PETER LAUSCH
Die Aufstände der Desmonds

 

Ab dem 16. Jahrhundert versuchte die englische Krone in verstärktem Ausmaß, die Macht der irischen Feudalherren zu brechen. Dies führte zu einer Reihe von Aufstände, die allesamt mit der Niederlage der Feudalherren und letztlich mit ihrer Tötung bzw. der Flucht nach Spanien und Frankreich endeten.

Auch im Südwesten gab es mehrere solche Aufstände. Und die Feudalherren hatten durchaus Grund zu ihrem Widerstand.

In diesem Teil Irlands herrschten u. a. Die Fitzgeralds, die Earls of Desmond  (Desmond ist die englische Form des irischen Wortes für Munster. Um   1550 hatten die Desmonds mehr oder minder ungestört von den Engländern ihre Macht fast 200 Jahre lang ausgeübt. Sie herrschten über ihre Untertanen nach irischen Recht, das damals recht wenig von anglosächsischen Rechtsvorstellungen beeinflusst war, sie hoben auch ihre eigenen Zölle ein, mit denen sie unter anderem ihr eigenes Heer erhielten und bei Bedarf die Dienste von Söldnern kauften.

 Um 1560 jedoch begann der von Königin Elisabeth I. eingesetzte Lord Deputy damit, eine Art Militärgouverneure im Herrschaftsbereich der Desmonds einzusetzen, welche einerseits das militärische Kommando ausüben und sodann die Ordnung (und die Einhaltung englischer Rechtsvorschriften) garantieren sollten.

Dagegen richtete sich der Aufstand von James Maurice FitzGerald, dem damaligen Earl of Desmond, der sich die Unterstützung der wichtigsten Clanherren in seinem Herrschaftsbereich gesichert hatte. Anfangs ging alles gut, aber den Engländern gelang in der Folge eine Reihe wichtiger militärischer Siege; FitzGerald ergab sich schließlich 1573. Als er in der Folge enteignet wurde, flüchtete er sich nach Frankreich. Damit war der 1. Aufstand der Desmonds mit deren Niederlage zu Ende gegangen.

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Die Engländern freilich konnten sich ihres Sieges nicht wirklich erfreuen; daran waren sie zum Teil selbst schuld, indem sie in den folgenden Monaten über 700 so genannte Gallowglasses, irische Söldner, die für FitzGerald gekämpft hatten, hinrichteten. Zu der notwendigen Versöhnung mit den im Land verbliebenen Feudalherren trug das nicht eben bei. Außerdem wurden unter der nunmehr auch im Südwesten gestärkten britischen Herrschaft eine Reihe langjähriger Gewohnheitsrechte des Brehon Law außer Kraft gesetzt, aber auch der Unterhalt private Armeen verboten.

1569 wurde eine Rebellion von Katholiken im Norden Englands gegen die britische Königin niedergeschlagen. Sozusagen Benzin ins Feuer goß daraufhin der ferne Papst, der in einer Enzyklika <Regnans in Excelsis> Elisabeth I anfangs 1570 exkommunizerte. Dies war die Herrschaft der englischen Königin ein potentiell höchst gefährlicher Schritt, denn damit wurden die Katholiken in England ihrer Treuepflicht gegenüber ihrer Königin entbunden. Die Krone reagierte mit einer härteren Politik gegen die Ausübung des nach wie vor weit verbreiteten katholischen Glaubens.

1579 gelang es FitzGerald,  sich der Unterstützung von Papst Gregor XIII, eines ungeheuer wackeren Kämpfers gegen die Ungläubigen zu sichern, Dieser Papst hatte u. a. auch die Pariser Blutnacht gutgeheißen, während der mehrere tausend Protestanten in Frankreich umgebracht wurden. Gläubige Katholiken reden nicht so gern von diesem tausendfachen Mord unter religiösem Vorwand, sondern lieber von der segensreichen Einführung des <Gregorianischen Kalenders> durch denselben Papst.

Papst Gregor XIII stattete FitzGerald nicht nur haufenweise mit Geld aus, sondern überließ ihm auch italienische und spanische Soldaten (die freilich zu einem wesentlichen Teil deshalb freigelassene Gefängnisinsassen, lichtscheues Gesindel, Tagediebe etc. waren, die für ein wenig Geld lieber Kriegsdienste leisten wollten als ein elendes Leben führen).

Mit dieser Truppe also landete FitzGerald  im Jahre 1579 in Smerwick Harbour im heutigen County Kerry. Durch die Soldaten anderer, mit der Herrschaft der Engländer unzufriedener Clans unterstützt, gelang ihm zunächst eine Reihe von kleineren Siegen; schlussendlich wurde jedoch der Aufstand von den Engländern unter Sir William Pelham niedergeschlagen.

Vorher allerdings hatte FitzGerald ein kleines Detachement seiner Truppe nach Carrigafoyle Castle am Südufer des Shannon entsandt, damit sie dort die für die Kontrolle des Schiffsverkehrs auf dem Shannon nach und von Limerick wichtige Schifffahrtsroute sichern und im Bedarfsfall auch diese wichtigste Befestigung im Norden Munsters sichern konnten.

Doch zu Ostern 1580 wurde Carrigafoyle Castle nach nur zweitägiger Belagerung durch englische Soldaten zerstört. Die Besatzung, soweit nicht im Kampf gefallen, wurde ausnahmslos aufgehängt, einschließlich ihres Kommandanten, eines Italieners namens Captain Julian.

Das Drama war damit noch nicht zu Ende. Denn im September 1580 landeten 600 päpstliche Soldaten in Smerwick Harbour, wurden dort jedoch von den Englängern eingeschlossen, gerieten in eine hoffnungslose Lage und ergaben sich schließlich. Alle wurden sie daraufhin umgebracht. Die Folklore sagt, die Engländer brauchten 2 Tage, um sie zu köpfen und in einem heute noch als <Schneidefeld> bezeichneten Grundstück einzuscharren, die Köpfe indessen im <Feld der Köpfe>. Infolge Bodenerosion spülen die gegen das Land anstürmenden Wogen des Meeres in den letzten Jahren immer wieder kopflose Skelette und Totenschädel frei.

Der Aufstand (Historiker nennen ihn die 2. Desmond-Rebellion) endete letztlich erst 1583 – da wurde der abgeschlagene Kopf des letzten Anführers in London bei Königin Elisabeth I. abgeliefert. Ob sie den zweifellos bereits stinkenden Schädel persönlich in Augenschein nahm, ist nicht überliefert, aber unwahrscheinlich. Dafür wird eine englische Königin wohl Leute haben.

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Die Bilanz war für die irischen Clans verheerend: der Sieg der Engländer war total, führte zur Enteignung der Clans, deren Besitztümer von Gefolgsleuten der Königin übernommen wurden; die brutale Kriegsführung kostete mehreren zehntausend Männern, Frauen und Kindern, wohl einem ganzen Drittel der Bevölkerung, das Leben – die Überlebenden und ihre Nachkommen mussten sich von nun der englischen Herrschaft fügen und gerieten in den folgenden Jahrhunderten  immer mehr ins materielle und geistige Elend. Höhepunkt (oder vielmehr: Tiefpunkt) war sicherlich die Große Hungersnot Mitte des 19. Jahrhundert, als ca. 1 Million irischer Männer, Frauen und Kinder am Hungertod starben (währenddessen Fleisch und Lebensmittel nach England exportiert wurden) und eine weitere Million in der Folge zur Auswanderung gezwungen wurde, teils von den Verhältnissen, teils von den Grundherren, die sie einfach los werden wollten.  Ein Begriff möge genügen und eine einzige kleine Suche bei Google: „coffin ships“.

 

 

 
Erstellt:
10. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch

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