NIKON D1X & D1H

    PETER LAUSCH

    

 

 

Ersatz für die Nikon D1

Im Februar 2001 hat die Nikon Corp. gleich zwei Nachfolgerinnen für die seit September 1999 bei uns erhältliche digitale SLR Nikon D1 für Professionals angekündigt, die D1X und die D1H.

Rückblick auf die D1:

Die im Juni 1999 offiziell vorgestellte Nikon D1 war die erste digitale Spiegelreflexkamera, die von einem der klassischen Kamerahersteller selbst entworfen und gebaut wurde. Insofern ist die D1 ein wichtiger Schritt für Nikon gewesen. Nikon befreite sich mit dieser Kamera letzlich vom guten Willen von Kodak bzw. Fuji, für deren Produkte Gehäuse von Nikon zu verwenden - Kodak hat auch Gehäuse von Canon für digitale SLRs mit vergleichbaren Eigenschaften wie die auf der Grundlage von Nikon-Kameras gebauten verwendet.

Nicht nur war die D1 mit einem Verkaufspreis von anfangs ca. $ 5.000 viel preiswerter als die noch am eheste von den Eigenschaften her vergleichbare Kodak DCS 620 mit einem Verkaufspreis von anfangs über $ 12.000, sie besaß auch einen leistungsfähigeren Sensor mit einer 2,74 Megapixel CCD (Kodak DCS 620: 2,0 MB). Dieser Unterschied war für die professionellen Anwender vielfach entscheidend, wurden doch mit der D1 im Vergleich mit der Konkurrenz von Kodak entweder größere Ausdrucke bei gleicher Qualität oder bei gleicher Größe mit einer höheren Druckqualität möglich.

Einen Nachteil hatte die Nikon D1, aber den teilt sie bis heute mit fast allen digitalen Kameras für Pofis und für den Amateurmarkt: das nutzbare Bildformat der Kamera ist etwa halb so groß wie das Kleinbildformat auf traditionellem Film: 23,6x15,5 mm bei der D1 gegenüber 35x23,3 mm bei Kleinbildkameras. Der Sensor ist damit auch kleiner als das APS-Format und entspricht so in etwa dem früheren, aus der Mode gekommenen Halbformat auf traditionellem Film von ca. 23,3x17,5 mm. Der Sensor der D1 (und der anderen digitalen Profikameras wie etwa der etwas späteren Canon Eos-D30) ist aber vergleichsweise riesengroß, verglichen mit den gängigen 1/1,8 inch großen Sensoren in den digitalen Amateurkameras (5,52x4,14 mm). 

Dieses vergleichsweise kleine Aufnahmeformat bedeutet bei Verwendung von Objektiven mit Nikon F-Bajonett, dass sich die Brennweite um den Faktor von ca. 1,5x verlängert. Gut für Fotografen, die Wildtiere aus gehörigem Abstand fotografieren, weniger gut für Leute, welche mit Weitwinkelobjektiven Innenaufnahmen machen wollen. 

Viel ließe sich zu diesem Thema sagen, etwa darauf hinweisen, dass alle Sensoren bauartbedingt nur mehr oder minder senkrecht auftreffende Lichtstrahlen einwandfrei verwerten können - diese Voraussetzung wird mit KB-Objektiven erreicht, weil ja die Randstrahlen ausgeblendet werden. 

   

Die wichtigsten Besonderheiten der beiden Kameras

D1X:

Der Sensor weist bei einer Größe von 23,7x15,6 mm ein Auflösungsvermögen von 5,3 MB auf, also etwa doppelt so hoch wie bei dem praktisch gleich großen Sensor der D1. Die Kamera schafft bis zu 3 Aufnahmen pro Sekunde, der eingebaute Speicher ermöglicht mit dieser Geschwindigkeit insgesamt 9 Bilder (es gibt neuerdings auch einen zusätzlichen RAM-Modul, nach dessen Einbau tatsächlich bis zu 21 Aufnahmen hintereinander möglich sind) aufzunehmen, ehe er voll ist und die Bilder auf die Speicherkarte oder den Microdrive übertragen werden müssen. Selbst im RAW-Format sind es noch 6 Aufnahmen in Folge. Bei Einzelaufnahmen ist praktisch eine sofortige Aufnahmebereitschaft nach einer Aufnahme gegeben und fallen die lästigen Zwangspausen weg, während der die Kamera auf das Speichermedium speichert. Nach dem Einschalten ist die Kamera faktisch sogleich aufnahmebereit (siehe hingegen Amateurkameras!) und die Auslöseverzögerung ist mit 58 ms zwar deutlich größer als etwa bei einer Leica, aber immer noch sozusagen um ein Haus besser als bei den Kameras für den Amateurmarkt. Mit der D1X werden tatsächlich Schnappschüsse möglich, bei denen es auf den "fleeting moment" ankommt. 

Der elektronische Verschluss ermöglicht Belichtungszeiten bis zu 1/16000 Sekunde, die Synchronisation mit Blitzgeräten ist bis 1/500 Sekunde möglich, mit geeigneten Blitzgeräten im FP-Modus auch bis 1/8000 Sekunde. Damit wird bei allen Tageslichtaufnahmen die TTL-gesteuerte Blitzaufhellung der Schatten komplikationslos möglich und weithin automatisch ermöglicht.

Über die Nikon D1X (und die D1H) gab es bei Nikon Deutschland  eine ausführlichen 16-seitigen Broschüre, die übers Internet als .pdf-Datei abrufbar war und in der man alle hier nicht erwähnten Details nachlesen konnte. Erstaunlicherweise gibt es diese Unterlagen auch heute noch, wenn auch unter anderer Adresse. Nikon mag keine <deep links>, also geht man von der Produktaufstellung, über den Links links ins Archiv und findet dort an der richtigen Stelle die Unterlagen.

D1H:

Die D1H hat in ihrem Gehäuse aus Magnesium einen neuen Speicherchip mit einer Größe von 23,7 x 15,6 mm für  2000 x 1,312 Pixel eingebaut.  Auch bei der Nikon D1H wird daher das volle Kleinbildformat 24 x 36 mm nicht erreicht; nach wie vor wird daher bei Verwendung von Objektiven für das Kleinbildformat die auf den Objektiven angegebene Brennweite scheinbar verlängert, ähnlich wie schon früher bei den Kameras für das APS-Format. Das bedeutet aber nach wie vor auch, dass Weitwinkelaufnahmen nur dann als solche wirken, wenn sie mit starken Weitwinkelobjektiven aufgenommen wurden und es bedeutet umgekehrt, dass mit Teleobjektiven für Kleinbildkameras eine stärkere Wirkung erzielt wird. Das ist man schon gewöhnt und so lange die Fläche der von Nikon verwendeten Chips nicht vergrößert wird, wird sich daran nichts ändern. Auch Nikon hat seinerzeit versucht, durch ein Linsensystem im Kameragehäuse diese Eigenschaft auszugleichen, ist davon aber wieder abgekommen. Zwar gibt es heute bereits digitale SLRs mit einem Vollformatchip hauptsächlich von Canon und Kodak, von Nikon hört man nichts dergleichen: Nikon versucht statt dessen, das aufgezeigte Manko bei Weitwinkelaufnahmen durch Objektive mit immer kürzerer Brennweite (der neuen DX-Serie) auszugleichen, auch um den Preis der mangelnden Verwendbarkeit mit (Film-) SLRs, weil das Filmformat 24x36 mm nicht mehr ausgeleuchtet wird.

Dieser Sensor liefert Bilder von 2,7 MB Größe; dank der kleineren Dateien schafft sie dafür insgesamt 40 Bilder mit einer Geschwindigkeit von 3 Bildern/Sekunde, ehe der Speicher voll ist und die Kamera eine Zwangspause einlegt.

Damit wird auch schon erkennbar, dass die D1H die eigentliche Nachfolgerin der Nikon D1 ist und dass ihr Hauptanwendungsgebiet in der Sportfotografie und überhaupt in der Reportagefotografie liegt.

Auch über diese Kamera gibt die bereits erwähnte Broschüre von Nikon erschöpfend Auskunft.

Nur am Rande: die Nikon D1H hatte einen empfohlenen Verkaufspreis von 6.900 Euro.

Hinweis:

Sollten Sie weitere Informationen über die Geschichte der Erzeugerin dieser beiden neuen digitalen SLRs oder über die Vorgängermodelle der Nikon D1 wünschen , empfehle ich - unter anderem - allgemein meine Geschichte der Nikon und hinsichtlich der digitalen SLRs deren entsprechendes Kapitel.

 
Zuletzt ergänzt am 23. Juli 2009
© Peter Lausch