13. Teil: Nikon F-401s, F-601/F-601M, F-801s, F-401x, F90 und F90X

Nikon F-401s

1989 erhielt die F-401, um noch einige Zeit konkurrenzfähig zu bleiben, das verbesserte AF-Modul der F-801. Außerdem konnten Zeit- und Blendenrad verriegelt werden, damit nicht, wie das häufig vorkam, eines der beiden versehentlich verstellt wurde und dann war's aus mit der Programmautomatik. Außer dem besseren AF-Modul der F-801  und der Beseitigung des offenkundig gewordenen Bedienungsmangels wurde die Kamera nicht verändert, es reichte aber zur Unterscheidung vom ursprünglichen Modell zu einem kleinen s, das an die Typenbezeichnung angehängt wurde. Die Kamera wurde bis 1991 gebaut und dann durch die F-401x ersetzt.

Nikon F-601/F-601M

Die beiden Schwestermodelle, die sich im Wesentlichen durch den eingebauten oder bei der F-601M weggelassenen Autofokus unterscheiden, wurden im Sommer 1990 auf den Markt gebracht. Vom Zeitablauf her war klar, welche älteren Modelle sie ersetzen sollten: die F-601M war als Nachfolgemodell der seit 1985 gebauten, sehr erfolgreichen F-301 gedacht und erhielt daher kein AF-Modul eingebaut. Von dieser unterscheidet sie sich durch die zusätzlich vorhandene Zeit- und Blendenautomatik; die Programmautomatik ist gegenüber der älteren Kamera verbessert und kommt als Multi-Programmautomatik daher: passt einem die von der Kameraelektronik vorgeschlagene Zeit/Blendenkombination nicht, kann man sie mittels eines Einstellrades auf der Oberseite des Gehäuses verändern.

Gegenüber der F-601 ist sie insofern etwas vereinfacht, als ihr die Spotbelichtungsmessung fehlt. Hingegen entspricht die Blitztechnik wieder vollkommen der "großen" Schwester. 

Warum wurden von Nikon zwei bis auf den AF-Baustein weitgehend identische Kameras angeboten?

Nun, 1990 hatten die AF-SLRs einen Marktanteil von ca. 50 Prozent. Nikon wollte einfach, wie man bei uns so sagt, auf zwei Kirchtagen tanzen. Die Spekulation ging freilich schief; sozusagen alle wollten, wenn schon SLR, dann AF-SLR und so verkaufte sich die F-601M schlecht. Gebaut wurde die F-601M bis 1994. Damit war sie jahrelang gemeinsam mit der für einen anderen Nutzerkreis gedachten FM2n und der FM2T das in Europa letzte erhältliche Kameramodell von Nikon ohne AF. Einen Vorteil allerdings hat die F-601M: sie ist auch mit den modernen G-Objektiven verwendbar.

Das änderte sich erst mit der 1997  von Nikon ein wenig widerstrebend in Europa auf den Markt gebrachten überaus preisgünstigen FM-10, einer Auftragsproduktion, die in Korea hergestellt wurde, sowie mit der FE-10, für welche das Gleiche gilt.

Die F-601 hingegen sollte die seit 1986 angebotene F-401 ersetzen.

Dazu wurde sie einerseits mit einem verbesserten Autofokus-Modul ausgestattet, dem weiterentwickelten AM200 der F-801 und der Nikon F4. Durch zweckmäßigere Schaltungen und kleine Verbesserungen wurde die F-601 sogar schneller als die F-801, die Schnelligkeit der erst ab 1991 angebotenen, gegenüber der F-801 weiterentwickelten, Version F-801s erreichte sie aber nicht, wie die Kritiker anmerkten. Zu Recht, denn in die spätere F-801s wurde zwar kein besserer AF-Modul eingebaut, wohl aber ein kernloser Schrittmotor, der die Objektive schneller scharf stellte.

Der weiterentwickelte AF-Modul AM200 ermöglicht die automatische Schärfenachführung, auf Neudeutsch den <preemptiven Autofokus>, auf Englisch <focus tracking>. Dahinter verbirgt sich Folgendes: Hat bei Einstellung auf <continous focus> (in Aufnahmehaltung der Kamera links vorne) die Kamera auf einen Gegenstand scharf gestellt und bewegt sich dieser, so rechnet die Kamera aus, in welcher Entfernung sich der Gegenstand im Moment der Aufnahme befinden wird und stellt das Objektiv auf diese Entfernung ein - eine Einrichtung, die Nikon erstmals in die F-601 einbaute, die heute aber Standard ist, nicht nur bei Nikon. Auch dies ließ die billigere F-601 der teureren und älteren F-801 überlegen erscheinen.

Vielfältiger als bei der F-601M erfolgte die Belichtungsmessung: mit der F-601 ist Matrixmessung, mittenbetonte Messung und Spotmessung möglich; die Methode der Wahl wird durch das Einstellrad auf der Gehäuseoberseite rechts vom Sucher eingestellt. Ihr Matrixmess-System entspricht dem der F-801, die mittenbetonte Messung erfolgt, ähnlich wie bei der F-401, das heißt, der mittlere Bereich fließt mit 75 Prozent in die Messung ein, der äußere Bereich mit 25 Prozent.

Die F-601 vereinfacht auch das Blitzen durch matrixgesteuertes Aufhellblitzen; sie erreicht damit denselben Stand an Möglichkeiten wie vor ihr die F4 als Profikamera und wie die F-801, beide seit 1988, geboten haben.

Damit hatte die Nikon Corp innerhalb von bloß zwei Jahren die bis heute bequemste, wirkungsvollste und vielseitigste Blitztechnik auch in relativ preiswerten Kameras für den Massenmarkt eingeführt, nachdem einmal die technischen Grundlagen für diese Blitzmessung geschaffen worden waren. 1990 folgte dann mit der F90 das 3D-Matrixblitzen, das unter üblichen Verhältnissen allerdings nicht mehr viel bessere Ergebnisse bringt als mit der F-601 möglich waren.

Nikon F-801s

Die F-801 wurde ab 1988 von Nikon mit großem Erfolg verkauft. Die Zeit steht nicht still und zu Anfang der 90er-Jahre jagten sich sozusagen die Innovationen bei AF-SLRs.

Die damals billigere und ab 1990 angebotene F-601 etwa besaß zwei Neuerungen, die  schnellere Entfernungeinstellung und bei Einstellung auf <continous focus> Schärfenachführung.

Ab 1991 bot Nikon daher die F-801s an, welche neben Matrix- und mittenbetonter Messung auch die Spotmessung und dank dem weiterentwickelten AM200 Modul die Schärfenachführung wie bei der F-601 anbot und überdies dank kernlosem Schrittmotor gegenüber dieser auch noch ca. 15% schneller die Schärfe einstellte. Der "kernlose" und damit geräuschlose Fokussiermotor, der dem der F4 entspricht, ist ein wirklicher Fortschritt, weil  das Surren beim Druck auf den Auslöser und der damit verbundenen Scharfstellung des Objektivs mittels des Einstellmotors entfällt.

Die F-801s besitzt, so wie die F-801 auch, zwei Einstellungen für Serienaufnahmen (neben der Einstellung auf S = 1 Bild pro Druck auf den Auslöser): CL für bis zu 2 Bilder pro Sekunde und CH für ca. 3,3 Bilder pro Sekunde. Bei Einstellung auf CH funktioniert die Schärfenachführung indessen nicht, aber bei bis zu 2 Bildern in der Sekunde wird die Schärfe nachgeführt.   

Nebenbei: Im Nachhinein gesehen wird angesichts solcher Modellpflege klar, wo die Schwächen der älteren Autofokus-SLR-Modelle liegen. Das war den Käufern nicht bewusst, als sie diese Modelle kauften (das gilt für Kameras von Canon, Minolta, Pentax, Yashica etc. natürlich ebenso), aber sie merkten es im Vergleich mit den Neuausgaben und vor allem an Hand der in den letzten Jahren neu herausgekommenen Modelle. Das dürfte wohl die Ursache sein, dass heute die Kameras der frühen 90er-Jahre bei den Gebrauchthändlern in großer Zahl sehr preiswert in der Auslage umherstehen � und dennoch nicht gekauft werden. Andererseits muss man natürlich sagen, dass man auch mit diesen älteren Modellen ganz prächtige Aufnahmen machen kann. Wichtiger als der superschnelle AF-Motor ist immer noch die Vielfalt der Belichtungsmethoden, wie sie bei den besser ausgestatteten Modellen vorhanden sind.
 

Nikon F-401x

Die Notwendigkeit, innerhalb weniger Jahre eine Kamera mehrfach an die technische Entwicklung anzupassen und zu modernisieren, zeigt sich besonders deutlich an der F-401, die 1989 zur F-401s und im Herbst 1991 zur F-401x wurde. Auch ihr wurde das verbesserte AF-Modul AM200 der F-801 eingesetzt; zusätzlich wurde zur Verbesserung der Belichtungsgenauigkeit die Matrixmessung eingebaut. Noch zwei Neuerungen gab es: Nikon kehrte bei diesem Modell zur Einstellung des Verschlusszeitenrades auf T zurück, wie es zu Zeiten der Nikon F üblich gewesen war. Grund war, dass diese Einstellung Langzeiten ermöglichte ohne exorbitanten Stromverbrauch. Durch Druck auf den Auslöser wird der Verschluss geöffnet; sobald der Fotograf neuerlich den Auslöser betätigt, schließt sich der Verschluss.

Ferner weist das eingebaute Blitzgerät einen Leuchtwinkel auf, der auch für Objektive mit 28mm Brennweite ausreicht. Damit wurde nicht nur berücksichtigt, dass Nikon ein preiswertes Zoomobjektiv mit den Daten 1:3,5-4,5/28-70mm anbot, welches oft als Erstausstattung gekauft wurde; es wurde auch berücksichtigt, dass heutzutage und auch schon 1991 eine Brennweite von 35mm als gleichsam normal galt und nicht, wie noch vor dreißig Jahren, bereits als deutliches Weitwinkel. In der Zwischenzeit ist ja bekanntlich diese Entwicklung weitergegangen und heute sind, bei Nikon etwa das ausgezeichnete AF-Nikkor 1:2,8/20mm, noch kürzere Brennweiten durchaus üblich und vor allem so preiswert, dass man nicht den Gegenwert eines Gebrauchtautos dafür ausgeben muss (alles relativ, natürlich).

Nikon F90

Wo wollte Nikon dieses  ab 1992 lieferbare neue Modell eigentlich einordnen? Sollte die F90 die teuerste Nikon für den Massenmarkt werden oder eine abgemagerte Profi-Kamera für die Berufsfotografen, welche sich eine F4 nicht leisten konnten? Oder sollte sie nicht vielleicht doch etwas ganz anderes werden, nämlich ein speziell auf die Wünsche und Erwartungen der engagierten Amateure und Enthusiasten zugeschnittenes Modell? Bis heute ist das nicht ganz klar geworden und auch Nikon muss erkannt haben, dass die Kamera zwar technisch einwandfrei und auf der Höhe der Zeit war, aber eigentlich nicht "Fisch noch Fleisch". Jedenfalls wurde die F90 nach nur zwei Jahren 1994 durch eine verbesserte Neuauflage ersetzt, die einige Eigenschaften aufweist, deren Fehlen bei der F90 bemängelt worden waren.

Zuerst glaubt man, eine F-801 vor sich zu haben, doch das Gehäuse ist ein wenig dicker, die Bedienungselemente sind modifiziert und die Rückwand ist mit einem gummiartigen Plastiküberzug versehen, der die Kamera viel griffiger macht als die F-801, der allerdings, ich weiß, wovon ich rede, leicht abblättert.

Ich will mir ersparen, gleichsam die technischen Daten einer beinahe unverändert lieferbaren Kamera aus einer Tabelle in einen fortlaufenden Text zu übertragen. Ich möchte daher nur, im Sinne der bisherigen Darstellung, einige wesentliche Eigenschaften der F90 aufzeigen: Neuerungen einerseits, Erstentwicklungen andererseits, die für die weitere Entwicklung von Bedeutung sind oder sein können.

Die wichtigste  mit der F90 eingeführte Eigenschaft ist die von Nikon als 3D-Matrixmessung bezeichnete neuartige Belichtungsmessung. Dabei wird zunächst das Sucherbild in 8 Bereiche aufgeteilt und für jeden Bereich Belichtung und Kontrast festgestellt. Das hat es schon bisher  (im Wesentlichen seit der Nikon FA) gegeben. Die Daten dieser 8 Bereiche werden vermehrt um die Abstandsinformation, welche durch das AF-Messsystem geliefert wird: alle diese Werte werden ausgewertet und die exakte Belichtung wird ermittelt; danach wird ausgelöst.

Fragen Sie mich nicht, wie das im Einzelnen funktioniert, ich weiß nur, dass es funktioniert und die F90 ebenso wie die F90X in gut 95% aller Fälle ein einwandfrei belichtetes Bild auf Diafilm oder auf Negativfilm liefert, ohne dass man sich viel Gedanken über Belichtungskorrekturen etc. machen muss. Sollten Sie dennoch Zweifel haben, Sie können jederzeit auf Spotmessung umschalten, bei der dann etwa 5% des Sucherbildes (in der Bildmitte) gemessen werden. Mittenbetonte Messung im Verhältnis von 75 : 25 % ist ebenfalls möglich, liefert aber in aller Regel bei schwierigen Motiven weniger gute Ergebnisse als die Matrixmessung.

Damit die 3D-Messung funktioniert, bedarf es allerdings der rechnerischen Verbindung von Belichtungsmeßsystem und AF-Messung, m. a. W., zusätzlicher Daten, die durch zusätzliche Kontakte an den Objektiven geliefert werden.

Gleichzeitig mit der F90 hat Nikon daher die D-Nikkore eingeführt, außen am Objektiv neben der Typenbezeichnung als D bezeichnet und erkennbar. Verwendet man kein D-Nikkor, arbeitet die Kamera weiterhin mit Matrixmessung, aber ohne 3D-Messung (unter uns, Sie merken keinen Unterschied, wenn Sie eine Landschaft im Seitenlicht fotografieren, den Himmel im oberen Drittel!). Sollten Sie ein Nikkor ohne CPU verwenden, funktioniert die Matrixmessung nicht, die F90 bzw. die F90X schaltet automatisch auf mittenbetonte Belichtungsmessung um.

Haben Sie ein systemkonformes Blitzgerät angeschlossen wird "3D-Multi-Sensor-Blitzen" möglich, auch bei Tageslicht oder allgemein in heller Umgebung.

Was das bedeutet? Auch bei Tageslicht geblitzte Aufnahmen mit natürlicher Helligkeitsverteilung zwischen Vorder- und Hintergrund. Fotografieren Sie auf diese Weise ein Porträt im Gegenlicht, erhalten Sie natürlich wirkende Bilder ohne silhouettenhaft abgebildete Gesichter und ohne vorherige mühevolle Rechnerei und Verstellung der Belichtungsdaten.

Der Bauteil für die AF-Messung ist neu der CAM246. Er hat einen relativ großflächigen kreuzförmigen Sensor, was bewirkt, dass auch auf Motive einwandfrei scharfgestellt wird, die sich nicht direkt in Bildmitte befinden. Der AF-Sensor ermöglicht auch eine Schärfenachführung, die viel besser und vor allem schneller funktioniert als bei den Vorgängerinnen. Heutzutage ist das nichts Besonderes mehr, 1992 war es ein echter Fortschritt.

Und wer gar nichts einstellen will, oder nur sehr wenig, dem ist mit der Programmeinstellung der F90 geholfen. Nicht nur ein (Normal-Programm) gibt es, nein, zusätzlich stehen sieben Motivprogramme zur Verfügung. So wird etwa im Landschaftsprogramm eine möglichst kleine Blende (5,6, 8, 11) auf Kosten der Belichtungszeit gewählt, um möglichst große Schärfentiefe zu erzielen; außerdem wird berücksichtigt, dass sich bei Landschaften im Querformat in der oberen Bildhälfte der hellere Himmel befindet. Dass Sie vielleicht eine Landschaftsaufnahme im Hochformat machen wollen, dass der Himmel bei einer Gewitterstimmung nicht besonders hell sein dürfte - Kleinigkeiten. Und beim Nahaufnahmeprogramm wird eine größere Blendenöffnung bevorzugt, damit der Hintergrund unscharf wird. Das ist gewiss hübsch, aber damit sinkt leider auch die Schärfentiefe, in vielen Fällen auch sehr praktisch. In Wahrheit sind diese Motivprogramme ja nicht völlig unnütz, aber allein das richtige einzustellen, wofür Sie einen - kleinen - Knopf drücken und gleichzeitig das Einstellrad rechts hinten am Gehäuse drehen müssen, kostet meiner bescheidenen Meinung mehr Zeit als sozusagen "Gehirn einschalten" und nachdenken. Nikon selbst ist von seinem Wunderwerk auch nicht restlos überzeugt. Warum sonst sollte der Erklärung der Motivprogramme in der Bedienungsanleitung unverhältnismäßig viel Raum gegeben werden?

Wem die Stromversorgung der Kamera mit 4 Alkali-Mangan-Batterien der Größe AA nicht reichte, der konnte ab 1994 auch den Hochformatgriff MB-10 samt Batterieteil an die F90 anschrauben. Der MB-10 hat einen zusätzlichen Auslöser, der vor allem, wie der Name des Teils andeutet, bei Aufnahmen im Hochformat eine bequemere Handhaltung ermöglicht. Mangels entsprechender Kontakte im Gehäuse der F90 musste die F90 zur Nutzung des Hochformatauslösers jedoch bei einer autorisierten Werkstatt umgebaut werden - um umgerechnet heute ca. 50 Euro.

Im Zeitalter des Computers liefert auch Nikon Datenrückwände, die schon kleine PCs sind, insbesondere den MF-26 Multi-Control Back, der so nützliche, aber selten benötigte Eigenschaften wie Mehrfachaufnahmen auf ein Dia oder Negativ ermöglicht oder die auf Neudeutsch so genannte "Auto-Bracketing" genannte Methode. Dahinter versteckt sich die gute alte Variation der Belichtung in halben oder drittel Stufen, damit man bei schwierigen Motiven hoffentlich mindestens eine ideal belichtete Aufnahme produziert. Simplen Gemütern wie mir reicht die Einbelichtung der Aufnahmedaten auf den Film, aber ich könnte natürlich viel mehr ........ Simple Gemüter wie ich müssen leider auch immer an Hand der ausführlichen Beschreibung der Funktionen in der Gebrauchsanleitung der Rückwand all die schönen Dinge einstellen, zu denen die Rückwand fähig ist, Fortschritt eben.

 

Nikon F50

Im Jahre 1994  brachte Nikon mit der F50 eine Kamera mit leistungsfähiger Technik, aber einfacher Bedienung heraus, so der Werbeslogan. Gedacht war sie als Nachfolgerin der F-401x, die in die Jahre gekommen und zuletzt nicht mehr recht konkurrenzfähig gewesen ist.

Bezüglich Technik muss man Nikon zustimmen: als AF-Modul wird ein weiterentwickelter AM200 mit Schärfenachführung eingesetzt. Dieser Modul ist 2001 nicht mehr ganz Stand der Technik, ihm fehlt der Kreuzsensor, der sowohl vertikale als auch horizontale Linien im Motiv mit gleicher Sicherheit und Schnelligkeit scharf stellt. Die Kamera bietet Motivprogramme, ein normales Programm mit Shiftmöglichkeit, aber auch Zeit- und Blendenautomatik und selbstverständlich manuelle Einstellung. Die Motivprogramme umfassen die uns heutzutage durchaus vertrauten Programme für Landschaftsfotografie (Tendenz zu längeren Zeiten und viel Schärfentiefe), Porträtprogramm (Tendenz zu geringer Schärfentiefe), Nahaufnahmeprogramm (mit der eigentlich unzweckmäßigen Bevorzugung großer Blenden, um Blumen etc. vor dem Hintergrund freizustellen; ist aber nicht mangelnde Schärfentiefe eines der Probleme beim Fotografieren plastischer Gegenstände?), ferner ein Action-Programm mit kurzen Belichtungszeiten, ein Bewegungsprogramm als Gegenstück dazu (längere Belichtungszeiten lassen das schnell bewegte Motiv verwischt erscheinen), das Silhouettenprogramm und das Nachtprogramm mit längeren Belichtungszeiten bei Blitzaufnahmen, damit der Hintergrund nicht in Dunkelheit verschwindet. Und die Blitzmessung erfolgt in Form der 3D-Matrixmessung mit 6 Messfeldern bei 1/125s kürzester Synchronzeit.

Und was ist mit der einfachen Bedienung?

Damit schaut es ein wenig finster aus. Erstens unterscheidet die Kamera zwischen einem einfachen und einem Modus für Fortgeschrittene, man könnte auch sagen, für die Ahnungslosen und für die Wissenden. Mit einem Druckknopf links vom Sucher schaltet man zwischen beiden Modi um. Je nachdem erscheint, wie ein maßgebendes Werk über Nikon stolz vermeldet, "erstmalig eine LCD-Anzeige mit Punktmatrix", was den potentiellen Käufer wohl ruhig schlafen ließ. Aber darum geht es mir gar nicht.

Also: nach dem Einschalten der Kamera wählen Sie mit dem Betriebsartenwahlschalter zwischen Simple und Advanced. Bleiben wir beim Simple Modus. Sie sehen auf besagter Punktmatrix-LCD Buchstaben, die Abkürzungen für Programmautomatik etc. Nun drücken Sie auf die kleine Taste über P und rufen Sie damit die Programmautomatik auf. Nun erscheinen mehrere Piktogramme mit nach links oder rechts weisenden Pfeilen. Drücken Sie die Taste über einem Piktogramm und schon Sie haben das entsprechende Motivprogramm eingestellt, z. B. das Landschaftsprogramm. Erscheint das gewünschte Piktogramm aber nicht, ist mit anderen Worten die Punktmatrix zu klein, um alle Piktogramme zu zeigen, brauchen Sie bloß die Taste über einem Pfeil zu drücken, allenfalls mehrmals, bis Sie das gewünschte Piktogramm tatsächlich sehen. "Ein gewünschtes Programm lässt sich schnell und mühelos finden", meint ein Maßgebender. Wer die Einfachheit einer Pocketkamera bei größerer Flexibilität suche, finde die Antwort in der F50, schreibt er.

Sein Wort in Gottes Ohr. Andere Firmen haben sich mit einer solch einfachen Bedienung nicht abgegeben, sondern verwendeten schon 1994 und verwenden auch noch heute ein Drehrad mit den entsprechenden Symbolen. Nikon selbst ist im übrigen, wie Sie ja wissen, inzwischen mit seinen neueren Modellen ebenfalls aufs Drehrad verfallen.

Die F50 wird seit 1998 nicht mehr erzeugt und ist durch die F60 (mit Drehrad) ersetzt worden, die aber auch nicht mehr erzeugt wird.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. die F50 ist eine gute Kamera, mit der sich technisch einwandfreie Aufnahmen machen lassen - aber wenn Sie nicht ein ausgesprochener Liebhaber bzw. eine -in von Knöpfchendrücken und Rädchen drehen sind, lassen Sie die Finger davon. Nikon hat das auch eingesehen und baute danach intuitiver bedienbare Kameras.

Nikon F70

Rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft 1994 wurde die F70 angeboten, die in vielen Eigenschaften als Nachfolgerin der F-601 erscheint. Nikon selbst sieht die F70 als Nachfolgerin der F-801s. Wie auch immer, wichtig für die Entwicklung war die Kamera deshalb, weil

  • erstmalig 3D-MultiSensor-Aufhellblitzen mit dem eingebauten Blitzgerät möglich war, was in einfachem Deutsch im Wesentlichen bedeutet, dass mit D-Nikkoren beim Blitzen dieselbe qualitativ hochstehende Messmethode möglich war wie bei F90 und F90X mit den aufsteckbaren Blitzgeräten von Nikon, SB-25 und SB-26 (oder einem seither auf den Markt gekommenen). Mit älteren Geräten, meldet Nikon stolz, kann man auch blitzen (no na!) aber halt leider nicht 3D-MultiSensor-Aufhellblitzen. Damit wurde beim Blitzen ein noch heute gültiger Standard erreicht worden - man kann auch sagen, seither ist nichts Besseres mehr entwickelt worden. Aber im Ernst: mit der F70 und passendem Blitzgerät ist sowohl bei Dunkelheit als auch untertags beim Aufhellblitzen weitgehend sichergestellt, dass das geblitzte Bild naturgetreu erscheint und das früher für Blitzaufnahmen typische Ergebnis (Vordergrund weiß, Hintergrund schwarz, dazwischen hoffentlich ein erkennbares Gesicht) vermieden wird.
  • ein wesentlich schnellerer AF-Modul mit der internen Typenbezeichnung CAM276 verwendet wird, wie er seither auch bei anderen Modellen eingebaut wird, aber nicht bei allen! Ich werde darauf bei den einzelnen Modellen hinweisen, auf die ich noch zu sprechen komme.

Eine weitere Eigenschaft hat viele "User" (tut mir leid, Nikon-Originalton) freilich gewaltig verärgert: ein mehrfarbiger LCD-Monitor mit Symbolen für die wichtigsten Einstellungen, anstatt des von Canon und anderen Erzeugern gewohnte Einstellrades mit aufgedruckten Symbolen. Wie stellt man eine Belichtungsfunktion ein? 1. Funktionstaste an der Kamera drücken; 2. Einstellrad drehen, bis im LCD-Monitor auf der Gehäuseoberseite etwa A (für Zeitautomatik) blinkt. 3. Danach drückt man die SET-Taste und dreht das Einstellrad, bis P erscheint. 4. Passt einem die angebotene Zeit/Blendenkombination nicht, dreht man am Einstellrad (ohne irgendeinen Tastendruck), bis die gewünschte Zeit oder Blende angezeigt wird. 5. Nach Scharfstellung löst der glückliche Fotograf aus und bekommt als Ergebnis vom Fotohändler eine technisch einwandfrei belichtete Aufnahme (falls bei der Verarbeitung kein Fehler gemacht wurde). Wünscht sich aber ein ganz Verwegener ein Motivprogramm, z. B. Porträt, dreht man im obigen Schritt 3 das Einstellrad, bis Ps erscheint. Als Schritt 4 drückt man die Ps-Taste gleich rechts vom Sucher und dreht, aber bitte gleichzeitig, am Einstellrad, bis ein kleines schwarzes Dreieck unter dem gewünschten Piktogramm erscheint (nach längerem Studium der gelungenen Gebrauchsanleitung merkt man sich hoffentlich, was die einzelnen Piktogramme so bedeuten sollen). Als Schritt 6 folgt sodann (oder endlich) der Druck auf den Auslöser etc.

Ich nehme an, Sie verstehen jetzt, warum die Eigentümer dieses Modells mit ihrer Kamera so glücklich sind und warum die Fa. Canon mit ihren gleich teuren Modellen ausgezeichnete Umsätze machte.

Damit Sie mich aber nicht falsch verstehen: ist jemand mit seinem PC samt Windows etc. auf vertrautem Fuß, kommt er durchaus mit einer F70 zurecht. Einmal verstanden, ist die von mir oben geschilderte Bedienung durchaus logisch und verständlich. Ein Nachteil bleibt freilich: um die obigen Schritte 1-5 bzw. 1-6 nachzuvollziehen, müssen Sie die Kamera vom Auge nehmen und in der Praxis brauchen Sie für diese Einstellungen beide Hände.

Ansonsten lässt sich über die Nikon F70 nicht viel sagen. Sie funktioniert einwandfrei, ihre Möglichkeiten reichen, mit entsprechendem Wissen genutzt, für die Praxis mehr als aus. Dem Trend zur Verwendung von 28mm-WW-Objektiven anstelle der Weitwinkel-Objektive mit 35mm und dem größerem Anbot entsprechender Zooms, die auch die Brennweite 28mm umfassen, entsprechend, leuchtet das eingebaute Blitzgerät auch Bilder aus, die mit einem solchen Weitwinkel-Objektiv gemacht werden.

Die F70D ist werksseitig mit einer Datenrückwand versehen, denn die Rückwand kann vom Anwender nicht selbst ausgetauscht werden, ebenso wenig wie die Mattscheibe, eine von Nikon so bezeichnete "BriteView"-Scheibe für besonders helle Wiedergabe des Sucherbildes, nicht übel, werden doch die Objektive nicht eben lichtstärker.

Zwei kleine Mängel hat jede F70 bzw. F70D:

  • Objektive mit Ai- oder Ai-S-Anschluss können zwar verwendet werden, Matrixmessung ist dann aber nicht möglich; die alten Objektive mit Blendengabel sind nicht verwendbar und können heute außer von Bastlern nicht mehr umgebaut werden und auch die neuen G-Objektive ohne Blendenskala können nur mit Programm- und Blendenautomatik verwendet werden.
  • ein üblicher, billiger mechanischer Drahtauslöser zur Vermeidung von Erschütterungen bei der Auslösung kann nicht verwendet werden, ein elektrisches Auslösekabel muss her. Das kostet. Der vergleichsweise hohe Preis schmerzt weniger, weil sich, etwa bei Nachtaufnahmen, der Fotograf den vielleicht 2 Minuten langen Druck auf den mechanischen Auslöser erspart und statt dessen eine Art "T-Einstellung" benützt: erster Druck öffnet, zweiter Druck schließt den Verschluss. Während der Belichtung wird kein Strom verbraucht. Jetzt soll nur keiner einwenden, bei den alten mechanischen Drahtauslösern um ein paar Euro habe es praktische Feststeller gegeben, die genau das bewirkten ..........

Nikon F90X

Die seit 1994 als Ersatz für die F90 verkaufte F90X bietet dank neuer Schaltungen einen um 25% schnelleren AF-Modul, wodurch die F90X unter günstigsten Bedingungen bis zu 4 Bildern/s pro Sekunde scharf stellen und aufnehmen kann. Die F90X unterscheidet sich von der F90 äußerlich kaum. Zur F90X gibt es einen Hochformatgriff MB-10, der ausschaut wie ein Motor mit Handgriff. An den Kameraboden angeschraubt, kann die Kamera sicherer gehalten werden, wichtig besonders bei schweren Zoom- oder Teleobjektiven. Nicht nur bei Aufnahmen im Hochformat kann die Kamera auch an diesem Griff ausgelöst werden, entsprechende Kontakte sind am Gehäuse vorhanden. Dank derselben Gehäuseform konnte der Griff auch an der F90 angeschraubt werden, mangels spezieller Kontakte war, ohne Anpassung des Gehäuses, die Auslösung der Kamera über den Griff aber nicht möglich.

Die F90X ermöglicht, ebenso wie vorher schon die F90, den Blitz mit Belichtungszeiten bis zu 1/4000s zu benutzen, vorausgesetzt, ein geeignetes Blitzgerät von Nikon wird verwendet, das SB26 mindestens. Das funktioniert, indem eine ganze Reihe von Blitzen nacheinander in schneller Folge abgefeuert werden, die das Negativ während der ganzen Zeit des Verschlussablaufes belichten, ein Prinzip, das es von Pentax schon eine Weile gibt.

Letztlich gilt für die F90X dasselbe wie für die F90: Trotz des äußeren Plastikgehäuses ist die F90X nicht mit einer viel billigeren damaligen F50 oder F70 vergleichbar, sie ist nun einmal keine Kamera für den Massenmarkt. Sie ist aber andererseits keine eigentliche Profikamera. Wer kauft sie dann? Spitz gesagt, Amateure, die zuviel Geld haben und die in meiner Jugend noch so genannten ernsthaften Amateure, welche in ihrem ganzen Leben nicht so viele Aufnahmen machen wie ein Profi in einem Jahr und dafür die F90X  schön während der Woche in ihrer Kameratasche aufbewahren und mit anderen Worten, nicht so beanspruchen wie ein Profi. Andererseits sind das vielleicht wirklich die einzigen Leute, welche die F90X kauften, denn die Leute mit zuviel Geld, die ich oben erwähnte, kauften sich ohnehin gleich die F5. Sie hatte ein noch höheres Sozialprestige, ist mit Einstellung auf P relativ einfach bedienbar und schafft ganz wundervolle Bilder von der Tante Hermi vor dem Turm von Pisa bei Sonnenschein (Datum der Aufnahme auf Wunsch rechts unten einbelichtet).

Die Erzeugung der F90X ist im Laufe des Jahres 2001 eingestellt worden.

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Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2009

© 2005 Peter Lausch
 

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