Inhalt

Einleitung

AHNEN

URLEICA

LEICA I

Compur-
LEICA

1. Objektive

LEICA II

Standard-
LEICA

LEICA III,
IIIa IIIb,
IIIc,
IIId etc.

LEICA IIIf

LEICA IIIg

LEICA M2

LEICA M3

LEICA M1

LEICA M4

LEICA M5

LEICA M6

LEICA M7

Ausklang

1931 mit
der LEICA
fotogra-
fieren

Bedienung
einer Schraub-
LEICA

Kauf einer
gebrauch-
ten LEICA?

Literatur

Hochmut vor dem Fall 

 

 

Die Compur-Leica

 

Leider, die LEICA war recht teuer. 

Daher wurde ab dem Jahr 1926 von Leitz zusätzlich die Compur-LEICA angeboten. Viel billiger war sie allerdings auch nicht als die LEICA mit Schlitzverschluss. Kostete diese damals RM 220.,-, kostete das Modell mit dem Compur RM 192.-, beide mit Elmar 3,5/50 mm ausgestattet.


Das Gehäuse dieser Kamera entspricht dem Gehäuse der LEICA I. Allerdings fehlt der Schlitzverschluss. Statt dessen ist zwischen der zweiten und den verkitteten dritten und vierten Linsen des fest eingebauten Elmar 3,5/50mm ein Compur-Zentralverschluss der Fa. Deckel mit den Zeiten 1s – 1/300 sec. und B sowie T eingebaut. 

Infolge der räumlichen Trennung von Verschluss (vorne im Objektiv) und Filmtransportmechanismus (im Gehäuse der Kamera) fiel die Kopplung von Filmtransport und Verschlussaufzug, wie sie für die LEICA charakteristisch war, weg. Der Benützer musste in zwei gesonderten Schritten den Film weiterdrehen und ferner den Verschluss aufziehen. Vergaß man den Filmtransport, konnte man durchaus eine zweite Aufnahme auf das selbe Filmstück machen (schön, wenn man Doppelbelichtungen im Sinn hatte, ansonsten aber recht ärgerlich). 

Compur-LEICAS sind heute sehr selten, denn sie verkauften sich nicht gut. Bis zur Produktionseinstellung der oben abgebildeten ersten Variante (die große Kamera ist ein Demonstrationsmodell ohne Funktion) im Jahr 1929 wurden nur ca. 630 Stück hergestellt. Sie sind nach meiner bescheidenen Meinung nicht gerade schön anzusehen, vor allem nicht mit ausgezogenem Objektiv in Aufnahmeposition. Der dünne Objektivtubus mit dem doch ein wenig unförmigen Auswuchs des Verschlussgehäuses an der Vorderseite der Kamera ist sozusagen gewöhnungsbedürftig. 
   
Andererseits wiesen sie einige Vorzüge auf (aus denen sich durch Umkehrschluss natürlich auch einige Schwächen der LEICA I ergeben): Der wichtigste Vorteil der Compur-LEICA ist der Verschluss mit der Möglichkeit, die langsamen Zeiten von 1 – 1/20 sec. zusätzlich zu den kurzen Verschlusszeiten (kürzesten Verschlusszeit von 1/300 sec.) einzustellen. Hingegen standen ei der LEICA I mit Schlitzverschluss nur die Zeiten von 1/20 – 1/500 sec. zur Verfügung. Berücksichtigt man die damals nur geringe Filmempfindlichkeit (vergleichbar heutzutage etwa ISO 10 – 12, als Beispiel dient der von PERUTZ hergestellte orthochromatische, daher rotunempfindliche LEICA-Spezialfilm mit einer Empfindlichkeit von damals 17° Scheiner) wird klar, dass der Benützer der LEICA mit Schlitzverschluss sozusagen nur bei Schönwetter aus freier Hand unverwackelte Aufnahmen machen konnte. Was man heute mit einem gängigen Film von 100 ISO mit Bl. 8 und 1/125 sec. Verschlusszeit aufnimmt, konnte man damals eben nur mit Bl. 8 und 1/20 sec aufnehmen. Damit war der LEICA-Fotograf des Jahres 1926 jedoch auch bei sonnigem Wetter bei Landschaftsaufnahmen zu sehr langen Belichtungszeiten gezwungen, falls er nicht die Blende seines Elmar weit öffnete, was einerseits die Schärfentiefe verringerte und andererseits die – relativ – schwache optische Leistung bei den großen Blendenöffnungen offenbarte. Das wurde nicht kritisiert - Besseres war man damals ja nicht gewöhnt.


   

Von der zwischen 1929 und 1931 gebauten zweiten Variante der Compur-LEICA mit dem sogenannten Ring-Compur wurden knapp 800 Stück verkauft.
   
Naturgemäß sucht man bei beiden Varianten vergeblich nach einer Blitzsynchronisation. Die gibt es ja bei der LEICA I nicht und sie fehlt auch bei der Compur-LEICA. Erst viele Jahre später gab es LEICAs mit Blitzsynchronisation und auch heute noch ist bei den M-LEICAs die langsame Synchronzeit ein – überwindbares – Hindernis bei der Blitzaufhellung bei Tageslicht – wer hier heutzutage perfekte Lösungen will, kauft sich eine Nikon SLR oder eine Canon oder ..... 

Im Jahre 1926 war von Blitzsynchronisation aber ohnehin noch nicht die Rede. Indessen konnte der Unverzagte durchaus blitzen, nach der Offenblitzmethode nämlich: Kamera im dunklen Raum oder bei Nacht im Freien auf Stativ stellen, Einstellung auf B oder T, offenes Blitzpulver, oder Pulver in Säckchen für die Ungeschickten, sachgerecht gezündet, große Flamme, großer Knall, hoffentlich richtig belichtet. Die aufgerissenen Augen der abgebildeten Personen stammen meist nicht vom Schreck über den Blitz, sondern in der Dunkelheit vor der Aufnahme haben sich einfach die Pupillen weit geöffnet.
   
Falls Sie das Geld aufbringen wollen für eine Compur-LEICA, achten Sie darauf, es gibt vom Verschluss wie gesagt zwei Versionen: die ältere hat auf der Oberseite ein kleines Einstellrad für die Verschlusszeiten, die jüngere (und wie ich meine, relativ schönere der Beiden) einen äußeren Ring mit Verschlusszeiten, so wie man ihn von vielen deutschen Kameras der 50er- und 60er-Jahre kennt.
   
Sollten Sie sich zum Kauf entschließen, wird das kein billiges Vergnügen: Eine durchschnittlich erhaltene Compur-LEICA der späteren Version (Ringcompur) kostet Sie um die 900 Euro, aber schon vor bald 20 Jahren wurden bei Versteigerungen für einzelne, besonders schöne Exemplare auch weit höhere Preise erzielt. Bei einer Auktion in Wien Ende 2002 legte der Meistbieter über 10.000 Euro für ein sehr schönes Exemplar der 1. Version auf den Tisch des Hauses.

Wie das? Nun, erstens ist die Kamera die einzige LEICA mit einem Zentralverschluss. Zweitens wurde sie in kleiner Auflage erzeugt. Drittens ist sie alt und etliche Exemplare werden den 2. Weltkrieg wohl nicht überstanden haben. Viertens werden manche als altmodisches Zeug und defekt in den Mistkübel gewandert sein. Daher dürften bestenfalls 3-400 Stück überhaupt noch existieren. Fünftens hat sich die Zahl der Sammler von alten Kameras dramatisch vermehrt. Sechstens wandert jede alte LEICA in dieser Preisklasse in eine Vitrine und bleibt dort, bis der Sammler stirbt. Dann werfen sie die - diesbezüglich jedenfalls glücklichen - Erben auf den Markt. Daher sind sie nur selten zu bekommen - das erhöht den Preis.

Und das gilt naturgemäß nicht nur für die Compur-LEICA, sondern auch für andere seltene Ausführungen. Denken Sie an die Luftwaffen-Leicas, die als Zielkameras in deutsche Jäger eingebaut wurden und mit diesen gemeinsam abgeschossen wurden und verloren gingen. Daher waren die von Leitz an die deutsche Luftwaffe gelieferten und speziell markierten Leicas zwar nicht selten, aber nur wenige haben überlebt. Das erklärt den Preis echter Luftwaffen-Leicas, aber auch das Auftauchen von Fälschungen zu wohlfeilem Preis.
   
Ähnliches gilt auch für Kameras, die in größerer Zahl erzeugt worden sind, weil es dabei auch seltene Varianten gibt. Die Leica I wurde in 70.000 Exemplaren erzeugt. Eine Leica I mit Anastigmat ist fast doppelt so teuer wie eine mit Elmax-Objektiv, die etwa 1500 Euro kostet, während das Volumens-Modell mit Elmar  so um 900 Euro kostet. Und für eine LEICA I mit Hektor 2,5/50 mm müssen Sie an die 3500 Euro  bezahlen.

 

 

Hinauf

Peter LAUSCH
Zuletzt geändert am 
12.12.2004

Rechtliches

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