PETER LAUSCH
Carrigafoyle Castle

Carrigafoyle Castle liegt ein wenig
abseits, aber mit einigen Tipps ist es dennoch leicht zu finden:
In Tarbert am Südufer des Shannon
ändert die N69 von Limerick her die Richtung und führt nach Süden Richtung Listowel
und Tralee. Auf Tarberts Main Street fährt man auf dieser
Kreuzung geradeaus und gelangt auf die R551 nach Ballylongford und nach
diesem Ort dann nach etwas mehr als 1 Kilometer Richtung Norden zum durch Wegweiser angezeigten Castle.
Mögliche Alternative ist, von Ennis aus auf der N68 nach Südwesten zu
fahren und dann nach Killimer am Nordufer des Shannon abzubiegen und hier per
Autofähre den Shannon zu überqueren. Die Fähre verkehrt tagsüber häufig, ist nicht teuer und legt ein wenig außerhalb Tarberts an.
Carrigafoyle Castle hat sich als Ruine
erhalten. Erbaut Ende des 15. Jahrhunderts ist sie eine für die damalige
Zeit typische Befestigungsanlage. Sie bestand ursprünglich aus dem heute
noch sichtbaren durch Beschuss teilweise zerstörtem Turm mit einer Höhe von ca. 28 Metern,
und einem
weiteren, kleineren Turm, der sich in Ansätzen erhalten hat,
Nebengebäuden und einer befestigten Umfassungsmauer samt Graben davor.
Diese Mauer wurde nachträglich absichtlich zerstört, um eine allfällige
Benützung der Anlage bei kriegerischen Auseinandersetzungen nach
Möglichkeit zu erschweren.
Charakteristisch ist die Lage am Südufer des Shannon inmitten einer
weiten Marschlandschaft, die bei Sturmflut überschwemmt wird - was schon
manchen Besuchern einen längeren Aufenthalt beschert hat. Die
Umfassungsmauern reichten bis in den Fluss, auf diese Art entstand ein
kleiner Hafen, der die geschützte Anlandung von Schiffen während der
Flut ermöglichte.
Wie alle diese Türme (siehe etwa
Kildavnet Castle oder
Rockfleet Castle) diente auch Carrigafoyle Castle
militärischen Zwecken, im konkreten Fall der Kontrolle des
Schiffsverkehrs auf dem Shannon nach und von Limerick.
Die Burg selbst und das umliegende Land
gehörte um 1580 schon seit langem dem Desmond-Clan, der sich in der so
genannten 2. Desmond-Rebelion der englischen Krone widersetzte. Ohne
jetzt auf die geschichtliche Auseinandersetzung hier einzugehen (siehe
aber hier) nur so viel, dass im Frühjahr 1580 in der Burg eine Garnison
von 50 irischen Soldaten und 16 spanischen Soldaten untergebracht war.
Die Spanier gehörten zu einer Gruppe von spanischen Söldnern, die im
Auftrag und mit dem Geld von Papst Gregor XIII. (auch eine wahre
Lichtgestalt,
Näheres hier!) nach Irland gekommen
waren, um gegen die vom Papst exkommunizierte britische Königin
Elisabeth I und ihr Heer zu kämpfen. Die Exkommunikation war ernst zu
nehmen, denn infolgedessen waren die katholischen Iren von ihren
Treupflichten gegenüber der britischen Krone entbunden worden;
Widerstand gegen die Krone konnte danach nicht als irgendwelche Streitereien
mit britischen Soldaten abgetan werden, sondern war schlicht und einfach
Hochverrat. Das erklärt auch das Verhalten der Briten in dieser
Auseinandersetzung.
Im Frühjahr 1580 waren die Ausbesserungsarbeiten an den Befestigungsanlagen noch
nicht abgeschlossen, die mit Ankunft der Spanier unter Leitung des zu
dieser Truppe gehörigen Italieners Captain Julian begonnenen worden
waren.
Die Briten unter dem Kommando Sir
William Pelhams zogen mit einer Armee von ca. 600 britischen Soldaten
(nicht alle Engländer, zum beträchtlichen Teil auch irische Söldner)
heran und griffen kurz vor Ostern Carrigafoyle Castle mit insgesamt 3 Kanonen, die
je 16 Kilogramm schwere Geschoße abfeuern konnten und einer noch
größeren Kanone an. Zusätzlich wurde von 3 Kriegsschiffen die
Befestigungsanlage auch vom Fluss her beschossen. Ein Infanterieangriff
am Palmsonntag wurde noch abgewiesen, doch am folgenden, zweiten Tag der
Belagerung, hielt der Turm der Beschießung nicht mehr stand: nach
mehreren Volltreffern brach er auseinander und begrub etliche
Verteidiger unter sich.
Die Überlebenden der Beschießung wurden beim
nachfolgenden Sturmangriff der Infanterie getötet oder gefangen
genommen, einige flohen ins Marschgebiet, wurden dort aber anscheinend alle
eingefangen bzw. an Ort und Stelle umgebracht.
Alle Überlebenden der Besatzungstruppe
wurden aufgehängt, der Kommandant Captain Julian, von dem sonst nichts
bekannt ist, wurde 3 Tage nach der Eroberung, nachdem er <befragt>
worden war, als letzter hingerichtet.
Carrigafoyle Castle wurde bei dieser
Belagerung so schwer beschädigt, dass es nie wieder aufgebaut bzw.
repariert wurde. Heute ist es Staatseigentum und in den letzten Jahren
renoviert und abgesichert worden, um Unfälle von neugierigen und allzu
waghalsigen Touristen nach Möglichkeit zu vermeiden. Diese Arbeiten sind
seit einiger Zeit abgeschlossen, sodass die Ruine nunmehr wieder
besichtigt werden kann. Man kann ins Innere hineingehen und - mit ein
wenig Fantasie - an Hand der aus der Wand ragenden Kragsteine die
Geschoßaufteilung nachvollziehen. Wie in ähnlichen Befestigungen auch
dürfte pro Etage ein einziger Raum vorhanden gewesen sein; erreichbar
waren die einzelnen Geschoße durch eine in die Wand eingelassene Treppe
- die einstigen Eingänge in die (heute bodenlosen) oberen Geschoße sind nunmehr durch massive Gitter gesichert.

Wer die mehr als 100 Stufen der Treppe
nach oben steigt, hat vom obersten Geschoß aus einen weiten Blick - auf eine allerdings einigermaßen reizlose Landschaft.
Doch - ebenfalls mit ein wenig Fantasie
- kann man sich dort oben durchaus in die Rolle eines spanischen oder
italienischen Soldaten hineinversetzen, dem sich der Anblick des
englischen Heeres mit seinen Kanonen und Lagerfeuern darbot. Wer will,
kann sich
auch Gedanken darüber machen, was wohl ein Verteidiger angesichts einer solchen Übermacht von Feinden
empfand, in einem Land, dessen Sprache er nicht verstand und von dessen
Politik er nichts wusste.
Zyniker würden wahrscheinlich sagen:
Selber schuld.
Erstellt: 7. Juli 2011
© 2011/Peter Lausch
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