blieben schließlich nur die großen japanischen Produzenten übrig, darunter auch die heutige Fa. Nikon Corp. Dass sich Nikon behaupten konnte, entschied sich letztlich, wie wir im Rückblick erkennen, im Jahre 1957 durch die Konstruktion zweier trotz aller Gemeinsamkeiten ganz unterschiedlicher Kameras. Eine davon war die Nikon SP, die andere die Nikon F.

 

Die Kamera:

Nicht nur besaß die von 1957 bis 1965 hergestellte Nikon SP   einen gekuppelten Messsucher mit Leuchtrahmen für die Brennweiten 50, 85, 105 und 135 mm, sie besaß hinter der langen Sucherabdeckung einen weiteren kleinen Sucher für die Brennweiten 35 und 28; damit war sie und blieb sie bis zur viel jüngeren Leica M6 die einzige Sucherkamera mit eingebauten Suchern für die Brennweiten von 28 – 135 mm. Daraus erklärt sich auch die charakteristische Sucherabdeckung, welche der Kamera ein unverwechselbares Aussehen verleiht: hinter ihr verbirgt sich (von vorne gesehen von rechts nach links) der kleine Weitwinkelsucher, der Sucher für die Brennweiten ab 50 mm, die Beleuchtungseinrichtung durch ein eigenes kleines Fenster für die Leuchtrahmen - ähnlich wie bei den M-Leicas - und ganz links die Ausblicköffnung des Entfernungsmessers.

Die Brennweiten von 50 bis 135 mm konnten jeweils mit Hilfe eines um die Rückspulkurbel gelagerten drehbaren Ringes in den Sucher eingespiegelt werden. Für längere Brennweiten stand ein zwischen Objektiv und Kamera einsetzbarer Reflexteil (ähnlich dem Visoflex zur Leica) zur Verfügung, nichts Neues, denn den hatte es von Anfang an gegeben. Neu hingegen  war  der eingebaute Selbstauslöser, der erste überhaupt, der in eine Nikon eingebaut wurde. Erstmalig bei einer Nikon drehte sich der Verschlusszeitenknopf während der Aufnahme nicht mit. Das bot die Chance, einen Belichtungsmesser (mit Selenzelle natürlich) in den Sucherschuh  einzuschieben und den Belichtungsmesser mit der Zeiteinstellung zu kuppeln. Bei den zeitgenössischen Leica M-Modellen gab es das natürlich auch, nur war dort der Belichtungsmesser von Metrawatt.

 

 

 

 

 Die nachfolgende Abbildung zeigt die Anordnung von Zeitenknopf, Auslöser und Transporthebel samt Zählwerk; faktisch unverändert wurden diese Gehäusedetails für die Spiegelreflexkamera Nikon F übernommen - manche sagen daher, die Nikon F sei nichts viel Anderes als eine SP mit Spiegelgehäuse. So einfach ist es leider nicht, aber es ist schon wahr, die Konstrukteure griffen bei der Entwicklung der Spiegelreflexkamera vielfach auf bereits Vorhandenes zurück.


Auf Anhieb erkennbar ist die SP von hinten, denn als einzige Sucherkamera weist sie den charakteristischen länglichen Suchereinblick auf: Deutlich erkennbar sind in der Abbildung hinter dem gemeinsamen Rahmen die Einblicke in den Sucher (mit Parallaxmarken) für Weitwinkelobjektive mit Brennweiten von 35 und 28 mm links und in den Sucher mit automatischem Parallaxenausgleich für die übrigen Brennweiten 5, 8,5, 10,5 und 13,5 cm. Nicht erkennbar die leider arge Verkleinerung des Sucherbildes im Weitwinkelsucher.

*


Neu war vor allem der bei jeder Nikon SP eingebaute Motoranschluss. Und neu war der Motor S 36.



Heutzutage ist in einer Kleinbildkamera der elektrische Motor (oder eher Winder) eine solche Selbstverständlichkeit, dass es einem schwer fällt, sich vorzustellen, dass der Motor zur Nikon SP der erste elektrische Motor zu einer Spiegelreflexkamera war, der serienmäßig angeboten wurde und für den die Kamera selbst, von der mechanischen Belastbarkeit her, gebaut wurde. Mechanische Aufzüge durch Federwerke hatte es schon längst gegeben. Ein Beispiel ist der mechanische Aufzug zur Leica. Am bekanntesten waren die teilweise unförmigen Federwerkmotoren in den Kameras der deutschen Firma Robot. 



Die Nikon Kogaku K. K. hingegen bot jedoch eine handliche Kombination von Motor und Kamera an. Nur eine geringfügige Modifikation der Bodenplatte der Kamera  war notwendig, um den Motor verwenden zu können. Günstig erwies sich, dass alle Nikons die abnehmbare Rückwand aufwiesen, wie sie von der Contax übernommen worden war. Daher brauchte bloß die serienmäßige Rückwand abgenommen und durch den Motor mit dazugehöriger Rückwand ersetzt werden, nachdem einmal die Kamera an einen bestimmten Motor angepasst worden war. Nicht alle Motoren arbeiteten mit jeder Kamera ohne spezielle Anpassung, das war sicherlich eine Schwäche dieser Konstruktion.


Ungefährer Kaufpreis bei Auktionen: € 4300



Gewiss war die Nikon SP ein Höhepunkt des Kamerabaus, aber sie war kein hinreißender kommerzieller Erfolg. Für sie wurde von der Nippon Kogaku K. K. ab dem Erscheinen des nachfolgenden Erfolgsmodells Nikon F auch nicht mehr geworben. Bis Mitte 1965 wurde die Nikon SP in über 22.ooo Stück hergestellt, danach wurde die Produktion gestoppt. Die Mehrzahl dieser Kameras wurde allerdings am Anfang der Produktionszeit verkauft, danach wurde die Nikon SP nur mehr mitgeschleppt, denn die Nikon F wurde so erfolgreich verkauft, dass Nippon Kogaku K. K. alle Anstrengungen auf diese Kamera konzentrierte. Die Nikon F wurde zur Cash Cow der Firma. Darüber im nachfolgenden (vierten) Teil mehr.

Wie wäre es mit der Nikon SP weitergegangen? Nikon hat eine vereinfachte Version als Nikon SP2 entwickelt. 1996 wurde sie den Mitgliedern der Nikon Historical Society von Nikon gezeigt. Damit endete das Herumgerede um ihre Existenz. Die im Besitz von Nikon befindlichen Prototypen sind voll funktionsfähige Kameras mit einem Verschluss aus Titanfolie und einem Zoomsucher für die Brennweiten 35 - 135mm. Sie unterscheiden sich damit von der SP durch das Weglassen des Suchers für 28 und 35mm; damit fiel auch das für die SP so charakteristische große Sucherfenster weg. 

In einigen Prototypen existiert eine weitere Version auf der Basis des etwas größeren Gehäuses der Nikon F: die Nikon SPX mit TTL-Messung. Ab 1967 hätte die Kamera auf den Markt kommen können, sagt man. Dazu kam es nicht und so ist die Asahi Pentax Spotmatic die erste Kamera mit TTL-Belichtungsmessung geworden. Übrigens war die Existenz der SPX lange Jahre umstritten; erst 1998 wurde bei einer Tagung der Nikon Historical Society in Japan ein Prototyp dieses Modells gezeigt. Äußerlich gleicht die Kamera den Modellen S3 und S4, das für die SP typische lange Sucherfenster wäre weggefallen.  Aber es hat halt nicht sollen sein.

Wie ging es tatsächlich weiter?

Nikon produzierte noch insgesamt drei gegenüber der SP vereinfachte Varianten der Nikon SP: die Nikon S3, die Nikon S4 und die Nikon S3M für das Halbformat. Wirklicher Erfolg war keinem dieser Modelle beschieden, nicht einmal gemessen an den recht bescheidenen Maßstäben der Nikon SP. Dem Markterfolg stand jenes Modell entgegen, das die Nippon Kogaku K. K. zur Weltfirma machen sollte: die Nikon F.

Technische Daten Nikon SP:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektiven (Contax-Fassung); horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, ab 1959 Verschluss aus Titanfolie wie bei der Nikon F, Bildformat 24x36 mm, 
Messucher mit Parallaxenausgleich und mit Leuchtrahmen für 5o, 85, 105 und 125 mm Brennweiten, eingebauter Zusatzsucher für 28 und (mit Leuchtrahmen) 35 mm Brennweite, Suchervergrößerung 1,0, Messsucherbasis 60 mm, infolge 1:1 Sucher  effektiv ebenfalls 60 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000.
Blitzkontakt mittels Blitzbuchse auf Schmalseite der Kamera, rechts, von vorne betrachtet, 2. firmenspezifischer und kabelloser Blitzkontakt auf Gehäuseoberseite vor dem Zubehörschuh, Selbstauslöser mit ca. 10 Sekunden Vorlauf,
Filmtransport mittels Schnellschalthebel, Rückspulung mittels ausklappbarer Kurbel, automatisches Filmzählwerk, Motorkupplung für Motor S36, Zeitenknopf kuppelbar mit Aufsetzbelichtungsmesser (Selenzelle).
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm
Maße: 136x81x43,5, Gewicht mit Nikkor 1,4/50: 720 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon SP mit Standardobjektiv: 2500 Euro.

 

Nikon S3

 

Die Nikon SP war zwar unbestritten eine ausgezeichnete Kamera mit vielen Möglichkeiten. Eines war sie nicht: billig. Es war daher ein billigeres Modell nötig, damit auch die weniger Betuchten eine Sucherkamera von Nikon kaufen konnten.

Vom Chassis der Nikon SP ausgehend und unter Verwendung vieler wesentlicher Baugruppen vom Verschluss über das Gehäuse bis zum Selbstauslöser bot die Nippon Kogaku K. K. daher zwischen September 1957 und März 1961 eine billigere Ausgabe an, die Nikon S3 . 

Gegenüber der SP wurde im wesentlichen auf den aufwendigen Sucher verzichtet. 

Im Sucher der Nikon S3 ohne Parallaxenausgleich gibt es nur 3 ständig sichtbare Rahmen für die Brennweiten 35mm, 50mm und 135mm. Insgesamt wurden über 14.000 Nikon S3 gefertigt, davon ca. 2000 mit schwarzer Lackierung. Das macht die schwarze Nikon S3 besonders begehrt und daher ist sie ein extrem teures Sammlerstück. Kein Wunder, dass diese schöne Kamera bei einer im Herbst 2011 durchgeführten Versteigerung einen Preis von € 3600 erzielt hat.

Diese Lackierung ist empfindlich; sie wird leicht abgeschabt. So schön erhaltene Exemplare wie das oben gezeigte sind daher sehr selten. Gleichzeitig ist, vergleicht man mit der entsprechenden Abbildung der SP, die "Familienähnlichkeit" unverkennbar.

1963 erzeugte die Nippon Kogaku K. K. anlässlich der Olympischen Spiele eine letzte kleine Serie (nach den Nummern zu schließen ca. 2.500 Stück) von schwarz lackierten Nikon S3 mit dem Beinamen "Olympic". Beide Abbildungen  oben zeigen ein Exemplar dieser Sonderserie. Nicht nur an der Farbe sind diese späten Nikon S3 zu erkennen, auch an der Verwendung von Bauteilen der Nikon F, z. B. Selbstauslöserhebel und Filmtransporthebel. Noch eine Besonderheit gibt es: die Olympic hatte den Titanverschluss eingebaut, den man erst bei den späteren Exemplaren der Nikon S3 (ab 1959 nach Markteinführung der Nikon F) eingebaut hatte. Zu dieser Kamera wurde als Standardobjektiv ein neues, wesentlich größeres Normalobjektiv mit den Daten 1,4/50mm in Schwarz angeboten. Finden Sie eine Kombination beider, dann sollte Ihr Herz vor Freude klopfen. Sie haben ein besonders seltenes - und teures - Sammlerstück ergattert.

2000  hat Nikon anlässlich des neuen Jahrtausends 2000 Exemplare der S3 mit Nikkor 1,4/50mm  neu erzeugt und verkauft sie noch immer zu fürstlichem Preis. Verkauft werden sollten alle 2000 Exemplare in Japan, aber für etwa 5400 Euro (in Österreich) und mehr finden sich auch im wirtschaftlich gebeutelten Japan nicht genug Interessenten. Daher bekommt man die Kamera schon seit längerem auch in Wien - d. h., mindestens 2 Exemplare sind nach Österreich gelangt und eines zierte unverkauft fast zwei Jahren die Auslage eines Fotogeschäfts in Wien. Die Nachfrage dürfte nicht so sehr groß gewesen sein - kein Wunder bei dem Preis. Da dürfte niemand Lust haben, durch tatsächlichen Gebrauch seinen Schatz zu entwerten (Merke: 1 Kleinstkratzer/-100 Euro).
    
Wenn Sie noch ein wenig mehr von mir über die Sammlerausgabe wissen wollen, dann klicken Sie doch.

Wie die Kamera geliefert wurde, sehen Sie auf der Abbildung einer ungebrauchten S3 der Jubiläumsausgabe:

 

Technische Daten Nikon S3:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektiven; horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, ab 1959 Verschluss aus Titanfolie wie bei der Nikon F, Bildformat 24x36 mm, Messsucher mit Parallaxmarken, aber ohne entfernungsabhängigen automatischen Parallaxenausgleich und mit Leuchtrahmen für 35,5o und 105 mm Brennweite, zwischen März und Herbst 1958 hergestellte Exemplare mit  Suchervergrößerung 1,0 und Messsucherbasis 60 mm, infolge 1:1 Sucher  effektiv ebenfalls 60 mm, ab Herbst 1958 Suchervergrößerung 0,9x (zwecks besserer Sichtbarkeit des Sucherbildes bei 35 mm) und effektiver Basislänge von ca. 55 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000.
Blitzkontakt mittels Blitzbuchse auf Schmalseite der Kamera, rechts, von vorne betrachtet, 2. firmenspezifischer und kabelloser Blitzkontakt auf Gehäuseoberseite vor dem Zubehörschuh, Selbstauslöser mit ca. 10 Sekunden Vorlauf,
Filmtransport mittels Schnellschalthebel, Rückspulung mittels ausklappbarer Kurbel, automatisches Filmzählwerk, Motorkupplung für Motor S36, Zeitenknopf kuppelbar mit Aufsetzbelichtungsmesser (Selenzelle).
Standardobjektiv: meist Nikkor 1,4/50 mm, aber auch Nikkor 2,0/50.
Maße: 136x79,5x43,5, Gewicht des Gehäuses allein: 580 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S3 mit Standardobjektiv Nikkor 1,4/50: ca. 1700 Euro.

 

Nikon S4

Ende der 60er-Jahre schien auch der niedrigere Preis der Nikon S3 (im Vergleich mit der SP) den Marketing-Leuten der Nippon Kogaku K. K. zu hoch. Daher sann man nach einer billigeren Variante und fand sie: die Nikon S4. Ebenso wie die S3 viele wesentliche Details mit der Nikon SP gemein hat, entspricht auch die Nikon S4 weitgehend der S3 und in vielem der Nikon SP.

Gedacht war sie als das Einstiegsmodell für preisbewusste Käufer, sodass alles weggelassen wurde, von dem man meinte, dass der anvisierte Kundenkreis es nicht benötigte - und benötigte er es doch, dann sollte er, je nach Wünschen und Geldbeutel, gleich die S3 oder dann die Nikon F kaufen.

Was wurde gegenüber der Nikon S3 bei der Nikon S4 weggelassen? Einiges, aber davon sieht man nur wenig.

Der Nikon S4 fehlt der Selbstauslöser und das Filmzählwerk muss manuell auf 0 gestellt werden. Der S4 fehlt auch der Anschluss für einen Motor. Im Sucher fehlt der Rahmen für 35mm-Weitwinkelobjektive. Der Sucher zeigt daher nur 2 Rahmen, den äußeren für das Normalobjektiv und einen kleineren für Teleobjektive mit 135mm Brennweite. An sich zeigt der Sucher jedoch, nimmt man die sichtbare Fläche, praktisch dennoch den Bildwinkel eines 35mm-Objektivs.


Wird wohl nicht viele solche Kombinationen geben: die - relativ - preiswerte S4 und das Nikkor-N 1,1/50



Gegenüber Nikon SP und Nikon S3 fehlt auch der Schlitzverschluss mit Titanfolie. Die S4 verfügt über ein konventionelles Stoffrollo, so wie es die ersten Modelle der Nikon SP aufgewiesen haben. Wer unbedingt will, kann sich jedoch auch heute noch den Verschluss mit Titanfolie einbauen lassen, denn der Verschluss ist identisch mit dem der viel häufigeren Nikon F bzw. der Nikon SP. Wer aber wird eine gebrauchsfähige Nikon SP ausschlachten wollen?

 



Bis auf diese Unterschiede ist die Nikon S4 weitgehend baugleich mit der S3 und, trotz des unterschiedlichen Aussehens, in vielen Bauteilen des Gehäuses mit der Nikon SP.
Manche sagen, mit den richtigen Ersatzteilen ließe sich jederzeit eine Nikon SP in eine Nikon S3 oder S4 umbauen und umgekehrt.

Leider (für die Erzeugerfirma) blieb die Nikon S4 ein weithin ungeliebtes Kind. Nur etwa 5.900 Exemplare wurden erzeugt und abgesetzt und auch diese vor allem auf dem japanischen Markt, denn der amerikanische Importeur hatte kein Interesse an der Promotion dieser Kamera: begreiflicherweise war er vor allem am Absatz der Nikon F interessiert. Und so wurde der Bau der Nikon S4, der im März 1959 begonnen hatte, im Juli 1960 eingestellt.

Die geringe Zahl erzeugter Kameras macht die Nikon S4 heute zu einem der begehrtesten Modelle der Sucherkameras von Nikon, vor allem, weil die Nikon S4 noch einigermaßen bezahlbar ist. In Europa bestehen allerdings wenig Aussichten, eine Nikon S4 zu finden. Schade, die S4 ist eine
schöne Kamera und von Sammlern ist sie heiß begehrt. 

Sollten Sie eine Nikon S4 in Schwarz finden, kaufen Sie sie nicht: alle Nikon S4 wurden in Chrom-Ausführung erzeugt, eine schwarze S4 ist eine Fälschung.

Technische Daten Nikon S4:

Messsucherkamera für Kleinbildfilm und Wechselobjektiven; horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss, Bildformat 24x36 mm, 
Messucher mit Parallaxmarken, aber ohne entfernungsabhängigen automatischen Parallaxenausgleich und mit Leuchtrahmen für 5o und 105 mm Brennweite, Suchervergrößerung 1,0, Messsucherbasis 60 mm, infolge 1:1 Sucher  effektiv ebenfalls 60 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000.
Blitzkontakt mittels Blitzbuchse auf Schmalseite der Kamera, rechts, von vorne betrachtet, 2. firmenspezifischer und kabelloser Blitzkontakt auf Gehäuseoberseite vor dem Zubehörschuh, kein Selbstauslöser, 
Filmtransport mittels Schnellschalthebel, Rückspulung mittels ausklappbarer Kurbel, kein automatisches Filmzählwerk, Motorkupplung für Motor S36 weggelassen, Zeitenknopf kuppelbar mit Aufsetzbelichtungsmesser (Selenzelle).
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2,0/50.
Maße: 136x79,5x43,5, Gewicht des Gehäuses allein: 580 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S4 ohne Objektiv: unter 2000 Euro (da Kamera selten!)

 

Nikon S3M

Die Nikon S3M gehört heute zu den teuersten Sucherkameras von Nippon Kogaku K. K. Denn die Nikon S3M, die einzige Nikon für das Halbformat, wurde  auf der Basis der Nikon S3 in einer Auflage von unter 200 Stück zwischen April 1960 und April 1960 gebaut, fast alle Gehäuse in Chrom und mit speziellem Motor S 72. Die Kamera gibt es aber auch in Schwarz (noch seltener). Vom Aussehen und von den technischen Daten her entspricht daher die S3M der "normalen" S3; sie weist auch deren Tuchschlitzverschluss auf und ist eigentlich nur durch den Blick auf den Sucherrahmen sowie auf den Suchereinblick auf der Rückseite äußerlich von dieser unterscheidbar.

Der Motor schaffte ohne weiteres bis zu 6 Bilder in der Sekunde (dank Halbformat), mit spezielle angepasstem Motor jedoch bis zu 9 Bilder/Sekunde.

Die Seltenheit hat ihren Preis: die abgebildete Kamera wurde 2008 um fast € 50000 in Wien versteigert.

Technische Daten Nikon S3M:

Messsucherkamera für Halbformataufnahmen 18x24 mm auf Kleinbildfilm und Wechselobjektive; horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss,    
Messucher mit Parallaxmarken aber ohne automatischen Parallaxenausgleich und mit Leuchtrahmen für 35, 5o und 105 mm Brennweiten, Suchervergrößerung 1,0, Messsucherbasis 60 mm, infolge 1:1 Sucher  effektiv ebenfalls 60 mm,
Belichtungszeiten: T, B, 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000.
Blitzkontakt mittels Blitzbuchse auf Schmalseite der Kamera, rechts, von vorne betrachtet, 2. firmenspezifischer und kabelloser Blitzkontakt auf Gehäuseoberseite vor dem Zubehörschuh, Selbstauslöser mit ca. 10 Sekunden Vorlauf,
Filmtransport mittels Schnellschalthebel, Rückspulung mittels ausklappbarer Kurbel, automatisches Filmzählwerk, Motorkupplung für Motor S 36, Zeitenknopf kuppelbar mit Aufsetzbelichtungsmesser (Selenzelle).
Standardobjektiv: Nikkor 1,4/50 mm oder 2,0/50
Maße: 136x79,5x43,5, Gewicht des Gehäuses: 580 g.

Ungefähre heutige Preisbasis für gut erhaltene und funktionsfähige Nikon S3M: auf Grund der extremen Seltenheit Liebhaberpreis.

 

Hinweis:

Alle in den Text integrierten Abbildungen (soweit nicht anders vermerkt) wurden durch das Leicashop in Wien zur Verfügung gestellt und sind zu dessen Gunsten urheberrechtlich geschützt.

 

Sie wollen weiterlesen?  Klicken Sie!

Zum Inhaltsverzeichnis

© Peter Lausch
Zuletzt bearbeitet:
17.11.2011

IMPRESSUMRECHTLICHESPOST